mini|Wasserturm auf dem Nesselberg Der stillgelegte Wasserturm auf dem Nesselberg steht in Waren (Müritz) im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern auf dem 82,3 m ü. NN hohen Nesselberg. Nach seiner Stilllegung im Jahr 1963 blieb er lange Jahre ungenutzt, die technischen Installationen wurden entfernt. 1978 wurde das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt. (siehe auch Liste der Baudenkmale in Waren (Müritz)). In den 1990er Jahren wurde er saniert und zu Ferienwohnungen umgebaut.

Geschichte Mit dem Bevölkerungswachstum von Waren Ende des 19. Jahrhunderts stieg der Bedarf an Trinkwasser; die Trinkwasserbrunnen genügten nicht mehr. Am 13. Mai 1896 schloss die Stadtverwaltung mit dem Düsseldorfer Unternehmen Heinrich Scheven einen Vertrag zur Erstellung eines Kanalisationsprojekts. Nach Prüfung der Grundwasserqualität ergab sich, dass ein 35 Meter hoher Wasser- und Aussichtsturm mit Plattform und Galerie auf dem Nesselberg die Probleme lösen kann. Scheven erhielt den Ausführungsauftrag. Wasserwerk und Wasserturm wurden am 1. November 1897 in Betrieb genommen.

Der Wasserturm steht etwa 280 m von der früheren Pumpstation entfernt; im Rundturm über einem 14 Meter hohen massiven Unterbau wurde ein schmiedeeiserner Hängebodenbehälter vom Typ Intze installiert. Die von Dampfmaschinen getriebenen Pumpen förderten Wasser aus acht Rohrbrunnen aus einer Tiefe von 12 Metern. Die Anlage versorgte 209 Hausanschlüsse mit Trinkwasser; nicht sofort in das Stadtrohrnetz eingespeistes Wasser wurde in den Behälter des Wasserturms gepumpt.

Die Anlage, deren Baukosten mit 240.000 Mark veranschlagt gewesen waren, war zunächst Eigentum des ausführenden Unternehmers Heinrich Scheven. Obwohl er eine Betriebskonzession für 50 Jahre erhalten hatte, verkaufte er diese bereits im Jahr 1898 für 225.000 Mark an die Aktiengesellschaft Deutsche Wasserwerke in Berlin.

Am 11. Januar 1900 geriet die Holzkonstruktion des Turms durch ein glühendes Ofenrohr in der Wohnung unter dem Wassertank in Brand. Die Handpumpen der Feuerwehr reichten für die Löschwasserförderung in diese Höhe nicht aus, so dass der Turm niederbrannte. Dass ausgerechnet ein Wasserturm einem Brand zum Opfer fiel, gab Anlass zu spöttischen Kommentaren in der Presse. Auch eine Postkarte zu diesem Vorfall, basierend auf einer Skizze Ulrich Kählers, wurde gedruckt.

Der Turm wurde neu errichtet. Im Jahr 1919 verkaufte die Deutsche Wasserwerke AG das Wasserwerk für 500.000 Mark an die Stadt Waren. Die Dampfkolbenpumpen wurden von 1926 bis 1928 nach und nach durch Pumpen mit Dieselmotoren ersetzt. Ab 1929/1930 kamen elektrisch angetriebene Kreiselpumpen zum Einsatz.

Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde der Wasserturm im Jahr 1953 wiederhergestellt und bis in die 1960er Jahre als Wasserspeicher genutzt.

Umnutzung Nach der deutschen Wiedervereinigung musste der letzte Wärter, der den Turm bis in die 1990er Jahre bewohnt hatte, ausziehen; das Gebäude verfiel. In den Jahren 2001/2002 ließ die Stadt Dach und Fachwerk sanieren. Nachdem mehrere Nutzungskonzepte für den Turm nicht in die Tat umgesetzt worden waren, verkaufte die Stadt Waren den Turm im Jahr 2010 an die Bewahren Ferienhaus eG. Die ließ von Oktober 2009 bis Juni 2011 im Turmkopf vier Ferienwohnungen mit Nutzflächen von 30 bis 70 m² einrichten. Teile des alten 175-l-Kessels wurden in die Architektur integriert: z. B. bildet der Kesselboden die Decke im zweiten Obergeschoss und dient im Geschoss darüber als umlaufende Sitzgelegenheit.Projektdokumentation des Architekturbüros Angelika Kutz, Berlin/Waren

Die Außenwände des Turmkopfes wurden mit einem speziellen Dämmputz und inneren Vorsatzfenstern energetisch ertüchtigt, um die historische Fassade zu erhalten.Das besondere Feriendomizil: Die mustergültige Umnutzung eines Wasserturms in Waren (Müritz) – Denkmal des Monats März 2012 (vergleiche Weblinks)TWArchitekten: Wasserturm Waren, Müritz |Ferienwohnungen

Technische Daten (Auswahl) Inbetriebnahme: 1. November 1897 Volumen des Wasserbehälters: 175 m³ Höhe des Turms: 35 m Anzahl der Stufen: 69 Unterbau: massiver, ca. 14 m hoher Schaft aus zweischaligem Ziegelmauerwerk mit einer Wandstärke von bis zu 1,20 Metern im Sockelbereich; Durchmesser des Sockels 8,10 m

Weblinks

Das besondere Feriendomizil: Die mustergültige Umnutzung eines Wasserturms in Waren (Müritz) – Denkmal des Monats März 2012 auf kulturwerte-mv.de, zuletzt abgerufen am 7. Juli 2026 Wasserturm Waren: Die Geschichte des Wasserturms W wie wachgeküsst – der Wasserturm Waren; u.a. mit einer Schnittdarstellung, www.urlaubsarchitektur.de. Wasserturm mit Aussicht (Kommentar: Die Abbildung und Beschreibung bezieht sich auf den Turm in Waren, hier fälschlicherweise Güstrow zugeordnet.), www.geo.de.

Einzelnachweise

Waren Kategorie:Umgenutztes Bauwerk im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Kategorie:Bauwerk in Waren (Müritz) Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren Kategorie:Rundturm Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Fachwerkgebäude in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Turm in Europa