Das Filmfest Hamburg ist ein jährlich im Herbst stattfindendes Publikumsfilmfestival in Hamburg mit rund 60.000 Besucherinnen und Besuchern. Es gehört zu den bedeutendsten Filmfestivals in Deutschland und gilt als Treffpunkt für Filmschaffende, Branche und Publikum. mini|Besucher vor dem CinemaxX Dammtor in Hamburg In zehn Sektionen präsentiert das Festival etwa 120 nationale und internationale Filme – darunter Welturaufführungen, Europapremieren und deutsche Erstaufführungen. Das Programmspektrum reicht von cineastisch anspruchsvollen Arthouse-Filmen über Fernsehproduktionen bis hin zu innovativem Mainstreamkino. Das Festival versteht sich als Ort filmischer Entdeckungen und kultureller Begegnungen. Filmschaffende aus aller Welt sind in Hamburg zu Gast, stellen ihre Werke persönlich vor und diskutieren mit dem Publikum. mini|Regisseur Kleber Mendonça Filho im Gespräch beim Programmformat Filmmaker in Focus im Rahmen von Filmfest Hamburg Seit 2019 beleuchtet das Filmfest in dem Format Filmmaker in Focus mit Werkgesprächen und einer Werkschau das Schaffen zweier Filmemacher, die das Weltkino maßgeblich prägen.Perlen aus entlegenen Winkeln.“ In: artechock.de, 9. Oktober 2025.

Neben dem öffentlichen Filmprogramm gehören seit 2025 die Filmfest Hamburg Industry Days zum Festival. Sie gelten nach der Berlinale als einer der wichtigsten B2B-Branchentreffpunkte der deutschen und europäischen Filmindustrie.

Seit 2024 ist zudem ein jährlich am 3. Oktober stattfindender Tag des freien Eintritts fester Bestandteil des Festivals. Leiterin des Filmfests Hamburg ist seit 2024 Malika Rabahallah.

Sektionen Das Festivalprogramm besteht aus folgenden, im Jahr 2024 teilweise umbenannten Sektionen:

Kaleidoscope ist die internationale Sektion beim Filmfest Hamburg, die aktuelle Spielfilme aus unterschiedlichen Weltregionen präsentiert. Veto! ist die politische Sektion des Festivals und zeigt Filme, die sich mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen der Gegenwart befassen. In der Sektion Große Freiheit werden aktuelle deutsche Produktionen gezeigt, darunter Debütfilme sowie neue Werke etablierter Filmschaffender. Transatlantic widmet sich dem nordamerikanischen Kino, insbesondere Produktionen aus den USA und Kanada mit Fokus auf Independent- und Autorenfilm. Die Sektion Voilà! präsentiert zeitgenössisches frankophones Kino aus Frankreich, Belgien und Québec. Asiascope zeigt aktuelle Filme aus Ost- und Südostasien und bildet ein breites Spektrum zeitgenössischer Filmästhetiken ab. Vitrina ist dem Kino aus dem spanisch- und portugiesischsprachigen Raum gewidmet. In Hamburger Premieren werden Filme gezeigt, die in Hamburg produziert oder gedreht wurden. Die Sektion Televisionen präsentiert Fernsehproduktionen und Serienformate auf der Kinoleinwand, häufig vor ihrer TV-Ausstrahlung. Das MICHEL Kinder und Jugend Filmfest ist das Kinder- und Jugendfilmprogramm des Filmfest Hamburg mit deutschen und internationalen Produktionen.

Tag des freien Eintritts Der Tag des freien Eintritts wurde in der ersten Amtszeit von Festivalleiterin Malika Rabahallah und mit Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg eingeführt. mini|Leiterin Malika Rabahallah im CinemaxX Dammtor Seit 2024 findet er jährlich am 3. Oktober im Rahmen des Filmfests Hamburg statt. An diesem Tag sind alle Filme des Festivalprogramms kostenfrei zugänglich. Ziel ist es, kulturelle Teilhabe zu fördern und möglichst vielen Menschen den Zugang zum Festival zu eröffnen.

Filmfest Hamburg Industry Days Die Filmfest Hamburg Industry Days bilden seit 2025 eine eigenständige Programmsäule des Festivals. Das Branchenprogramm richtet sich an Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus der nationalen und internationalen Filmbranche und dient dem Austausch, der Vernetzung sowie der Diskussion aktueller Entwicklungen im europäischen Filmschaffen. mini|Teilnehmer der Filmfest Hamburg Industry Days im Rahmen von Filmfest Hamburg

Zu den zentralen Formaten zählen das European Work in Progress (EWIP) und der International Film Distribution Summit (IFDS), die zuvor im Rahmen des Film Festival Cologne stattfanden. Beide Formate wurden unter der Leitung des Filmverleihers Torsten Frehse (Neue Visionen) aufgebaut und widmen sich der Präsentation europäischer und deutscher Filme in unterschiedlichen Produktions- und Auswertungsphasen.

Ergänzt werden die Industry Days durch die Explorer Konferenz zu Zukunftsfragen der Filmproduktion in Europa sowie durch mehrere Nachwuchs- und Professionalisierungsprogramme, darunter das #ATELIER25 in Kooperation mit der Semaine de la Critique des Festival de Cannes und der Nachwuchsinitiative FIRST STEPS sowie das Programm ENCOURAGE Film Talents, das sich an junge Filmschaffende aus dem DACH-Raum richtet.

Geschichte Schon in den 1950er Jahren gab es verschiedene Veranstaltungen zum Thema Film in Hamburg. So unter anderem Hamburger Filmtage, Filmwochen oder die Kinotage. Diese wurden von der Hamburger Filmwirtschaft zusammen mit verschiedenen deutschen Verleihfirmen organisiert und ausgerichtet.

Im Jahr 1968 taten sich einige junge Filmemacher zusammen, um die 1. Hamburger Filmschau zu organisieren. Ein Wochenende, das als Film-Happening in die Geschichte des jungen deutschen Films eingegangen ist.

In den 1970er Jahren gründeten mehrere Programmkinos aus ganz Deutschland die Arbeitsgemeinschaft Kino e. V. (AG Kino) mit Sitz in Hamburg. Seit 1974 richtete die Arbeitsgemeinschaft die Hamburger Kinotage aus.

Im Jahr 1979 wandten sich Filmschaffende aus München, unter ihnen Hark Bohm, Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Wim Wenders, in der sogenannten Hamburger Erklärung gegen die Fremdbestimmung des deutschen Filmes durch Gremien, Anstalten und Interessengruppen. Sie initiierten zugleich das Filmfest der Filmemacher. Am 29. Oktober 1979 gründete ein Zusammenschluss Hamburger Filmemacher das Hamburger Filmbüro e. V. Ab 1986 veranstaltete das Hamburger Filmbüro das Europäische Low Budget Film Forum, an der viele damals noch unbekannte Regisseure wie Derek Jarman, Stephen Frears oder Lars von Trier teilnahmen. Um Kräfte zu bündeln und die immer knapper werdenden öffentlichen Gelder sinnvoller einzusetzen, schlossen sich das Low Budget Film Forum und die Kinotage gegen Ende des Jahres 1991 zusammen. Unter den Gründungsmitgliedern waren u. a. die AG Kino e. V. und das Hamburger Filmbüro e. V. Gemeinsam wurde die Ausrichtung des Filmfests Hamburg beschlossen. Im Jahr 1992 fand das Filmfest Hamburg erstmals unter der Leitung von Rosemarie Schatter statt.

Zwei Jahre später löste sie der Filmproduzent Gerhard von Halem als Festivalleiter ab. Das Hamburger Festival war – trotz gewisser Bezüge zu den früheren Veranstaltungen – doch etwas völlig anderes. Das Hauptaugenmerk lag zwar nach wie vor auf den Themen Junges Kino oder Unabhängige Filme, aber die Atmosphäre rund um das Filmfest Hamburg wurde immer stärker vom Glanz und Glamour großer Stars geprägt. Im Jahr 1995 übernahm Josef Wutz die Festivalleitung. Unter seinem Einfluss wurde das Festival kontinuierlich ausgebaut und etablierte sich weit über Hamburgs Grenzen hinaus. Darüber hinaus bot das Festival fortan auch Hamburger Fernsehproduktionen eine eigene Sektion innerhalb des Festivalprogramms. Auch die sogenannten Neuen Medien erhielten eine Präsentations- und Diskussionsplattform beim Filmfest Hamburg.

2003 wurde Albert Wiederspiel Leiter des Filmfests Hamburg. Seitdem wurde das Angebot des internationalen Films stetig erweitert. Nach zwei reduzierten Festivalausgaben 2020 und 2021 aufgrund der Corona-Pandemie feierte das Filmfest Hamburg 2022 sein 30-jähriges Jubiläum und präsentierte sich mit 116 Filmen aus 58 Ländern in sechs Hamburger Festivalkinos. Erstmals war im Jubiläumsjahr das Molodist Kyiv International Film Festival zu Gast, das seinen nationalen Kurz- und Langfilmwettbewerb in Hamburg ausrichtete. Die 31. Festival-Ausgabe war die letzte unter der Leitung von Albert Wiederspiel.

Seit 2024 leitet Malika Rabahallah das Filmfest Hamburg. In ihrer ersten Amtszeit führte sie den Tag des freien Eintritts am 3. Oktober ein.

Anlässlich der letzten von Albert Wiederspiel verantworteten Festivalausgabe vergibt die Hapag-Lloyd Stiftung ab 2023 jährlich den mit 10.000 Euro dotierten Albert-Wiederspiel-Preis für internationale Filmregie. Mit der Auslobung und der Benennung des Preises möchte die Stiftung Albert Wiederspiel als „einen engagierten Festivalmacher und Filmenthusiasten ehren“.

Im Jahr 2026 findet im Rahmen des Filmfest Hamburg unter anderem die Explorer Konferenz statt, die sich neuen Produktions- und Vertriebsmodellen widmet und an der unter anderem Éric Toledano und Olivier Nakache teilnehmen. Auch dem Duanju (Micro-Drama / Vertical-Drama) wird dabei Raum gegeben, insbesondere durch den Beitrag von Guillaume Sanjorge.

Preisverleihungen und Preisträger Im Rahmen des Filmfests Hamburg werden die folgenden Preise verliehen. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurden 2020 alle bis auf den Publikumspreis ausgesetzt.Festival-Info, abgerufen am 11. Oktober 2021

Douglas Sirk Preis Dieser nach dem Filmschaffenden und gebürtigen Hamburger Douglas Sirk benannte, undotierte Preis wird jedes Jahr an eine Persönlichkeit verliehen, die sich um Filmkultur und Filmbranche verdient gemacht hat. mini|Regisseure und Douglas-Sirk-Preisträger Luc und Jean-Pierre Dardenne im Gespräch mit Malika Rabahallah im Rahmen von Filmfest Hamburg Der Preis ist ein vom Hamburger Designer Georg Plum entworfener Kristall. Im Jahr 2005 wurde der Preis erstmals nicht an eine Person, sondern an ein Unternehmen verliehen. Es handelt sich dabei um die Filmproduktionsfirma „Zentropa“ aus Dänemark, deren Gründer unter anderem der Regisseur Lars von Trier ist.

Preisträger

Hamburg Producers Award Internationale Kino-Koproduktionen Der Hamburger Produktionspreis für Internationale Kino-Koproduktionen wird seit 2014 vergeben, zunächst in der Sektion Freihafen und noch unter dem Namen Hamburger Produzentenpreis für europäische Kino-Koproduktionen, seit 2021 sektionsübergreifend mit neuer Bezeichnung, die 2024 noch einmal angepasst und 2025 internationalisiert wurde. mini|Pokal der Producers Awards bei der Preisverleihung 2025 Der deutsche Koproduzent des Gewinnerfilms erhält 25.000 Euro, die von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien zur Verfügung gestellt werden. Der ausländische Koproduzent desselben Gewinnerfilms wurde bis 2021 von der Hamburger Postproduktionsfirma Optical Art mit einem Kino-Grading im Wert von rund 15.000 Euro bedacht.

Preisträger 2014: Welcome to Karastan (Georgien, Deutschland, Russland, Großbritannien), deutscher Koproduzent: Daniel Zuta, Brandstorm Entertainment AG (Frankfurt am Main); georgischer Koproduzent: Vladimer Katcharava, 20 Steps Production 2015: One Floor Below (Rumänien, Deutschland, Frankreich, Schweden), deutsche Koproduzenten: Christine Haupt und Alexander Ris, Neue Mediopolis Filmproduktion GmbH (Leipzig); rumänischer Koproduzent: Dragos Vilcu, Multi Media Est. 2016: Scarred Hearts – Vernarbte Herzen (Inimi cicatrizate) (Rumänien, Deutschland), deutsche Koproduzenten: Jonas Dornbach, Janine Jackowski und Maren Ade, Komplizenfilm Berlin 2017: Arrhythmia (Russland, Finnland, Deutschland); deutsche Koproduzentin: Eva Blondiau, Color of May 2018: Sibel (Frankreich, Türkei, Deutschland, Luxemburg); Produzent: Michael Eckelt (Riva Film, Hamburg), Regie: Çagla Zencirci und Guillaume Giovanetti 2019: Mit 20 wirst du sterben (Sudan, Ägypten, Norwegen, Frankreich, Deutschland); Produzent: Michael Henrichs (Die Gesellschaft DGS, Köln), Regie: Amjad Abu Alala 2021: Lingui – Heilige Bande (Lingui, les liens sacrés) (Frankreich, Belgien, Deutschland, Tschad); Produzentin Melanie Andernach (Made in Germany Filmproduktion), Regie & Drehbuch: Mahamat-Saleh Haroun