mini|Gentleman (2013) Gentleman (* 19. April 1974Gentleman im SWR3-Interview, 16.12.20, ~18:40 Uhr in Osnabrück; bürgerlich Tilmann Otto) ist ein deutscher Reggae-Musiker.

Jugend und Familie Gentleman wurde als Sohn eines evangelisch-lutherischen Pastors in Osnabrück geboren. Die Familie zog in seinem ersten Lebensjahr nach Köln, er wuchs in der Kölner Südstadt auf. In seiner Jugend besuchte er zunächst die Kaiserin-Augusta-Schule und anschließend das Hansagymnasium. Er wurde von beiden Schulen verwiesen, wiederholte die achte und die zehnte Klasse und wechselte zum Humboldt-Gymnasium, das er in der elften Klasse freiwillig verließ.Verena Koll, Martina Coyert: Am Rhein fließen die Ideen – Reggae-Star Gentleman spielt am Samstag beim Summerjam am Fühlinger See. Dem „Stadt-Anzeiger“ hat er sein Köln gezeigt. Kölner Stadt-Anzeiger, 5. Juli 2013, S. 25.dpa: Immer abgelenkt: Weshalb Sänger Gentleman in der Schule scheiterte. Die Zeit, 30. August 2026 Gentleman reist seit seinem 18. Lebensjahr regelmäßig auf die Karibikinsel Jamaika, den Ursprungsort des Reggae und Dancehall.

Gentleman lebt in Köln, ist Vater zweier Kinder und mit der US-amerikanischen Sängerin Tamika verheiratet, die für Gentleman auch im Background mitsingt. Sein Bruder betreibt ein Restaurant in Köln-Ehrenfeld. Seine Schwester Ann-Kathrin Otto ist Künstlerin und Filmausstatterin und moderiert im ZDF das Magazin Wohnen & Design bei Volle Kanne.

Karriere mini|Gentleman (2011)

Als Kind kam Tilmann Otto durch den Spielfilm Skateboard-Fieber des Regisseurs Julian Pena jr. von 1980 zum Skateboard-Fahren. Als Jugendlicher verkehrte Gentleman daraufhin in der Hip-Hop- und Reggae-affinen Skater-Szene auf der Kölner Domplatte. Außerdem wurde Gentleman durch die Schallplattensammlung seiner Mutter inspiriert, die ein Album von Bob Marley enthielt. Zudem brachte ihm sein Bruder Künstler näher wie Peter Tosh, Dennis Brown und Jacob Miller.Podcast "Der Soundtrack meines Lebens": Folge 41 mit Gentleman Interview mit Reggae-Musiker Gentleman von Redakteur Jan Schwarzkamp auf www.visions.de (Visions), 7. Dezember 2022

Das erste Reggae-Konzert, das Tilmann Otto als Fan besuchte, war ein Auftritt von Macka B im Dietrich-Keuning-Haus in Dortmund. Im Alter von 18 Jahren reiste Gentleman das erste Mal auf die Karibikinsel Jamaika, um die Musikkultur dort zu ergründen. Ferner beeinflussten ihn Musiker wie Shabba Ranks, Ninjaman, Papa San, Lieutenant Stitchie und Bounty Killer stilistisch.Podcast "Der Soundtrack meines Lebens": Folge 41 mit Gentleman Interview mit Reggae-Musiker Gentleman von Redakteur Jan Schwarzkamp auf www.visions.de (Visions), 7. Dezember 2022

Die ersten musikalischen Schritte unternahm Gentleman als singender MC beim Soundsystem 7 Star. Kurze Zeit später wurde er MC von Pow Pow Movement aus Köln und wechselte um 1992 zu dem Hamburger Soundsystem Silly Walks. Bei einem Auftritt mit dem Soundsystem Silly Walks im Musikclub Radio Bar in Stuttgart lernte Gentleman 1997 die Hip-Hop-Gruppe Freundeskreis um Sänger Max Herre kennen, mit der er eine musikalische Kollaboration einging. Diese damalige Begegnung mit Freundeskreis empfindet Gentleman als wichtigen Wendepunkt seines Lebens in Bezug auf seine musikalische Karriere.Podcast "Der Soundtrack meines Lebens": Folge 41 mit Gentleman Interview mit Reggae-Musiker Gentleman von Redakteur Jan Schwarzkamp auf www.visions.de (Visions), 7. Dezember 2022

Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon viele Shows in Deutschland und Europa gespielt, auf denen er sowohl als MC als auch als Sänger eigener Stücke auftrat. Max Herre fand Gefallen am Sprechgesang von Gentleman, weshalb er ihn am Folgetag ins Tonstudio einlud, wo Gentleman einen Teil für den Song Tabula Rasa einsang. Das Lied landete auf Platz 13 der deutschen Charts, worauf ein Plattenvertrag mit Four Music / Sony und vier erfolgreiche Studioalben sowie ein Live-Album und eine Live-DVD folgten.

2005 trat Gentleman als Featuregast von Mamadee beim Bundesvision Song Contest für Nordrhein-Westfalen an. Das Lied belegte dort zusammen mit Sandy feat. Manuell (Rheinland-Pfalz) den letzten Platz. Außerdem gründete er 2005 gemeinsam mit seinem damaligen Manager Stephan Schulmeister das Label Bushhouse Records, dessen erste und einzige Veröffentlichung Mamadees Single Lass los war.

Nach Gentlemans Anfängen als Deejay orientiert sich seine Musik heute vor allem an der klassischen Form des Reggaes, dem Roots-Reggae, den auch seinerzeit Bob Marley produzierte. Sein Stil kann als Modern Conscious Roots bezeichnet werden und er singt auf Deutsch, Englisch und Patois. In seiner Musik sind Einflüsse aus dem traditionellen Roots Reggae, der Studio-One-Ära und Dancehall, aber auch aus der Motown-Zeit bis hin zum Hip-Hop.

Seine Lieder greifen teilweise tagesaktuelle Themen auf, wie z. B. It No Pretty, wo er im Musikvideo Opfer einer U-Bahn-Prügelattacke wird. Auch sozialkritische Nummern wie Dem Gone, Superior und Leave us alone sind Teil seines Repertoires. In ihnen hinterfragt er den Zustand der Gesellschaft kritisch und drückt seine Verachtung gegenüber Gewalt und Ausbeutung (von Minderheiten) und genereller Ungerechtigkeit aus. Ein weiteres Thema ist in Gentlemans Texten omnipräsent: die Liebe – „der Stoff, aus dem wir alle gemacht sind“. Besonders der Song Intoxication auf dem Album Drop Leaf Riddim verhalf ihm 2005 zum musikalischen Durchbruch in der karibischen Reggae-Gemeinde.

Am 2. Juni 2017 veröffentlichte Gentleman die Lyric-Version seiner Single Ovaload mit Sean Paul. Das offizielle Video folgte am 2. August 2017. Die Single konnte sich zwei Wochen in den deutschen Charts halten. Am 9. Juni 2017 veröffentlichte er sein Album Selection. Am 20. Juni 2017 veröffentlichte Gentleman seine Single Red Town. Am 14. Juli 2017 veröffentlichte Michael Patrick Kelly seine Single iD, bei der Gentleman als Gastmusiker mitwirkte. Zwei Monate später veröffentlichte er seine Single Imperfection in Kooperation mit dem US-amerikanischen Sänger Aloe Blacc am 29. September 2017. Am 13. April 2018 erschien mit Like a Lion ein Gastbeitrag, bei dem Gentleman Mark Forster und somit seinen zweiten Sing-meinen-Song-Kollegen nach Michael Patrick Kelly unterstützt. Am 15. September 2026 war er zu Gast in der Stefan Raab Show auf RTL.

Live Gentleman wurde zu Beginn seiner Karriere von der Kölner Band The Killin’ Riddim Section begleitet, ab 2002 spielte er mit der Far East Band (Berlin, Leipzig). Seit 2010 steht The Evolution (Berlin, Leipzig) an Gentlemans Seite.

Besetzung The Evolution: Drums: Giuseppe Big Finga Coppola Keyboards: Frank Pollensi Pollak Bass: Fabian Odi Zepezauer (bis 2013 André Heyer) Gitarre: Florian Stahl Münzer Saxophon: Johanna Järemo Background Vocals: Tamika Otto Background Vocals: Patricia Treesha Moore Background: Mamadee Wappler (seit 2025) Kurz nach Weihnachten 2013 feierte Gentleman 20-jähriges Bühnenjubiläum im Kölner Palladium. Sein erstes Live-Bandkonzert fand im Februar 1992 im Kölner Basement statt. Schon vor seinem ersten Plattenvertrag konnte er erste internationale Liveerfahrungen sammeln und trat in Jamaika, Russland und vielen Ländern Europas auf. Durch seine verschiedenen Backing-Bands – The Killin’ Riddim Section, Far East Band und The Evolution Band – konnte Gentleman Liveauftritte mit verschiedenen Musikern und Stilen darbieten. Dabei agiert Gentleman auch genre- und altersübergreifend, wie z. B. bei splash!, dem größten Hip-Hop-Festival Deutschlands. Dort hatte er als Reggaekünstler seit 1999 neun Auftritte als Headliner.

Festivals Gentleman hat in seiner Karriere nicht nur im Inland und deutschsprachigen Nachbarländern (u. a. Rock am Ring, Summerjam, Chiemsee Reggae, Deichbrand), sondern auch im europäischen Ausland auf großen Festivals gespielt:

Eine Auswahl umfasst:

Portugal – Sudoeste, Sagres Surffest, Sumol, Musa Festival; Spanien – Monegros, Territorius, Viña Rock, Alrumbo Fest; Frankreich – u. a. Eurockéennes, Vieilleus Charrues; Niederlande – 77 Splash, Mundial, Lowlands; Belgien – Dour, Reggae Geel, Couleur Café; Dänemark – Roskilde; Schweden – One Love Festival, Hultsfred, Uppsala; Finnland – Ilosaarirock; Polen – Coke Live, Heineken Opener, Ursynalia; Serbien – Exit, Arsenal Fest; Slowakei – Pohoda; Mazedonien: Taksirat; Ungarn – Sziget, Balaton Festival; sowie diverse Festivals in Italien, Kroatien, Griechenland, Luxemburg.

Auch auf dem Festival Haltestelle Woodstock mit 750.000 Besuchern hat Gentleman bereits als Co-Headliner gespielt.

Hinzu kommen Auftritte in Nord- und Südamerika und Afrika:

USA – Raggamuffins Festivals, Marley Festival, Sierre Nevada Music Festival, Reggae Rising, Reggae on the River; Costa Rica – Surf Weltmeisterschaften Finals; Kolumbien – Festival Estereo Picnic; Chile – Lollapalooza; Jamaika – Sting, Reggae Sumfest, Jazz & Blues Festival und viele andere Auftritte in Aruba, Suriname, Franz. Guyana, Venezuela, Argentinien, Trinidad & Tobago, Ghana, Gambia, Ägypten, Marokko, Südafrika, Mauritius und den Seychellen.

Veröffentlichungen Am 18. Juni 1999 veröffentlichte Gentleman sein erstes Album Trodin On. Mit Journey to Jah hatte Gentleman seine erste Gold-Platte und das folgende Album Confidence stieg 2004 auf Anhieb auf Platz eins der deutschen Charts ein und wurde mit Platin zertifiziert. Es ist mit über 200.000 verkauften Kopien eines der erfolgreichsten Alben der deutschen Reggae- und Hip-Hop-Geschichte. Sein nächstes Album Another Intensity erschien am 24. August 2007 und stieg in den deutschen Albumcharts auf Platz 2 ein. Es wurde das letzte Studio-Album von Gentleman bei Sony, bevor er nach zehnjähriger Zusammenarbeit 2010 zu Universal Music Deutschland wechselte. Das folgende Album Diversity wurde wieder mit Gold ausgezeichnet. Eine Live-DVD seines Summerjam-Auftritts 2010 wurde ebenfalls unter den Namen Diversity Live veröffentlicht.

2011 arbeitete Gentleman eng mit dem jamaikanischen Produzenten und Sänger Richie Stephens zusammen. Dieser war der erste Produzent auf Jamaika, der Gentleman in den 1990er Jahren in sein Studio eingeladen hatte, um einen Song aufzunehmen. Nachdem 2011 Richie Stephens’ 22-jähriger Sohn „Copper Cat“ vor seinem Haustor erschossen worden war, lud Gentleman Richie nach Deutschland ein und es entstand der Song Live your life, in dem Stephens seinen Verlust musikalisch verarbeitet. Zu dem Lied wurde ein Live-Video auf dem größten Gratis-Open-Air Europas (Haltestelle Woodstock Festival) gedreht, bei dem Gentleman vor 700.000 Menschen auftrat. Live Your Life wurde mehrfach ausgezeichnet und führte zu dem gleichnamigen Duett-Album, welches nur in den USA, Japan und der Karibik veröffentlicht wurde.

Am 19. April 2013 erschien sein sechstes Studioalbum New Day Dawn bei Universal und wurde mit einem ausgiebigen Festivalsommer und einer Europatour im Herbst 2013 präsentiert.

Knapp ein Jahr später erschien der Kino-Dokumentarfilm, Journey to Jah, der am 20. März 2014 in Deutschland in die Kinos kam. Die deutsch-schweizerischen Koproduktion begleitet Gentleman und den italienische Reggaestar Alborosie. Der Film beschreibt die „Suche nach Authentizität jenseits der westlichen Konsumgesellschaften im Land von Rastafari und Reggae: Jamaika“. Für den Dokumentarfilm wurde Gentleman sieben Jahre lang von den Regisseuren Moritz Springer und Noel Dernesch sowie Kameramann Marcus Winterbauer begleitet. Der Film wurde unter anderem durch Crowdfunding finanziert und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den „Audience Award“ des Zurich Film Festivals 2013 und den „Narrative Feature World Cinema Audience Award 2014“ des Maui Film Festivals auf Hawaii.