mini|Boxer mit fast komplett weißem Fell und braunen Augen bei fehlender Pigmentierung der Lidränder. Weiße Boxer sind nicht zur Zucht zugelassen. mini|Boxer-Welpen in dem FCI-Rassestandard entsprechender Färbung: links gelb, rechts gestromt – laut Rassestandard darf nicht mehr als ein Drittel des Fells weiß sein.

Als Fehlfarbe bzw. Farbfehler werden in der Rassehundezucht Fellfärbungen von Hunden bezeichnet, die im jeweiligen FCI-Rassestandard nicht vorgesehen sind. Bei einigen Hunderassen erlaubt der Rassestandard die gesamte Vielfalt an gesundheitlich unbedenklichen Fellfärbungen, die bei Hunden genetisch bedingt vorkommen, bei anderen sind mehrere im Standard genau definierte Fellfarben zulässig, und bei manchen Rassen ist eine bestimmte Fellfärbung in eng umgrenzten Varianten vorgeschrieben. Auch die rassetypischen Augenfarben sowie die gewünschte Färbung der Lidränder und des Nasenschwamms sind dem jeweiligen Rassestandard zu entnehmen.

Kleinflächige unerwünschte Färbungen nennt man Farbfehler. Großflächige oder den ganzen Körper betreffende unerwünschte Färbungen nennt man Fehlfarben. Bei fehlfarbigen Welpen entsprechen meist beide Elterntiere dem FCI-Rassestandard. Ein Hund mit einer Fehlfarbe ist nach der kynologischen Definition innerhalb der Rassehundezucht keine Varietät, denn bei dieser muss ein zusätzliches erlaubtes Merkmal im Rassestandard beschrieben sein. Der Begriff Fehlfarbe ist kein tiermedizinischer Begriff. Es gibt sowohl Hunde mit Fehlfarben, die gesund sind, als auch solche, bei denen bestimmte Farbgene durch Polyphänie zu Fehlbildungen oder Erkrankungen führen. Bei Hunden kann hinsichtlich der Fellfarbe ein und derselbe Phänotyp durch unterschiedliche Gene bzw. Varianten eines Allels entstehen, so dass sich bei manchen Tieren die gesundheitliche Relevanz nur durch eine DNA-Analyse feststellen lässt.Anna Laukner: Fellfarben – Fehlfarben. Schweizer Hundemagazin 2/07 (PDF).S. M. Schmutz, T. G. Berryere: Genes affecting coat colour and pattern in domestic dogs: a review. In: Anim Genet. 38(6), 2007, S. 539–549 (englisch, PMID 18052939). Die Begriffe Fehlfarbe und Farbfehler finden auch in der Rassezucht anderer Tierarten Verwendung, beispielsweise bei Pferden. __TOC__

Genetischer Hintergrund Die genetische Forschung hat große Fortschritte gemacht, beispielsweise wurde das Genom eines weiblichen Boxers im Jahr 2005 erstmals vollständig sequenziert. Fehlfarben können durch Spontanmutation entstehen. Meist sind sie jedoch Ausdruck der Erbanlagen der Ausgangsrassen, aus denen die heutige Rasse gezüchtet wurde, die trotz der Zuchtauslese noch immer im Genpool der Rasse enthalten sind. Da dominante Merkmale stets am Phänotyp erkennbar sind, können unerwünschte Fellfarben, die auf dominanten Genen beruhen, leicht durch Zuchtauslese eliminiert werden. Sie kommen in korrekter Rassezucht nicht vor. Rezessive Erbanlagen hingegen, die sich bei den heterozygoten Individuen phänotypisch nicht ausprägen, also „unsichtbar“ bleiben, können von Anlageträgern weitervererbt werden, d. h. von äußerlich dem Rassestandard entsprechenden Tieren, die Träger rezessiver im Standard nicht vorgesehener Gene sind. Die Fehlfarbe tritt nur dann phänotypisch in Erscheinung, wenn zwei Anlageträger miteinander verpaart werden, sodass rund 25 % der Welpen homozygot werden (Mendelsche Regeln: Spaltungsregel), d. h. die rezessive Erbinformation beider Elterntiere in sich vereinen.Inge Hansen: Vererbung beim Hund. Verlag Müller Rüschlikon 2008, ISBN 978-3-275-01652-5. So können im Genpool einer Hunderasse Fehlfarbengene über relativ lange Zeiträume erhalten bleiben, wie beispielsweise das Weiß beim Deutschen Schäferhund. Die phänotypische Ausprägung eines rezessiven Gens kann durch das homozygote Vorliegen eines Allels bedingt sein, das die Bildung bestimmter Pigmente verhindert oder deren Verteilung verändert.

Bild 1 (Erbschema): Bei einer Verpaarung zweier Anlageträger haben durchschnittlich 25 % der Welpen die Fehlfarbe (Spaltungsregel). Zwei von drei Welpen mit der standardgerechten Färbung sind Anlageträger. Durch den Ausschluss der fehlfarbigen Individuen von der Zucht kann eine Weitervererbung des rezessiven Gens nicht vermieden werden, denn von den durchschnittlich 75 % standardgerecht gefärbten Hunden eines Wurfes sind etwa zwei Drittel Anlageträger.

Bild 2 (Erbschema): Ein Elterntier ist reinerbig, das andere heterozygot. Ist nur eines von beiden Elterntieren Anlageträger und das andere hat reinerbig die erwünschte Erbanlage, tritt die rezessive Farbe bei den Welpen nicht in Erscheinung. Alle Nachkommen aus einer solchen Verpaarung zeigen die standardgerechte Färbung, wobei 50 % Anlageträger werden (Konduktoren). Somit bleibt verborgen, dass mit einem Anlageträger gezüchtet und die unerwünschte Erbanlage weitergegeben wurde.

Die Kreuzungsschemata sind dahingehend vereinfacht, dass die Vererbung der Fellfarben als monogener Erbgang dargestellt wird, obgleich diese polygen entstehen.

Bild 3: Beim Boxer zeigen dem Rassestandard entsprechende Hunde, bei denen das Scheckungsgen si heterozygot vorliegt, erlaubte weiße Abzeichen. In den Würfen zweier Elterntiere mit weißen Abzeichen sind durchschnittlich 25 % weiße Welpen, was bei dieser Rasse als Fehlfarbe gilt. Bei ihnen tritt, wie auch bei Extremschecken anderer Hunderassen, vereinzelt angeborene Taubheit auf.FCI: FCI Standard Nr. 144 Deutscher BoxerSheila Schmutz: Boxer markings. Zuletzt abgerufen am 17. Juni 2023.Peter A. Leegwater, Marjan A. van Hagen, Bernard A. van Oost: Localization of White Spotting Locus in Boxer Dogs on CFA20 by Genome-Wide Linkage Analysis with 1500 SNPs. In: Journal of Heredity, Band 98, Ausgabe 5, Juli/August 2007, S. 549–552.More facts about white boxers. Auf: Mustlovboxersrescue.com. Zuletzt abgerufen am 17. Juni 2023.White Boxer Dogs. Auf: Allboxerinfo.com. Zuletzt abgerufen am 17. Juni 2023.M. Blum, O. Distl: Kongenitale sensorineurale Taubheit beim Hund. In: Der Praktische Tierarzt. Band 94. September 2003. S. 678–688.

Biologische Funktionen der Melanozyten Die Pigmentzellen (Melanozyten), in denen Haut- und Haarpigmente gebildet werden, haben im Wirbeltierorganismus noch andere wichtige Funktionen und zwar bei der Ausbildung bestimmter Gewebe des peripheren Nervensystems und der Sinnesorgane für das Sehen und Hören. Im Verlauf der Embryonalentwicklung wandern die aus Vorläuferzellen in der Neuralleiste gebildeten Melanozyten in verschiedene Gewebe des sich entwickelnden Embryos ein, und zwar sowohl in innen liegende Gewebe des Körpers (Organanlagen) als auch in die Haut und Haarwurzeln. Das ist auch noch bei manchen neugeborenen Welpen zu beobachten, wenn sich die anfangs rosafarbenen Schnauzen, Nasen und Ballen der Pfötchen nach wenigen Tagen dunkel färben.

Bei den verschiedenen Genen, die zu weißem Fell oder zu Weißscheckung führen, gibt es sowohl krankheitsauslösende als auch harmlose Varianten. Wie sie wirken, hängt davon ab, ob sie die Einlagerung von Vorläuferzellen in die Organanlagen, in denen sie benötigt werden, verhindern oder nicht.Sheila Schmutz (2014):

Tierschutzrelevanz mini| mini|Durch züchterische Kenntnisse ist es möglich, schönheits- und gesundheitsrelevante Selektions-kriterien zur Deckung zu bringen.

Bei Hunden mit Fehlfarben können Zweifel an der Rassereinheit aufkommen, obgleich sie bei Rassehunden meistens durch Aufspaltung bei einer Erbanlage mit dominant-rezessivem Erbgang oder seltener infolge einer Genmutation auftreten.Vgl. Schnauzer-Zuchtwartbestimmungen, Jens Mathias: Schnauzer, Seite 77. Hundezüchter standen früher vor der Entscheidung, Welpen mit Fehlfarben zu töten oder sie beim Wurf zu belassen und sie dann ohne Ahnentafel abzugeben. Hans Räber: Brevier neuzeitlicher Hundezucht, 5. Auflage, Verlag Paul Haupt, Bern – Stuttgart – Wien 1995, Seite 21. Heute verbietet es das Tierschutzgesetz (§ 17), einen gesunden Welpen zu töten.Tierschutzgesetz § 17 Absatz 1 (online).

Durch Stammbaumanalysen kann man feststellen, in welchen Zuchtlinien Fehlfarbengene vorhanden sind, vorausgesetzt die Züchter haben bei den Wurfmeldungen immer alle Welpen angegeben. So lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer Verpaarung von Konduktoren erheblich verringern, aber nicht völlig ausschließen.Dr. Carmen L. Battaglia: Pedigree Analysis (englisch).

Heute kann eine DNA-Analyse Aufschluss über rezessive Erbanlagen geben, bevor ein Tier zur Zucht eingesetzt wird. So kann die Verpaarung zweier Tiere mit unerwünschten Genen im Genotyp vermieden werden. Auch die Frage, ob und welche Varianten leuzistischer Gene und Albinismus-Gene sich im Erbgut eines Hundes befinden, kann dabei geklärt werden.

Neben Fehlfarben, die keinen Einfluss auf die Gesundheit haben, gibt es auch solche, die immer oder zumindest bei bestimmten Rassen durch Polyphänie mit FehlbildungenSaskia Kristina Hogreve: Untersuchungen zum Hörvermögen von Neuweltkameliden unter besonderer Berücksichtigung der Irispigmentierung. Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Universität Gießen 2003, ISBN 3-89687-650-3, S. 15–17 (doi:10.22029/jlupub-12037). oder Erkrankungen einhergehen. In solchen Fällen bestehen ethische Gründe, die Zucht solcher Hunde zu verbieten (siehe auch Qualzucht).Sachverständigengruppe Tierzucht und Heimtierzucht: Gutachten zur Auslegung von § 11 b des Tierschutzgesetzes.Tierschutzgesetz § 11 (online).Bernice Bovenkerk, Hanneke J. Nijland: The Pedigree Dog Breeding Debate in Ethics and Practice: Beyond Welfare Arguments (englisch).Helga Eichelberg: Gedanken zur zeitgemäßen Hundezucht Die folgenden Beispiele wurden ausgewählt, um die heutige Situation exemplarisch zu veranschaulichen.

Gesunde Fehlfarbenhunde mini|Karakatschan in brindle mit einem ScheckungsgenSheila Schmutz 2016: mini|Der AKC betrachtet creme-weiß beim Shiba als Fehlfarbe,FCI Standard Nr. 257 der British Kennel Club akzeptiert weiß mit rötlichen Tönungen (Ohren).

Beispielsweise beim Karakatschan gilt Stromung im Rassestandard als Fehlfarbe.Karakachan Dog International Association: Karakachan Dog Breed Standard (englisch). Durch das Farbgen bedingte gesundheitliche Beeinträchtigungen sind nicht bekannt. Bei einigen anderen Rassen ist diese Färbung im Standard vorgesehen.Silken Windsprite Club: FCI Rassestandard Nr. 225 Akita

Bei Dackeln ist rotes Fell, das entweder durch das Allel Ay auf dem Agoutilocus oder durch das rezessive Allel e auf dem Extensionlocus entsteht, im Standard zugelassen, wobei Letzteres auch bei Welpen von zwei schwarzroten oder saufarbenen Elterntieren auftreten kann.Stefanie Mahlberg: . In: Der Dachshund 03–05/2013.FCI-Standard Nr. 148 DachshundDTK Landesverband Rheinland e. V. Landesverband im Deutschen Teckelklub 1888 e. V.: Farben der Teckel Bei Rassen, in denen nur schwarzrot zulässig ist, gilt dasselbe Vererbungsphänomen als Grund, einen einfarbigen Welpen in rezessiv rot bzw. dürrlaubfarben als Fehlfarbe einzustufen.