Die Pflanzengattung Sanikel (Sanicula) gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die etwa 40 Arten haben ihr Hauptverbreitungsgebiete in Nordamerika (22 Arten) und Ostasien. Der Wald-Sanikel (Sanicula europaea) ist die einzige in Europa heimische Art und gilt als Tertiärrelikt.
Beschreibung
Vegetative Merkmale Sanikel-Arten sind niedrige, schlanke, niederliegende oder aufrecht wachsende zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl. Sie wachsen verzweigend oder aufrecht, gerade und unverzweigt aus einem kurzen Wurzelstock oder direkt aus spindelförmigen oder knollenförmigen Wurzeln. Die Sprossachse ist meist verzweigt, die Anordnung der Verzweigungen ist sehr unterschiedlich.
Die Laubblätter sind gestielt oder fast sitzend. Die membranartig dünne bis beinahe lederartige Blattspreite ist handförmig oder fiederspaltig geteilt bis mehrfach zusammengesetzt. Die einzelnen Blattteile sind unterschiedlich gezähnt, gelappt, fiederspaltig geteilt oder ganzrandig. Die Blattspindel ist kahl oder beflügelt.
Blütenstände und Blüten mini|Blütenstand des Wald-Sanikel (Sanicula europaea) Die Blütenstände bestehen aus einfachen kopfförmigen Dolden, die zymös oder traubig angeordnet sind. Der Hüllkelch besteht aus ganzrandigen oder gelappten Tragblättern, die sowohl länger als auch kürzer als die Dolden sein können. Die Dolden sind zweigeschlechtig oder eingeschlechtig, wobei dann nur männliche Blüten gebildet werden. Die Blüten stehen an Blütenstielen oder sind fast sitzend. Dabei werden die rein männlichen Blüten oft auffallend durch Blütenstiele hervorgehoben und fallen früh ab oder sind beständig.
Die Blüten sind weiß, grünlich-weiß, grünlich-gelb, gelb, rot, lila, blau oder violett. Die Kelchblätter sind borstenförmig, linealisch-lanzettlich oder abgestumpft eiförmig und beinahe einzeln stehend bis stark miteinander verwachsen. An der reifen Frucht sind die Kelchblätter geschnäbelt oder durch die Bewehrung der Früchte verdeckt. Der Rand der spatelförmigen bis eiförmigen Kronblätter ist gebuchtet, die Spitze ist eingeengt und eingebogen. Der Griffel ist entweder kürzer als die Kelchzipfel oder verlängert, abstehend, zurückgebogen oder geschraubt. Das Stylopodium fehlt oder ist abgeflacht und scheibenförmig.
Früchte und Samen Die Früchte sind länglich-eiförmig bis kugelförmig und seitlich etwas abgeflacht. Die Früchte sind dicht mit Stacheln, Ährchen, Schuppen oder Knöllchen besetzt. Die Stacheln sind an der Basis oftmals verbreitert oder knollig, gerade oder mit einem Haken versehen. Rippen sind nur ansatzweise vorhanden. Das Karpell ist beinahe drehrund oder lateral oder dorsal abgeflacht. Die Ölstriemen können groß oder klein sein, in regelmäßiger oder unregelmäßiger Anordnung stehen. Es befinden sich drei bis zu einer Vielzahl Ölstriemen unter der dorsalen und lateralen Oberfläche und meist zwei an der Kommissur. Die Samenoberfläche ist glatt, konkav oder faltig, verstärkende Zellen fehlen.
mini|Sanicula bipinnatifida mini|Sanicula crassicaulis mini|Habitus des Wald-Sanikel (Sanicula europaea) mini|Sanicula graveolens mini|Sanicula odorata mini|Sanicula smallii Systematik Die Gattung Sanicula wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 235 aufgestellt. Mit dem deutschen Trivialnamen Sanikel (mittelhochdeutsch bereits feminin und maskulin) wurden auch Arten anderer Gattungen bezeichnet (Quirlblättrige Zahnwurz, Große Sterndolde, Buschwindröschen, Echte Nelkenwurz).Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. 5 Bände, Leipzig, ab Band 3 Stuttgart/Wiesbaden, Band 1, S. 290 und 507; Band 2, S. 81 und 688.
Die Gattung Sanicula enthält etwa 40 Arten (Auswahl): Sanicula arctopoides : Die Heimat ist British Columbia, Washington, Oregon und Kalifornien. Sanicula arguta : Sie ist in Nordamerika verbreitet. Sanicula astrantiifolia : Sie kommt in Tibet und in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan vor. Sanicula azorica : Sie kommt auf den Azoren vor. Sanicula bipinnata : Die Heimat ist Kalifornien. Sanicula bipinnatifida : Die Heimat ist British Columbia, Oregon, Washington, Kalifornien und das mexikanische Baja California. Sanicula caerulescens : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan und in der Stadt Chongqing vor. Sanicula canadensis : Sie ist in Kanada und den USA verbreitet. Sanicula chinensis : Die Heimat ist China, Ostsibirien, Nordjapan und Korea verbreitet. Sanicula crassicaulis : Die Heimat ist British Columbia, Oregon, Washington, Kalifornien und das mexikanische Baja California. Sanicula elata (Syn.: Sanicula europaea var. javanica ): Sie ist in Ostafrika, Sri Lanka, im nördlichen Indien, Pakistan, Bhutan, Nepal, Myanmar, Vietnam, China, Indonesien, Malaysia, Japan und auf den Philippinen weitverbreitet. Sanicula elongata : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Gansu sowie Shaanxi vor. Wald-Sanikel (Sanicula europaea ) Sanicula giraldii : Die Heimat ist China. Sanicula graveolens : Die Heimat ist British Columbia, Oregon, Washington, Wyoming, Montana, Nevada, Kalifornien, Argentinien und Chile. Sanicula hacquetioides : Die Heimat ist China. Sanicula lamelligera : Die Heimat ist China und Japan. Sanicula marilandica : Die Heimat sind Kanada und die USA. Sanicula odorata : Sie ist in Kanada und den USA verbreitet. Sanicula orthacantha : Sie ist Indien, Kambodscha, Laos, Vietnam und China verbreitet. Sanicula oviformis : Sie kommt nur in der chinesischen Stadt Chongqing vor. Sanicula pengshuiensis : Dieser Endemit kommt in Pengshui in der chinesischen Stadt Chongqing vor. Sanicula petagnioides : Die Heimat ist Taiwan. Sanicula rubriflora : Sie ist China, in der Mongolei, Japan, Ostsibirien und Korea verbreitet. Sanicula rugulosa : Sie kommt in Tibet und in der chinesischen Stadt Chongqing vor. Sanicula serrata : Die Heimat ist China. Sanicula smallii : Die Heimat sind die USA. Sanicula tienmuensis : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Zhejiang vor. Sanicula tuberculata : Sie kommt in Korea, im südlichen Japan und in der chinesischen Provinz Heilongjiang vor. Sanicula tuberosa : Sie ist in Nordamerika verbreitet.
Literatur She Menglan, Loy R. Phillippe: Sanicula. In: Kathleen M. Pryer, Loy R. Phillippe: A synopsis of the genus Sanicula (Apiaceae) in eastern Canada. In: Canadian Journal of Botany. Band 67, Nr. 3, 1989, S. 694–707, , (PDF-Datei; 1,91 MB) (engl.).
Einzelnachweise Mildred E. Mathias, Lincoln Constance: Flora of Peru - Umbelliferae. Sanicula In: Publications (Field Museum of Natural History). Botanical series. Band 13, Teil V-A, Nr. 1, 1962, S. 93–94 ().
She Menglan, Loy R. Phillippe: Sanicula. In: Ralf Hand (2011): Apiaceae. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Sanicula
Weblinks
Kategorie:Doldenblütler