Die Bank für Brau-Industrie AG (kurz Braubank, ab 1986 Frankfurter Bankgesellschaft von 1899) war ein deutsches Kreditinstitut mit Sitz in Berlin und Dresden und später Frankfurt am Main.

Geschichte Vorgeschichte In Dresden wurde Bier in den 1830er-Jahren überwiegend in kleinen Hausbrauereien gebraut. Die Brauer-Innung zählte 1836 nur 16 Brauereimeister. 1838 wurde die Waldschlößchen-Brauerei als Aktiengesellschaft gegründet. Hier wurde untergäriges bayerisches Bier hergestellt. Dies war kapitalaufwändiger, da ein Lagerkeller benötigt wurde und zwischen Produktion und Verkauf Wochen bis Monate vergingen. Als zweite Brauerei wurde 1854 die Feldschlößchen-Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1857 kam als dritte Aktien-Brauerei die Felsenkeller-Brauerei hinzu. In den 1860er-Jahren beschleunigte sich die Industrialisierung des Bierbrauens. Hierzu trug die Einführung der Gewerbefreiheit in Sachsen 1861 ebenso bei wie die Tatsache, dass sich Dampfmaschinen in den Brauereien durchgesetzt hatten. 1882 zählte die Handelskammer Dresden 14 Aktienbrauereien in ihrem Bezirk. 10 davon waren zwischen 1868 und 1872 gegründet worden. Auf die Gründerzeit folgte die Gründerkrise. Bis 1885 mussten 5 der neuen Aktienbrauereien Konkurs anmelden.

1883 war auch die Feldschlößchen-Brauerei insolvent geworden. Das Unternehmen konnte jedoch mit frischem Geld gerettet werden. Einer der Geldgeber war der Dresdener Bankier Max Arnhold, der im gleichen Jahr auch die Radeberger Exportbierbrauerei durch Kapitalbeteiligung rettete. Der Marktbereinigung durch Konkurse folgte in der Zeit von 1890 bis 1905 eine starke Konzentration der Bierbranche. Eine Reihe von kapitalkräftigen Konzernen entstand, die die schwächeren Wettbewerber übernahmen.

Gründung In dieser Zeit wurde am 8. Juni 1899 die Bank für Brauindustrie AG gegründet. Initiatoren waren die Brüder Max und Georg Arnhold, die Inhaber des Bankhauses Gebrüder Arnhold in Dresden. Sie brachten in die Gesellschaft ihre Brauereibeteiligungen ein. Die Aktien der Bank wurden an der Börse gehandelt. Die Bank hatte ihren Hauptsitz in Berlin in der Markgrafenstraße 53/54 und eine Niederlassung in Dresden in der Waisenhausstraße 16 (dem Sitz des Bankhauses Gebrüder Arnhold). Der Vorstand der Bank, die ein Kapital von 7 Millionen Mark hatte, bildeten Richard Chrzescinski und Max Frank. Die Bank sollte eine zentrale Rolle im Konzentrationsprozess der Bierbranche spielen. Die enge Verknüpfung von Branche und Bank spiegelte sich in der Besetzung des Aufsichtsrates wider. Der Aufsichtsrat der Bank für Brau-Industrie bestand 1900 aus: Friedrich Goldschmied, Generaldirektor der Aktien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe in Berlin (Vorsitzender) Georg Arnhold, Inhaber Bankhaus Gebrüder Arnhold (stellvertretender Vorsitzender) Curt Sobernheim, Direktor der Breslauer Disconto-Bank in Berlin (stellvertretender Vorsitzender) Fritz Andreae, Geschäftsführer der Hardy & Co. GmbH in Berlin Georg Ebert, Direktor der Hofbierbrauerei Schöfferhof AG in Mainz Georg Liebel, Direktor des Brauhauses Nürnberg Friedrich Reinhardt, Direktor der Leipziger Bierbrauerei zu Reudnitz, Riebeck & Co. KG in Leipzig Georg Schreiber, Bankier, H. C. Plaut in Leipzig Paul Stern, Direktor der Bayerischen Bank in München Louis Todesco, Generalrat der Anglo-Österreichischen Bank in Wien Franz Wicküler, Direktor der Wicküler-Küpper Brauerei in Elberfeld

Die Konsolidierung der Beteiligungen Die Bank wirkte am Anfang ihrer Geschäftstätigkeit an der Umwandlung einiger Privatbrauereien in Aktiengesellschaften mit und übernahm dabei Aktienanteile und vor allem Optionen. Im ersten Jahr war dies die Hansa Brauerei in Lübeck, die Export-Bier-Brauerei Jos. Diebels AG in Issum, die Export-Bierbrauerei Aug. Peter AG in Königssee in Thüringen und die Kulmbacher Mälzerei AG vorm. J. Ruckdeschel. Auch bei Kapitalerhöhungen und Umstrukturierungen bestehender Aktiengesellschaften war die Bank tätig. So bei der Fusion der Actien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe vorm. Patzenhofer und der Actien-Brauerei-Gesellschaft Moabit in Berlin, der Kapitalerhöhung der Winterhuder Brauerei in Hamburg, die Bank übernahm Aktien und Obligationen der Schlossbrauerei Kiel im Rahmen der Sanierung, der fusionierten Bierbrauereien in Aschaffenburg und der neu gegründeten Weingroßhandlung Mérot Frères AG in Fentsch. Diese Beteiligungen sollten in den nächsten Jahrzehnten die Basis des Geschäftes der Bank bilden.

1903 wurde durch die Bank in einer größeren Transaktion die Deutsche Bierbrauerei AG in Berlin mit einem Kapital von 2 Millionen Mark gegründet. Die Radeberger Exportbierbrauerei AG wurde aufgelöst und die Deutsche Bierbrauerei AG übernahm den Betrieb in Radeberg. 1905 zahlte die Bank hierzu die Mehrzahl der freien Aktionäre aus und begab zur Refinanzierung eine 30-jährige Anleihe mit einem Kupon von 4,5 %, die an der Börse Dresden notiert wurde. Die Bank war nun Eigentümer von drei Vierteln der Anteile von Feldschlößchen und reichte diese an die Deutsche Bierbrauerei AG weiter. Der Konzern übernahm später noch Anteile der Brauereien Einsiedel bei Chemnitz und Pichelsdorf bei Berlin.

Ein weiterer Bierkonzern im Portfolio der Bank war Schöfferhof und Bürgerbräu in Frankfurt und der Verbund Kieler Brauereien. Zum Beginn des Ersten Weltkriegs verfügte die Bank über Beteiligungen an 25 deutschen Brauereien. Während des Krieges kam noch die Ritterbrauerei in Dortmund hinzu, diese war vorher im Besitz englischer Eigentümer gewesen.

In der Weimarer Republik Die Zeit der Weimarer Republik war für alle Banken eine Herausforderung. Nach den direkten Kriegsschäden folgte die Deutsche Inflation 1914 bis 1923 und am Ende der 1920er-Jahre die Deutsche Bankenkrise. Die Braubank überstand diese Zeit und konnte sogar jedes Jahr bis auf 1923/24 eine Dividende zahlen.

Nach dem Krieg wies die Bank für das Geschäftsjahr 1918/19 eine Bilanzsumme vom 14,6 Millionen Mark auf und erzielte einen Gewinn von 565.000 Mark. Der Zukauf von Brauereibeteiligungen wurde fortgesetzt. 1918/19 wurde die Beteiligung an der Hansa-Bank aufgestockt, 1919/20 eine Beteiligung an der Hofbräuhaus Hanau vorm. G. Ph. Nicolay AG und der Kalker Brauerei AG in Köln vorgenommen. Im folgenden Geschäftsjahr kam es zu einer Konsolidierung der Brauereien in Frankfurt: Die Schöfferhof-Bürgerbräu erwarb die Brauerei Binding AG und die Brauerei J.J. Jung Erben in Frankfurt am Main.

Die Inflationszeit führte zu einer weiteren Konsolidierung des Brauereimarktes. 1921/22 übernahm die Deutsche Bierbrauerei AG Feldschlößchen und Gambrinus in Dresden. Das Unternehmen firmierte ab 1925 dann als Radeberger Exportbierbrauerei AG und verlegte den Sitz nach Radeberg.

Kapital-Entwicklung Das Kapital der Bank entwickelte sich wie folgt: Jahr Kapital18997 Mio. Mark1923206 Mio. Mark1924 3,1 Mio. RM19254 Mio. RM19266 Mio. RM192710 Mio. RM192813 Mio. RM193210 Mio. RMam 18. August 1932 durch Einziehen eigener Aktien und am 22. September 1932 durch Zusammenlegung 6:5194215 Mio. RM

Auffällig ist der Anstieg des Kapitals in der Inflationszeit. 1923/24 berichtete der Vorstand über einen Gewinn von 18.691.659.643.911.400,- Mark und kommentierte die Zahlen im Geschäftsbericht mit:

Nach dem Ende der Inflation wurde das Kapital mit 3,1 Millionen Mark vorsichtig festgestellt und stieg in den Folgejahren kontinuierlich. Die Beteiligungen hatten in der Inflation ihren Wert behalten; Im Gegensatz zu anderen Banken, die in Staatsanleihen investiert hatten, war die Braubank unbeschadet aus der Inflationszeit herausgekommen und verfügte 1929 über folgende Beteiligungen an Brauereien:

Brauerei Ort LandBrauerei Gebrüder Klein GmbH Hainichen Sachsen und Thüringen Leipziger Bierbrauerei zu Reudnitz, Riebeck & Co. AG Reudnitz Sachsen und ThüringenRadeberger Exportbierbrauerei AG Radeberg Sachsen und ThüringenBerliner Kindl Brauerei AGBerlinPreußenHitdorfer Brauerei Friede AGKöln (Direktion), Hitdorf (Betrieb) PreußenHofbräuhaus Hanau vorm. C.Ph. Nicolay AGHanauPreußenKloster-Brauerei AGMetternich bei KoblenzPreußenSchöfferhof-Binding-Bürgerbräu AGFrankfurt am MainPreußenBrauerei W. Isenbeck & Co. AGHammPreußenDortmunder Ritterbrauerei AGDortmundPreußenGlückauf Brauerei AGGelsenkirchenPreußenGebrüder Ueckermann, Brauerei zum Felsenkeller bei HerfordHerfordPreußenHansa-BrauereiLübeckPreußenBohrisch Brauerei AGStettinPreußenGorkauer Societäts-Brauerei AGGorkauPreußen Aktienbrauerei zum HasenAugsburgBayernBayerische Aktien-Brauerei AschaffenburgAschaffenburgBayernGrüner-Bräu AG FürthBayernH. Henninger Reifbräu AGErlangenBayernKulmbacher Rizzibräu AGKulmbachBayernReichelbräu AGKulmbachBayernEsslinger BrauereigesellschaftEsslingenWürttembergUlmer Brauerei-GesellschaftUlmWürttemberg

Die Weltwirtschaftskrise führte zu einem massiven Rückgang des Bierkonsums in Deutschland. 1929 wurden noch 57,6 Millionen Hektoliter verkauft worden, 1932 waren es noch 33,3 Millionen. Neben der gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung war die gute Wein- und Obsternte des Jahres 1931 ursächlich, die zu Preissenkungen bei Wein und Obstweinen geführt hatte. Entsprechend ging der Gewinn der Brauereien und damit der der Bank zurück. Um dennoch eine Dividende ausschütten zu können, nahm man 1932 eine Kapitalreduktion im Verhältnis 6 zu 5 vor. Die Bank hatte die Deutsche Bankenkrise gut überstanden, da sie über ein dem Grunde nach werthaltiges Portfolio verfügte und eine hohe Eigenkapitalquote aufwies.

Zeit des Nationalsozialismus mini|Aktie über 100 RM der Bank für Brau-Industrie in Berlin vom März 1933 Die Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte große Unsicherheit. Die Hauptaktionäre der Bank, die Gebrüder Arnhold waren Juden und als solche von der Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus betroffen. Im Bankhaus Gebrüder Arnhold musste im September 1933 erstmals ein Nichtjude in die Geschäftsleitung aufgenommen werden, 1935 verkauften die Arnholds die Dresdner Niederlassung ihres Bankhauses an die Dresdner Bank. Nicht mitverkauft wurden die Anteile der Arnholds an der Braubank. Im Herbst 1937 verkauften sie auch noch den Rest des Unternehmens an die Dresdner Bank. Diese war damit Hauptaktionärin der Braubank geworden. Die Arisierung des Bankhauses Gebrüder Arnhold war damit erfolgt.

Die Braubank selbst war durch die Machtergreifung nicht betroffen. Vorstand und Aufsichtsrat blieben im Amt, die Geschäfte wurden wie bisher weiterbetrieben. Der Wirtschaftsaufschwung der nächsten Jahre führte zu einem erhöhten Bierkonsum und einer verbesserten Ertragslage. Mit dem Verkauf des Dresdner Teils des Bankhauses Gebrüder Arnhold war vereinbart worden, dass die Dresdner Bank auch im Aufsichtsrat der Braubank vertreten sein sollte. Auf der Hauptversammlung am 14. Oktober 1935 wurde daher das Vorstandsmitglied der Dresdner Bank Alfred Busch in den Aufsichtsrat gewählt. In den folgenden zwei Jahren wurden die jüdischen Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates systematisch aus den Ämtern entfernt. Gleichzeitig stieg der Einfluss der Dresdner Bank. Ab 1938 war Alfred Busch Vorsitzender des Aufsichtsrates und blieb dies bis zum Ende der Krieges. Walther Frisch, der bisherige Vorsitzende, wurde sein Stellvertreter. Der Sitz der Bank wurde 1937 nach Berlin verlegt.

1939 erwarb die Braubank die Hälfte der Anteile der Engelhardt-Brauereigruppe in Berlin von der Dresdner Bank (die die andere Hälfte der Anteile hielt). Die Dresdner Bank hatte die Anteile 1933/34 im Rahmen der Arisierung erworben. Der jüdische Generaldirektor Ignatz Nacher war Kreditkunde der Dresdner Bank. Diese zwang ihn unter der Drohung der Kreditkündigung zum Verkauf seiner Anteile. Den Rest der Anteile hatte die Stadt Berlin unter dem Vorwand einer Schmiergeldzahlung konfisziert und an die Dresdner Bank abgegeben. Nach dem Erwerb der Braubank sollte diese die Anteile halten. Zur Finanzierung verkaufte die Braubank kleinere Beteiligungen.