Wim Mühlendyck (* 1. März 1905 in Porz; † 10. April 1986 in Höhr-Grenzhausen) war ein deutscher Bildhauer und Keramiker.
Leben Wim Mühlendyck war der Sohn eines Pastors.Töpferhof Mühlendyck. In: kuladig.de. Abgerufen am 19. September 2026. Er absolvierte 1924 das Abitur in Köln. Noch im selben Jahr nahm er ein Studium der Forstwissenschaft an der dortigen Universität auf, das er 1925 wieder aufgab. Von 1925 bis 1926 besuchte er die Kölner Werkschulen, wo er das Töpferhandwerk erlernte und unter anderem ein Schüler von Georg Roth war. Anschließend ging er zur weiteren Ausbildung bis 1927 an die Keramische Fachschule Höhr. Von 1927 bis 1930 bildete er sich am Berufspädagogischen Institut in Köln zum Gewerbeoberlehrer fort. Parallel dazu arbeitete er als Berufsschullehrer in Frechen.
1930 kehrte Mühlendyck nach Höhr zurück und arbeitete kurzzeitig mit Elfriede Balzar-Kopp zusammen. Ihr gemeinsam gegründetes Unternehmen „BaKo, Westerwälder keramische Werkstätten GmbH“ ging jedoch bereits 1931 in Konkurs. Im gleichen Jahr heiratete Mühlendyck die gelernte Kindergärtnerin Elisabeth „Bita“ Bever (1908–2004), deren wohlhabender Vater ihn bei der Tilgung der Schulden unterstützte. Mühlendyck führte eine eigene Werkstatt in Höhr-Grenzhausen und konnte mit dem Aufschwung des Kunsthandwerks ab 1933 auch Lehrlinge einstellen. 1936 errichtete er einen Töpferhof in Grenzhausen (Lindenstraße 39), der neben dem Hauptgebäude mit Werkstatt und Wohnbereich auch ein verbundenes Ofenhaus mit Kannenofen umfasste. Neben Gefäßen schuf Mühlendyck nun auch Baukeramik-Arbeiten und führte Aufträge an öffentlichen Gebäuden und Kirchen aus, was ihn bekannter machte. 1937 wurde er bei der Weltfachausstellung Paris 1937 mit dem Ehrenpreis und bei der Handwerksausstellung in Berlin 1939 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. 1937 bestand er die Meisterprüfung.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Mühlendyck eingezogen und befand sich von 1944 bis 1946 in britischer Kriegsgefangenschaft. Danach machte er in England eine Ausbildung zum Laienpriester und war dort ein Jahr lang als Seelsorger tätig. 1948 kehrte er auf den Töpferhof in Höhr-Grenzhausen zurück. Seine Ehefrau, die mit den drei Kindern zwischenzeitlich bei Verwandten im Nordosten Deutschlands untergekommen war, hatte nach Kriegsende den Töpfereibetrieb zusammen mit Rückkehrern der Belegschaft sofort wieder aufgenommen. Anschließend arbeitete sie dort als Keramikmalerin. Auch der gemeinsame Sohn Johannes Mühlendyck (1933–2013) war auf dem Töpferhof tätig, beginnend mit 14 Jahren als Lehrling seines Vaters bis zur Gesellenprüfung 1951 sowie ab 1958 als Selbstständiger und zwei Jahre später als Partner seines Vaters im Unternehmen, das sich nun als „Töpferhof – Wim u. Johannes Mühlendyck“ präsentierte. Seine jüngere Schwester Katharina Dietz-Mühlendyck (* 1942) absolvierte von 1961 bis 1963 ebenfalls eine Töpferlehre beim Vater. Sie heiratete den Keramiker Theo Dietz (* 1938), mit dem sie 1964 eine Werkstatt in Rheinbach gründete, die 1969 nach Königswinter verlegt wurde.
Mühlendyck starb 1986 im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Zunächst übernahm Theo Dietz den Töpferhof, 1992 dessen Tochter Elisabeth Dietz-Bläsner (* 1965). Nach Absatzrückgängen Anfang der 2000er Jahre wurde der Hof an andere Künstler vermietet.
Bedeutung Wim Mühlendyck gilt als Erneuerer der Westerwälder Salzbrand-Keramik. Nach seinem Umzug von Köln in den Westerwald machte er sich mit dieser vertraut, vertiefte sich in die traditionellen Dekore in Red- und Knibistechnik und wandte diese Kunst neben der Gefäßtöpferei auch in der Baukeramik an. Er experimentierte mit Brennvorgängen, Formen und Dekortechniken und erweiterte das etablierte Bildrepertoire um viele Tier- und Blumenmotive sowie christliche Darstellungen. War das Westerwälder Steinzeug bis dahin vorwiegend in Form von Gefäßen zu finden, produzierte er damit auch Kacheln und große Platten, was ihm durch die Beifügung von Schamotte zum Ton gelang. Beispiele finden sich auf den Böden der evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen und in der dortigen Friedhofskapelle.
Bei der Red- und Knibistechnik werden mit einem Holz oder einem Eisen Muster in die Fläche geritzt. Zu nennen ist z. B. die sogenannte Knibissonne und der sogenannte Knibisstern. Einen anderen Schwerpunkt setzte er in der Herstellung von Grabsteinen aus Keramik, was bis dahin unüblich war. Verwendung fanden diese auch auf Soldatenfriedhöfen.
Mühlendyck war ein engagierter Ausbilder, der die nachfolgende Keramikergeneration wesentlich beeinflusste. Sein erster Lehrling war von 1933 bis 1936 Rudi Stahl (1918–1987; Bruder von Wendelin Stahl), später folgten unter anderem von 1935 bis 1938 Ruth Landmann,Lebenslauf. In: ruth-landmann.de. Abgerufen am 19. September 2026. von 1936 bis 1939Maria Velte (Bearb.): Schmuck, keramische Kunst in Rheinland-Pfalz. Ausstellungskatalog. Mittelrhein-Museum Koblenz, Koblenz 1969, S. 69. Ernst Stauber (1921–2003), Mühlendycks Kinder sowie von 1975 bis 1978 Fritz Roßmann (1958–2021).Fritz Roßmann war ein wahrer Meister des Porzellans. In: Rhein-Zeitung Kreis Neuwied. 30. Juli 2021, S. 21. Abgerufen am 19. September 2026.
Auszeichnungen 1937–1939: Goldmedaille, Triennale Mailand / Ehrenpreis, Weltausstellung Paris / Goldmedaille, Handwerksausstellung Berlin 1954: Goldmedaille, Triennale Mailand 1956: Silbermedaille Florenz 1965: Ehrenpreis der Deutschen Keramischen Gesellschaft (DKG) 1976: Bundesverdienstkreuz (mit Rudi Stahl)
Werkauswahl mini|Keramikbrunnen vor dem Alten Rathaus Frechen Keramikkreuz im Altarraum der Christuskirche in Essen (Christus mit Engeln, Plattenmosaik, 1962) St. Georgs-Kachel für Pfarrkirche St. Peter und Paul in Höhr-Grenzhausen (1975) Rathausbrunnen in Frechen (1981) Wand- und Bodenplatten, Taufbecken und Kerzenständer für die Evangelische Kirche in Höhr-Grenzhausen
Signatur Geritzt oder gestempelt, ein Symbol für Mühlenflügel, das aus den Buchstaben W I M zusammengesetzt ist. mini|Signatur Wim Mühlendyck
Weblinks
Gestaltung des Innenraums mit Keramik der Evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen durch Wim Mühlendyck
Einzelnachweise
Kategorie:Keramiker (Deutschland) Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Person (Höhr-Grenzhausen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1905 Kategorie:Gestorben 1986 Kategorie:Mann