Jean-Joseph Zéphirin Gerbe (* 21. Dezember 1810 in Bras, Département Var; † 26. Juni 1890 ebenda) war ein französischer Zoologe, Experte für vergleichende Embryogenese, Ornithologe und naturhistorischer Illustrator.
Leben und Wirken Sein Vater Jean-Joseph Gerbe, Chirurg in Bras, heiratete am 25. Februar 1810 Theresa Pulagie Polixone geb. Beffon.Geht aus dem Heiratseintrag in Bras hervor. Gerbe hatte zumindest einen Bruder namens Joseph Jules Hedois der am 23. Juli 1812 geboren wurde. Am 25. Juli 1850 heiratete Gerbe Madeleine Eulalie Chaussin in Paris im 11. Arrondissement.
Gerbe arbeitete 1837 ab dem vierten Band von Dictionnaire pittoresque d'histoire naturelle et des phénomènes de la nature mit, ein Werk, das unter der Federführung von Félix Édouard Guérin-Méneville (1799–1874) zwischen 1833 und 1840 in Kooperation mit vielen Wissenschaftlern entstand. Hier sind seine Beiträge am Kürzel Z.G. zu erkennen. Als 1938 die Société Cuvierienne gegründet wurde, war er eines der Gründungsmitglieder.Félix Édouard Guérin-Méneville, S. 190.
Im Jahr 1843 wurde der Lehrstuhl für vergleichende Embryogenese am Collège de France eingerichtet. Der Lehrstuhlinhaber Jacques Marie Cyprien Victor Coste (1807–1873) holte Gerbe als Präparator an den Lehrstuhl. Zusammen mit Victor Amédée Meunier (1817–1903) hatte er bereits 1837 unter der Leitung von Coste, der damals noch am Muséum national d’histoire naturelle tätig war, an Embryogénie comparée mitgearbeitet. Antoine Chazal (1793–1854) lieferte in einem separaten Atlas die Tafeln zum Werk.Exposé des titres (1873), S. 2 1858 stellte Coste der Académie des sciences im Namen Gerbes eine Arbeit über die Befruchtung von Krebstieren vor.Jean Jacques Marie Cyprien Victor Coste (1858), S. 432 In einem weiteren Beitrag von Coste aus dem Jahre 1864 beschreibt er ein Forschungsergebnis von Gerbe, der die Fissiparie von Kolpoden nachwies.Jean Jacques Marie Cyprien Victor Coste (1864), S. 362–363. Für diese Erkenntnisse wurde Gerbe 1865 der Prix Montyon für experimentelle Physiologie der Académie des sciences verliehen. Der Preis, der nach dem Tod von Jean-Baptiste de Montyon (1733–1820) erstmals vergeben wurde, brachte im 1.000 Francs ein. In der Entscheidungskommission saßen neben Coste, Achille Valenciennes (1794–1865), Gustave Flourens (1838–1871) und Jean Louis Armand de Quatrefages de Bréau (1810–1892).Achille Valenciennes u. a., S. 260. Der Genfer Botaniker und Professor Marc Thury (1822–1905) stellte die Hypothese auf, dass die Befruchtung von mangelhaft ausgereiften Eiern zu weiblichem Nachwuchs führt, untersuchte Gerbe im Auftrag Costes diese These in Experimenten mit Multiparatieren. Für die Untersuchung verwendete er Kaninchen und Hühner. Er zeigte auf, dass die Gesetze von Thury für mehrgebärende Säugetiere und Vögel nicht aufrecht zu halten waren.Exposé des titres (1873), S. 3–4. Zwischen 1864 und 1866 publizierte er eine Serie von Artikel zur Metamorphose von im Meer lebenden Krebstieren.Métamorphoses des Cructacés & Appareils vasculaire et nerveux des larves des Cructacés marins 1862 beschäftigte er sich in einem Brief an Édouard Joseph Louis-Marie Van Beneden (1846–1910) erstmals mit der Fortpflanzung der Sackkrebse (Sacculina). 1869 folgten weitere Ausführungen zu diesem Thema.Recherches sur la constitution et le développement de l'œuf ovarien des Sacculines (1869) Als sein Mentor Coste am 23. September 1873 starb, brachte er sich um den frei gewordenen Lehrstuhl mit Exposé des titres in Stellung. Trotz seiner zahlreichen Verdienste auf diesem Gebiet übernahm schließlich 1874 Édouard-Gérard Balbiani (1823–1899) den Lehrstuhl. Er selbst blieb zunächst Präparator am Collège und wurde am 10. März 1858 als Chevalier de la Légion d’Honneur ausgezeichnet.Anton Reichenow u. a., S. 140.Urkunde in der Galerie Im Jahr 1873 wird ihm der Prix Serres verliehen, der auf Étienne Serres (1786–1868) zurückgeht.Henri Milne Edwards u. a., S. 1580f.
Viele seiner ornithologischen Arbeiten erschienen in Fachzeitschriften wie Annales françaises et étrangères d'anatomie et de physiologie appliquées à la médecine et à l'histoire naturelle, Magasin de zoologie, d'anatomie comparée et de palaeontologie, Revue Zoologique par La Société Cuvierienne, Revue et magasin de zoologie pure et appliquée, Bulletin de la Société zoologique de France oder Le Naturaliste: journal des échanges et des nouvelles. Als Joseph Fortuné Théodore Eydoux (1802–1841) und Louis François Auguste Souleyet (1811–1852) die Beschreibung der zoologischen Ausbeute der Corvette La Bonite zwischen 1836 und 1837 begannen, waren es Gerbe und Florent Prévost (1794–1870), die das Kapitel Vögel bearbeiteten.Joseph Fortuné Théodore Eydoux u. a., S. IV Nach dem Tod von Côme-Damien Degland (1787–1856) entschloss sich Gerbe, eine zweite Auflage von Ornithologie européenne zu publizieren, die er um seine Erkenntnisse erweiterte. Im zweiten Band führt er darin die neue Familie Fregatidae ein.Ornithologie européenne, ou Catalogue descriptif, analytique et raisonné des oiseaux observés en Europe, Bd. 2, 1867, S. 357
In einer vergleichenden Studie über die Mittelmeer-Kleinwühlmaus (Microtus duodecimcostatus) (Syn: Arvicola ibericus) mit der Kurzohrmaus (Microtus subterraneus) (Syn: Arvicola incertus) führte er 1879 die neue Art der Iberischen Kleinwühlmaus (Microtus lusitanicus) in die Wissenschaft ein.Étude comparative de quelques caractères du Campagnol ibérian et du campagnol incertain, S. 44. Als Victor Émile Marie Joseph Collin de Plancy (1853–1922) an Fernand Lataste (1847–1934) ein Typusexemplar des Chinesischen Abendseglers (Nyctalus plancyi) zusandte, übergab Lataste ihm dieses zu Analyse, so dass Gerbe auch hier im Jahr 1880 die Erstbeschreibung publizierte.Note sur une espèce nouvelle de Vespertilionien de Chine, S. 70–71.
Bei der Übersetzung von Alfred Edmund Brehm (1829–1884) Illustrirtes Thierleben ins Französische übersetzte er jeweils zwei Bände zu den Säugetieren und zu den Vögeln. Das Werk erschien in Frankreich unter dem Titel Merveilles de la nature. In acht weiteren Bänden kümmerten sich Henri Émile Sauvage (1842–1917) um die Reptilien, die Amphibien und die Fische, Philippe Alexandre Jules Künckel d'Herculais (1843–1918) um die Krebstiere und die Insekten, Alphonse Trémeau de Rochebrune (1836–1912) um die Würmer und die Weichtiere, René Verneau (1852–1938) um die menschlichen Rassen, sowie Fernand Priem (1842–1917) um die geologische und paläontologische Fragen.Référence : 4040
Illustration Gelegentlich trat Gerbe auch als Tierillustrator auf. So zeichnete er u. a.:
Dedikationsnamen Im Jahr 1879 publizierte er mit Arthur de L'Isle du Dréneuf (1837–1895) einen kurzen Artikel über die Pyrenäen-Kleinwühlmaus (Microtus gerbei). Der Name wurde auf Vorschlag von de L'Isle du Dréneuf vergeben, der das Typusexemplar 1866 im Flussgebiet der Loire gesammelt hatte.Jean-Joseph Zéphirin Gerbe (1879), S. 51. Oft wird in der Literatur nur Gerbe als Autor genannt, doch ist der Artikel im Plural geschrieben und es wurde auf eine spätere ausführlichere Beschreibung verwiesen. Diese erschien 1880 und stammte von beiden Autoren.Jean-Joseph Zéphirin Gerbe (1880), S. 49ff. Henri Louis Ernest Jouard (1896–1938) beschrieb 1930 eine Unterart des Waldbaumläufers als Certhia familiaris gerbei, ein Name, der heute als Synonym für Certhia familiaris macrodactyla , 1831 steht.Henri Louis Ernest Jouard, S. 196.
Alfred Mathieu Giard (1846–1908) nannte 1887 einen Sackkrebs Sacculina gerbei, der aber zunächst als Nomen nudum geführt wurde, da er keine Beschreibung lieferte.Alfred Mathieu Giard, S. 216. So dauerte es bis ins Jahr 1911 als Joseph Guérin-Ganivet den Namen als akzeptierte Art in der Wissenschaft etablierte.Joseph Guérin-Ganivet, S. 51.
Werke (Auswahl)
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Einzelnachweise
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