mini|Gemeindestand bis zur Fusion am 6. April 2025 Bodio () ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Giornico im Schweizer Kanton Tessin. Bis zum 6. April 2025 bildete Bodio eine eigenständige Gemeinde.

Geographie Bodio liegt auf einer Höhe von 331 m ü. M. in der unteren Valle Leventina an der Strasse Biasca-Airolo, am linken Ufer des Ticino, 5 km nordwestlich von Biasca.

Nachbargemeinden sind Pollegio, Personico und Serravalle.

Geschichte 1227 wurden Bodio als Boidi sowie die dortige Kirche Santo Stefano erwähnt. Zusammen mit den oberhalb gelegenen, im Mittelalter bewohnten Siedlungen von Simbra (oder Saimola) bildete das Dorf eine Degagna der ehemaligen Nachbarschaft Giornico. Während der Herrschaft des Domkapitels Mailand über die drei ambrosianischen Täler wurden im Mai und November in Bodio die sogenannten placita donnegalia der Leventina abgehalten, Versammlungen, die dazu dienten, Recht zu sprechen und einige Abgaben einzufordern. Bis ins 16. Jahrhundert gehörte das Dorf zur Pfarrei Giornico. Eine eigene Pfarrei Bodio ist ab 1567 belegt, bis 1602 gehörte auch Pollegio dazu. Letztere wurde vermutlich zusammen mit einem grossen Dorfteil durch einen Erdrutsch im 15. Jahrhundert zerstört. Die heutige Kirche stammt aus dem 19. Jahrhundert. 1799 erstellten die österreichisch-russischen Truppen Suworows im Dorf ein verschanztes Lager. Bodio stimmte 1814 für den Anschluss der Leventina an den Kanton Tessin.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überschwemmte der Fluss Ticino die Gemeinde mehrfach. Diese Naturkatastrophen verursachten grosse Schäden und forderten Todesopfer. Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine grosse Auswanderungswelle ein. Etwa ein Fünftel der damaligen Bevölkerung Bodios wanderte in die Vereinigten Staaten aus und siedelte vorwiegend in Kalifornien und Nevada.

Das Elektrizitätswerk Centrale elettrica della Biaschina entstand in den Jahren 1906–1911. Unternehmen wie die Metallschleifwerkstätten Diamant, die Officine del Gottardo (Metallkomponenten) und die chemischen Werkstätten von Nitrum (Derivate aus Stickstoff) und zwei Betriebe zur industriellen Gewinnung von Calciumcarbid wurden in Bodio gegründet. Der Niedergang dieser Unternehmen begann mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, da die Produktion wieder umgestellt werden musste, die während des Konflikts hauptsächlich aus Kriegsmaterial für Sprengstoffe bestand, und die Erhöhung der Eisenbahntarife. Am 21. Juli 1921 zerstörte eine Explosion fast gänzlich drei Fabriken und tötete 15 Personen. Der Sachschaden belief sich auf 6 Millionen Franken.Celestino Trezzini: Bodio In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Basel – Egnach. Attinger, Neuenburg 1924, S. 285 (PDF Digitalisat).Angelo Rossi: La catastrofe della Nitrum SA di Bodio. In: Il Cantonetto. Anno LXIX, Fontana Print SA, Lugano dicembre 2022, S. 19–37 Anfang der 1970er Jahre folgte ein grosser Streik beim Stahlwerk Monteforno.

Am 6. April 2025 wurde Bodio in die politische Gemeinde Giornico eingemeindet. Es bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.Patriziato di Bodio auf ti.ch/di/sel/patriziati

Bevölkerung In Bodio wurden 1354 32 und 1567 50 Feuerstätten gezählt.

Seit dem Jahr 1600 entwickelte sich die Bevölkerung wie folgt:Die starke Zunahme der Einwohner zwischen 1941 und 1980 bzw. die starke Abnahme von 1980 bis 2000 ist auf die Stahlwerke Monteforno zurückzuführen. Diese eröffneten 1946 und beschäftigten 1971 1750 Personen. Nach der Übernahme 1977 durch die Firma Von Roll wurden in den Folgejahren in fortschreitendem Masse Arbeitsplätze abgebaut. Am 31. Januar 1995 wurden die Stahlwerke endgültig geschlossen. Wirtschaft Durch den Bau der Gotthardbahn kam Industrie in die Gegend. Das Unternehmen heute ist die Timcal, die synthetisches Graphit und Schmiermittel für hohe Temperaturen produziert. Bis auf 4 Hektar Weinanbau gibt es auf dem Gemeindegebiet keine Landwirtschaft mehr.

Das Südportal des Gotthard-Basistunnels liegt am Ostrand des Dorfes Bodio, der Installationsplatz und das Besucherzentrum sind in der Nachbargemeinde Pollegio.

Industrie Ehemalig Monteforno, Acciaierie e Laminatoi SA (Bodio)Metallwerke Monteforno in portal.dnb.de (abgerufen am: 3. Mai 2016.) mini|Elektrizitätswerk Biaschina Sport Football Club BodioFootball Club Bodio, auf matchcenter-ftc.football.ch (italienisch).

Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche Santo Stefano mit Fresken des Malers Pompeo Maino und Glasmalerei (1983) des Malers Roberto Pasotti, KapuzinerSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 115–116. Villa Corecco Elektrizitätswerk Biaschina (1906–1911), Architekten: Ugo Monneret de Villard, Agostino NizzolaElektrizitätswerk Biaschina (mit Fotos) auf api3.geo.admin.ch/rest/services

Verkehr Es gibt einen Bahnhof in Bodio, welcher im Schienennetz zwischen Biasca und Airolo eine Haltemöglichkeit bietet. Zudem ist das südliche Ende des Gotthard-Basistunnels in Bodio.

Bodio ist an dem Tarifverbund Arcobaleno (CTA) angeschlossen. Die Gemeinde liegt in einem Überschneidungsgebiet von den Tarifzonen 22 und 23. In Bodio verkehren die Buslinien 120 und 125.

Bilder

Persönlichkeiten Stefano Franscini (1796–1857), Lehrer, Staatsrat, Bundesrat, Publizist und Statistiker Antonio Corecco (1821–1902), Arzt, Gemeindepräsident von Bodio, Tessiner Grossrat und Staatsrat Eros Bellinelli (1920–2019), Journalist und Autor Rodolfo Pedroli (* 29. August 1920 in Bodio; † 3. Februar 2012 in Neuenburg), Bauingenieur, Dozent am Abendtechnikum in Bern für hydraulische Konstruktionen Giorgio Cambissa (* 17. Mai 1921 in Bodio; † 29. Juni 1998 in Muravera (Cagliari)), Komponist und Orchesterdirigent (mit Foto) Paolo Paoloni (1929–2019), italienischer Schauspieler Ennio Maccagno (* 1960 in Bodio), Dozent, Philosoph, SchriftstellerEnnio Maccagno, Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur, abgerufen am 15. Mai 2021 (italienisch).Ennio Maccagno (französisch) auf culturactif.ch/ecrivains

Literatur Piero Bianconi, Arminio Janner: Bodio. In: Arte in Leventina. Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1939, S. 63 f. Valeria Farinati: Centrali idroelettriche d’autore. In: «Arte&Storia.» Il Ticino dell’acqua. Dalla formazione geologica del Cantone alle attività economiche. Edizioni Ticino Management, 12. Jahrgang, Nummer 54, April–Juli 2012, Lugano 2012.

Simona Martinoli u a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0. Celestino Trezzini: Bodio. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Basel – Egnach. Attinger, Neuenburg 1924, S. 285 (Digitalisat; [PDF; 26,9 MB]; abgerufen am 4. Juli 2017). Max Trzcincki: Das Kraftwerk Tremorgio der Officine Elettriche Ticinesi. Jegher, Zürich 1927.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Bodio (italienisch) Amt für Statistik des Kantons Tessin: Bodio Bodio: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin

Einzelnachweise

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