Eric Heinz Lenneberg (geboren am 19. September 1921gemäß Leopoldina (1975) in Düsseldorf; gestorben am 31. Mai 1975 in White Plains, Westchester, New York, Vereinigte Staaten) war ein deutsch-US-amerikanischer Neurologe und Linguist. Lenneberg war einer der bekanntesten Sprachwissenschaftler des 20. Jahrhunderts und gilt als Mitbegründer der Biolinguistik. Von 1935 bis 1945 lebte er in Brasilien, wohin er als Jude mit seiner Familie vor den Nazis geflohen war.Klappentext in „Biologische Grundlagen der Sprache“, Frankfurt 1972 Der Wirkungsbereich seiner sprachwissenschaftlichen Arbeiten blieb trotz seines Herkommens im Wesentlichen auf die USA beschränkt.

Werdegang Er kam als Sohn des Kinderarztes Robert Lenneberg zur Welt und verbrachte seine Kindheit bis 1933 in Düsseldorf. Dort besuchte er die Volksschule.

Er studierte (nach dem Aufenthalt in Brasilien) in den Vereinigten Staaten. Er machte seinen B.A. 1949 in Chicago und studierte dort Linguistik weiterUlric Neider, Daniel Tapper, Eleanor J. Gibson: 03 Individual Memorial Statements der Cornell University Faculty Memorial Statement.

Als Professor für Psychologie und Neurobiologie lehrte er an der Harvard Medical School, an der University of Michigan und an der Medical School der Cornell University mit den Forschungsschwerpunkten Spracherwerb und kognitive Psychologie.Eric Heinz Lenneberg bei neurotree.org Als Wissenschaftler war er in den USA Mitglied in mehreren wissenschaftlichen Organisationen. Durch die Zusammenarbeit z. B. mit Noam Chomsky und George A. Miller war er ein angesehener Forscher.

In seinem Buch Biologische Grundlagen der Sprache (einziges Buch in deutscher Übersetzung) propagierte er die These von der „kritischen Periode“zur Problematik der "kritischen Periode": Norbert Kühne: Aspekte und Probleme früher Entwicklung und Erziehung (1); Sprachgestaltung - Sprache in Therapie und Erziehung (2); In: Unterrichtsmaterialien Pädagogik-Psychologie (Nr. 694), Stark Verlag/Mediengruppe Pearson, Hallbergmoos 2012–2016sowie Steven Pinker: Sprachinstinkt, München 1998, S. 337 ff in der Sprachentwicklung; ein Sachverhalt, der weltweit kontrovers diskutiert wurde und wird – häufig auch als ZeitfensterWolf Singer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung, in einem Werkstattgespräch der Initiative McKinsey; Süddeutsche Zeitung, 29. Juli 2001 bezeichnetDer Begriff komme aus der Ethologie, schreibt David Crystal in der Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Frankfurt/New York 1993, die den Ursprung artspezifischen Verhaltens erforsche: "Man hatte festgestellt, dass bei manchen Arten (z. B. Ratten, Gänsen) als Voraussetzung einer normalen Entwicklung bestimmte Reize in bestimmten Phasen aufgenommen werden müssen."(S. 263). Wer mit 14 Jahren nicht sprechen gelernt habe, würde es nie mehr (vollständig) erlernen, meinte Lenneberg. Die „Lateralisation des Gehirns“„Unter Lateralität versteht man die Ausprägung in Bau und Funktion von Paarorganen bzw. zweier in spiegelbildlicher Anordnung auftretender Bereiche eines unpaarigen Organs, welche sich auf die rechte und linke Gehirnhälfte verteilen.“ Aus: Wilhelm Karl Arnold, Hans Jürgen Eysenck, Richard Meili: Lexikon der Psychologie, Bd. 2; Herder Verlag Freiburg, Basel, Wien 1971; S. 406in Steven Pinker: Sprachinstinkt; München 1998, S. 351 ff sei in diesem Alter eben vollzogen – und eine Verletzung des Sprachzentrums könne in diesem Alter den Verlust der Sprache bedeuten, wo er vorher noch kompensiert werden konnteBiologische Grundlagen der Sprache, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1972. Einfach ausgedrückt: "Wir müssen annehmen, dass das Vermögen des Kindes, Sprache zu lernen, eine Folge der Reifung ist (...) Primäre SpracheDas ist die erste Sprache, die der Mensch erlernt; die Muttersprache als Grundlage der Sprachentwicklung kann nicht auf allen Altersstufen mit gleicher Leichtigkeit erworben werden."Biologische Grundlagen der Sprache, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1972, S. 220 Der englische Linguist David Crystal schreibt u. a.Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag, Frankfurt/New York 1993, S. 263, die Hypothese von der kritischen Periode sei umstritten, da die pathologischen Beweise ungenau seien. Auch die Argumentation innerhalb der Sprachentwicklung sei alles andere als eindeutig. Selbst die Neuropsychologie gebe zu bedenken, dass die Lateralisation des Gehirns lange vor der Pubertät abgeschlossen, womit die Eingrenzung der "kritischen Periode" sehr ungenau sei. Die Beziehung zwischen Lateralisierung und Sprache sei uneindeutig. So wiesen auch Hannelore Grimm und Sabine WeinertSprachentwicklung; in: Rolf Oerter, Leo Montada: Entwicklungspsychologie, S. 517 ff, Beltz Verlag, Weinheim 2002, S. 541 darauf hin, dass ältere Annahmen zur Lateralisierung unkorrekt seien, da es schon bei Neugeborenen erste Entwicklungen im Sinne der Lateralisierung gebe. Trotzdem ist nicht zu bestreiten, dass Lenneberg mit seinen zahlreichen Publikationen und Forschungen die Diskussion zum Spracherwerb ungemein bereichert hat.

Lenneberg wandte sich auch gegen Annahmen im Werk von Edward Sapir und Benjamin Lee WhorfBenjamin Lee Whorf: Sprache, Denken, Wirklichkeit: Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1984. ISBN 978-3-499-55174-1; ein in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts in Deutschland sehr erfolgreiches Buch. Steven Pinker allerdings sagt in seinem Buch „Sprachinstinkt“, Whorf habe nie mit den Indianern gesprochen, über deren Sprachgewohnheiten er Aussagen mache; Steven Pinker, S. 71 ff, speziell gegen die Behauptung, Sprache beeinflusse das Denken. Die These war in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschland unter Wissenschaftlern und Pädagogen sehr beliebt. Lenneberg meinte, bevor man zwei Sachverhalte in Beziehung setze, müssten sie zuvor getrennt als solche beschrieben werden können.

Obwohl Lenneberg in den USA ein angesehener Wissenschaftler war, blieb sein Einfluss in Deutschland begrenzt. So wurde sein Hauptwerk Biologische Grundlagen der Sprache hier erst drei Jahre vor seinem Tod publiziert; ein Standardwerk, das reich an Material und interessanten Thesen ist.

In vielen Ländern aber war Lenneberg als Sprachwissenschaftler bekannt und geschätzt. In Recife (Brasilien) hatte er eine Gastprofessur. Er war Lektor an der Academia Nacional de Neurologie do Brasil, Vorsitzender der Tübinger Tagung zu „Language as Behavior“ am Max-Planck-Institut; er war ständiges Mitglied des Internationalen Symposiums für Neuropsychologie und Teilnehmer an der Konferenz zur Mentalen Retardadion und Berater der UNESCO. 1964–1965 war er Gastdozent für Psychologie an der Universität Zürich. 1975 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Publikationen (Auswahl) Biological Foundations of Language. John Wiley & Sons, New York 1967, ISBN 0-471-52626-6. deutsch: Biologische Grundlagen der Sprache. Mit einem Anhang von Noam Chomsky. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-518-07368-0. The Capacity of Language Acquisition. In: Jerry Fodor, Jerrold Katz (Hrsg.), 1964. als Hrsg.: New Directions in the Study of Language. MIT Press, Cambridge, MA, 1964. The Structure of Language Prentice Hall, Englewood Cliffs, NJ

Siehe auch Sprachentwicklungsstörung

Literatur 50 Years Later: A Tribute to Eric Lenneberg’s Biological Foundations of Language. Sonderausgabe der Open-Access-Fachzeitschrift biolinguistics, Band 11, 2017, Volltext (PDF).

Weblinks Einträge zu Lenneberg in der Cornell University Library Untersuchung zur Sprachforschung Lennebergs – von Cedric Boeckx & Víctor M. Longa Biographischer Beitrag von Utz Maas in der Datenbank Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933-1945 (Abgerufen: 15. April 2018)

Einzelnachweise

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