Bettina Spoerri (* 1968 in Zürich) ist eine Schweizer Autorin, Literaturwissenschaftlerin, Literaturvermittlerin und Verlegerin.

Leben

Geboren in Zürich als Tochter des Musikers Bruno Spoerri. Sie wuchs in Basel auf und zog Ende der 1980er Jahre wieder nach Zürich, um Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft zu studieren. Es folgten Auslandssemester an der FU Berlin und in Paris (EHESS, Sorbonne), wo sie Seminare von Hélène Cixous, Sarah Kofman, Jacques Derrida und Umberto Eco besuchte. Nach Abschluss des Studiums 1994 arbeitete sie für die Bildagentur Keystone und lebte in Jerusalem, bevor sie von Alois Maria Haas als wissenschaftliche Assistentin ans Deutsche Seminar der Universität Zürich berufen wurde und 1999 ihre Dissertation in Literaturwissenschaft erfolgreich abschloss.

Als Schriftstellerin hat Bettina Spoerri bisher mehrere Romane, ein Theaterstück, literarische Reiseführer, Kurzgeschichten und eine Erzählung für Kinder veröffentlicht, siehe Werkliste. Ihre Texte setzten sich mit Brüchen in Familien(geschichten), transgenerationellen Traumata, jüdischem Leben, Angst vor dem Tod, Ausbeutung u. a. m. auseinander. Bettina Spoerri wurde u. a. mit Werkjahren bzw. Werkbeiträgen, Recherchestipendien und Auszeichnungen von Kanton Zürich, Pro Helvetia, Dienemann-Stiftung u. a. m. ausgezeichnet. 2026 begann sie an ihrem vierten Roman zu schreiben, während der Verlagssuche für ihren dritten Roman.

In den 1990er Jahren schrieb Spoerri als Redaktorin der Literatur- und Kunstzeitschrift entwürfe und organisierte Lesungen und literarische Veranstaltungen für Autoren. Von 2002 bis 2011 wirkte sie in der Kulturkommission der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich (ICZ) mit und lud in diesem Rahmen zahlreiche israelische Schriftsteller und Filmautoren nach Zürich ein (u. a. Zeruya Shalev, Etgar Keret, Savyon Liebrecht, Meir Shalev, Michal Govrin). Von 2004 bis 2009 leitete sie als Nachfolgerin der Literaturvermittlerin Ruth Binde das Bernhard Littéraire, ein monatliches Literaturgespräch mit jeweils drei Gästen, das ab Ende 2005 ins Kaufleuten in Zürich umzog. Spoerri hat viele Essays und Aufsätze in Sammelbänden und thematischen Publikationen zu Transnationalität, Literatur und Migration, Identität, Erinnerung/Gedächtnis veröffentlicht. Sie ist Koinitiatorin und Mitherausgeberin der Monografie «Diskurse aus der Enge. Kosmopolitische Räume in den Schweizer Literaturen».

Nachdem Spoerri bereits 2001–2003 als Kulturredaktorin des St. Galler Tagblatts und anschliessend als freie Mitarbeiterin der Neuen Zürcher Zeitung tätig war, arbeitete sie von 2007 bis 2009 als festangestellte Redaktorin der NZZ und verfasste insbesondere Kritiken und Interviews zu Schweizer Literatur und zum aktuellen Schweizer und internationalen Filmschaffen. Sie war literarische Kuratorin der Wanderausstellung Swiss Lib. zu Schweizer Gegenwartsliteratur der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, die, mit literarischem Begleitprogramm, in Vilnius, Krakau, Prag und Lwiw/Lemberg zu sehen war. 2011/2012 erhielt sie ein Stipendium von Landis & Gyr. Ab Juli 2012 leitete sie die Solothurner Literaturtage (Ausgabe 2013). Von 2013 bis 2022 leitete Bettina Spoerri das Aargauer Literaturhaus in Lenzburg (CH).

2022 gründete Bettina Spoerri gemeinsam mit Anne Wieser den unabhängigen Geparden Verlag mit Sitz in Zürich. Der Verlag, in dem u. a. Bücher von Jan Koneffke, Nathalie Schmid, Michal Govrin, Massimo Cuomo, Domenico Blass, Nathalie Schmid, Silvio Blatter, Daniel Goetsch, A. L. Kennedy u. a. m. erschienen sind, ist auf literarische Prosa spezialisiert (Roman, Erzählung, literarischer Essay, Kinder-/Jugendliteratur). Er wurde im April 2026 als Schweizer "Verlag des Jahres 2026" nominiert.Buchhandlung und Verlag des Jahres 2026, auf sbvv.ch, abgerufen am 1. Juni 2026

2023–2025 konzipierte und organisierte sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Monica Cantieni die Veranstaltungsreihe Writers Against Hate, an der rund 35 Schweizer Schriftsteller teilnahmen und hierfür neue, unveröffentlichte Texte verfassten.

Bettina Spoerri engagiert sich zudem gegen jede Art von Antisemitismus im Vorstand des von ihr und Miklós Klaus Rózsa mit anderen gegründeten Kulturvereins BabelKultur, welcher ein reichhaltiges öffentliches Kultur-Programm anbietet.

Werke 2004 wurde ihr erstes Theaterstück («Bleichen, wenn nötig», mit der Migrantinnen-Theatergruppe SEM) uraufgeführt. Seit den 1990er Jahren wurden Kurzgeschichten in (Literatur-)Zeitschriften (entwürfe, Variations, Du Magazin, Xing u. a. m.) abgedruckt.

Literarische Werke (Romane, Erzählungen, literarische Reisebücher)

Konzert für die Unerschrockenen. Roman. Braumüller, Wien 2013. ISBN 978-3-99200-096-8 Herzvirus. Roman. Braumüller, Wien 2016. ISBN 978-3-99200-154-5 Schneller als Licht. Erzählung für Kinder. SJW, Zürich 2016. (ausgezeichnet mit dem Abraxas-Preis) ISBN 978-3-7269-0032-8 Zürich abseits der Pfade. Literarischer Reiseführer, mit Fotografien von Miklós Klaus Rózsa. Braumüller, Wien 2019. ISBN 978-3-99100-298-7 Schwellenzeit. Hg. von Anne Wieser/Bettina Spoerri. Midas, Zürich 2020. Budapest abseits der Pfade. Literarischer Reiseführer, mit Fotografien von Miklós Klaus Rózsa. Braumüller, Wien 2020. ISBN 978-3-99100-317-5 Tel Aviv Stories. Kurzgeschichten von Bettina Spoerri und Fotografien von Miklós Klaus Rózsa. Zürich 2023. ISBN 978-3-7568-5663-3

Filme/Videos Bruno Spoerri - Ein Leben für die Musik. CH 2025, 71 Min. DCP. Idee/Regie: Bettina Spoerri/Miklós Klaus Rózsa, Produktion: Multimedia Photoscene AG. Filmpremiere: 18. August 2025 im Filmpodium Zürich, Aufführungen in Zürich, Biel, Uster, Zug, Winterthur, Brugg.SUISA-Nr.: 1022.617

Weblinks

www.seismograf.ch, Website von Bettina Spoerri

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Literaturwissenschaftler Kategorie:Verleger (21. Jahrhundert) Kategorie:Person (Zürich) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Absolvent der Universität Zürich Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Frau