Pereira (früher: Villa de Robledo und Antigua Cartago, auch Cartago Viejo) ist eine kolumbianische Gemeinde (municipio) am westlichen Fuß der Zentralkordilleren, etwa in der Mitte des „Goldenen Dreiecks“ zwischen den größten kolumbianischen Städten Bogotá, Medellín und Cali. Pereira ist seit 1966 die Hauptstadt des Departamento Risaralda. Sie hat 487.000 Einwohner (Stand: 2025) und ist damit die achtgrößte Stadt des Landes.
Geographie Lage Pereira liegt am westlichen Fuß der Zentralkordilleren zwischen den Flüssen Río Otún und Río Consota. Auf der anderen Seite des Otún liegt die kleinere Schwesterstadt Dosquebradas. Wegen ihrer Lage wird die Stadt auch „Perle des Otún“ genannt. Ein weiterer Name ist auch: „la trasnochadora, querendona y morena“ (die Nachteule, liebevoll und brünett).
Nachbargemeinden Das Gebiet der Stadt ist von folgenden Gemeinden umgeben (von Nord im Uhrzeigersinn): Marsella, Dosquebradas, Santa Rosa de Cabal, Santa Isabel, Anzoátegui, Ibagué, Salento, Filandia, Ulloa, Cartago, Ansermanuevo, Balboa und La Virginia. Zusammen mit La Virginia und Dosquebradas bildet Pereira die Metropolregion Área Metropolitana de Centro Occidente (AMCO).
Gemeindegliederung Die Stadt Pereira gliedert sich in 19 Bezirke (comunas): Ferrocarril, Olímpica, San Joaquín, Cuba, Del Café, El oso, Perla del Otún, Consota, El Rocío, El poblado, El jardín, San Nicolás, Centro, Río Otún, Boston, Universidad, Villavicencio, Oriente und Villasantana. Ländliche Ortschaften im Gemeindegebiet (corregimientos) sind Altagracia, Arabia, Caimalito, Cerritos, Combia Alta, Combia Baja, La Bella, La Estrella - La Palmilla, La Florida, Morelia, Puerto Caldas und Tribunas.
Geologie Pereira liegt in einer Gegend erhöhter seismischer und vulkanischer Tätigkeit. In der Nähe Pereiras liegen die Vulkane Nevado del Tolima, Nevado del Ruiz und Santa Isabel. Am 25. Januar 1999 erschütterte ein schweres Erdbeben die Gegend um Pereira. Das Epizentrum lag in nur 80 km Entfernung.
Klima Durch die Lage in der Nähe des Äquators und zwischen zwei Andenketten gibt es in Pereira keine ausgeprägten Regen- und Trockenzeiten sowie keine großen Temperaturunterschiede im Laufe des Jahres.
Durchschnittswerte 1961–1990
Geschichte mini|hochkant=0.65|Quimbaya-Skulptur aus Gold
In präkolumbianischer Zeit war die Gegend von Quimbaya-Indios besiedelt, die vor allem für ihre Goldschmiedekunst berühmt waren. Die spanische Besiedlung begann mit der Gründung der Stadt Cartago durch den Konquistador Jorge Robledo im Jahr 1540. Diese Stadt wurde jedoch 1691 in das Cauca-Tal verlegt, wo sie heute als Cartago existiert.
Im Jahre 1816 hielt sich der kolumbianische Freiheitskämpfer José Francisco Pereira Martinez mit einigen Freunden in den Ruinen von Cartago versteckt. Nach der Unabhängigkeit Kolumbiens erwarb er 1826 vom Staat diese Gegend für den Kaufpreis von 4234 Pesos und 6 Reales.
Ab den 1840er Jahren kam es zu größeren Umschichtungen in der Bevölkerungsverteilung von Kolumbien. Vor allem aus der ärmeren Provinz Antioquia zogen Siedler in den Süden ihrer Provinz und ins südlich benachbarte Cauca (heute Valle del Cauca), um sich mit einem eigenen Stück Land selbstständig zu machen. Auch in der Gegend des vormaligen Cartago entstand eine Siedlung. Die Bewohner des Dorfes errichteten an der heutigen Plaza Bolívar eine kleine Kirche und baten den zuständigen Bischof, sie weihen zu lassen. Dies erfolgte am 30. August 1863 durch den Priester Remigio Antonio Cañarte. Dieses Datum gilt heute als Gründungsdatum der Stadt Pereira, obwohl es sich nicht um eine politische, sondern eine kirchliche Aktion handelte, und auch das Dorf zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Namen Pereira trug. Cañarte stammte aus Cartago und war sechs Tage zuvor mit anderen Bürgern nach "Alt-Cartago" (Antigua Cartago) umgezogen, um sich hier niederzulassen. So entstand im Dorf eine Mischung aus ehemaligen Bewohnern der Stadt Cartago und aus Siedlern, die aus der Provinz Antioquia zugezogen waren.
Pereira Martinez war kurz zuvor gestorben, und seine Ländereien hatte sein Sohn Guillermo Pereira Gamba geerbt. Dieser ließ im Laufe des Jahres 1865 davon 98 Parzellen ausweisen und an Siedler verkaufen. Zu dieser Zeit setzte sich auch der Ortsname Pereira zu Ehren des Vaters durch. Dies wurde spätestens mit der Erhebung des Dorfes zu einem eigenen Distrikt innerhalb der Provinz offiziell, was am 20. Januar 1870 geschah. Eine zweite Landverteilung wurde auf staatliche Initiative vorgenommen. Sie umfasste eine wesentlich größere Zahl von Parzellen und zog sich von 1871 bis 1884 hin. Nach diesen beiden Landverteilungen hatte sich die Einwohnerzahl vervielfacht, und die Stadt Pereira hatte ihre noch heute sichtbare Struktur etabliert.
Nach dem Krieg der Tausend Tage wurde Kolumbien neu organisiert, und 1905 wurde aus Teilen von Antioquia und Cauca das neue Departamento Caldas gegründet, dessen Hauptstadt Manizales wurde. Das Departamento war in drei Provinzen eingeteilt, wobei Pereira Hauptort der Provinz Robledo wurde. Als 1966 ein Teil von Caldas als Departamento Risaralda herausgelöst wurde, wurde Pereira dessen Hauptstadt.
Bevölkerung Bei der Volkszählung 1870 war der Distrikt Pereira mit 633 Einwohnern noch der zweitkleinste Ort im Municipio Quindío, dessen Hauptort Cartago damals 7696 Einwohner zählte. Die Provinzhauptstadt Popayán kam auf 8485 Einwohner. Durch den großen Zustrom von Siedlern aus der nördlichen Provinz Antioquia, die sich in Pereira eine eigene Existenz aufbauen wollten, wuchs die Stadt überdurchschnittlich schnell. Als 1905 das Departamento Caldas gegründet wurde, hatte Pereira bereits 19.000 Einwohner und war dort die zweitgrößte Stadt, nach der Hauptstadt Manizales mit 25.000 Einwohnern. Die Gemeinde Pereira hat heute 487.359 Einwohner (Stand: 2025).
Religion mini|hochkant=0.7|Kathedrale mini|Innenansicht der Kathedrale Vorherrschend in Pereira ist die katholische Denomination. Schon zu Zeiten der spanischen Herrschaft stand im damaligen Cartago eine Kirche, die St. Georg geweiht war. Mit der Verlegung der Stadt existierte in der Gegend zwar keine eigenständige Kirchengemeinde mehr, aber doch Kirchen und Kapellen, in denen Taufen gehalten wurden.
Die Dorfbewohner errichteten 1862 eine kleine Kirche mit Strohdach. Die Weihung der Kirche am 30. August 1863 auf den Namen Santa Iglesia de Nuestra Señora de la Pobreza gilt als das offizielle Gründungsdatum Pereiras. Eine Kirche war ein wichtiger Kristallisationspunkt für eine Neubesiedlung und die gemeinsame Religion ein wichtiges Bindeglied zwischen den Siedlern aus Antioquia und den aus Cartago zugezogenen Bewohnern.
Mit der Segnung der Kirche war Pereira noch keine eigenständige Kirchengemeinde. Dieser Schritt wurde erst zwischen 1870 und 1874 vollzogen, etwa zur selben Zeit, in der Pereira ein eigener Distrikt wurde und die Dorfbewohner sich entschieden, die kleine Kirche durch einen großen Bau zu ersetzen.
Ein kirchliches Gremium, das für den Neubau verantwortlich war, wurde am 6. Juli 1873 eingesetzt und kaufte am 6. Mai 1874 ein Grundstück an der Carrera de Colón (heute: Carrera 7, an der Westseite der Plaza Bolívar), wo auch schon im spanischen Cartago die Kirche stand. Durch mehrere Zukäufe in den Jahren 1881 und 1883 wurde das Grundstück erheblich vergrößert.
Der Bau der Kirche war Gemeinschaftsarbeit, bei der die Bewohner einen Beitrag in Form von Arbeitsleistung oder Ersatzzahlung zu leisten hatten. Die Kirche konnte 1890 auf den Namen Nuestra Señora de la Pobreza geweiht werden, wurde aber durch das Erdbeben vom 31. Januar 1906 zerstört.
Das Dach des Nachfolgebaus erhielt eine Holzkonstruktion aus 13503 Elementen, die Erschütterungen besser standhalten konnte. Nach dem schweren Erdbeben vom 25. Januar 1999 waren Ausbesserungen notwendig. Während dieser Arbeiten fand man Gräber, die wohl aus der Zeit vor 1691 datieren, als die Stadt unter dem Namen Cartago besiedelt war.
Bis zum 11. April 1900 gehörte die Kirchengemeinde Pereira zum Bistum Popayán, anschließend zum neugegründeten Bistum Manizales. Seit dem 17. Dezember 1952 existiert das Bistum Pereira.
Stadtsymbole Das Wappen vereint Symbole der präkolumbianischen, der kolonialen und der modernen Geschichte Pereiras. Der goldene Frosch war ein heiliges Tier der Quimbaya-Indios und stand für Fruchtbarkeit und Beweglichkeit. Die halbe Sonne und die zwei Kronen wurden dem Wappen des alten Cartago entnommen. Die drei ineinandergreifenden Hände stehen für Einheit, Solidarität und Gemeinschaft der modernen Stadt. Der Kaffee- und der Lorbeerzweig stellen den landwirtschaftlichen Reichtum und den Sieg der Stadt über die Widrigkeiten dar.
Die Flagge zeigt ein gelbes Dreieck auf scharlachrotem Grund, die das Blut der Söhne Pereiras und den Reichtum des Bodens symbolisieren. In der Mitte steht auf einem Stab eine rote phrygische Mütze, die die Freiheit darstellt.
Sehenswürdigkeiten
mini|Plaza Bolívar, im Vordergrund die Skulptur Bolívar Desnudo, im Hintergrund die Catedral de Nuestra Señora de la Pobreza mini|Parque Olaya Herrera
Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Stadt ist die Ciudad Victoria um die Plaza Bolívar, die auch den historischen Mittelpunkt der Stadt bildet. An diesem Platz oder in der unmittelbaren Umgebung befinden sich Einkaufszentren, die Kathedrale, das Kulturzentrum, das Museum der modernen Kunst, die Stadtbibliothek und der Egoya-Stadtpark.
In der Stadt befinden sich einige Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Rodrigo Arenas Betancur. Das auffälligste davon ist das Denkmal Bolívar Desnudo in der Stadtmitte auf der Plaza de Bolívar, das den Staatsgründer Simón Bolívar nackt auf einem Pferd zeigt. Ebenfalls sehr bekannt und oft abgebildet ist die Skulptur El Cristo Sin Cruz (der Christus ohne Kreuz) an der Iglesia Nuestra Señora de Fátima. Weiterhin hat er El Prometeo Encadenado (Der gefesselte Prometheus) gestaltet, sowie ein Monument für die Stadtgründer (Monumento a los Fundadores).
Parks
Der größte öffentliche Park der Stadt ist der Parque Olaya Herrera, der in den 1930er Jahren in der Nähe des damaligen Bahnhofs errichtet wurde. Weitere bekannte Parks sind der Parque Bolívar, Parque el Lago Uribe Uribe mit seinem runden Teich und der Parque de la Libertad.
Die Technologische Universität von Pereira unterhält einen botanischen Garten (Jardín Botánico Universidad Tecnológica De Pereira, JBUTP). Er wurde 1983 gegründet und kann nach Voranmeldung besucht werden. Er erstreckt sich über eine Fläche von 12,7 Hektar und verfügt über 1500 m angelegte Wege. Der Botanische Garten dient der Universität für Forschung und Lehre, aber auch der Bevölkerung zur Bildung und Erholung.
Der 1959 eröffnete Zoo Matecaña ist mit 7,5 ha Fläche einer der größten und traditionsreichsten Tierparks Kolumbiens. Er beherbergt über 150 Tierarten, davon 80 % einheimische. Eine Besonderheit des Zoos sind Liger, eine Kreuzung aus Löwe und Tiger.
Kultur
Das städtische Kulturzentrum Centro Cultural Lucy Tejada wurde 2005 eröffnet und ist nach der kolumbianischen Malerin Lucy Tejada Sáenz benannt, die aus Pereira stammt. Hier finden kulturelle Veranstaltungen jeglicher Art statt. Außerdem befindet sich der Hauptsitz der Akademie für Geschichte und die Stadtbibliothek im Gebäude.
Wirtschaft mini|Kongresszentrum Expofuturo Als größte Stadt der weiteren Umgebung ist Pereira wichtiger Umschlagplatz für Einzel- und Großhandel. Zusammen mit den Regionen der Nachbarstädte Armenia und Manizales bildet die Gegend um Pereira das Zentrum des Kaffeeanbaus in Kolumbien (Eje Cafetero).
Für Messen, Kongresse und Ausstellungen unterhält die Handelskammer das Zentrum Expofuturo in der Nähe des Flughafens.
Verkehr mini|Flughafen Aeropuerto Internacional Matecaña
Flugverkehr Der internationale Flughafen Matecaña liegt etwa 5 km westlich des Stadtzentrums. Er verbindet Pereira mit verschiedenen Städten Kolumbiens. International werden Miami (American Airlines ) und Panama-Stadt (Copa Airlines) angeflogen.