Die Schweinfurter Rhön ist eine ca. 255 km² große und bis auf ansteigende Hochebene im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt und im Landkreis Haßberge. Sie ist zum Main hin durch zahlreiche Täler eingeschnitten und hat hier den Charakter eines Berglandes. Sie liegt nordöstlich der kreisfreien Stadt Schweinfurt.

Der Name Schweinfurter Rhön entstammt dem Volksmund und ist die geläufigste Bezeichnung für den Naturraum Hesselbacher Waldland, der mit ihr identisch ist. Die Landschaft wurde in früherer Zeit auch Schlettach genannt. In neuerer Zeit wurde die Gemeindeallianz Schweinfurter OberLand gegründet, die den Naturraum umfasst und im Norden etwas darüber hinaus greift.

In der Schweinfurter Rhön liegt Bayerns größtes Nationales Naturerbe.

Geographie Lage Die Schweinfurter Rhön liegt etwa zu zwei Dritteln der Fläche im Landkreis Schweinfurt, das östliche Drittel gehört zum Landkreis Haßberge und ein kleiner Randstreifen im Nordwesten zum Landkreis Bad Kissingen. Ferner liegt die kreisfreie Stadt Schweinfurt mit ihren nordöstlichen Gebieten in ihr. Die Schweinfurter Rhön wird im Süden vom Tal des Mains, im Westen von den Tälern des Marienbachs und der oberen Wern, im Norden vom Tal der oberen Lauer und im Osten vom Haßgau begrenzt.

Die Haßberge liegen 6 Kilometer nordöstlich, die Vorrhön 12 Kilometer nordwestlich und die Hochrhön 25 Kilometer von der Schweinfurter Rhön entfernt.

Höchste Punkte Der höchste Punkt der Schweinfurter Rhön liegt mit 500 m nordöstlich von Hoppachshof.Topographische Karte von Bayern 1:50.000 Blatt Nr. L 5926 Schweinfurt, Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern, 8. Auflage. München 2006. Die Höhe der Schweinfurter Rhön wird in nahezu allen Veröffentlichungen etwas zu niedrig angegeben, so auch vom Bundesamt für Naturschutz mit . Der höchste Punkt im Landkreis Haßberge ist mit die Buchner Höhe nahe dem Dorf Buch.Nach der Amtlichen Karte im BayernAtlas. Der höchste Punkt im Landkreis Bad Kissingen liegt mit im Waldgebiet Jungholz, 3 km südwestlich von Maßbach.

In der Schweinfurter Rhön liegt die höchstgelegene Ortschaft des Landkreises Schweinfurt Hoppachshof ().Kapelle in Ortsmitte. interpoliert nach Höhenlinien im BayernAtlas. Die höchstgelegenen Berge des Landkreises Schweinfurt liegen jedoch außerhalb der Schweinfurter Rhön, in den Haßbergen und im Steigerwald (siehe Landkreis Schweinfurt, Lage).

Relief Die Hochebene der Schweinfurter Rhön liegt durchschnittlich etwa auf . Sie wird insbesondere im Südwesten durch eingeschnittene Täler stärker strukturiert, die fächerförmig zum östlich von Schweinfurt gelegenen Mainbogen (Schweinfurter Mainbogen) laufen (siehe: Lage, linke Abb.). Der maximale Reliefunterschied beträgt 150 Meter und liegt bei Schonungen, zwischen dem Schweinfurter Becken, mit hier und dem Kreuzberg mit .BayernAtlas, Topografische Karte.

Naturräumliche Zuordnung und Gliederung Das Hesselbacher Waldland ist als eigenständige naturräumliche Haupteinheit innerhalb der Naturräumlichen Haupteinheitengruppe der Mainfränkische Platten ausgewiesen und gliedert sich wie folgt: (zu 13 Mainfränkische Platten) 139 Hesselbacher Waldland 139.0 Südliches Hesselbacher Waldland 139.1 Nördliches Hesselbacher Waldland

Das Hesselbacher Waldland wird im Süden von der Haupteinheit 136 Schweinfurter Becken, im Westen und Nordwesten von den Wern-Lauer-Platten (135) und im Norden und Osten vom Grabfeld (138) begrenzt.

Bei ansonsten gleicher Naturausstattung unterscheidet sich das Nördliche vom Südlichen Hesselbacher Waldland durch das weitgehende Fehlen tief eingesenkter Täler, wobei der zur Lauer entwässernde, den Nordostrand bildende Maßbach eine Ausnahme ist, ebenso der zur Nassach entwässernde Riedbach im Osten. Der Südteil wird (von West nach Ost) vor allem durch das System des Marienbachs, des Höllenbachs, des Meerbachs, das System der Steinach und durch die Wässernach markant zertalt (siehe auch: Fließgewässer).

Tektonik und Geologie Im Pliozän wurde durch tektonische Verbiegung eine von Nordwest nach Südost streichende Mulde gefaltet, die Naturräumliche Haupteinheit Schweinfurter Becken (136). Zeitgleich wurden parallel streichende Störungen reaktiviert, insbesondere die Kissingen-Haßfurter Sattel- und Störungszone, in deren Kernraum die Schweinfurter Rhön bzw. das Hesselbacher Waldland (139) liegt. Der mit Lössfetzen bedeckte Untergrund besteht aus Muschelkalk und Lettenkeuper.

Klima mini|Wässernachtal im Winter

Obwohl die Schweinfurter Rhön an das sommerheiße, trockene Schweinfurter Becken angrenzt, hat sie ein für unterfränkische Verhältnisse mitunter raues Klima, worauf auch der Name hinweist. Dies ermöglichte in der Nachkriegszeit sogar Wintersport im kleineren Umfang, mit einem Skilift in Marktsteinach.

Landschaft mini|Typische Landschaft der südlichen Schweinfurter Rhön. Blick vom Dicken Berg in den Üchtelhäuser Grund mini|Im Höllental

Das Bundesamt für Naturschutz rechnet die Schweinfurter Rhön dem Landschaftstyp 2.8 Andere waldreiche Landschaft zu. Der mittlere Bereich der Schweinfurter Rhön besteht aus einer Hochebene, mit kleinen Dörfern in Rodungsinseln, in denen Ackerbau betrieben wird. Der Süden zum Main und nach Schweinfurt hin wird von mehreren Tälern durchschnitten, besitzt den Charakter eines Berglands und ist fast vollständig bewaldet und reich an Quellen. Die Wiesengründe in den Tälern im Westen dieses Bereiches sind wichtige Kaltluftzufuhrgassen ins Schweinfurter Stadtgebiet.

Ein von Eichen dominierter Laubmischwald mit Forstwirtschaft herrscht vor.Bundesamt für Naturschutz: Landschaftssteckbrief 13900 Hesselbacher Waldland. Die Schweinfurter Rhön ist völlig frei von Industrie und größerem Gewerbe. Sie ist in den Waldgebieten nahe Schweinfurts weithin unbesiedelt und steht im starken Kontrast zum großindustriellen Zentrum.

Schutzgebiete Nationales Naturerbe Brönnhof

mini|Nationales Naturerbe Brönnhofmit Angus-Rindern

Im Nordwesten der Schweinfurter Rhön liegt ihr größtes zusammenhängendes Waldgebiet Brönnhof. Es wurde im zentralen Bereich, in einer Rodungsinsel, zunächst von der Wehrmacht ab 1936 militärisch genutzt. Die US-Heeresgarnison Schweinfurt nutzte das Areal ab den 1960er Jahren bis zu ihrer Auflösung 2014 als Standortübungsplatz.

2016 wurde der Kernbereich des Brönnhofs zu Bayerns größtem Nationalen Naturerbe (NNE). Auf der Steppe im Zentrum des Brönnhofs grasen nun ganzjährig Angus-Rinder und Wildpferde, die sich ausschließlich von Gras, Kräutern und Stauden ernähren.

In der Mitte der Rodungsinsel liegt die Wüstung Brönnhof – ein einstiger Hof, von dem der Name auf das gesamte restliche, unbesiedelte Gebiet übertragen wurde.

Weitere Schutzgebiete Schutzgebietsanteile: 16,95 % FFH-Gebiete; 2,99 % Vogelschutzgebiete; 0,73 % Naturschutzgebiete; 17,87 % Effektiver Schutzgebietsanteil. Geotope: keine vorhanden Naturschutzgebiete: Naturschutzgebiet Hausener Talhänge Naturwaldreservat WildackerLandschaftsschutzgebiete: LSG Hausener Tal LSG Ellertshäuser See LSG Üchtelhäuser Grund LSG Weipoltshäuser- und Jeusing-Grund LSG Zeller Grund Schutz von Landschaftsteilen im Landkreis Schweinfurt Hang gegenüber der Deutschmühle bei Schonungen Schutz von Landschaftsteilen in der Gemarkung AbersfeldFFH-Gebiete: FFH-Gebiet Forst FFH-Gebiet Dianenslust und Stadtwald Schweinfurt FFH-Gebiet Standortübungsplatz 'Brönnhof' und Umgebung FFH-Gebiet Wässernachtal Naturdenkmäler (Auswahl) Dorflinde in Löffelsterz Feldbirnbaum im Lauerbachtal(Bild siehe: Landschaft)

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Schweinfurt, Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Schweinfurt und Liste der FFH-Gebiete im Landkreis Schweinfurt

Gewässer Ellertshäuser See

mini|Ellertshäuser See mini|Hausener Felsensee in einem stillgelegten Kalksteinbruch

Der Ellertshäuser See wurde in den 1950er Jahren als Stausee angelegt und ist mit 33 Hektar das größte stehende Gewässer Unterfrankens. Der See wird als Naherholungsgebiet genutzt und ist von Wald umgeben; nach Osten ist der Blick auf die Haßberge frei. Weite Teile sind zum Baden, Tauchen, Segeln und Angeln freigegeben. Um den See führt ein 4,4 km langer Rundweg. Auf der Nordseite befinden sich Segelbootshäfen und ein Restaurant und im Osten unterhalb des Staudamms liegt ein Campingplatz.

Hausener Felsensee Der 2,6 Hektar große Hausener Felsensee ist ein Grundwassersee nördlich von Hausen, der nicht zugänglich und nur aus der Ferne einsehbar ist. Er wird an drei Seiten von steilen Abbruch-Felswänden umgeben und liegt in einem 1998 stillgelegten Kalksteinbruch am Naturschutzgebiet Hausener Talhänge.

Fließgewässer mini|hochkant=1.4|Bayerisches Urpositionsblatt 1:25.000 (um 1860).Fließgewässer im Hesselbacher Waldland(ohne Landkreis Haßberge)

Die nachfolgenden Fließgewässer der Schweinfurter Rhön in Fettschrift münden direkt in den Main, die anderen sind Nebenbäche. Von West nach Ost sind das (ohne Landkreis Haßberge):

Marienbach Lauerbach Zellergrundbach Höllenbach mit Höllental (im Süden) und Üchtelhäuser Grund Meerbach Steinach Hausener Mühlbach Grundwiesentalbach Wollenbach mit Ottenhäuser Grund Grundwiesenbach mit Hesselbacher Grund Wildbach Gründleinsgraben Grundbach Abersfelder Mühlbach Wurmbach Brühlbach Tillengrubenbach

Geschichte Vorgeschichte Auf Dittelbrunner Gemeindegebiet sind die ersten Funde aus der Mittelsteinzeit 12.000 Jahre alt und seitdem ist eine Besiedlung durch nahezu alle vorgeschichtlichen Epochen hindurch nachgewiesen, über die Jungsteinzeit, die Urnenfelderkultur und die Hallstattzeit bis hin zur La-Tène-Zeit (siehe Dittelbrunn, Vorgeschichte). In Greßhausen, mit heute nur ca. 115 Einwohnern, gibt es ebenfalls Funde aus der Jungsteinzeit und in Mainberg zahlreiche Funde aus der Hallstattzeit.

Mittelalter Schonungen wurde vermutlich bereits im 5. Jahrhundert gegründet (siehe Schonungen, Geschichte), Altenmünster mit heute nur ca. 280 Einwohnern im 7. Jahrhundert. Auch die ersten urkundlichen Erwähnungen, auch von kleinen Dörfern und Weilern, reichen zum Teil weit zurück. Rannungen wurde im Jahre 772, Abersfeld 788, Jeusungen 791, Theres 802 und der heute wenige Einwohner zählende Weiler Ottenhausen im Jahre 811 erstmals urkundlich erwähnt.

Im späten Mittelalter dehnte die Grafschaft Henneberg ihr Gebiet über die westliche Schweinfurter Rhön bis nach Mainberg vor die Tore Schweinfurts aus. Deshalb führen die drei heutigen Gemeinden auf dem Gebiet des Altlandkreises Schweinfurt, die Großgemeinden Schonungen, Üchtelhausen und Dittelbrunn, das Henneberger Wappen in ihrem Gemeindewappen.

Frühe Neuzeit 1436/37 erwarb die Reichsstadt Schweinfurt vom Deutschen Orden für 18.000 Gulden die Dörfer Zell, Weipoltshausen und die Höfe Deutschhof und Thomashof. Das reichsstädtische Territorium wurde 1620Stadtplan Schweinfurt mit Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Druck- und Verlagshaus Weppert, Schweinfurt 2003. mit Madenhausen ergänzt. Das Gebiet der Reichsstadt erstreckte sich seitdem bis 1802 in einem Korridor quer durch die gesamte Schweinfurter Rhön bis an die Grenze des heutigen Landkreises Bad Kissingen. Im Dreißigjährigen Krieg nächtigte der schwedische König Gustav Adolf am 2. Oktober 1631 in Madenhausen, vor seinem Feldzug nach Schweinfurt.

Moderne Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde im Schweinfurter Stadtwald, unmittelbar nördlich des heutigen Stadtteils Deutschhof, ein Truppenübungsplatz angelegt, der jedoch wegen des Kriegsausbruchs nie genutzt wurde. Auf den noch erhaltenen Schützengräben stehen große Bäume.

Wüstungen In der Schweinfurter Rhön liegen einige Wüstungen. Jeusungen wurde 791 erstmals urkundlich erwähnt und Lauerbach im Jahre 1302, während zu Weipoltsdorf und der neuzeitlichen Hofwüstung Brönnhof keine Erstdatierungen bekannt sind.

Städte und Gemeinden Das Gemeindegebiet Üchtelhausens befindet sich gänzlich in der Schweinfurter Rhön, elf weitere Kommunen liegen nur teilweise in ihr.

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