mini|Blick vom Oderturm auf das Hauptgebäude der Europa-Universität Viadrina (rotes Dach) 2012 mini|Außenansicht Große Scharrnstraße mini|Blick von Nordwesten 1906 mini|Blick von Südwesten 1901. Links sind Bauarbeiten erkennbar. Rechts steht die Kaserne des Leib-Grenadier-Regiments Nr. 8. Das Regierungspräsidium ist ein Gebäude im Stadtzentrum von Frankfurt (Oder). Es wurde 1898 bis 1903 als Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Frankfurt (Oder) errichtet, war seit 1952 Sitz von Rat und Tag des Bezirks Frankfurt (Oder) und ist seit 1991 Hauptgebäude der Europa-Universität Viadrina.
Lage und Umgebung mini|Lageplan 1891 mini|Lageplan 1906 Als Bauplatz wurde das Grundstück der alten Regierungsgebäude an der Regierungsstraße gewählt. Er wurde durch den Zukauf des südlich anliegenden, bis zu Logenstraße reichenden Humboldtplatzes erweitert.
Nördlich des Gebäudes erweitert sich die Regierungsstraße platzartig bis an die Marienkirche heran. Nach Süden öffnet sich das Regierungspräsidium mit einem Ehrenhof zu Logenstraße. Im Westen wird das Grundstück von der Großen Scharrnstraße begrenzt. Das Gebäude folgt den Straßenfluchten mit einer leichten Schwenkung südlich des Mittelbaus nach Westen. Dadurch wurde die Sichtbarkeit von der Großen Scharrnstraße her verbessert. Im Osten wird das Grundstück von der Priestergasse abgeschlossen. Die West-Ost-Mittelachse folgt dem ehemaligen Verlauf der Gubener Mauerstraße.
Im Norden des Regierungsgebäudes steht die Marienkirche. Im Osten folgt hinter der Priestergasse der Universitätsplatz mit Auditorium Maximum und Studentenwohnhochhaus der Europa-Universität Viadrina auf dem ehemaligen Gelände der Kaserne des Leib-Grenadier-Regiments Nr. 8. Im Süden stehen an der Logenstraße ein Bürogebäude und das ehemalige Amtsgericht dem Regierungspräsidium gegenüber. Im Westen trennt die Großen Scharrnstraße das Gebäude vom Einkaufszentrum Oderturm.
Architektur
Äußere Gestalt Die Außenfassade des Regierungspräsidiums ist in Anlehnung an mehrere zur Bauzeit noch vorhandene Frankfurter Gebäude in schlichtem, neobarockem Stil gehalten. Das waagerecht kräftig gequaderte Erdgeschoss ist durch ein wenig hervortretendes Gurtgesims abgeschlossen. Die oberen beiden Geschosse sind zusammengefasst und haben in den Rücklagen nur 0,5 cm im Putz hervortretende Wandstreifen. Dort sind Eckbauten und Hauptmittelbau durch Sandsteinpilaster oder Dreiviertelsäulen senkrecht gegliedert. Die Fenster des 1. Obergeschosses sind mit kräftigen Fensterverdachungen versehen. Diese Fensterverdachungen zeigen bei den Eckbauten reichere, doppelt geschwungene, in der Mitte zu doppelten Voluten aufgerollte Linien mit kräftigem plastischem Schmuck. Der auffällige Hauptmittelbau lässt den Hauptsitzungssaal klar erkennen. Den oberen Abschluss bildet ein steiler Giebel mit Wappen- und Trophäenschmuck.
Nicht mehr vorhanden sind: zwei Attikavoluten; sie zeigten zwei sinnbildliche Plastiken; links die Gesetzgebung und rechts den Handel. das hoch über die übrigen Dächer hinausgehobene Mansardzeltdach des Mittelbaus; es wurde von einem kupfernen laternenartigen Aufbau gekrönt. Über dessen Kugelknauf erhob sich ein in Kupfer getriebener Adler, der eine Schlange in den Fängen hielt. leichte Firstgitter, die die kleinen Plattformen auf den Eckbauten zierten. Licht- und Luftverhältnisse sind durch das freistehende Gebäude mit Binnen-, Licht- und Ehrenhof sehr gut.
Das Sockelgeschoss ist mit gelblichem Herrenleither Sandstein verblendet. Gurtgesims, Fensterlaibungen und die Architekturteile der Erdgeschossfenster sind aus dem gleichen Material. Das Erdgeschoss war mit Terranova-Putz in gleicher Farbgebung des Sockelgeschosses versehen. Die Fenster des ersten Stockwerks, die Lisenen und Pilastergliederungen der Risalite, die Attika und die Dachaufbauten bestehen aus weißlichem Alt-Warthauer Sandstein. Die wenig hervortretenden Fensterumrahmungen des zweiten Stockwerks und das Hauptgesims wurden aus dem günstigeren Cottaer Sandstein gefertigt. Für die Gestaltungselemente am Hauptmittelbau in der Großen Scharrnstraße wurde Wünschelburger und Friedersdorfer Sandstein verwendet. Die glatten Flächen der oberen Geschosse waren mit Förderstedter Zementkalk verputzt, der durch Hinzufügung von 1/80 Umbra eine leicht gelbrötliche Färbung erhielt. Der Lichthof wurde mit Sommerfelder Verblendsteinen und rot und grün glasierten Steinen verblendet.
Der Lichthof in der Mitte wird von zwei die Ost und Westflügel verbindende gleichlaufende Gebäudeflügeln umschlossen.
Ursprüngliche innere Aufteilung mini|Aktenraum mit den Arbeitsplätzen für Registratoren 1906 Der nördliche der beiden Flügel wurde Registraturflügel genannt und war für die Unterbringung der Akten und Registratoren bestimmt. Ein bis 100 kg belastbarer Aktenaufzug führte vom Sockel- bis zum Dachgeschoss.
Im 3,20 m hohen Sockelgeschoss befanden sich sechs Dienstwohnungen für Heizer, Boten, Kutscher und Pförtner sowie eine Umdruckanstalt. Dort waren zudem ein Pferdestall mit Geschirrkammer und Wagenremise für den Regierungspräsidenten sowie Heizungsräume untergebracht.
Im 4,50 m hohen Erdgeschoss lagen die Geschäftsräume, die den meisten Publikumsverkehr hatten. Das waren die Regierungshauptkasse mit den Buchhaltereien, die alle in einem Saal im südlichen Verbindungsflügel untergebracht waren. Ferner waren die Räume für die Steuer- und Katasterverwaltung sowie die Steuer-Veranlagungskommission angeordnet.
Im 5 m hohen Hauptgeschoss befanden sich die Präsidialabteilung, der Bezirksausschuss, die Festräume, die Dienstwohnung des Regierungspräsidenten, das Arbeitszimmer des Regierungspräsidenten und der Hauptsitzungssaal, der auch für größere Feste genutzt wurde. Der Hauptsitzungssaal reichte durch beide oberen Geschosse. Das zweite Geschoss enthielt die Räume für die II. und III. Abteilung sowie im östlichen Kopfbau an der Logenstraße die Dienstwohnung des Präsidialsekretärs.
Im Dachgeschoss war das Archiv eingerichtet, das durch Rabitzwände und -decke gegen den Dachbodenraum abgeschlossen war.
Die Dienstwohnung des Regierungspräsidenten reichte durch alle vier Geschosse: Das Erdgeschoss enthielt Küche, Nebenräume und eine Kastellanwohnung, der zweite Stock Schlafräume und der Keller Wirtschaftsräume.
Ursprüngliche innere Gestalt mini|hochkant|Hauptsitzungssaal 1906 Der Hauptsitzungssaal hatte eine langgestreckte, galerieartige Grundrissform und war mit einem Monier-Tonnengewölbe überdeckt. Neben den Hauptfenstern gab es elliptische, in das Gewölbe eingeschnittene Oberlichter. Die Wände wurden mit einem 1,50 m hohen dunkelbraunem Holzpaneel verkleidet. Die Wände wurden hellgelb gestrichen und wiesen echte Vergoldungen auf. Wände und Decken wurden mit Gipsstuck versehen. An der nördlichen Schmalwand hing ein von Kaiser Wilhelm II. verliehenes Porträt von ihm, das von Ludwig Noster gemalt worden war. Darüber befand sich eine mit einem reich vergoldetem Gitter versehene Öffnung zu einem Schrankraum, der bei Festen als Musikerloge genutzt wurde. mini|Haupttreppenhaus 1906 Das Haupttreppenhaus wurde nicht nach dem ursprünglichen Entwurf, sondern freier und mit mehr Verzierungen gearbeitet. Die geschwungene Treppe wendelte sich in einem mittleren und zwei seitlichen Läufen um die elliptische Öffnung. Sämtliche Gewölbe der Treppenläufe wurden aus freier Hand gemauert. Die Setzstufe wurde mit sardinischem Granit bekleidet. Der Auftritt wurde mit 4,3 mm starkem Granitlinoleum in kräftigem blauem Farbton belegt. Die Vorderkante des Linoleums schützte eine 45 mm hohe Durana-Vorstoßschiene der Firma Mannstaedt, Troisdorf. Treppenwangen und die Sockelleisten auf der Wandseite der Stufen wurden mit Nassauer Marmor bekleidet.
Erdgeschoss und zweites Stockwerk des Registraturflügels wurden durch Einfügung einer einfachen Zwischendecke aus Lagerhölzern und Fußbodenbelag in zwei Halbgeschosse von 2,45 m und 2,50 m unterteilt. Dadurch wurde die Verwendung von Leitern zum Aktensuchen vermieden. Die hölzernen Aktenschränke wurden auf entsprechend starken Trägern der Koenenschen Voutendecke gestellt und bildeten zugleich die Unterstützung für die Lagerhölzer der oberen Halbgeschosse. Es wurden je zwei Treppen an den Stirnseiten der Registraturräume angeordnet. Die eisernen Mittelstützen für die Decken wurden anschließend an die Aktengerüste mit Holz ummantelt. Die Kartenschränke stellten eine Neuerung dar. Statt die Karten in schweren Mappen in 2,50 m hohen Regalen zu lagern, wurden staubdichte Schubkästen mit einer Maximalhöhe von 66 cm konstruiert. So konnten in einem Kartenschrank von 1,70 m Höhe mit bis zu 22 Fächern rund 400 Karten untergebracht werden. Die 20 Schränke wurden von der Firma Hyan aus Berlin zu einem Preis von 280 Mark pro Stück geliefert.
Die Decken der Büroräume wurden alle als Koenensche Voutendecken ausgeführt. Darüber lagen eine Sandschicht von 20 mm, 30 mm Gips-Estrich und ein Linoleum-Belag. Die Decken der besser ausgestatteten Räume (zum Beispiel der Präsidentenwohnung) erhielten Förstersche Massivdecken, unter denen Rabitzdecken gespannt wurden. Die Flure wurden mit Tonnengewölben mit Stichkappen versehen.
Die Türen erhielten nur nach der Zimmerseite eine Bekleidung, die Laibungen wurden mit Zement verputzt und hatten auf der Flurseite in Zement gezogene Laibungen.
Für die Nebentreppen wurde Kunstsandstein mit Linoleumbelag und Messingvorstoßschienen verwendet. Die Treppe an der Regierungsstraße wurde freitragend aus Kunstsandstein mit Linoleumbelag hergestellt. Die Granittreppe in der Präsidentenwohnung wurde ebenfalls mit Linoleum belegt, um wohnlicher zu wirken.
Die Fahrstraße im großen Hof erhielt einen Belag von zwei Schichten mit je 2 cm Gussasphalt. mini|Verkleidete Heizungsradiatoren im Hauptsitzungssaal 2015 Die Heizkörper waren unverkleidete Radiatoren. In den besseren Räumen wurden die Radiatoren mit Holz verkleidet. Die Radiatoren im Hauptsitzungssaal erhielten eine Verkleidung aus getriebenen Bronzegittern.
Der Hauptsitzungssaal, der Registraturflügel und das Archiv wurden elektrisch beleuchtet. Alle Flure und die zu Zeichenarbeiten dienenden Büros erhielten eine Gasbeleuchtung.
Geschichte des Gebäudes
Entstehungsgeschichte