Die Feuerwehr Ulm ist die Gemeindefeuerwehr der Universitätsstadt Ulm. Obwohl das baden-württembergische Feuerwehrgesetz grundsätzlich für Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern eine Berufsfeuerwehr vorschreibt, hatte Ulm mit seinen rund 130.000 Einwohnern (Stand Dezember 2023) aufgrund einer Ausnahmegenehmigung des baden-württembergischen Innenministeriums keine Berufsfeuerwehr. Zum 1. Januar 2025 wurde aus der bisherigen Abteilung „Feuerwehrbeamte“ die Abteilung „Berufsfeuerwehr“. Die Berufsfeuerwehr Ulm hat derzeit 79 hauptamtliche Feuerwehrangehörige, die in zwei Wachabteilungen rund um die Uhr die Hauptfeuerwache besetzen. Hinzu kommen 14 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr (FF-Abteilungen), 13 Gruppen der Jugendfeuerwehr sowie der Spielmannszug, eine Rettungshundestaffel und eine Höhenrettungsgruppe.

Die Leitung und die Verwaltung der Gesamtfeuerwehr obliegen der Abteilung Feuerwehr und Katastrophenschutz der Stadt Ulm, deren Abteilungsleiter gleichzeitig der Feuerwehrkommandant ist.

Geschichte Gründung und erste Jahre mini|hochkant=0.7|Conrad Dietrich Magirus (ca. 1880)

Im Jahr 1847 gründete der Ulmer Turnwart Conrad Dietrich Magirus zusammen mit 32 Turnern einen Steigerzug, der von der Stadt Ulm mit der Bedienung der Feuerspritze 4 beauftragt wurde. Damit begann die Umgestaltung der zu dieser Zeit bereits bestehenden, in ihrer Organisation veralteten Pflichtfeuerwehr zu einer Freiwilligen Feuerwehr. Bereits am 5. September 1852 beschloss die Stadtverwaltung eine grundsätzliche Neustrukturierung der Feuerwehr nach den von Magirus ausgearbeiteten Statuten. Ein Jahr später wurde Conrad Dietrich Magirus zum ersten Kommandanten der noch jungen Freiwilligen Feuerwehr ernannt.

Am 19. Juni 1853 lud Magirus die Vorstände der württembergischen Feuerwehren zu einem Treffen in Plochingen ein. Bei der Versammlung am 10. Juli nahmen die Kommandanten der Feuerwehren Ellwangen, Esslingen, Göppingen, Heilbronn, Kirchheim unter Teck, Reutlingen, Schorndorf, Stuttgart, Tübingen und Ulm teil. Dieses Treffen der zehn Feuerwehrkommandanten führte zur Gründung des Deutschen Feuerwehrverbandes, dem heutigen Dachverband der Interessenvertretungen der deutschen Feuerwehren.150-jähriges Bestehen des Verbandes wird in der Wiege der Feuerwehren gefeiert, Deutscher Feuerwehrverband vom 30. Januar 2003 Am 3. September 1854 fand der erste Deutsche Feuerwehrtag in Ulm statt. 1861 wurde im Ulmer Rathaus eine ständig besetzte Nachtwache mit einer Stärke von acht Mann eingerichtet.

Magirus, der in den vielen Jahren seines Schaffens in Ulm zum weltweiten Pionier der Feuerwehrtechnik avanciert war – unter anderem durch die Gründung der Feuerwehr-Requisiten-Fabrik C. D. Magirus (1866), heute Magirus GmbH, und durch die Veröffentlichung seines Standardwerkes Das Feuerlöschwesen in allen seinen Theilen (sic!) (1877) – trat 1880 als Feuerwehrkommandant zurück und übergab sein Amt an den Ulmer Apotheker Karl Wacker, der sich zudem um die Erforschung der Verbesserung der Trinkwasserverhältnisse und des Lebensmittelwesens in der Stadt bemühte. (Stand: 4. Juni 2016)

Anfang des 20. Jahrhunderts Zu Beginn des 20. Jahrhunderts genehmigte die Stadtverwaltung den Bau und die Inbetriebnahme einer Feuermeldeanlage. Dadurch wurde es nötig, die bisherige Steiger-Kompanie in einen sogenannten Weckerlinienzug umzuwandeln, neu auszustatten und entsprechend auszubilden. Der Zug erhielt drei von Magirus gebaute, pferdegezogene Gerätschaften: Mannschaftswagen mit Kleingeräten, Rettungsschlauch und Sprungtuch mechanische Drehleiter mit einer Steighöhe von bis zu 18 Metern Motorspritze mit einer Förderleistung von 750 l/min

mini|hochkant=1.2|Ehemalige Feuerwache am östlichen Münsterplatz (Schuhhaus). Zu erkennen sind noch die einstigen Fahrzeugtore im Erdgeschoss.

Im Jahr 1901 wurde die Feuermeldeanlage in Betrieb genommen. Die Glocken des Ulmer Münsters, die bis dahin teilweise zur Alarmierung der Feuerwehr verwendet wurden, kamen seitdem nur noch bei Großfeuern als Alarmierungsmittel zum Einsatz. Drei Jahre später, 1904, zog die Feuerwehr in das Schuhhaus am östlichen Münsterplatz, Ecke Kramgasse um.

Erster Weltkrieg und Motorisierung Durch die Heranziehung zum Wehrdienst im Reichsheer während des Ersten Weltkrieges entstanden im Personal der Ulmer Feuerwehr große Lücken. Teilweise sprangen daher bereits ausgediente Feuerwehrleute ein; dennoch sank die Stärke der Weckerlinienzüge auf elf Mann.

In der Nachkriegszeit begann die schrittweise Motorisierung der Ulmer Feuerwehr. Im Jahr 1920 wurde eine Autokraftspritze von Magirus angeschafft, 1922 wurde die bisher von Pferden gezogene Drehleiter auf ein Fahrgestell montiert. Außerdem wurden die Alarmierungseinrichtungen erweitert und ein weiterer Weckerlinienzug in Söflingen aufgestellt.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg mini|hochkant=1.2|Weinhof mit der Synagoge (Mitte) vor der Zerstörung in der Reichspogromnacht (vor 1927)

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der Reichspogromnacht oder Reichskristallnacht, legten vermutlich SA-Männer in der Ulmer Synagoge am Weinhof Feuer. Um 3:55 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Als der erste Löschzug der Feuerwache in der Kramgasse am Weinhof eintraf, stand die Synagoge bereits in Flammen. Da durch die hohen Flammen die Gefahr bestand, dass sich der Brand auf ein Nachbargebäude mit einer Wirtschaft, zwölf Wohnungen und einem Farb- und Lackwarenlager hätte ausbreiten können, nahm die Feuerwehr einen Löschangriff vor und zog um 4:08 Uhr einen weiteren Löschzug hinzu. Gegen 5:20 Uhr war der Brand gelöscht. Trotz des vergleichsweise geringen Schadens an der Synagoge wurde sie wenig später auf Anweisung der Stadtverwaltung abgerissen.

Im Jahr 1939 wurde das gesamte Feuerlöschwesen im Deutschen Reich durch das Reichsfeuerlöschgesetz vom 23. November 1938 vereinheitlicht; die bisher in den größeren Städten und Gemeinden bestehenden Feuerwehren wurden im Zuge der Gleichschaltung durch das NS-Regime in die sogenannte Feuerschutzpolizei umgewandelt, die als staatliches Organ der Polizei zugeordnet wurde und eine paramilitärische Organisationsstruktur erhielt.

Durch Ulms Bedeutung als große süddeutsche Garnisonsstadt wurden die Ulmer Kasernen, Industrie- und Bahnanlagen sowie die historische Innenstadt während des Zweiten Weltkriegs Opfer zahlreicher Bombenangriffe. Während des folgenschwersten Angriffs am 17. Dezember 1944 warfen zwischen 19:23 Uhr und 19:50 Uhr 300 britische Bomber rund 600 Tonnen Spreng- und 700 Tonnen Brandbomben auf die Stadt ab. In der gesamten Innenstadt loderten Brände, die sich zu einem Großfeuer von rund einem Quadratkilometer vereinigten und über 80 % der historischen Altstadt zerstörten. Der spätere Kommandant der Ulmer Feuerwehr, Karl Hollerbach, beschrieb seine Eindrücke in der Nacht folgendermaßen:

Nachkriegszeit Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Besetzung der Stadt durch die US-amerikanische Armee wurde das Ulmer Feuerlöschwesen zunächst der amerikanischen Militärverwaltung unterstellt. In den Jahren 1945 bis 1951 wurde damit begonnen, eine Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften aufzustellen, woraufhin die Ulmer Feuerwehr ihre Selbstständigkeit zurückerhielt. Die ersten Einsatzfahrzeuge wurden der wiedergegründeten Feuerwehr von der amerikanischen Militärverwaltung überlassen.

Vom 29. bis 31. Mai 1953 fand anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Deutschen Feuerwehrverbandes und in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss der 22. Deutsche Feuerwehrtag in Ulm statt.

Neue Feuerwache in der Keplerstraße und erster Rettungsspreizer in Europa Zum 125-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Ulm fand am 8. Juli 1972 der feierliche erste Spatenstich für die neue Hauptfeuerwache in der Keplerstraße durch Oberbürgermeister Theodor Pfizer statt. Die neue Feuerwache sollte die während des Zweiten Weltkrieges stark beschädigte Wache im Schuhhaus in der Kramgasse ersetzen.

Ein Jahr später, im Mai 1973, stellte die Feuerwehr Ulm den ersten hydraulisch betriebenen Rettungsspreizer in Europa in Dienst. Er war in einem Schnell-Rettungs-Fahrzeug (SRF) auf Ford-Transit-Basis untergebracht und diente der schonenden Befreiung von in Fahrzeugen eingeklemmten Personen. Am 29. August 1974 wurde der Spreizer erstmals mit dem am Bundeswehrkrankenhaus Ulm stationierten Rettungshubschrauber SAR 75 zu einem schweren Verkehrsunfall geflogen. Um solche Einsätze danach besser bewältigen zu können, wurde eigens eine tragbare Einheit für den Spreizer mit Verbrennungsmotor konstruiert, die in den Rettungshubschrauber verladen werden konnte. Dieser Hubschrauber-Rettungssatz stand ab September 1974 zur Verfügung und kam bis zur flächendeckenden Einführung von hydraulischen Rettungssätzen 1986 insgesamt 136-mal zum Einsatz. Er ist heute in der Eingangshalle der Hauptfeuerwache ausgestellt.

Entwicklung bis heute In den Jahren 1971 bis 1975 wurden im Zuge der Gebietsreform die bisher eigenständigen Gemeinden Donaustetten, Eggingen, Einsingen, Ermingen, Gögglingen, Jungingen, Lehr, Mähringen und Unterweiler nach Ulm eingemeindet, wodurch weitere Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr zur Feuerwehr Ulm hinzukamen. Am 18. Oktober 1975 konnte die neu errichtete Hauptfeuerwache in der Keplerstraße bezogen werden. Sie beherbergt seitdem die hauptamtlichen Kräfte der Feuerwehr Ulm – die Abteilung Berufsfeuerwehr – sowie die Abteilung Innenstadt der Freiwilligen Feuerwehr.

Im Jahr 2001 wurden die Leitstelle der Feuerwehr und die Leitstelle des Rettungsdienstes zur Integrierten Leitstelle Ulm (ILS Ulm) zusammengefasst und in neu ausgestatteten Räumlichkeiten in der Hauptfeuerwache untergebracht. Seitdem werden von hier aus sämtliche Einsätze der Feuerwehr, der Notfallrettung, des Krankentransportes und des Katastrophenschutzes im Stadtkreis Ulm und im Alb-Donau-Kreis koordiniert. Die Leitstelle wird gemeinsam von der Feuerwehr Ulm sowie dem Deutschen Roten Kreuz und dem Arbeiter-Samariter-Bund betrieben und ist tagsüber an Werktagen mit einem Disponenten der Feuerwehr und drei Disponenten des Rettungsdienstes besetzt. Jährlich nehmen die Mitarbeiter der ILS Ulm über 200.000 Anrufe an, aus denen rund 84.000 Rettungsdiensteinsätze und Krankentransporte und 3.300 Feuerwehreinsätze (Stand 2015) hervorgehen.

Abteilung Berufsfeuerwehr Die 79 Beamten der Abteilung Berufsfeuerwehr bilden den hauptamtlichen Anteil der Feuerwehr Ulm. Die hauptamtlichen Kräfte der Feuerwehr Ulm sind entsprechend den beamtenrechtlichen Vorgaben in die Laufbahnen des mittleren, gehobenen und höheren feuerwehrtechnischen Diensten eingegliedert. Die Beamten der Berufsfeuerwehr sind für den Dienstbetrieb in der ständig besetzten Hauptfeuerwache in der Keplerstraße sowie in den Sachgebieten der Verwaltung, in der Leitstelle und in den Werkstätten (z. B. Schlauch- und Atemschutzwerkstatt) verantwortlich.

Leitung und Verwaltung Innerhalb der Ulmer Stadtverwaltung ist für die Leitung, Organisation und Verwaltung der Gesamtfeuerwehr die Abteilung Feuerwehr und Katastrophenschutz zuständig, die dem Fachbereich Stadtentwicklung, Bau und Umwelt zugeordnet ist. Der Leiter der Berufsfeuerwehr ist zugleich der ranghöchste Beamte und Kommandant der Feuerwehr Ulm. In der Zeit von 1998 bis Ende 2019 war Leitender Branddirektor Hansjörg Prinzing Leiter der Abteilung Feuerwehr und Katastrophenschutz und Feuerwehrkommandant; sein Stellvertreter war Oberbrandrat Reiner Schlumberger. Seit 2020 ist Leitender Branddirektor Adrian Röhrle Leiter der Berufsfeuerwehr und Feuerwehrkommandant.

Die Abteilung Berufsfeuerwehr, die städtische Verwaltung der Feuerwehr Ulm, gliedert sich in fünf Sachgebiete:

Sachgebiet FW 1 – Verwaltung und Controlling Sachgebiet FW 2 – Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz Sachgebiet FW 3 – Einsatz und Organisation, Ausbildung, Leitstelle Sachgebiet FW 4 – Technik Sachgebiet FW 5 – Zivil- und Katastrophenschutz

Hauptfeuerwache mini|Innenhof der Hauptfeuerwache in der Keplerstraße