mini|Devin Townsend bei einem Konzert in Dinkelsbühl 2017 Devin Garrett Townsend (* 5. Mai 1972 in New Westminster) ist ein kanadischer Sänger, Gitarrist und Produzent.
Erste internationale Bekanntheit erlangte Townsend 1993 als Sänger des Gitarristen Steve Vai. Nach einigen Kooperationen mit anderen namhaften Künstlern (unter anderem Front Line Assembly, The Wildhearts und Jason Newsted) legte er 1995 mit seinem ersten Album unter der Bezeichnung Strapping Young Lad den Grundstein für seine Solo-Karriere. Ursprünglich ein Ein-Mann-Projekt, wandelte sich Strapping Young Lad bald zu einer Band mit festen Mitgliedern. Nach dem 1997 veröffentlichten Album City, das von einigen Medienvertretern als „Meilenstein“ bezeichnet wurde, Metal.de. Review des Albums Strapping Young Lad vom 2. März 2003Rensen, Michael: Review des Albums Physicist. In: Rock Hard. Heft-Nr. 162 folgten bis zur Auflösung im Jahr 2007 neckbreaker.de Beitrag vom 23. Mai 2009 drei weitere Alben.
Während die Musik Strapping Young Lads eher Townsends „negative“ Seite repräsentierte und häufig Gefühle wie Wut, Hass und Angst thematisierte, veröffentlicht er seit 1996 auch Solo-Alben, die eher „positive“ Gefühle und Stimmungen ausdrücken sollen. Da sich diese Alben stilistisch stark voneinander unterscheiden, wechselte Townsend mehrfach die Bezeichnungen (Devin Townsend, The Devin Townsend Band, Devin Townsend Project), um die von ihm beabsichtigte stilistische Veränderung zu unterstreichen. Mit Ausnahme einiger Werke mit elektronischer Musik können seine Solo-Veröffentlichungen dem Progressive Metal zugeordnet werden. Townsends Gesangsstil reicht von klaren, teilweise an Paul McCartney erinnernden Tönen, bis hin zu gutturalem Knurren, Kreischen und Keifen. Viele seiner Veröffentlichungen haben gemeinsam, dass Townsend eine Vielzahl von gleichzeitig zu hörenden Instrumenten, Gesangsstimmen und Klangeffekten zu einer „Wall of Sound“ kombiniert.
Townsends Alben sind nach eigenen Angaben stark autobiographisch geprägt The Dreaded Press - Rock and metal music webzine vom 11. April 2009 und behandeln vornehmlich sehr persönliche Themen. Townsend bezeichnet sich als spirituell und führt es auf seine Hingabe für einen höheren Zweck zurück, dass auch die extrem harten Ausprägungen seiner Musik keine „negativen Vibes“ verbreiten.
Neben seinem vielseitigen musikalischen Schaffen verdankt Townsend einen Teil seiner Popularität seinem als „verrückter Professor des Metal“, das durch seine zeitweise sehr markanten Frisuren und exaltierten Bühnenshows unterstützt wurde. In Interviews betont Townsend jedoch, dass dieses Bild nicht zutreffe.Schiffbauer, Conny: Schwatzkasten. In: Rock Hard. Heft-Nr. 177 Dieses Missverständnis führt er darauf zurück, dass er sich aufgrund seines langjährigen exzessiven Cannabis-Konsums häufig nicht unter Kontrolle hatte. Toazted.nl: Video-Interview mit Devin Townsend vom 7. April 2009 Seit er im Jahr 2007 Strapping Young Lad auflöste, seinen Rauschmittelkonsum beendete und Vater wurde, arbeitet Townsend an einem neuen Projekt, das sich musikalisch stark von seinen bisherigen unterscheidet.
In Medienberichten Biografie Devin Townsend auf laut.de sowie von Musikerkollegen wie Steve Vai, Jason Newsted (Ex-Metallica) und Burton C. Bell (Fear Factory) wurde Townsend als musikalisches Genie bezeichnet. Sein musikalisches Können reicht von klassischem Fun-Punkrock (Album „Cooked on Phonics“) über Death Metal, melodischen Progressive Metal, Metal-Symphonien („Deconstruction“), Musical-ähnlichen Konzeptalben („Ziltoid“ und „Z2“) bis hin zu Blues-ähnlichen Kompositionen („Casualties of Cool“).
Weiterhin ist Townsend Musikproduzent (u. a. für Soilwork, Lamb of God und GWAR).
Biografie Kindheit und Jugend Townsend wuchs in einem musikalischen Umfeld auf und lernte bereits im Alter von vier Jahren Klavier, Tuba, Gitarre und Banjo. Mit acht Jahren komponierte er sein erstes Musikstück: ein vollständiges Musical „mit völlig bescheuerten Texten“.Rensen, Michael: Auf Tuchfühlung mit dem neuen Metal-Guru. Interview mit Devin Townsend. In: Rock Hard. Heft-Nr. 174 Durch dieses „Schlüsselerlebnis“ entstand in ihm der Wunsch, Musiker zu werden. Die Musicals, die ihn in seiner Kindheit prägten, wurden von Townsend auch in seiner späteren Laufbahn noch häufig als wichtige Einflüsse bezeichnet. Zur Musikrichtung des Metal brachte ihn die Begeisterung für Judas Priests Defenders of the Faith.
Nach eigener Angabe war Townsend ein guter Schüler, der nicht rauchte und nicht trank, sich in seiner Freizeit jedoch fast ausschließlich mit dem Gitarrenspiel beschäftigte.
Frühe musikalische Karriere (1993–1995) Im Alter von 19 Jahren schickte Townsend ein Demo seiner damaligen Band Noisescapes unter anderem an Steve Vais Label Relativity, das sie tatsächlich unter Vertrag nahm. Dieses Demo, das mehr als 10 Jahre später auf der Kompilation Ass-Sordid Demos II veröffentlicht wurde, beeindruckte Vai dermaßen, dass er Townsend den Posten als Sänger seiner neu formierten Band anbot. Nachdem er das Angebot angenommen hatte, verlor Relativity schnell das Interesse an Townsends Eigenkompositionen und kündigte den Vertrag mit Noisescapes wieder.
Dieses Engagement war für den jungen Townsend einerseits eine große Chance, da er aufgrund der Popularität Vais vor großem Publikum auftreten konnte (beispielsweise während einer gemeinsamen Tour mit Aerosmith) und auf der „Steve-Vai-Universität“ vieles über das Musikgeschäft lernte.Borrink, Mike: Total bescheuert. Interview mit Devin Townsend. In: Rock Hard Nr. 226 Andererseits belastete ihn, dass er zwar die Musik Vais in der Öffentlichkeit mit repräsentierte (so ist Townsend etwa auf dem Cover des in dieser Zeit entstanden Albums Sex & Religion abgebildet), er sich jedoch nie vollständig mit der Musik und vor allem den Texten Vais identifizieren konnte.
Townsend begann gegen Vai zu rebellieren, was 1994 zur Beendigung der Zusammenarbeit führte. Einige Jahre später versöhnten sich Vai und Townsend aber wieder. Vai bezeichnete Ocean Machine: Biomech als eines seiner Lieblingsalben der 90er Jahre, auch Townsend betonte in späteren Interviews seinen Respekt und Dankbarkeit Vai gegenüber.
Nach dem Ausstieg bei Vai brachte ihn 1994 das Angebot der Wildhearts, als Gitarrist einzuspringen, wieder auf die Bühne. Es folgten einige kurze Kooperationen mit Front Line Assembly und dem damaligen Metallica-Bassisten Jason Newsted, den er über den Manager der Wildhearts, der früher für Metallica gearbeitet hatte, kennenlernte. Das IR8-Projekt mit Newsted und dem Exodus-Schlagzeuger Tom Hunting war eigentlich nie dazu gedacht, auf CD zu erscheinen, wurde aber 10 Jahre später doch noch veröffentlicht.
Während der Wildhearts-Tour bekam Townsend ein Vertragsangebot durch den A&R-Manager von Roadrunner Records, das allerdings kurze Zeit später durch ein Veto des Eigentümers des bekannten Labels zurückgezogen wurde: Er bezeichnete Townsends Musik als „just noise“ („einfach nur Krach“). Die Enttäuschung über diese erneute Zurückweisung führte laut Townsend dazu, dass er, der bis dahin keinerlei Rauschmittel konsumiert hatte (und sogar im Tourbus der Wildhearts eine Gasmaske getragen hatte, um sich gegen den Zigarettenrauch zu schützen), im Alter von 23 Jahren begann, Cannabis zu konsumieren. Obwohl seine Ehe darunter fast zusammenbrach, beschrieb er diese Mittel als „hilfreich“ und führte sogar die Entstehung seiner späteren Alben Ocean Machine und Infinity auf dessen Konsum zurück.
Erste eigene Veröffentlichungen (1995–1996) Als direkte Konsequenz aus den negativen Erlebnissen des Steve-Vai-Projektes veröffentlichte Townsend 1995 unter dem Pseudonym Strapping Young Lad (strammer junger Bursche) das Album Heavy As A Really Heavy Thing, da er doch noch einen Plattenvertrag (mit Century Media) erhalten hatte. Townsend sagte darüber: „Als Sex & Religion erschien, fühlte ich mich […] wie ein totaler Vollidiot, weil ich mich für eine Sache hatte einspannen lassen, die aus dem Ruder lief. Ich war tierisch angepisst, hasste alles und jeden. Strapping Young Lad waren für mich das ideale Ventil, um Dampf abzulassen.“ Das Pseudonym wählte er, weil er weder unter seinem eigenen Namen noch als Sänger Vais bekannt war und davon unbelastet neu anfangen wollte.
Townsend hatte sich bis dahin kaum mit den härteren Spielarten des Metal beschäftigt (er kannte weder Slayer noch Vertreter des Black Metal), wurde für dieses Album jedoch stark von den Fear Factory-Veröffentlichungen Fear Is The Mindkiller und Soul of a New Machine beeinflusst.Rensen, Michael: Neidisch auf Jason Newsted. Interview mit Devin Townsend. In: Rock Hard. Heft-Nr. 192 Dass in diesem und vielen späteren Alben parodistische und selbstironische Elemente eingesetzt werden, begründet Townsend so, dass sie es ihm leichter machen, sich frei auszudrücken, ohne sich dadurch angreifbar zu machen. Auch helfe es dabei, „anstrengende“ und „ungesunde“ Anteile von Strapping Young Lad leichter zu ertragen. FourteenG.net. Interview mit Devin Townsend von Karma E. Omowale, 4. Dezember 2005 Die unter dem Namen Strapping Young Lad veröffentlichte Musik erfüllte auch auf späteren Alben für Townsend die Funktion der Katharsis. 1995 veröffentlichte Townsend unter dem Pseudonym Punky Brüster das Album Cooked on Phonics, das auf parodistische Weise die Geschichte einer Metal-Band erzählt, die beschließt, aus kommerziellen Gründen Punkrock zu spielen.
City, Ocean Machine (1997) 1997 veröffentlichte Townsend als Strapping Young Lad das Album City und kurze Zeit später unter dem Projektnamen Ocean Machine das Album Biomech.
Die Musiker Gene Hoglan (ehemals bei Dark Angel, Death, Testament u. a.), Jed Simon und Byron Stroud, die auf City spielten, blieben bis zur Auflösung im Jahr 2007 Mitglieder von Strapping Young Lad, das sich vom Soloprojekt Townsends zu einer echten Band wandelte. Simon und Stroud waren Townsend aus früheren Bandprojekten in Vancouver bekannt, Hoglan begegnete Townsend während eines Fear-Factory-Konzerts, wo nach einem gemeinsam durchzechten Abend eine Zusammenarbeit verabredet wurde.Albrecht, Frank: Knallharte Großstadtsymphonien. In: Rock Hard. Heft-Nr. 118 Sowohl in City als auch Ocean Machine: Biomech flossen musikalische Ideen ein, die Townsend schon seit Jugendtagen hatte.Mühlmann, Wolf-Rüdiger: Die Ruhe vor dem Sturm. Interview mit Devin Townsend. In: Rock Hard Nr. 131 Mit Biomech begann eine Reihe von Soloalben, die aufgrund ihrer vornehmlich positiven und friedlichen Gestaltung stilistisch im extremen Gegensatz zu Strapping Young Lad stehen. Townsend zufolge werden so zwei gegensätzliche Seiten seiner Persönlichkeit repräsentiert.
In dieser Zeit (1997) gründete Townsend gemeinsam mit seiner Frau Tracy Turner ein eigenes Label (Hevydevy Records), um unabhängig von anderen Plattenfirmen zu sein.
Infinity, Physicist (1997–2000)