William Lindsay White (* 17. Juni 1900 in Emporia, Kansas; † 26. Juli 1973 ebenda) war ein US-amerikanischer Journalist, Verleger und Schriftsteller, der mit seinen Publikationen die Republikanische Partei unterstützte.
Leben William Lindsay White war der einzige Sohn des Journalisten und Verlegers William Allen White und dessen Frau Sallie. Er hatte eine jüngere Schwester, die im Alter von 16 Jahren bei einem Reitunfall tödlich verletzt wurde. Bereits als Schüler schrieb er Artikel für die Lokalpresse in seiner Heimatstadt Emporia. Als er 18 Jahre alt war, begleitete er seinen Vater nach Versailles, wo dieser als Journalist von der Friedenskonferenz berichtete.W. Allen White, 77, Kansas Editor, dies, in: New York Times, 30. Januar 1944.
Anschließend studierte er Journalismus, zunächst an der University of Kansas, bevor er nach Harvard wechselte und dort sein Studium abschloss. Er arbeitete in der „Emporia Gazette“, die zu dem von seinem Vater aufgebauten regionalen Presseverlag gehörte. Aus Kansas zog er an die Ostküste, um erst in die Redaktion der „Washington Post“, dann von „Fortune“ einzutreten. Seine Frau Kathrine, die er 1931 geheiratet hatte, arbeitete für das Magazin „Time“. 1940/41 berichtete er als Kriegskorrespondent für einen Verbund von 40 amerikanischen Zeitungen aus Europa. Im folgenden Jahr wurde er Redakteur bei „Reader’s Digest“.Jean Folkerts: Report on the Russians: The Controversy Surrounding William Lindsay White’s 1945 Account of Russia, in: American Journalism, 3. Juli 2015, Vol. 32(3), S. 308.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Leitung von dessen Presseverlag in Kansas, verbrachte aber jedes Jahr mehrere Monate in New York und Washington, D.C. Er verfasste insgesamt 14 Sachbücher zu aktuellen politischen Themen, darunter über die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg („Report on the Russians“, 1945) sowie das besiegte Deutschland in den Nachkriegsjahren („Report on the Germans“, 1947).
Politische Positionen Wie sein Vater engagierte sich auch William Lindsay White für die Republikanische Partei, er vertrat weltanschaulich konservative Positionen. Er unterstützte 1952 Dwight D. Eisenhower sowie 1960 und 1968 Richard Nixon bei ihren Präsidentschaftskampagnen.William L. White, Writer, 73, Dead, in: New York Times, 27. Juli 1973.
Kritisch setzte White sich mit Publizisten auseinander, die die Entwicklungen in der Sowjetunion positiv, teilweise sogar euphorisch beschrieben. Im Sommer 1944 bereiste er mit Vertretern der US-Handelskammer für sechs Wochen die Sowjetunion. Er führte in dieser Zeit in Moskau auch Gespräche mit mehreren amerikanischen Korrespondenten, darunter Richard Lauterbach, („Time“) und William H. Lawrence („New York Times)“.
Auf der Grundlage seiner bei den Reisen gewonnenen Eindrücken sowie seiner Gespräche mit Sowjetbürgern und in Moskau arbeitenden US-Amerikanern verfasste er das Buch „Report on the Russians“, mehrere Kapitel daraus erschienen zunächst im Spätherbst 1944 als Serie in „Reader’s Digest“.Jean Folkerts: Report on the Russians: The Controversy Surrounding William Lindsay White’s 1945 Account of Russia, in: American Journalism, 3. Juli 2015, Vol. 32(3), S. 313.
Er schilderte darin die Sowjetgesellschaft als Diktatur, die von Repression und Angst in der Bevölkerung geprägt sei.William L. Oneill: A Better World: Stalinism and the American Intellectuals. New Brunswick NJ: Transaction Publishers, 1990, S. 91. An drei Beispielen beschrieb er die Mechanismen der sowjetischen Zensur, der die US-Korrespondenten in Moskau unterlagen: die Panik in den sowjetischen Behörden und in der Bevölkerung beim Vormarsch der Wehrmacht auf Moskau im Herbst 1941, die Bombardierung des von der Bomberflotte der U.S. Air Force 1944 genutzten Militärflughafens von Poltawa durch die deutsche LuftwaffeThe Poltava Debacle Air Force Magazine, March 2011. sowie das Massaker von Katyn. White beschrieb, dass die Korrespondenten ihre Berichte bei der sowjetischen Zensurbehörde einreichen mussten, bevor sie an die Heimatredaktionen telegrafiert wurden.Jean Folkerts, Report on the Russians: The Controversy Surrounding William Lindsay White’s 1945 Account of Russia, in: American Journalism, 3. Juli 2015, Vol. 32(3), S. 312. Die Korrespondenten seien ausnahmslos vor ihrer Reise nach Katyn im Januar 1944 zu einer Präsentation der Burdenko-Kommission, des Expertengremiums des Kremls, von der deutschen Täterschaft überzeugt gewesen. Doch seien mehrere von ihnen zu der Überzeugung gelangt, dass die Präsentation manipuliert gewesen sei, allerdings hätten sie dies wegen der Zensur nicht schreiben können.William Lindsay White: Report on the Russians. London 1945, S. 105–109.
Das Buch rief eine heftige Kontroverse um die Bewertung der Sowjetunion unter Stalin hervor. 16 Journalisten und Publizisten aus dem linken Spektrum warfen White eine völlig verzerrte Darstellung vor: „Whites Buch zielt darauf ab, alte Mythen und Vorurteile gegen einen großen Verbündeten zu bekräftigen, dessen Opfer in diesem Krieg uns unschätzbares Blutvergießen und Zerstörung erspart haben.“ Zu den Unterzeichnern gehörten die Moskau-Korrespondenten Jerome Davis, Richard Lauterbach, Edmund Stevens und Alexander Werth, der Kriegsreporter John Hersey sowie der China-Experte Edgar Snow.„White‘s book is calculated to prolong the oldest myths and prejudices against a great ally, whose sacrifices in this war have saved us incalculable bloodshed and destruction“, zitiert nach: Jean Folkerts, Report on the Russians: The Controversy Surrounding William Lindsay White’s 1945 Account of Russia, in: American Journalism, 3. Juli 2015, Vol. 32(3), S. 318. Doch lobten mehrere prominente Autoren das Buch, darunter die Historiker William Henry Chamberlin und Michael Karpovich sowie der Romanautor John Dos Passos.Jean Folkerts, Report on the Russians: The Controversy Surrounding William Lindsay White’s 1945 Account of Russia, in: American Journalism, 3. Juli 2015, Vol. 32(3), S. 322–324.
Werke What People Said, 1938 Zero Hour, 1940 Journey for Margaret, 1941 They Were Expendable, 1942 Queens Die Proudly, 1943 Report on the Russians, 1945 Report on the Germans, 1947 Lost Boundaries, 1948 Land of Milk and Honey, 1949 Bernard Baruch, 1951 Back Down the Ridge, 1953 The Captives of Korea, 1957 The Little Toy Dog, 1962 Report on the Asians, 1969
Literatur E. Jay Jernigan: William Lindsay White, 1900–1973: In the Shadow of His Father. Norman: University of Oklahoma Press 1997, ISBN 978-0-8061-2902-0.
Einzelnachweise
Weblinks William Lindsay White University of Kansas - School of Journalism and Mass Communications Hays Baxter White. Eintrag bei Kansas Historical Society, Februar 2011, zuletzt aktualisiert im Januar 2016.
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