mini|hochkant=1.8|Schule am Meer, 1931
Diese Liste enthält bekannte Personen des ehemaligen reformpädagogischen Landerziehungsheims Schule am Meer (1925–1934) im Loog auf der Nordseeinsel Juist (Ostfriesland) im Freistaat Preußen. Sie erlaubt auf Basis der ganz unterschiedlichen handelnden Charaktere und ihrer Lebenswege eine differenziertere historische Ein- und Zuordnung dieses schulischen Pilotprojekts, das sich durch seinen musischen Schwerpunkt, ganz besonders jedoch durch das von Martin Luserke initiierte „Darstellende Spiel“ in eigener Theaterhalle von den meisten anderen Schulprojekten unterschied. Für viele kunstinteressierte Zeitgenossen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde die S.a.M. dadurch besonders förderungswürdig – parteienübergreifend.
Bekannte Lehrer mini|100px|Ellen Abel-Musgrave, ca. 1924
Ellen Abel-Musgrave (1908–1988) wurde in Clifton geboren, einem Vorort von Bristol in England. Sie war das älteste Kind des Chemikers, Mediziners, Pädagogen, Journalisten, Autors und Übersetzers Curt Abel-Musgrave (1860–1938) und dessen Ehefrau Charlotte (1871–1923), geborene Prüfer. Ihr jüngerer Bruder war der in Königstein im Taunus geborene Richard Abel-Musgrave (1910–2007),Hans-Werner Sinn: Please bring me the New York Times – On the European Roots of Richard Abel Musgrave. In: International Tax Public Finance, 2009, 16, S. 124–135, hier: S. 126, hanswernersinn.de (PDF; 3,8 MB). der sich später als Ökonom internationales Renommee erwarb. Nach der am Taunusinstitut in Königstein im Taunus erworbenen Lyceumreife (Mittlere Reife) besuchte sie die Wirtschaftliche Frauenschule in Weilbach bei Flörsheim am Main. Im Anschluss bildete sie sich in Weimar am Institut der Frau Geheimer Staatsrat Guyet in Literatur und Kunst weiter. Ab 1927 besuchte sie in Leipzig und im Ostseebad Wustrow die Dora Menzler-Schule für Gymnastik, gestaltete Bewegung und Musikerziehung, die auf eine Ausbildung in naturistischer Gymnastik und Ausdruckstanz fokussierte. 1929 erhielt Ellen Abel-Musgrave ihr Diplom als staatlich geprüfte Gymnastiklehrerin und wirkte vom Mai 1929 bis März 1931 an der Schule am Meer auf Juist, wo sie 1930 Mitglied der S.a.M.-Außengemeinde wurde.Stiftung Schule am Meer (Hrsg.): Blätter der Außengemeinde der Schule am Meer Juist, 5. Rundbrief, Juli 1930, S. 15. Sie verließ die S.a.M. vorzeitig, um 1931 ihrem Vater Curt in die Niederlande zu folgen, wo sie in Den Haag und Scheveningen Damen und Kinder in Gymnastikkursen unterrichtete. Während der NS-Zeit durfte Ellen aufgrund ihrer teils jüdischen Abstammung ihren Lehrerberuf in Deutschland nicht ausüben. Erst in den frühen 1960er Jahren konnte sie daran in Hamburg wieder beruflich anknüpfen. Helene Aeschlimann (* 23. März 1893 in Nortorf, Holstein; † 22. Januar 1988 in Burgdorf, Kanton Bern, Schweiz), geborene Pahl, nach ihrer Heirat genannt „Aeschlimiss“, war eine Tochter des Lehrers Johann Pahl und dessen Ehefrau, Anna Katharina, geborene Sievers. Sie besuchte das Oberlyzeum in Neumünster, bevor sie 1913 ihr Lehrerexamen für mittlere Schulen bestand. Von 1913 bis 1915 unterrichtete sie in Vietz und Bad Bramstedt. Von 1915 bis 1925 wirkte sie als Lehrerin für Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik in der Freien Schulgemeinde in Wickersdorf,Lehrerverzeichnis der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. In: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, Hessen von 1925 bis 1934 als Lehrerin für Englisch und Elementarunterricht der Jüngsten in der Schule am Meer.Lehrerbuch der Schule am Meer, Blatt 2. In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur Cb 37 Aus ihrer Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor, Johann Rudolf Wolfgang (* 1. Februar 1923 in Burgdorf BE), später Chemiker, und Marianne (* 6. Dezember 1926 in Burgdorf BE), bei denen der Vater darauf achtete, dass sie wie er selbst im heimatlichen Burgdorf in der Schweiz geboren wurden.Walter Frey-Mauerhofer: Rudolf Aeschlimann. In: Burgdorfer Jahrbuch 1963, S. 193–199; unibe.ch (PDF; 47 MB). 1936 zog Helene Aeschlimann nach Burgdorf in die Schweiz, wo sie als Englischlehrerin am Technikum Burgdorf tätig war und später im Burgerarchiv Register zu historischen Protokollen erstellte. Sie verstarb im Alter von 94 Jahren.Burgdorfer Jahrbuch 1989, S. 322; unibe.ch (PDF; 60 MB)
mini|100px|Rudolf Aeschlimann, 1931 Rudolf Aeschlimann (1884–1961), genannt „Aeschli“, Lehrer für Französisch, (italienisch), Erdkunde und Geschichte, stammte aus der Schweiz.Werner Kraft / Wilhelm Lehmann: Briefwechsel 1931–1968. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0235-8 (s. Personenregister) Er zählte 1906 gemeinsam mit Paul Geheeb, August Halm, Martin Luserke und Gustav Wyneken zu den Männern und Lehrkräften der ersten Stunde bei der Gründung der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. Ab 1918 war er mit der Lehrerin Helene Pahl (1893–1987) verheiratet,Heiratsurkunde Rudolf Aeschlimann und Helene Pahl, Standesamt Kleingeschwenda-Witzendorf, Nr. 1/1918, 2. April 1918 die dort seit 1915 Englisch unterrichtete, ab 1925 an der S.a.M. Ab Oktober 1924 gehörte Aeschlimann zu den Kuratoriumsmitgliedern der Stiftung Schule am Meer. 1925 gehörte das Lehrer-Ehepaar zusammen mit Fritz Hafner, Martin Luserke und Paul Reiner zu der Gruppe von Sezessionisten, welche die FSG Wickersdorf verließen, um auf Juist die Schule am Meer zu gründen. Von 1917 bis 1924 Geschäftsführer der FSG Wickersdorf, war Aeschlimann auch der Verwalter und „Landwirt“ der S.a.M. und Kameradschaftsführer bzw. primus inter pares der Wölfe. Er soll sich dort besonders glücklich gefühlt und mit Vorliebe speziell um die als schwieriger geltenden Schüler bemüht haben.
mini|100px|Antonia „Toni“ Cordes, 1920er Jahre Antonia Cordes (1902–1992), genannt „Toni“, war eines von neun Kindern des Heinrich Cordes und Schwester der S.a.M.-Schüler Bernd, Clara „Clärchen“, Ernst und Karl „Karli“ Cordes. Antonia Cordes selbst hatte von 1913 bis 1922 die Freie Schulgemeinde in Wickersdorf besucht. Während ihres Medizinstudiums in Jena unterrichtete im Sommer 1926 als Gastlehrerin an der Schule am Meer das Fach Biologie, im Mittelkurs die Systematik der Zoologie, im Oberkurs die Anatomie des Menschen.Berichte der Schule am Meer Juist (Nordsee) – Zusammenfassender Bericht über die beiden ersten Jahre der Schule 1925–1927. No. 7, S. 6 Sie gehörte zu den Vertrauensleuten der Schule am Meer.Stiftung der Schule am Meer (Hrsg.): Blätter der Außengemeinde der Schule am Meer Juist (Nordsee), 9. Rundbrief, August 1931, S. 20 Antonia Cordes wurde 1929 approbiert und promovierte 1933 zum Thema Beitrag zur Pyrifertherapie der weiblichen Gonorrhoe.Cordes, Toni; Ab 1933 war sie Assistenzärztin an der Universitätsfrauenklinik Jena. Sie stellte 1933 einen Antrag zur Aufnahme in die NSDAP, wurde jedoch abgelehnt, weil ihre Mutter Yuksin Chou chinesischer Abstammung war. Ab 1935 war sie als niedergelassene Ärztin im thüringischen Apolda tätig. Im September 1941 wurde sie als Fachärztin für Gynäkologie anerkannt.Antonia (Toni) Cordes. charite.de Ihr Bruder Ernst Cordes (1908–1983) war Mitglied der Außengemeinde der S.a.M.Stiftung der Schule am Meer (Hrsg.): Blätter der Außengemeinde der Schule am Meer Juist (Nordsee), 9. Rundbrief, August 1931, S. 18 Albrecht Dieterich (* 11. Januar 1902 in Gießen, Großherzogtum Hessen; † 1942), Sohn des klassischen Philologen und Religionswissenschaftlers gleichen Namens und dessen Ehefrau Maria, geborene Usener (siehe Hermann Usener), besuchte in Heidelberg ein Gymnasium, wo er auch sein Abitur ablegte. Anschließend studierte er an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Fächer Physik, Mathematik und Mineralogie, und promovierte im Herbst 1926 zum Doctor philosophiae. Sein Staatsexamen legte er im Mai 1930 in Physik, Mathematik und Chemie ab. Am Studienseminar in Kiel absolvierte er sein Referendariat und bestand sein Assessorexamen im Februar 1932. Ab dem 3. März 1932 unterrichtete er an der Schule am Meer, nach der endgültigen Schließung der S.a.M. Ende März 1934 wechselte er in den preußischen Staatsdienst und an die Lehrerbildungsanstalt in Hirschberg im Riesengebirge. Im Jahr 1942 soll Dieterich als Soldat der Wehrmacht im Russlandfeldzug in Kriegsgefangenschaft geraten und im März 1948 wieder nach Deutschland zurückgekehrt sein.Lehrerbuch der Schule am Meer, Juist, Blatt 39. In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur Cb 37
mini|100px|Fritz Hafner, um 1930 Fritz Hafner (1877–1964), Maler, Lehrer für Zeichnen, Schreiben, Buchbinden und Heimatkunde, stammte aus Österreich-Ungarn.Lehrerbuch der Schule am Meer, Juist, Blatt 6. In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur Cb 37 Er kam 1925 mit Rudolf Aeschlimann, Martin Luserke und Paul Reiner von der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, wo er seit 1906 als Kunstlehrer tätig gewesen war,Gudrun Fiedler, Susanne Rappe-Weber, Detlef Siegfried (Hrsg.): Sammeln – erschließen – vernetzen: Jugendkultur und soziale Bewegungen im Archiv. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8470-0340-3, S. 178 und gehörte zu den Kuratoriumsmitgliedern der Stiftung Schule am Meer. Er verblieb mit seiner Ehefrau Christfriede, genannt „Christel“, als einzige des S.a.M.-Lehrerkollegiums bis zum Lebensende auf Juist. Die von ihm und seinen Kollegen Max Oettli (* 1903), Paul Reiner und Erna Vohsen (* 1904) aufgebaute Lehrmittelsammlung der Schule konnte er ab 1934/35 als Grundstock in das neu gegründete Heimatmuseum der Insel Juist (heute Küstenmuseum Juist) überführen und dieses bis 1953 leiten, juist.de juist.de bevor ihn sein Sohn Lorenz (1919–1982) für weitere drei Jahre ablöste, dann aber die Insel in Richtung Hannover verließ. Der in Kassel geborene Heinz Friedrich Hartig (1907–1969) besuchte das Humanistische Gymnasium (Lyceum Fridericianum) seiner Geburtsstadt, wo er Ostern 1927 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte er Musik an der Universität Wien und an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Im März 1932 legte er sein Staatsexamen (Klavier, Violine, Theorie, Musikgeschichte, Gesang, Orchesterleitung) ab. Vom 14. April bis zum 17. Juli 1932 lehrte er in der Schule am Meer die Fächer Musik, Latein und Deutschkunde.Lehrerbuch der Schule am Meer, Juist, Blatt 41. In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur Cb 37
mini|100px|Walter Jockisch, um 1932