Die Schlacht um Baku (, , ) von Juni bis September 1918 war eine Schlacht zwischen Streitkräften des Osmanischen Reichs und der Demokratischen Republik Aserbaidschan auf der einen Seite und Bolschewiki-Dashnak Streitkräften der Kommune von Baku auf der anderen Seite, die im späteren Verlauf des Kriegs von Truppen des British Empires, der Weißen Bewegung und aus Armenien unter der Führung von Lionel Dunsterville abgelöst wurden.
Die Schlacht war Schlusspunkt der Kaukasusfront im Ersten Weltkrieg, gleichzeitig aber auch Ausgangspunkt für den darauffolgenden Armenisch-Aserbaidschanischen Krieg.William Yale: Near East: A Modern History. 1968, S. 247Khatchatur Dadyan: Armenians and Baku. 2006, S. 118
Hintergrund
mini|Die osmanische Kaukasusoffensive 1918 1917 zerfiel die russische Kaukasusfront als Folge der Februarrevolution. Am 9. März 1917 wurde das Besondere Transkaukasisches Komitee gegründet, um die administrativen Lücken in den von russischen Streitkräften besetzten Gebieten in Transkaukasien zu füllen. Repräsentanten aus Armenien, Aserbaidschan und Georgien waren ebenfalls in diese Administration eingebunden, die jedoch nicht lange hielt. Im November 1917 wurde die erste unabhängige Regierung Transkaukasiens in Tiflis als Transkaukasisches Kommissariat, nachdem die Oktoberrevolution St. Petersburg erobert hatte. Am 5. Dezember 1917 empfahl das Kommissariat die Unterzeichnung des Waffenstillstands von Erzincan zwischen Russland und der 3. Armee des osmanischen Reiches.Tadeusz Swietochowski: Russian Azerbaijan 1905–1920. S. 119. Danach verließen viele russische Soldaten die Front und kehrten in ihre Heimat zurück. Im direkten Widerspruch zum Waffenstillstandsabkommen beteiligten sich aber einige russische Soldaten an Kämpfen in Persien. General Nikolai Nikolajewitsch Baratow verblieb jedoch in Hamadan, in Kermānschāh war ein russischer Offizier mit 10.000 Mann einquartiert. Beide Truppenteile waren mit einem britischen Verbindungs-Offizier versehen.
1918 versuchte Großbritannien Armenier davon zu überzeugen, den Kampf gegen das Osmanische Reich fortzuführen und gründete dafür die unter dem Befehl von Lionel Dunsterville stehende Dunsterforce, die zunächst in Bagdad stationiert war. Das militärische Ziel der Dunsterforce war das Erreichen des Kaukasus über die Front in Persien. Die Briten planten, eine Armee aus Armeniern und anderen der Entente gegenüber freundlich gesinnten Fraktionen im Kaukasus aufzustellen. Am 10. Februar 1918 beschloss das Transkaukasische Kommissariat, die Unabhängigkeit ihrer Gebiete auszurufen und am 24. Februar 1918 wurde offiziell die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik gegründet. Ihre anti-bolschewistischen politischen Ziele galten der Loslösung Transkaukasiens vom nunmehr bolschewistischen Russland. Bereits im Vorfeld hatte die Dunsterforce am 27. Januar 1918 Bagdad in Richtung Kaukasus verlassen, um die Kaukasusfront am Leben zu erhalten und die Pläne des osmanischen Generals Enver Pascha zu durchkreuzen. Am 17. Februar erreichte die Dunsterforce Bandar Anzali, wo sie jedoch von örtlichen Bolschewisten an der Weiterreise nach Baku gehindert wurde.
Am 3. März 1918 unterzeichnete der Großwesir Talât Pascha den Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit Sowjetrussland. In diesem wurde festgelegt, dass die Vorkriegsgrenzen zwischen Russland und dem Osmanischen Reich wiederhergestellt werden sowie die Städte Batumi, Kars und Ardahan an die Osmanen fallen sollten. Zwischen 14. März und April 1918 fand in Trabzon eine Friedenskonferenz zwischen dem Osmanischen Reich und einer Delegation der Transkaukasischen Republik statt. Am 30. März erreichte die Nachricht von Konflikten und Massakern an Aserbaidschanern und anderen muslimischen Einwohnern in und um Baku die Delegationen in Trabzon, die später als März-Ereignisse werden sollten. Insgesamt wurden zwischen 3.000 und 12.000 Menschen von bewaffneten bolschewistischen und armenischen Revolutionären getötet.New Republics in the Caucasus. In: The New York Times Current History. v. 11 no. 2 (March 1920), S. 492.Michael Smith: Anatomy of Rumor: Murder Scandal, the Musavat Party and Narrative of the Russian Revolution in Baku, 1917–1920. In: Journal of Contemporary History. Vol 36, No. 2, April 2001, S. 228.Michael Smith: (russisch) Während vor den Massakern die aserbaidschanischen Vertreter eine Autonomie innerhalb Russlands anstrebten, bestanden sie danach auf einer völligen Unabhängigkeit und vertrauten nicht mehr in die russische Revolution, sondern suchten vielmehr um Unterstützung durch das Osmanische Reich an.
Am 5. April 1918 akzeptierte Akaki Chkhenkeli von der transkaukasischen Delegation den Friedensvertrag von Brest-Litowsk als Verhandlungsbasis und versuchte auch die Regierung in Tiflis zu dieser Haltung zu bewegen. In Tiflis herrschte jedoch eine völlig andere Stimmung, man sah sich im Krieg mit dem Osmanischen Reich.Richard Hovannisian: The Armenian people from ancient to modern times. S. 292–293. Kurze Zeit später eroberte die 3. Armee Erzurum, Kars und Van. Speziell im Kaukasus wurde die Lage dadurch immer schwieriger, da Enver Pascha Transkaukasien unter osmanische Suzeränität stellen wollte, um seine Pläne des Pan-Turasimus umsetzen zu können. Dieser Plan hätte den Mittelmächten den Zugang zu zahlreichen kriegswichtigen Rohstoffen gegeben, inklusive der Erdölfelder um Baku. Zudem hätte die Kontrolle dieses Abschnitts des Kaspischen Meeres auch weitere Expansionen in Zentralasien und unter Umständen sogar Britisch-Indien ermöglicht.
Am 11. Mai 1918 begann eine neue Friedenskonferenz in Batumi.Ezel Kural Shaw: History of the Ottoman Empire and Modern Turkey. S. 326. Bei dieser Konferenz erweiterte das Osmanische Reich seine Gebietsansprüche um Tiflis, Alexandropol und Etschmiadsin, um eine Eisenbahnlinie von Kars über Julfa nach Baku zu bauen. Die armenischen und georgischen Delegierten der Transkaukasischen Republik begannen daraufhin die Verhandlungen ins Leere laufen zu lassen, was das Osmanische Reich zu neuerlichen militärischen Vorstößen veranlasste, die in der Schlacht von Sardarapat (21. bis 29. Mai), der Schlacht von Karakilisa (24. bis 28. Mai) und der Schlacht von Abaran (21. bis 24. Mai) mündeten.
Während der Schlacht von Karakilisa, am 26. Mai 1918, zerfiel die Transkaukasische Republik durch die Unabhängigkeitserklärung der Demokratischen Republik Georgien, deren Vorbild kurz darauf am 28. Mai auch die anderen Gebiete mit der Gründung der Demokratischen Republik Armenien und der Demokratischen Republik Aserbaidschan folgten. Georgien schloss nach der Unabhängigkeitserklärung im Vertrag von Poti ein Schutzabkommen mit dem Deutschen Kaiserreich. Die Deutsche Kaukasusexpedition sollte dadurch nach Ansicht der Georgier Georgien vor den Auswirkungen der Oktoberrevolution und der osmanischen Militäroffensive schützen.David Marshall Lang: A Modern History of Georgia. Weidenfeld and Nicolson, London 1962, S. 207–208. Die Regierung Aserbaidschans verlegte ihren Sitz von Tiflis nach Gəncə. Im selben Zeitraum bot jedoch Deutschland Sowjetrussland an, die Offensive der osmanischen Armee des Islam im Kaukasus zu stoppen, wenn Russland dafür Deutschland den Zugang zu den Ölfeldern Bakus offen hielte. Am 27. August wurden die Verhandlungen abgeschlossen und Deutschland ein Viertel der Ölproduktion in Baku zugesichert. Daraufhin verlangte Deutschland vom verbündeten Osmanischen Reich, dass es seine Offensive in Aserbaidschan verschieben solle, was der osmanische Kriegsminister Enver Pascha jedoch ignorierte.
Im Mai 1918 begann sich an der Persienfront unter Nuri Pascha die Islamische Armee des Kaukasus in Täbris zu formieren, um nicht nur die Armenier, sondern auch die Bolschewiken zu bekämpfen. Diese Armee eroberte weite Teile der Demokratischen Republik Aserbaidschan ohne auf nennenswerten Widerstand zu treffen und beeinflusste damit in hohem Maße die fragile Struktur des neuen Staates. Der dadurch erhöhte osmanische Einfluss auf Aserbaidschan führte zu einer feindlichen Einstellung von Teilen der Bevölkerung gegenüber den Türken.
Am 4. Juni 1918 unterzeichneten Aserbaidschan und das Osmanische Reich einen Freundschaftsvertrag, in dem Klausel 4 Aserbaidschan militärische Hilfe zusicherte, falls eine solche zum Erhalt des Friedens und der Stabilität des Lands notwendig werden sollte.
Ausgangssituation Die Islamische Armee des Kaukasus stand unter dem Kommando von Nuri Pascha und setzte sich aus der 5. kaukasischen und der 15. Division zusammen, sowie dem aserbaidschanisch-muslimischen Korps unter General Ali-Agha Schichlinski. Die Armee umfasste ungefähr 14.000 osmanische Truppen und 500 Mann Kavallerie, sowie 40 Artilleriegeschütze. 30 % der Armee waren osmanische Soldaten, die anderen 70 % setzen sich aus aserbaidschanischen Truppen und Freiwilligen aus Dagestan zusammen.
Die Truppen Bakus wurden von dem ehemaligen zaristischen General Georgi Arkadewitsch DokutschajewAlexander Goryanin: Довольно вредное ископаемое. (russisch) und seinem armenischen Stabschef Oberst Awetissow angeführt. Unter ihrem Kommando standen ca. 6.000 Truppen der Zentralkaspischen Diktatur, die zuvor am 1. August 1918 gegründet worden war. Die große Mehrheit der Armee bestand aus Armeniern und einigen Russen. Die Artillerie bestand aus 40 Feldkanonen. Die meisten sowjetischen Truppen Bakus waren ebenfalls Armenier, die der armenischen revolutionären Föderation angehörten oder mit ihr sympathisierten. Einer der Anführer der sowjetischen Truppen war der Kommandant Amazasp, der für einige Massaker an Aserbaidschanern verantwortlich war.
Die britische Mission bestand aus der Dunsterforce, die von Generalmajor Lionel Dunsterville kommandiert wurde. Dunsterville übernahm das Kommando am 18. Januar in Bagdad, wo die ersten Truppenteile bereits zusammengestellt worden waren. Die Dunsterforce verließ Bagdad am 27. Januar mit vier Unteroffizieren in 41 Transportern und Autos von Ford. Die Kampfstärke belief sich auf ungefähr 1.000 Mann, die von einer Artilleriebatterie, einer MG-Sektion, drei gepanzerten Fahrzeugen und zwei Flugzeugen vom Typ Martinsyde G.100 unterstützt wurden. Dunsterville sollte mit seinen Truppen Persien und damit auch die Mesopotamienfront und die Persienfront durchqueren und den Hafen von Bandar Anzali halten.
Kampfhandlungen mini|Die North Staffords, Teil der Dunsterforce, auf dem Weg nach Baku. mini|Armenische Truppen in einem Schützengraben.
Außerhalb Bakus Am 6. Juni 1918 befahl der Kommandant der sowjetischen Truppen in Baku, Grigory Korganow der Roten Armee eine Offensive gegen Gəncə zu beginnen. Auf dem Weg nach Gəncə plünderten die Soldaten Dörfer und töteten vorwiegend muslimische Zivilisten. Die vom armenischen Sowjetpolitiker Stepan Schahumjan angeforderten Truppen für Baku wurden jedoch von Josef Stalin in Zarizyn zurückgehalten. Zudem wurde die für Baku vorgesehene Lebensmittellieferung in diese Stadt umgeleitet. Schahumjan protestierte gegen diese Maßnahmen und beschwerte sich erfolglos beim Militärkomitee in Moskau über Stalins Vorgehensweise. Der Mangel an Truppen und Nahrungsmitteln sollte einer der entscheidenden Faktoren für die Niederlage der sowjetischen Truppen in Baku sein. Da sich durch die sowjetische Offensive die Regierung Aserbaidschans außer Stande sah, die Unabhängigkeit des Landes zu gewährleisten, bat Aserbaidschan das Osmanische Reich um Unterstützung, wie es zwei Tage zuvor im Abkommen zwischen den beiden Ländern festgehalten wurde.