mini|Plakat von 1932

Antifaschistische Aktion war eine kommunistische Sammelbewegung, die 1932 von der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gegründet wurde. Trotz der gelegentlichen Zusammenarbeit an der Basis mit manchen SPD-Aktivisten richtete sie sich auf Führungsebene gegen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) sowie Organisationen wie die Sturmabteilung (SA) und bekämpfte gleichzeitig scharf die SPD als sogenannte „Sozialfaschisten“ und die von ihr dominierte Eiserne Front. Davon wurden neue Gruppen und Netzwerke inspiriert, die das historische Antifa-Logo – die zwei wehenden roten Fahnen – verwendeten.

Hintergrund In den späten 1920er und frühen 1930er Jahren verschärften sich die Spannungen zwischen der KPD, der NSDAP und einer Koalition der Demokraten, Konservativen und Liberalen, vor allem in Berlin, wobei die Kommunisten gegen die Verbannung der Manifestationen verstießen und die Nationalsozialisten politische Gegner und Juden angriffen.

Unter der Führung von Ernst Thälmann wurde die KPD ab 1928 von der sowjetischen Regierung überwiegend kontrolliert und durch die Komintern (KI) maßgeblich ideologisch geformt. Bereits 1924 wurde der Rote Frontkämpferbund als paramilitärischer Bund dieser Partei gegründet, die bis 1928 phasenweise in Bündnissen mit anderen linken Kräften gegen den Faschismus gebildet hatte.

Ab 1928 betrachtete die KPD sich selbst als die alleinige antifaschistische Partei Deutschlands und die SPD als die hauptsächliche faschistische Partei des Landes. Dies ging auf die Sozialfaschismusthese zurück, mit der Joseph Stalin die Sozialdemokratie als versteckte Form des Faschismus definierte.

Im Jahr 1929, nach dem Blutmai, wurde der RFB von den Behörden der Weimarer Republik verboten und von der SPD als „extremistisch“ eingestuft.

Die Sicht der KPD auf die NSDAP war in der sogenannten „Dritten Periode“ ambivalent. Einerseits stuften sie die Nationalsozialisten als faschistisch ein, andererseits tolerierten und unterstützten sie die NSDAP teilweise, um gemeinsam die Weimarer Republik und die SPD zu schwächen und zu Fall zu bringen. Ab dem Volksentscheid über die Auflösung des preußischen Landtags im Jahr 1931 vereinigte sich die KPD zwar nicht direkt mit den NSDAP, unterstützte jedoch gemeinsam mit ihnen die Absetzung der sozialdemokratischen Regierung in Preußen. Zu dieser Zeit definierte die KPD den Faschismus nach stalinistischer Doktrin als das offene Verfallsstadium des Kapitalismus und stufte die SPD als „Sozialfaschisten“ ein.

Eine Volksfront-Politik, die eine antifaschistische Einheit mit allen demokratischen und linken Gruppen gegen den Nationalsozialismus und Kommunismus als totalitäre Bedrohung bedeutete, wurde erst ab 1935 adaptiert, nachdem die KPD 1932 als Reaktion auf die Eiserne Front die Antifaschistische Aktion gegründet hatte, was mit der Politik der „Dritten Periode“ einherging.

Im Oktober 1931 wurde die Harzburger Front – ein Bündnis aus rechtskonservativen und rechtsextremen Kräften der DNVP und NSDAP als Protest gegen die Regierung von Heinrich Brüning – etabliert. Deswegen wurde als demokratisches Gegengewicht die Eiserne Front von der SPD gegründet. Das Ziel war es, die liberale Demokratie und die Verfassung der Deutschen (Weimarer) Republik zu verteidigen. Dies war der Anlass für die KPD, die Antifaschistische Aktion ins Leben zu rufen. Obwohl die KPD die Eiserne Front als sozialfaschistisch einstufte, wurde den Kommunisten in der späteren Volksfront-Phase (ab 1935) befohlen, sich an Bündnissen gegen den Faschismus zu beteiligen. Deshalb wurde die Verwendung des Begriffs Antifaschist allgegenwärtig mit der Sowjetunion, der Komintern und der KPD in Verbindung gebracht.

Nach der Schlägerei im preußischen Landtag im Oktober 1931 zwischen Mitgliedern der NSDAP und der KPD, bei der acht Menschen verletzt wurden, rief die KPD eine kommunistische Einheitsfront ins Leben, die am 26. Mai 1932 in der Roten Fahne angekündigt wurde. Die Front wurde als eine Vereinigung unter der Führung der KPD bezeichnet, deren erste Demonstration in Berlin am 10. Juli 1932 stattfand. Das von Max Gebhard und Max Keilson erschaffene Logo der zwei Flaggen wurde in der KPD weltweit zu einem bekannten antifaschistischen Zeichen.

Die genaue Mitgliederzahl der Antifaschistischen Aktion bleibt heutzutage wegen des Mangels an Mitgliedskarten unbekannt, da sie eher als aktionsorientiertes Sammelbecken konzipiert war und nicht als feste Mitgliederorganisation.

Die Rote Massenselbstschutzstaffel (RMSS) und die Antifaschistische Aktion haben mit ihrem militärischen Einsatz einen Mieterschutz und lokale Nachbarschaftsnetzwerke für die von Nationalsozialisten betroffenen Gemeinschaften entwickelt. Trotz der minimalen Mitgliederzahl am Anfang wurden in der zweiten Hälfte des Jahres 1932 lokale Vorstände geschaffen, damit sie die Taten der KPD, des Kampfbundes, der RMSS und des jetzt illegalen Roten Frontkämpferbundes koordinieren konnten. Dabei erhielt die RMSS eine fast paramilitärische Verteidigungsrolle und arbeitete häufig mit dem Reichsbanner zusammen. Die Antifaschistische Aktion hat mittlerweile lokal mit anderen linken Gruppen zusammengearbeitet; dazu gehörten Arbeiter und Demonstranten der SPD und anderer sozialistischer Gruppen. Die nationale Führerschaft der KPD hat die Sozialdemokratie jedoch als »Sozialfaschismus« diffamiert und immer wieder für den Hauptfeind gehalten, um stattdessen eine von ihr regierte Sammlungsbewegung im Vorfeld der Juli-1932-Reichstagswahl zu gründen.

Die Reichstagswahlkampagne wird als die gewaltigste und blutigste deutsche Wahlkampagne bezeichnet; voller Streitereien und gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen KPD- und NSDAP-Anhängern. Die Organisation ging nach der Machtergreifung 1933 unter und wurde zerschlagen.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 1932 Kategorie:Kommunistische Partei Deutschlands