Böblingen [] ist eine Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis mit Einwohnern () in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa 20 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Stuttgart und ist hinsichtlich der Bevölkerungszahl die zweitgrößte Stadt des Landkreises. Zusammen mit der Stadt Sindelfingen bildet sie ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit dem 1. Februar 1962 ist Böblingen Große Kreisstadt.

Geographie Lage mini|hochkant|Treppenreiche Innenstadt mini|Der Marktplatz mini|Das 1952 erbaute alte Rathaus

Böblingen liegt am Nordostrand des Oberen Gäus, auf und an einem steilen Hügel, der ein Ausläufer des Schönbuchs ist. Der nördliche Schwarzwald ist von Böblingen aus in etwa einer halben Stunde, die Schwäbische Alb in 40 Minuten erreichbar. Es gibt keine bedeutenden Flüsse, die Schwippe ist das bedeutendste Fließgewässer, tritt aber nur in Dagersheim auf das Gebiet der Stadt Böblingen.

Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich mit auf der ehemaligen Mülldeponie und jetzigem „Solar Hill“. Die höchste natürliche Erhebung findet man beim Wasserturm auf der Waldburg mit . Der niedrigste Punkt ist mit in der südöstlichen Ecke des Stadtgebietes am nördlichen Ufer des Sulzbaches zu finden.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden – im Uhrzeigersinn im Osten beginnend – grenzen an die Stadt Böblingen: Leinfelden-Echterdingen (Landkreis Esslingen) sowie Schönaich, Holzgerlingen, Ehningen und Sindelfingen (alle Landkreis Böblingen).

Stadtgliederung Böblingen besteht aus der Kernstadt und dem im Rahmen der Gebietsreform am 1. September 1971 eingegliederten Stadtteil Dagersheim. In Dagersheim gibt es einen von der Bevölkerung bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat, dem ein Ortsvorsteher vorsteht.

In der Kernstadt werden zum Teil Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Geschichte aufgrund der Bebauung ergeben haben, die jedoch meist nicht genau abgrenzbar sind und keine eigenen administrativen Einheiten bilden. Hierzu gehören beispielsweise Tannenberg, Waldburg, Rauher Kapf, Grund und Diezenhalde.

Klar abgegrenzt ist jedoch das Gebiet Flugfeld (Stadtteil), welches an der Stadtgrenze zu Sindelfingen liegt und als interkommunaler Stadtteil entwickelt wird. Hierfür gibt es einen Zweckverband.https://www.flugfeld.info/de/zweckverband/satzungen-richtlinien/verbandssatzung.html#P2

Raumplanung Böblingen bildet zusammen mit der Nachbarstadt Sindelfingen ein Mittelzentrum innerhalb der Region Stuttgart, deren Oberzentrum Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Böblingen/Sindelfingen gehören neben den beiden Städten noch die Gemeinden im mittleren Teil des Landkreises Böblingen, und zwar Aidlingen, Altdorf, Ehningen, Gärtringen, Grafenau, Hildrizhausen, Holzgerlingen, Magstadt, Schönaich, Steinenbronn, Waldenbuch und Weil im Schönbuch.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Böblingen. Statistisches Landesamt.

Schutzgebiete

Im Osten von Böblingen liegt das Landschaftsschutzgebiet Glemswald. Weitere Landschaftsteile auf dem Stadtgebiet wurden als Landschaftsschutzgebiet Böblingen ausgewiesen. Die Stadt hat überdies Anteile an den FFH-Gebieten Glemswald und Stuttgarter Bucht und Gäulandschaft an der Würm.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Vorgeschichte Die Besiedlung des Böblinger Raumes reicht zurück in die Altsteinzeit (ca. 25.000–20.000 v. Chr.). Reste eines hier gefundenen Mammuts weisen Spuren menschlicher Bearbeitung auf. Besiedlungsspuren des Spätneolithikums wurden unter den Hügelgräbern am Waldfriedhof gefunden, die aus der Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) und der späten Hallstattzeit (500 v. Chr.) stammen.

Mittelalter Die ersten schriftlichen Überlieferungen stammen aus dem Mittelalter um 1100 n. Chr.: „Bebelingen“ wird darin als Name eines alemannischen Adelsgeschlechts erwähnt. Auf die Alemannen weist die Endsilbe -ingen im Namen von Böblingen. Der erste Teil des Stadtnamens wird mit einem Adeligen namens „Bobilo“ in Verbindung gebracht.

Im Jahr 1272 residierte in Böblingen eine Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen, auf die die Stadtgründung zurückgeht. Sie planten die Stadt in Gestalt eines halben Ovals um den Schlossberg, mit der Marktstraße als Längsachse und rechtwinklig dazu verlaufenden Quergassen. Die Herrschaft der Tübinger Pfalzgrafen endete 1344 bzw. 1357, als wirtschaftlicher Niedergang sie zwang, die Stadt an die Grafen von Württemberg zu veräußern. Die dreilappige rote Kirchenfahne der Pfalzgrafen findet sich im Wappen.

Württembergische Zeit Böblingen wurde dadurch Sitz eines württembergischen „Amtes“ und später eines „Oberamtes“.

mini|Böblingen 1681, Forstlagerbuch von Andreas Kieser mini|Böblingen um 1900 mini|rechts|Luftbild von Böblingen, September 1917 mini|Böblingen vor dem Zweiten Weltkrieg

Am Ort des Böblinger Schlosses stand vorher eine Burg. Ihr Bau wird aufgrund von Keramikfunden auf das 7. bis 9. Jahrhundert datiert. Urkundlich erwähnt wurde die Burg erstmals 1302. Das Schloss diente im 15. Jahrhundert als Witwensitz des Hauses Württemberg. Die bedeutendsten der fürstlichen Witwen, die dort residierten, waren Gräfin Mechthild von der Pfalz, die Mutter des württembergischen Grafen Eberhard im Bart, und Barbara Gonzaga von Mantua, die Gemahlin Eberhards. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg prägte das Schloss das Stadtbild.

Am 12. Mai 1525 war Böblingen Schauplatz einer der blutigsten Schlachten des Deutschen Bauernkriegs. Georg Truchsess von Waldburg-Zeil, Feldherr des Schwäbischen Bundes, schlug in der Schlacht bei Böblingen 15.000 Bauern aus Württemberg, dem Schwarzwald und dem Hegau vernichtend.

Aus der württembergischen Vogtei und dem späteren Amt in Böblingen entstand 1758 das Oberamt Böblingen. Durch die Umwälzungen während der Zeit der Koalitionskriege und der 1806 erfolgten Gründung des Königreichs Württemberg wurde das Oberamt Böblingen bis 1813 durch einige vormals geistliche und reichsritterliche Gebiete sowie um weitere württembergische Orte vergrößert.

1850 hatte die Stadt Böblingen 3665 evangelische Einwohner, neun bekannten sich zum katholischen und sieben zum jüdischen Glauben. Sie lebten und arbeiteten in 482 Haupt- und 126 Nebengebäuden. Zu dieser Zeit waren Land- und Forstwirtschaft noch die wichtigsten Erwerbsquellen; 35 % der Markungsfläche wurden landwirtschaftlich genutzt und 58 % waren bewaldet. Neben dem Handwerk und der Weberei, die im Umbruch von der handwerklichen zur industriellen Fertigung begriffen war, entstanden erste Industriebetriebe wie das Laboratorium des Apothekers Bonz, das sich im 19. Jahrhundert zu einer Fabrik von Weltrang für chemische Erzeugnisse, besonders für Narkosemittel entwickelte, sowie Spinnereien und die Spielwarenfabrik von Christian Auberlen.

Beim Aufbruch ins Industriezeitalter war das vielfältige Handwerk, der Fleiß, die Geschicklichkeit und der Einfallsreichtum der Menschen ein Standortvorteil. Die Maschinenfabrik August Wagner (Bau von Pressen, Nähmaschinen, Dampfmaschinen und Fasswaschmaschinen für Brauereien) war ein Musterbeispiel für schwäbisches Tüftlertum. Den entscheidenden Impuls erhielt die Böblinger Industrieentwicklung 1879 mit der Eröffnung der Gäubahn. Der Bau dieser Strecke zur Erweiterung des Netzes der Württembergischen Eisenbahn ist mit erheblichem Engagement von Otto Elben betrieben worden. Mit dem Bahnanschluss einher ging die Ausweisung neuer Industriegebiete. Schon 1886 siedelte sich dort die Mechanische Trikotweberei Ludwig Maier & Genieder an. Das unternehmerische Erfolgskonzept bestand in der Produktion des neu auf den Markt gekommenen Büstenhalters.

Im Ersten Weltkrieg wurde am 16. August 1915 der Böblinger Militärflughafen eingeweiht. Der Flughafen beherbergte auch die Fliegerersatzabteilung 10 (FEA 10) als Ausbildungsabteilung. Die Revolution begann in Böblingen am Abend des 8. November 1918. Arbeiter des Flughafens und des Daimler-Werks in Sindelfingen, das zu der Zeit eine Flugzeugfabrik war und seit März 1918 unter militärischer Kontrolle stand, planten Forderungen und Aktionen. Am Morgen des 9. Novembers präsentierten die Arbeiter des Flughafens nach einer Arbeitsniederlegung ihre Forderungen: Verbesserung der Kost, Erhöhung der Löhne und die Entlassung des Werftoffiziers Zahn. Danach schlossen sich die Zivilarbeiter des Flughafens, Angehörige der FEA 10 und die Mitarbeiter des Daimler-Werks zu einem Demonstrationszug in Richtung Böblingen zusammen, der ohne Zwischenfälle am Postplatz endete. Soldaten der FEA 10 bildeten am 11. November einen Soldatenrat aus vierzehn Mitgliedern. Der Rat ordnete die Besetzung strategisch wichtiger Einrichtungen an. Dazu gehörten das Oberamt, das Rathaus, das Post- und Telegrafenamt, die Gewerbebank, das Gaswerk und der Bahnhof. Im Dezember wurde der Arbeiter- und Bauernrat für die Stadt Böblingen gewählt. Mit dem politischen Wechsel zur Republik verloren die Räte ihre Bedeutung und lösten sich auf. Im Mai 1919 fanden in Böblingen Gemeinderatswahlen statt. Im Juni stellte der Flughafen den Betrieb der FEA 10 ein, ebenso der Soldatenrat seine Tätigkeit, im selben Jahr stellte Daimler am Standort Sindelfingen die Produktion auf Karosserien um.

Darauf folgend war für die weitere Stadtentwicklung von entscheidender Bedeutung, dass Böblingen 1925 Sitz des Landesflughafens für Württemberg wurde. Böblingen war die „Brücke zur Welt“. Am Rande des Flugplatzes errichtete der Böblinger Luftfahrtpionier Hanns Klemm (1885–1961) Ende 1926 sein Unternehmen Leichtflugzeugbau Klemm, das bis in den Zweiten Weltkrieg hinein wichtigster Industriebetrieb der Stadt war.

Auch eine Dampfziegelei war einst in Böblingen angesiedelt. Hier wurden unter der Leitung von Prokurist Alois Reinold zahlreiche Dachziegel gefertigt, die noch heute die Dächer der älteren Häuser in Böblingen und Sindelfingen bedecken.

mini|Zentrum nach dem Bombenangriff vom 7./8. Oktober 1943

NS-Zeit Durch die Kreisreformen während der NS-Zeit in Württemberg wurde 1934 aus dem Oberamt Böblingen zunächst der Kreis Böblingen, aus dem 1938 der Landkreis Böblingen hervorging.

Ab 1936 entstanden im Stadtwald in Rekordzeit die Hindenburg- und Ludendorff-Kasernen (heute US-Panzerkaserne), in die am 9. April 1938 das in Zossen aufgestellte Panzerregiment 8 einzog.

Der Luftangriff durch Luftstreitkräfte der Alliierten in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 zerstörte den größten Teil der Altstadt mit der Stadtkirche, dem Schloss und dem Rathaus. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte. Durch diesen und weitere Bombenangriffe waren bei Kriegsende ca. 40 Prozent der bebauten Fläche zerstört und nahezu 2.000 Menschen obdachlos.

Nachkriegszeit 1945 lag die Kreisstadt Böblingen in der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948 begann ein dynamischer Wiederaufbau. Die Einwohnerzahl verdreifachte sich innerhalb von zwei Jahrzehnten (1950: 12.600; 1970: 37.500). Mit der Ansiedlung zukunftsorientierter Unternehmen wie IBM (1949) und Hewlett-Packard (1959) sowie von mittelständischen Betrieben, die sich seit den 1970er-Jahren vor allem auch auf der Hulb niederließen, setzte parallel zur Bevölkerungszunahme ein starkes Wirtschaftswachstum ein.

Die Einwohnerzahl Böblingens überschritt 1957 die Grenze von 20.000. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Wirkung vom 1. Februar 1962 beschloss.