mini|Ehemaliger Hauptsitz im Pioneer Building OpenAI, Inc. ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen, das sich seit Ende 2015 mit der Erforschung künstlicher Intelligenz (KI, englisch Artificial Intelligence, AI) beschäftigt. Anfänglich war das Ziel von OpenAI, künstliche Intelligenz auf Open-Source-Basis zu entwickeln. Das Unternehmen war anfangs eine gemeinnützige Organisation ohne Gewinnerzielungsabsicht. 2019 wurde die gewinnorientierte Tochtergesellschaft OpenAI Global, LLC gegründet, in der Microsoft größter Investor ist. Die nicht gewinnorientierte Open AI Foundation hält einen Anteil von rund 26 Prozent an der OpenAI Group PBC. OpenAI ist vor allem bekannt für die Entwicklung der generativen vortrainierten Transformer (GPT) – auch generative künstliche Intelligenz, kurz GenAI, bezeichnet – und der daraus abgeleiteten Softwareprodukte wie ChatGPT oder DALL-E.

Geschichte Gründungsphase und Mission Der Gründung von OpenAI im Dezember 2015 ging eine lange Debatte um die Risiken von KI voraus. Die Wissenschaftler Stephen Hawking und Stuart Jonathan Russell warnten, wenn künstliche Intelligenz künftig sich selbst verbessern könne, drohe eine Explosion der Intelligenz. Eine Folge könnte die Ersetzung der Menschheit durch superintelligente künstliche Intelligenz sein, die nicht an menschliche Wertvorstellungen gebunden ist. Um Risiken wie diesen bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz entgegenzutreten, wurde OpenAI, Inc. als Open-Source-Non-Profit-Organisation in der Rechtsform einer Public Charity (501(c), Nonprofit) konzipiert. Dies sollte die Unabhängigkeit der Organisation gegenüber Geldgebern und deren Interessen sicherstellen. Für die Forschung sollte der Freiraum geschaffen werden, sich auf lange Sicht positiv auf die Gesellschaft auswirken zu können. Die Organisation wollte eine „freie Zusammenarbeit“ mit anderen Institutionen und Forschern ermöglichen, indem sie ihre Patente und Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich mache.

Gegründet wurde OpenAI von einer Gruppe von KI- und IT-Experten, darunter als bekannteste Personen Sam Altman (zuvor unter anderem bei Y Combinator tätig), Greg Brockman, ehemaliger Chefentwickler von Stripe, der Multiunternehmer Elon Musk und Ilya Sutskever, ein ehemaliger Experte von Google für Maschinelles Lernen. OpenAI, Inc. wurde ursprünglich ausschließlich durch Spenden finanziert. Die Initiative hatte von Beginn an sehr prominente Unterstützer mit Reid Hoffman, Mitbegründer von LinkedIn, Peter Thiel, Mitbegründer von PayPal, Jessica Livingston, eine Gründungspartnerin von Y Combinator, Amazon Web Services und Infosys Technologies.

Das Unternehmen OpenAI selbst äußerte 2015, dass schwer abzuschätzen sei, wie sehr die Gesellschaft von hochwertiger künstlicher Intelligenz profitieren könnte. Genauso komplex sei zu eruieren, welchen Schaden eine missbräuchliche Verwendung dieser Technologie mit sich bringen könnte. Es sei nicht absehbar, wann künstliche Intelligenz auf dem Niveau sein werde, mit der menschlichen Intelligenz in Konkurrenz zu treten. Der Vorstand von OpenAI sagte 2015, künstliche Intelligenz sei eine Erweiterung des individuellen menschlichen Willens. Damit sollte diese Technologie auch flächendeckend verfügbar und jedem Menschen im gleichen Maße zugänglich sein. Das erklärte Fernziel von OpenAI ist die Entwicklung einer künstlichen allgemeinen Intelligenz (Artificial General Intelligence - AGI), einer fortgeschrittenen Form der KI, die in der Lage sein soll, intellektuelle Aufgaben nicht nur auf einem menschenähnlichen, sondern potenziell darüber hinaus gehenden Niveau zu bewältigen. Ein Übertreffen der menschlichen Intelligenz durch das auf mehrere Jahrzehnte konzipierte Projekt OpenAI ist für den Vorsitzenden des Unternehmens, Sam Altman, jedenfalls denkbar.

Cade Metz von Wired sagte, dass Firmen wie Amazon Interesse an der Verwendung von Open-Source-Software und Open-Source-Daten hätten, um sich gegen Unternehmen wie Google oder Facebook zu behaupten, die über eine starke proprietäre Datenbasis verfügen. Firmen von Y Combinator teilen ihre Daten ebenfalls mit OpenAI, so Altman in einem Interview. OpenAI profitierte anfangs so sehr von seinen guten Absichten und dem Image, dass es trotz schlechterer Gehälter im Vergleich zu anderen KI-Entwicklern wie Google oder Facebook zahlreiche Top-Entwickler für sich gewinnen konnte. Trotz dieser Unterschiede in der Bezahlung wechselte etwa Sutskever von Google zu OpenAI. Der Forscher Wojciech Zaremba lehnte demnach Angebote von Firmen ab, die ihm das Zwei- bis Dreifache als Gehalt angeboten hätten, um sich stattdessen OpenAI anzuschließen.

Weitere Unternehmensentwicklung bis Veröffentlichung von ChatGPT Nachdem die bis 2019 durch Spenden erworbenen finanziellen Mittel nur etwa 130 Millionen US-Dollar erreichten und nicht mehr für die Weiterentwicklung der Organisation ausreichten, wurde die gewinnorientierte Tochterfirma OpenAI Global, LLC gegründet. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, für dessen Investoren die Erträge begrenzt sind (englisch Capped profit company). Für diese Regelung wurde die Metapher Nobel Moment in Anspielung an die Stiftung der Nobelpreise durch Alfred Nobel verwendet. Nobel wollte damals seine hohen Gewinne aus dem Dynamitgeschäft für einen guten Zweck einsetzen.Roberto Simanowski: Als Oppenheimer sah, wie die Bombe explodiert: Wissenschaftler forschen, bis ihre Entdeckungen nicht mehr aufzuhalten sind. Sind wir bei der KI schon so weit? In: NZZ, 2023-11-21. Abgerufen am 2023-11-21. Allerdings ist die Begrenzung der zukünftig an Investoren ausbezahlten Erträge sehr hoch angesetzt, indem sie bis zum Hundertfachen der ursprünglichen Investition ansteigen dürfen.Devin Coldewey: OpenAI shifts from nonprofit to capped-profit to attract capital. techcrunch.com, 11. März 2019. Abgerufen am 16. Oktober 2023. OpenAI, Inc., weiterhin eine Nonprofit-Organisation, übt volle Kontrollrechte (über eine zwischengeschaltete Struktur, OpenAI GP, LLC, die als general partner (vergleichbar einem Komplementär) fungiert) über die Tochterfirma aus und erhält deren allfällig überschüssige Erträge.Our Structure. OpenAI, 23. Juni 2023. Abgerufen am 15. Oktober 2023.

OpenAI Global verdient Geld mit Software-Produkten. Das bekannteste ist ChatGPT Plus, ein Abonnementservice für ChatGPT, der den zahlenden Nutzern Privilegien und Zusatzfunktionen gegenüber nichtzahlenden Nutzern einräumt. Wichtiger Geldgeber und größter Einzelaktionär von OpenAI Global ist das Unternehmen Microsoft; Microsoft ist jedoch nur nicht-stimmberechtigter Beobachter im Verwaltungsrat von OpenAI und hat keinerlei Kontrollrechte in OpenAI Global. Hatte Microsoft bereits in den Jahren 2019 und 2021 jeweils eine Milliarde US-Dollar in OpenAI Global investiert, sicherte sich das Unternehmen im Januar 2023 für ein weiteres Investment in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar die Dienste von OpenAI zur Implementierung von deren Algorithmen und Produkten in eigene Microsoft-Produkte. OpenAI benötigte die Finanzierung sowie das Cloud-Computing (Microsoft Azure) und Supercomputer von Microsoft, um die eigenen Programme betreiben zu können, bzw. die durch die eigenen Programme anfallenden riesigen Datenmengen zu verarbeiten sowie die eigene Forschung voranzutreiben.

Im Februar 2018 verließ Elon Musk die Leitung von OpenAI, um angeblich Interessenkonflikte mit Teslas Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz zu vermeiden. Er blieb zunächst weiterhin Spender und Berater der Organisation. Sam Altman fungiert als CEO und wurde zum Gesicht von OpenAI, Brockman war als CTO und später als Vorsitzender des Aufsichtsrats und Präsident tätig. Im November 2022 wurde der Chatbot ChatGPT basierend auf GPT-3.5 veröffentlicht. Laut OpenAI erreichte die Anwendung im Januar 2023 eine Million aktive Nutzer und wurde damit zum am schnellsten wachsenden Verbraucherprodukt der Geschichte. Damit war ChatGPT die am schnellsten wachsende Plattform aller Zeiten. Im Herbst 2023 wurde OpenAI mit einem Firmenwert von 80 bis 90 Milliarden US-Dollar bewertet.

Entlassung und Rückkehr von Sam Altman Am 17. November 2023 kam es zu der überraschenden Entlassung von CEO Sam Altman durch den Verwaltungsrat des Unternehmens. Der Verwaltungsratsvorsitzende Greg Brockman trat daraufhin zurück, da er nicht an der Entlassung beteiligt war. Als Begründung zur Entlassung wurde angegeben, dass Sam Altman in seiner Kommunikation „nicht durchweg aufrichtig“ gewesen sei. Der tiefere Hintergrund der Entlassung Altmans soll eine Kontroverse zwischen ihm und Verwaltungsratsmitglied Sutskever gewesen sein, der in der Kommerzialisierung von OpenAI ein Sicherheitsrisiko gesehen haben soll.ChatGPT: OpenAI will Sam Altman offenbar zurückgewinnen, Zeit Online, 19. November 2023; abgerufen am selben Tag Spätere Recherchen legten weitere Vorwürfe wie geheime Absprachen Altmans für ein die Corporate Governance untergrabenes „Schatten-Board“ offen. Noch am selben Tag übernahm die bisherige CTO Mira Murati als neue Interims-CEO. Der Verwaltungsrat von OpenAI bestand aus sechs Mitgliedern, dazu gehörten: Greg Brockman (Verwaltungsratsvorsitzender) Ilya Sutskever (Chefwissenschaftler) Adam D’Angelo (CEO der Frageplattform Quora) Tasha McCauley (Techunternehmerin) Helen Toner (strategische Direktorin am Center for Security and Emerging Technology der Georgetown-Universität in Washington, D. C).

Bereits zwei Tage später wurde am Sonntag, in der Nacht zu Montag, bekannt, dass Emmett Shear (ehemaliger CEO von Twitch) neuer Interims-CEO von OpenAI wird. Nur eine Stunde zuvor war bekannt geworden, dass Altman zu Microsoft wechseln werde, zusammen mit Brockman. Microsoft als größter Aktionär von OpenAI hatte Interesse bekundet und ihm angeboten, eine neue KI-Abteilung zu leiten. Parallel dazu hatten am Wochenende auch intensive Verhandlungen zwischen Altman und OpenAI über seine mögliche Rückkehr stattgefunden, die vorerst scheiterten.

Am 22. November 2023 verkündete OpenAI dann die Rückkehr von Sam Altman als CEO. Der Druck von Beschäftigten – in der Zwischenzeit hatten mindestens 650 von rund 770 Beschäftigten mit Kündigung und dem Wechsel zu Microsoft gedroht – und Investoren von OpenAI spielte dabei eine wesentliche Rolle. Sie drängten darauf, Altman, den Mitbegründer von OpenAI, wieder in seine frühere Position einzusetzen. Als Konsequenz wurde auch der Verwaltungsrat neu formiert.Geschasster Chef Sam Altman kehrt zurück zu OpenAI. In: Spiegel Netzwelt 22. November 2023

Der Konflikt um die Entlassung und Wiedereinstellung von Altman war geprägt von Ideologie und Machtkämpfen.Cade Metz et al.: Before Altman’s Ouster, OpenAI’s Board Was Divided and Feuding. In: The New York Times, 2023-11-22. Abgerufen am 2023-11-24 (englisch). Altman ist Repräsentant für die kommerzielle Ausrichtung von OpenAI, Sutskever für den Auftrag zur Schaffung „sicheren, wohlwollenden KI“ und als Kämpfer für sein Projekt besserer menschlicher KI-Ausrichtung (AI Alignment) der Produkte von OpenAI.Introducing Superalignment. OpenAI, 2023-07-05. Abgerufen 2023-11-24 (englisch) Es geht konkret auch um die Mittelzuteilung von Personal und Rechenleistungskapazitäten. Die Wiedereinsetzung von Altman als Vorsitzender (CEO), die Absetzung von Sutskever und der zwei unabhängigen Firmenexternen Helen Toner (Forscherin) und Tasha McCauley (Wissenschaftlerin der RAND Corp.) als Verwaltungsrätinnen sowie die neu gewählten Verwaltungsräte geben Hinweise auf die erfolgte Machtverschiebung.Nelly Keusch und Ruth Fulterer: OpenAI begann als idealistisches Projekt. Doch Chat-GPT machte den Konflikt zwischen Kommerz und Moral unlösbar. In: Neue Zürcher Zeitung, 2023-11-23. Abgerufen am 2023-11-24.Andrew Ross Sorkin et al.: The Fallout From Sam Altman’s Return to OpenAI. In: The New York Times, 2023-11-22. Abgerufen am 2023-11-24 (englisch).

Aufsichtsrat von OpenAI, Inc.