mini|Kirchenruine ehemalige Wallfahrtskirche Maria Rafingsberg (im Hintergrund) Die Kirchenruine Rafingsberg (Sieben Schmerzen Mariae) und ehemalige Wallfahrtskirche Maria Rafingsberg steht in Rafingsberg in der Marktgemeinde Windigsteig im Bezirk Waidhofen an der Thaya in Niederösterreich. Die Ruine steht unter Denkmalschutz ().

Geschichte

Gründung mini|Kardinallegat Johannes de Carvaial, Ablassbrief, 29. Dezember 1455 mini|Kardinallegat Johannes de Carvaial, Ablassbrief, 29. Dezember 1455 Es wird in manchen Quellen behauptet, der Standort der späteren Kirche sei eine vorchristliche oder keltische Opferstätte. Dies ist nicht belastbar nachgewiesen. Möglich ist eine schon eine im 13. Jahrhundert vorhandene Andachtsstätte oder ein Baum mit einem Gnadenbild. Um 1454 (wohl 1450 oder 1454/55) errichteten Waidhofner Bürger auf dem Rafingsberg, westlich von Rafings, eine Marien-Kapelle. Die Kapelle entwickelte sich zu einem bedeutenden Wallfahrtsziel, obwohl es weder eine Gründungslegende noch Berichte von Wundern gab. Eine erste urkundliche Erwähnung der Kapelle stammt aus dem Indulgenzbrief vom 29. Dezember 1455 durch den Kardinallegaten Juan Carvajal. Er gewährte einen Ablass von 100 Tagen bei vorheriger Beichte und Kommunion sowie einer Zuwendung zur Erhaltung der Kapelle, der zeitlich an Mariä Geburt, Mariä Verkündigung und Mariä Himmelfahrt gebunden war.

Bereits 1464 wurden von sechs Kardinälen weitere Ablässe gewährt. Die Kapelle hatte während der politischen und militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern Friedrich II. und Albrecht Schäden erlitten, die mit den Einnahmen behoben wurden. 1487 stiftete der Stadthauptmann von Waidhofen einen Hof in Kottschallings. Die Erträge gingen an den Pfarrer von Windigsteig und den Kaplan von Rafings.

Ausbau der Filialkirche und der Wallfahrt Raimund Peyraudt verlieh im Jahr 1489 auf Bitten des Pfarrers von Windigsteig weitere Ablässe. Ab 1490 durfte die ursprüngliche Kapelle um ein Langhaus im Stil der Gotik erweitert werden. Finanziert wurde der 1494 geweihte Bau aus Stiftungen und Opfern. Das Kirchengebäude gehörte 1499 urkundlich belegt als Filialkirche zur Pfarrkirche Windigsteig. Das Zisterzienserstift Zwettl besaß geistliche und wirtschaftliche Rechte an beiden Kirchen. Die Zisterzienser erwirkten in Rom weitere Ablässe, die der Kirche von sieben Kardinälen verliehen wurden. Im Heiligen Jahr 1500 wurde der Hochaltar erneuert und der Chor umgebaut. Altarpatrone waren neben Maria auch Sankt Bernhard und Maria Magdalena. Weiter errichtete man drei weitere Seitenaltäre sowie einen Altar in der Mitte des Kirchenschiffes. Alle Altäre wurden am 7. Mai 1500 durch Weihbischof Bernhard aus Passau konsekriert. Er verlieh auch wieder Ablässe. Abt Wolfgang II. von Zwettl spendete 1500 zwei weitere Altäre und weihte sie. Er stiftete auch eine Monstranz und wertvolle Paramente. In der Folgezeit kamen die Wallfahrer nicht nur aus Niederösterreich, sondern auch aus Böhmen und Mähren. Die wichtigsten Tage für die Wallfahrt von Maria Rafings waren die drei Freitage nach Ostern und drei Sonntage nach Michaelistag. Der Passauer Fürstbischof Wiguleus Fröschl von Marzoll gewährte 1502 an drei Sonntagen nach Dionysius und für das Salve Regina einen Ablass. Er bestätigte vorherige Ablässe. Es durfte auch eine kleine bleierne Weihemünze (signa plubea) als heiliges Wallfahrtsandenken verkauft werden.

Bruderschaft von den Sieben Schmerzen Mariens 1509 erfolgte die Gründung der Laienbruderschaft zu den Sieben Schmerzen Mariens, die am 18. August 1509 dem Karmeliterorden angeschlossen wurde. Die Bruderschaft verknüpfte die persönliche Frömmigkeit der Brüder mit Gemeinschaft, Liturgie, finanzieller Absicherung und der Pflege eines konkreten Kultes. In Maria Rafings wirtschaftete die Bruderschaft eigenständig, nahm Stiftungen entgegen, finanzierte Aufgaben der Liturgie und des Kirchenunterhalts.

Dem geistigen Denken der Zeit und der Karmeliter entsprechend kam es zu einer Veränderung des Kultgegenstandes der Maria. Das Bild von „Unser lieben Frau“ wandelte sich nach 1509 zu den „Sieben Schmerzen Marias“. Die Bruderschaft erhielt einen eigenen Altar. Spätestens ab jetzt wurde ein zweiseitiges Bild der Muttergottes mit den Sieben Schmerzen verehrt. Wohl in der Zeit von 1512 bis 1517 wurde ein Chor gebaut und eine Galerie um die Kirche errichtet. Reste dieser Veränderungen sind in der Ruine erhaltenen. Vor 1512 war die Wallfahrtskirche wahrscheinlich eine Hallenkirche mit Holzdecke. 1517 wurde der neue Bruderschafts-Altar geweiht. Mit ihm war ein körperlich-räumliches Ablassritual verknüpft. Die Menschen stiegen fünfzehn Stufen hinauf und beteten auf jeder Stufe sieben Vaterunser, sieben Ave Maria sowie das Apostolische Glaubensbekenntnis betete, konnte bestimmte Ablässe erlangen.

Reformationszeit Ende des 16. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stand Maria Rafings im Banne der Reformation. Zu ihren Anhängern zählten vor allem Adelige, die sich dadurch in den Besitz der Kirchengüter zu setzen hofften. Die Herrschaften von Meires und später von Schwarzenau betrachteten sich als die rechtmäßigen Besitzer der aufstrebenden Wallfahrtskirche, deshalb forderten sie vehement von den Äbten aus Stift Zwettl das alleinige Verfügungsrecht über das Kircheneinkommen. Eine Kommission beendete schließlich 1652 durch einen Ausgleich diesen Streit. Nun konnten die Katholiken wieder unbehelligt in Prozessionen den Rafingsberg besuchen.

Als dann Ende des 17. Jahrhunderts die Wallfahrten wieder aufkamen, konnten Abt Bernhard von Zwettl einen Vergrößerungsbau der Kirche in Angriff nehmen. An den alten Chor wurde ein Schiff nach dem Muster der Schottenkirche in Wien mit Fassadentürmen angebaut, was in 5 Jahren vollendet wurde. Die Mithilfe am Bau durch die Bewohner der Umgebung war einzigartig. Die Bevölkerung brach selbst Steine, fällte Bäume und brachte das Material unentgeltlich herbei. Trotz der eifrigen Mitarbeit durch die Bevölkerung kostete der Bau 5000 Gulden. (Anm. etwa 5000 Gulden C.M. um 1820 entsprechen etwa heute 100.018,90 Euro)

1670 weihte der Weihbischof von Passau die Kirche mit sechs Altären. Später wurde die Kirche gepflastert, eine Ringmauer aufgezogen und kunstvolle Malereien angebracht. Im 18. Jahrhundert hatte die Kirche bereits acht Altäre.

In einer Originalbeschreibung wird berichtet:

Die Zahl der Wallfahrer betrug zu dieser Zeit ca. 35.000 Pilger pro Jahr. Aus Dörfern, Märkten und Städten der näheren und weiteren Umgebung, ja sogar aus Böhmen und Mähren kamen alljährlich viele Prozessionen in Begleitung ihrer Seelsorger. Die bedeutendste war die aus Waidhofen an der Thaya, welche jährlich im Oktober am Kirchweihfeste nach Rafings kam. Auf dem Weg beteten sie an den Kreuzwegstationen. welche von den Waidhofner Kapuzinern errichtet wurden, den Kreuzweg.

Die Aufschreibungen im Gottesdienstbuch reichen bis zum Jahr 1780. In dieser Zeit trat Kaiser Josef II., Sohn von Maria Theresia, die Regierung an. Sein volkswirtschaftliches Nützlichkeitsdenken lehnte Wallfahrten und kirchliches Brauchtum ab, weil er vieles, was den Menschen damals als unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebens erschien, als Verschwendung von Zeit ansah. Durch eine Verordnung des Kaisers, wonach alle Filialkirchen zu sperren seien, war auch das Todesurteil über Maria Rafings gesprochen. Die Kirche wurde zwar nicht sofort gesperrt, doch mussten auf Anordnung der Landesregierung das Gnadenbild, der Hochaltar, ein Nebenaltar und die Kanzel in die Pfarrkirche Windigsteig gebracht werden. Dort können genannte Gegenstände auch noch heute bewundert werden. Die Entweihung der Kirche erfolgte 1792. Das Gebäude soll um 5 Gulden verkauft worden sein. Die Kirche wurde hierauf abgebrochen.

Heute erinnern noch Überreste der Chormauern an diese Wallfahrtskirche. Um 1950 errichteten zahlreiche Marienverehrer und gläubige Menschen eine schlichte Holzkapelle innerhalb der Kirchenruine. Die Holzkapelle wurde 1989 durch eine kleine Wallfahrtskapelle am Ortseingang von Rafingsberg ersetzt. Im Zentrum der Kapelle befindet sich eine Kopie des originalen Marienbildes der ehemaligen Wallfahrtskirche. Bemerkenswert ist die beidseitige Bemalung.

Architektur

Eine gotische Chorruine ist erhalten. Mit den Mauerresten wurden unter anderem die noch vorhandenen Häuser sowie das Hotel Haberl, auf den nun existenten Raiffeisengründen in Waidhofen an der Thaya, verbaut. Das Hotel wurde jedoch auch schon abgerissen.

Literatur Bertram Baumann: Maria Rafings, das größte Marienheiligtum des Stiftes Zwettl. In: Das Waldviertel, 11. Jg., Folge 5, 1938, S. 60 ff. Hans Aurenhammer: Marianische Gnadenbilder in Niederösterreich. Wien 1956, S. 143 ff. Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955–1958, zu Maria Rafings S. 153 ff. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich nördlich der Donau 1990. Wien 1990, Rafingsberg, Kirchenruine, S. 937. Winfried Dimmel: Zur Entstehung der Wallfahrt nach Maria Rafings. In: Volksfrömmigkeit zwischen Ängsten und Geborgenheit. Schriftenreihe des Waidhofner Heimatmuseums Nr. 10, Waidhofen 1994. Franz Stürmer: Die Geschichte der Wallfahrtskirche auf dem Rafingsberg. Drosendorf-Zissersdorf 2005. Rafingsberg, Maria Sieben Schmerzen. In: Friedrich Tschuden: „Hab ein gar kostbar Gut erfläht“ Die Entstehung und Geschichte von bedeutenden Wallfahrtsorten des Waldviertels. Dissertation, Universität Wien, 2008. Digitalisat Iris Haslinger: Die Wallfahrt nach Maria Rafings. In: Sakralisierung der Landschaft. Inbesitznahme, Gestaltung und Verwendung im Zeichen der Gegenreformation in Mitteleuropa. 2019, S. 256–272. Iris Haslinger: Soziale und räumliche Mobilität am Beispiel der Pfarre Windigsteig und der Bruderschaft an der Wallfahrtskirche Maria Rafings. Dissertation, Universität Wien, 2020. Digitalisat Iris Haslinger: Bruderschaften im Waldviertel am Beispiel von Maria Rafings. Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes, Band 61. Horn 2022. ISBN 978-3-9007-0837-5 Karin Kühtreiber, Regine Puchinger: Wallfahrt und Regionalität im niederösterreichischen Zentralraum im Spiegel religiöser Medaillen und schriftlicher Quellen. In: MEMO Sonderband 1, 2022. Iris Haslinger: Windigsteig. Die Pfarrkirche St. Laurentius. Kleine Kunstführer. Schnell & Steiner, Regensburg 2024. ISBN 978-3-7954-7280-1

Weblinks

Einzelnachweise

Rafingsberg Rafingsberg Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Österreich Kategorie:Baudenkmal (Niederösterreich) Kategorie:Windigsteig