mini|Chama lazarus Die Hufmuscheln (Chamidae), auch Gienmuscheln oder Lappenmuscheln genannt, sind eine im Meer lebende Familie der Muscheln aus der Unterklasse der Heterodonta. Die Familie ist seit der Oberkreide (Campanium) bekannt. Sie umfasst derzeit (2016) etwa 70 rezente Arten.
Merkmale Die ungleichklappigen, kleinen bis mittelgroßen Gehäuse sind im Umriss unregelmäßig rundlich oder eiförmig. Die Tiere leben entweder temporär oder dauernd mit einer, meist der linken Klappe (Pseudochama mit der rechten Klappe), fest zementiert auf einem Hartgrund. Die untere Klappe ist gewölbt und tassenförmig, die obere Klappe flach und deckelförmig. Die Wirbel sind weit spiralig nach vorne gebogen.
Das extern liegende Ligament ist bogenartig gewölbt und liegt auf Nymphen. Das Schloss weist in jeder Klappe einen Hauptzahn auf (gelegentlich sind auch in einer Klappe zwei Hauptzähne vorhanden), und gelegentlich auch schwache Lateralzähne. Es sind zwei nahezu gleich große Schließmuskeln ausgebildet. Eine Mantelbucht fehlt.
Die aragonitische und bei manchen Arten auch z. T. kalzitische Schale ist meist dickwandig und sehr fest. Die Mikrostruktur der Schale besteht meist aus Kreuzlamellen. Die Oberfläche weist eine kräftige konzentrische oder radiale Skulptur auf, die oft zu Lamellen verstärkt oder zu flachen oder rundlichen Stacheln ausgezogen ist. Sie sind oft recht bunt gefärbt.
Die Siphonen sind kurz und voneinander getrennt. Der Fuß ist stark reduziert. Im Mantelrand sind sensorische Organe.
Geographische Verbreitung und Lebensraum Die Arten der Familie der Hufmuscheln kommen von den warm-gemäßigten bis in die tropischen Meere vor. Sie leben im Flachwasser von Korallenriffen und anderen Hartsubstraten, aber auch in größeren Wassertiefen.
Taxonomie Dieses Taxon der Familiengruppe wurde 1809 von Jean-Baptiste Lamarck als Les camacées vorgeschlagen. Da der Name bei der späteren Latinisierung Lamarck zugeschrieben wurde, gilt Lamarck als der Autor des Taxons. Familie Chamidae Lamarck, 1809 Amphichama Habe, 1964 Arcinella Schumacher, 1817 Arcinella californica (Dall, 1903) Carditochama Matsukuma, 1996 Chama Linnaeus, 1758 Chama congregata Conrad, 1833 Chama lazarus Linnaeus, 1758 Chama gryphoides Linnaeus, 1758 Chama macerophylla Gmelin, 1791 Chama pacifica Broderip, 1835 Chama sarda Reeve, 1847 Eopseuma Odhner, 1919 Pseudochama Odhner, 1917 Pseudochama corrugata (Broderip, 1835) Pseudochama cristella (Lamarck, 1819) Pseudochama gryphina Lamarck, 1819
Belege Literatur Michael Amler, Rudolf Fischer & Nicole Rogalla: Muscheln. Haeckel-Bücherei, Band 5. Enke Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-13-118391-8 (S. 102 Überfamilie Chamoidea). S. Peter Dance, Rudo von Cosel (Bearb. der deutschen Ausgabe): Das große Buch der Meeresmuscheln. 304 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1977, ISBN 3-8001-7000-0 (S. 242) Markus Huber: Compendium of Bivalves. 901 S., Hackenheim, ConchBooks, 2010, ISBN 978-3-939767-28-2 Rudolf Kilias: Lexikon Marine Muscheln und Schnecken. 2. Aufl., 340 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1997, ISBN 3-8001-7332-8 (S. 64) Raymond Cecil Moore (Hrsg.): Treatise on invertebrate paleontology. Mollusca, 6, Part N, Bivalvia 2. XXXVIII S., S.N491-951, New York, 1969 (S.N518). Fritz Nordsieck: Die europäischen Meeresmuscheln (Bivalvia). Vom Eismeer bis Kapverden, Mittelmeer und Schwarzes Meer. 256 S., Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1969 (S. 95) Guido Poppe und Yoshihiro Goto: European Seashells Volume 2 (Scaphopoda, Bivalvia, Cephalopoda). 221 S., Verlag Christa Hemmen, Wiesbaden 1993 (2000 unv. Nachdruck), ISBN 3925919104 (S. 84)
Einzelnachweise Eugene V. Coan, Paul Valentich-Scott: Bivalve Seashells of Tropical West America marine Bivalve mollusks from Baja california to Northern Perú. Part 1. 598 S., Santa Barbara Museum of Natural History, Santa Barbara 2012, ISBN 978-0-936494-43-2 (S. 427ff.)
Yasuo Kondo, Shin-ichi Sano: Origination of extant heteroconch families: Ecological and environmental patterns in post-Paleozoic bivalve diversification. Palaeontological Research, 13: 39-44, Tokyo 2009
N. Hamada, A. Matsukuma: A new species of Japanese Chama (Bivalvia: Heterodonta) with a calcitic outermost layer. Venus, 64(1-2): 11-21.
Jean-Baptiste de Lamarck: Philosophie zoologique. Vol. 1, XXV + 428 S., Dentu, Paris, 1809 Online bei Google Books (S. 318).
MolluscaBase: Chamidae Lamarck, 1809
Weblinks