Die Sydneyer Bowleschalen sind die beiden einzigen bekannten Beispiele von Export-Porzellan aus China mit handbemalten Sydney-Szenen, datiert auf die Macquarie-ÄraThe Macquarie era, State Library of New South Wales (1810–1821).The Lachlan & Elizabeth Macquarie Archive (LEMA) Project, Macquarie University, 2011 Die Bowleschalen wurden über drei Dekaden lang in China produziert, nachdem die First Fleet in Port Jackson angekommen war, wo die britischen Siedler im Jahr 1788 die Siedlung Sydney Cove gründeten.

Sie sind mit Panoramabildern von Sydney aus dem frühen 19. Jahrhundert verziert, kombiniert mit traditioneller chinesischer Porzellan-Dekoration. Die Motive wurden wahrscheinlich von Illustrationen übernommen, die von mehreren Künstlern stammten, die zu jener Zeit in Australien arbeiteten.

Obgleich die dekorativen Bowleschalen repräsentative Gegenstände im 18. und 19. Jahrhundert waren, ist nicht bekannt, wer ursprünglich diese Bowleschalen in Auftrag gab oder für welchen besonderen Anlass sie gefertigt wurden. Jede der Bowleschalen hatte im Laufe der Zeit mehrere Eigentümer und wurden unabhängig voneinander gespendet, eine der State Library of New South Wales (SLNSW) im Jahr 1926 und die andere an das Australian National Maritime Museum (ANMM) im Jahr 2006.

Ähnlichkeiten und Unterschiede

Bei beiden Sydneyer Bowleschalen handelt es sich um Chinesisches Porzellan aus Guangdong. Dabei wurde auf das Hartporzellan eine Grundglasur aufgebracht. Darauf folgte ein Überglasur-Dekor in Famille-Rose-Stil mit Polychromien-Emailfarben und Vergoldung.Feller, John Quentin: Canton famille rose porcelain, Magazine Antiques, 124 (4), Oktober 1983, S. 748Feller, John Quentin: Canton famille rose porcelain, Magazine Antiques, 130 (4), Oktober 1986, S. 722–731 Die Bowleschalen sind von ähnlicher Größe: Jede von ihnen hat 45 cm (18 in) im Durchmesser, 17 cm (6,7 in) in der Höhe und wiegt ungefähr 5,4 kg (12 lb). Der Fußring ist 2,5 cm (0,98 in) hoch und hat 22,5 cm (8,9 in) im Durchmesser.Chinese export ware punchbowl featuring a scene of Sydney Cove before 1820, Manuscripts, Oral History, and Pictures Catalogue, State Library of New South Wales Während die gemalten indigenen Australiergruppen in der Mitte jeder Bowleschale im Innern identisch sind, sind die Panoramabilder von Sydney Cove es nicht. Bei der SLNSW-Bowleschale ist der Blick von der Ostseite von Sydney Cove dargestellt und bei der ANMM-Bowleschale der Blick von Dawes Point an der Westküste. Diese Paarung folgt einer Standardkonvention im 18. und frühen 19. Jahrhundert bei topographischer Malkunst. Dabei wurden zwei Ansichten von demselben Ort aus gegenüberliegenden Aussichtspunkten dargestellt.Ellis, 2012, S. 18–30

Während die kantonesischen Keramikmaler Bilder von Sydney Cove und der Gruppe von Aborigines als Vorlagen verwendeten, die durch den Auftraggeber der Bowleschalen zur Verfügung gestellt wurden, wurde die Wahl der Bemalung der Grenz- und Randstreifen in der Regel den Keramikmalern selbst überlassen. Das traditionelle Blumenmotiv von solchen chinesischen Blumen wie Chrysanthemen-, Pfingstrosen-, Kirsch- und Pflaumenblüten wurde für die inneren Grenzstreifen beider Bowleschalen in einem ähnlichen Muster verwendet. Allerdings unterscheiden sich die äußeren Grenzstreifen erheblich. Die SLNSW-Bowleschale weist eine mehr traditionelle chinesische Bemalung bei dem äußeren Grenzstreifen in Zinnoberrot, Rosa und Vergoldung auf, wohingegen bei der ANMM-Bowleschale der äußere Grenzstreifen mit geschlungenen Kreisen auf blauen Kobalt-Untergrund verziert ist, umrandet mit schmalen Goldbändern., Australian National Maritime Museum Es existieren weitere Unterschiede. Die SLNSW-Bowleschale hat große, vergoldete Monogramm-Initialen auf der Außenseite, der Fußring weist ein einziges schmales Goldband auf und die Unterkante ist vergoldet. Die ANMM-Bowleschale hat kein sichtbares Monogramm, aber auf dem Fußring steht „View of the Town of Sydney in New South Wales“ in Schwarz.

Auftraggeber Die beiden Bowleschalen waren nicht Teil eines normalen Essgeschirrs aus China, sondern wurden gesondert bestellt.Chinese Export Porcelain Punch Bowl, Albany Institute of History & Art Die vergoldeten Monogramm-Initialen auf der SLNSW-Bowleschale sind vielleicht der einzige vorliegende Hinweis auf den ursprünglichen Auftraggeber von den Bowleschalen. Die Initialen sind schwierig zu entziffern, da Teile der Kupferstichschrift nicht mehr vorhanden sind. Möglich wäre HCA oder HA, TCA oder FCA über B. Mehrere Kandidaten kommen in Frage: Henry Bathurst, 3. Earl Bathurst und Sir Thomas Brisbane, Gouverneur von New South Wales nach Macquarie (1821–1825), aber am wahrscheinlichsten könnte es Henry Colden Antill sein.Ellis, 2012, S. 23 AntillHenry Colden Antill, State Library of New South Wales wurde bei seiner Ankunft in Sydney am 1. Januar 1810 zum Aide-de-camp vom fünften Gouverneur von New South Wales Lachlan Macquarie (1810–1821) ernannt. Er wurde 1811 zum Major in einer Brigade befördert und trat 1821 aus der britischen Armee aus. Antill ließ sich zuerst bei Moorebank in der Nähe von Liverpool nieder und dann 1825, Jarvisfield Estate auf seinem Anwesen in der Nähe von Picton – genannt Jarvisfield, zu Ehren Macquaries erster Ehefrau Jane Jarvis.Macquarie (geborene Jarvis) [1772–1796], Jane: The Lachlan & Elizabeth Macquarie Archive Am 14. August 1851 wurde er auf Jarvisfield begraben. Antill hatte 1844 einen Teil von seinem Anwesen abgetrennt, was die Gründung der Town Picton ermöglichte.Antill, J. M.: Antill, Henry Colden (1779–1852), Australian Dictionary of Biography, Band 1, 1966 Als die State Library of New South Wales ihre Bowleschale im Jahr 1926 bekam, hatte die Familie AntillJihn MacQuarie Antill, Maj.-General & Thomas Horan, postmaster, Australian Postal History & Social Philately aus PictonVincent, Liz: Picton — the early years, Internet Family History Association of Australia Local History Library, 20. März 2006 keine Kenntnis über die Herkunft der Bowleschale.Notes on the Chinese Porcelain Bowl(XR10), File Ap 64, Manuscript Note, Mitchell Library, State Library of New South Wales In der Tat gibt es keine Hinweise darauf, dass die Bowleschalen jemals in Australien gewesen waren, bis sie an das State Library of New South Wales und das Australian National Maritime Museum gespendet wurden.

Bilderherkunft Sydney Cove

Die Quellen der beiden Darstellungen von Sydney Cove und der Gruppe von Aborigines sind nicht bekannt. Die Färbung auf der Keramik hat eine landläufige Ähnlichkeit mit zeitgenössischen Bildern von Sydney Cove, was bedeutet, dass ein Original-Aquarell oder ein handbemalter Kupferstich als Kopie statt eines Schwarz-Weiß-Bildes verwendet wurden. Im Fall der SLNSW-Bowleschale weist das Sydney Cove Bild große Ähnlichkeit mit einem Kupferstich von einer mittlerweile verlorengegangenen Zeichnung von dem Künstler John William Lewin,About John Lewin: Wild Art, State Library of New South Wales, 2. März 2012 welche auf das Jahr 1814 datiert werden kann.McCormick, 1987, S. 178f Dieser Kupferstich von Sydney Cove erscheint als Titelbild in der zweiten Ausgabe von A Statistical, Historical and Political Description of New South Wales and its dependent settlements in Van Diemen’s Land etc.Wentworth, W. C.: A Statistical, Historical and Political Description of New South Wales etc. (E-Book-Ausgabe), London: Open Library, 1820 (London, 1820) von William Charles Wentworth, und einer späteren, kleineren Version einer der zehn Ansichten vom Port Jackson Hafen, illustriert in Map of Part of New South WalesDigitised image of Map of Part of New South Wales in Manuscripts catalogue, State Library of New South Wales (London, 1825) vom Verleger und Kupferstecher Joseph Cross.Joseph Cross, engraver, London Street Views Lewin war Australiens erster professioneller Künstler, der viele Gemälde für Macquarie und seine leitenden Angestellten erstellte, sowie mehrere Auftragsarbeiten für den Viehgroßzüchter und Händler Alexander Riley. Dabei arbeitete Lewin eng mit Henry Cobden Antill zusammen. Beide waren Teil von Gouverneur Macquaries 50-köpfiger Exkursionsgruppe, die das Land und die neue Landstraße über die Blue Mountains von 25. April bis zum 19. Mai 1815 inspizierte.Macquarie’s Crossing, State Library of New South Wales, 29. März 2010 Die Landstraße wurde im Jahr 1814 durch Sträflinge gebaut,Martin, David: Cox builds the first road, 1814, Info Blue Mountains History Plaza nach dem die ersten Europäer Gregory Blaxland, William Lawson und William Charles Wentworth die Blue Mountains im Mai 1813 überquerten.History in Detail, Blue Mountains Australia

Im Gegensatz zu der SLNSW-Bowleschale ist die Quelle des Sydney-Cove-Bildes auf der ANMM-Bowleschale in seiner Gesamtheit nicht bekannt, so dass angenommen wird, dass die zur Verfügung gestellte Originalvorlage vom Auftraggeber für die Keramikkünstler in China verloren gegangen ist. Die einzig bekannte Sydney-Cove-Ansicht aus dieser Zeit ist ein Original-Aquarell von dem Sträflingkünstler Joseph Lycett,Joseph Lycett, State Library of New South Wales, 30. April 2010 welche das erste Mal als Kupferstich auf Seite 86 in Views in New South Wales, 1813–1814 [and] An Historical Account of the Colony of NSW, 1820–1821Wallis & Oxley, 1821, S. 86 (Sydney, 1819) vom Soldaten James Wallis (1785?–1858) erschien.Blunden, T. W.: Wallis, James (1785–1858), Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, 1967 Ein zweiter ähnlicher Kupferstich erschien auf Seite 73 in einer Folioausgabe von Album of original drawings by Captain James Wallis and Joseph Lycett, ca 1817–1818 etc.,Wallis & Lycett, 1821, S. 74 welches 1821 vom Verleger Rudolph Ackermann in London herausgegeben wurde. Allerdings dominieren die Dawes Point Befestigungen – angelegt durch Sträflingsarchitekten Francis Greenway – und seine Geschützstellungen den Vordergrund beider Kupferstiche. Die ANMM-Bowleschale zeigt eine ältere Ansicht. Es wird ein Grashang mit einem männlichen und weiblichen Aborigine an demselben Ort gezeigt. Die Lycell-Version weist auch andere wichtige Unterschiede auf, einschließlich einer weniger umfangreichen Aussicht auf die Ostseite des Hafens.

Eine Gruppe von Aborigines