Bei der Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen in Miłki () handelt es sich um eine der ältesten Kirchen Masurens. Ihre Errichtung erfolgte um 1481. Sie diente bis 1945 als evangelisches Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Milken. Heute ist sie römisch-katholische Pfarrkirche der ländlichen Region um Miłki in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Miłki liegt südöstlich der Kreisstadt Giżycko (Lötzen) in der Masurischen Seenplatte. Durch den Ort verläuft die polnische Landesstraße DK 63, die frühere deutsche Reichsstraße 131. Die Kirche steht auf der Westseite dieser innerorts ulica Giżycka genannten Straße in Blickrichtung zum Wobel-See ().
Kirchengebäude Die baulichen Anfänge der Kirche in Milken gehen auf das Ende des 15. Jahrhunderts – um 1481 – zurück.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 121–122, Abb. 562. Nach einem Brand im Jahre 1656 wurde das Gotteshaus bis 1669 erneuertMiłki – Milken bei ostpreussen.net – mit Bildern der jetzigen Kirche und zeigt sich heute als Bauwerk mit verputztem Mischmauerwerk bei eingezogenem Chor. Der Turm ist vorgesetzt.
Der Innenraum, der heute flachgedeckt ist, hatte in der Mitte ein hölzernes Tonnengewölbe. Nur an den Seiten waren Flachdecken angebracht. Altar und Kanzel, um 1600 entstanden, wurden 1770 vereinigt und mit einem Aufbau versehen. Die Datumsinschrift mit dem Wappen derer von Kittlitz bezog sich auf eine Renovierung im Jahr 1688.
Aus dem 17. Jahrhundert waren ein Kruzifix und mehrere Leuchter erhalten. Eine Orgel muss bereits im 18. Jahrhundert vorhanden gewesen sein; denn Adam Gottlob Casparini reparierte diese in den Jahren 1746/1747.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 327. Im Jahr 1868 erhielt die Kirche dann eine neue Orgel. Das Geläut bestand aus zwei Glocken, von denen eine aus dem Jahr 1658 stammte.
Die beiden Weltkriege überstand die Kirche mit zum Teil erheblichen Beschädigungen.Bild der kriegsbeschädigten Kirche Milken im Jahre 1945
Aufgrund der Umwidmung des Gebäudes von einer evangelischen in eine katholische Kirche wurden Umbaumaßnahmen in Anpassung an die veränderte liturgische Nutzung vorgenommen. Die Kirche erhielt außerdem den Namen als polnische Muttergotteskirche.
Kirchengemeinde Evangelisch Das Milkener Kirchspiel bestand bereits in vorreformatorischer Zeit.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 492. Mit Einführung der lutherischen Lehre wurde die Kirche für mehr als 400 Jahre ein evangelisches Gotteshaus. Ab 1533 amtierten hier Prediger der neuen Lehre.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 95–96. Einst war Milken Teil der Inspektion Angerburg (), danach war es bis 1945 in den Kirchenkreis Lötzen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.
Im Jahr 1925 zählte das weitflächige Kirchspiel 6058 Gemeindeglieder. Sie wurden zu fast jeder Zeit von zwei Geistlichen gemeinsam betreut. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Stellen.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem evangelischen Gemeindeleben in Milken ein Ende. Heute in Miłki lebende evangelische Kirchenglieder gehören nun zur evangelischen Pfarrkirche in Giżycko (Lötzen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Milken gehörten bis 1945 neben dem Pfarrort selbst 28 weitere Orte, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Bilsken Billsee Bielskie Mniechen (ab 1928)Münchenfelde Miechy *Czyprken (ab 1928)Freiort Czyprki Ogrodtken Reiken Ogródek *Dannowen Dannen Danowo *Okrongeln Schwansee Okrągłe *Groß Konopken Hanffen Konopki Wielkie Ottilienhof Drochowo Jedamken Stenzeln Jedamki Przykopp Hessenhöh Przykop *Klein Konopken (ab 1929)Waldfließ Konopki Małe Ruhden Eisenwerk Ruda Klein Skomatzko Skomand Skomack Mały *Schedlisken Dankfelde Siedliska Klein Wolla Wólka Sczepanken Tiefen Szczepanki *Kruglinnen Kraukeln Kruklin Seehof Lindenhof Lipowy Dwór *Staßwinnen Eisermühl Staświny *Lipiensken (ab 1928)Lindenwiese Lipińskie *Talken Talki Mallinken (West) (ab 1930)Birkfelde Malinka Truchsen Kurówko *Marczinawolla (ab 1929)Martinshagen Marcinowa Wola Willudtken Heydeck Wyłudki Maxhof Grodkowo *Wissowatten Wyszowate
Pfarrer Zwischen 1533 und 1945 amtierten an der Kirche Milken als evangelische Geistliche:
Bernhard N., ab 1533 Albert Aretius, 1534–1592 Jacob Prostka, 1592–1625 Johann Prostka, 1619–1673 Johann Hoynowius, 1649–1672 Sebastian Andreas Loranowitz, 1673–1675 Georg Moyzewius, ab 1673 Friedrich Mortzfeld, 1675–1676 Simon Muscalius, 1676–1689 Cölestin Martin Wedecke, 1678–1704 Fabian Hamm, 1689–1720 Matthias Gregorowius, 1704–1717 Zacharias Scubowius, 1717–1730 Moses Kulischewius, 1720–1754 Theodor Salomon, 1731–1741 Michael Nizki, 1742–1775 Bernhard Guziewski, 1754–1776 Andreas Schubert, 1775–1811 Jacob Sakowski, 1777–1810 Ferdinand Gottlieb Schrage, 1810–1866 Friedrich August Salkowski, 1864–1866 (Samuel) Rudolf Ebel, 1866–1882Ebel (1812–1890) war Angehöriger des Corps Masovia. August Rudolf Kosta, 1883–1904 Emil Richard Jencio, 1896–1901 Max Adolf Richard Günther, 1902–1904 Theodor Heinrich Hermann Kaminski, 1904–1920 Richard Hermann Abramowski, 1904–1929 Paul Guddas, 1926–1928 Adalbert Schwede, 1929–1931 Erich Schwarz, 1930–1945 Fritz Klimmek, 1939–1941
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei Milken haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1834 bis 1856 Begräbnisse: 1848 bis 1874.
Römisch-katholisch Vor 1945 lebten in der Region Milken zahlenmäßig nur wenige Katholiken. Sie waren in die Pfarrkirche St. Bruno in Lötzen im Bistum Ermland eingepfarrt. Nach 1945 siedelten sich in Miłki viele polnische Neubürger an, die zum größten Teil römisch-katholischer Konfession waren. Sie übernahmen das bisher evangelische Gotteshaus als ihre Pfarrkirche, die heute zum Dekanat św. Krzystofa in Giżycko im Bistum Ełk (Lyck) der Römisch-katholischen Kirche in Polen gehört. Zugeordnet sind zwei Filialkirchen: die Kapelle in Ruda (Ruhden, 1938–1945 Eisenwerk) und die in Marcinowa Wola (Marczinawolla, 1929–1945 Martinshagen).
Pfarrer Seit Bestehen der Pfarrei Miłki amtierten bis heute als katholische GeistlicheWebsite der Pfarrei Miłki (mit einem aktuellen Bild der Kirche): Piotr Koszykowski, 1948–1952 Jan Bogdanowidz, 1952–1976 Bogusław Kossakowski, 1976–1989 Kazimierz Suchecki, 1989–2000 Wiesław Śliwczyński, 2000–2014 Marceli Ogar, seit 2014
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1480er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Muttergotteskirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kirche Kategorie:Maria-Königin-von-Polen-Kirche