Artes Iuventutis war ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der musizierenden Jugend in Österreich. Im Jahre 1996 gegründet, veranstaltete Artes Iuventutis bis 2013 ehrenamtlich verschiedene Musikprojekte für Kinder und Jugendliche.
Verein Artes Iuventutis Der Verein Artes Iuventutis wurde im Jahr 1996 von einer kleinen Gruppe junger Musikstudenten gegründet, um innovativen Projekten für die musizierende Jugend eine Plattform zu bieten. Die Gründung des Vereins war eine Reaktion auf den Mangel an modernen und attraktiven Angeboten für musizierende Jugendliche in Österreich. Vor allem für junge Streicher, Pianisten und Sänger gab es nur wenige Gelegenheiten, regelmäßig gemeinsam zu musizieren und mit Gleichgesinnten die Freizeit zu verbringen. Einbindung in Musikverbände, wie etwa im Bereich der Jugendblasmusik, fehlte. Viele Musikschüler hatten keine Möglichkeiten, in größeren Ensembles oder in einem Orchester mitzuwirken. Gerade in den Sommerferien wurden nur wenige hochwertige Musizier- und Singwochen angeboten. So war es für Musikpädagogen auch schwierig, Schüler zum Lernen oder Weiterlernen eines (Streich-)Instrumentes zu motivieren.
Die Mitglieder des Vereins Artes Iuventutis begannen nun, neue Projekte für die musizierende Jugend zu entwerfen und durchzuführen. Die Projektkonzeptionen waren als Gegenentwurf zu Leistungsdruck und Konkurrenzdenken in der Musik angelegt. Im Mittelpunkt sollte die Freude an der Musik und am Musizieren und ein ungezwungener und freundschaftlicher Umgang zwischen Lehrenden und Lernenden stehen. Hintergrund dafür war, dass vielen Qualitäten, die das Miteinander-Musizieren von den Musikern verlangt, im Musikunterricht zu wenig Platz eingeräumt wurde: bewusstes gegenseitiges Wahrnehmen, Reagieren auf ein Gegenüber, Rücksichtnahme auf Mitspieler. Gerade dieses gemeinsame musikalische Gestalten und Erleben wurde als ein wesentlicher Faktor für die Begeisterung und die Lust am Musizieren eingeschätzt und als höchst förderungswürdig befunden. Ein weiteres Anliegen des Vereins Artes Iuventutis war es, das musikalische Unterrichts-Repertoire aufzulockern und zu erweitern und den Teilnehmern mit einem vielfältigen Angebot an Stilrichtungen und Besetzungen zu begegnen, auch um Offenheit und Toleranz gegenüber Ungewohntem zu stärken. In unterschiedlichen Besetzungen, wie klassischer Kammermusikbesetzung, Bandbesetzungen, Chor und Orchester wurden Werke von Alter bis zeitgenössischer Musik, Volksmusik verschiedener Länder bis hin zu Klezmer und Jazz unterrichtet.
Artes Iuventutis gab im Laufe der Vereinsgeschichte neben der Zeitschrift Saitenweise und den Projektbeschreibungen mehrere Informationsblätter und Broschüren heraus. Diese Veröffentlichungen dienten unter anderem dazu, die Vereinsphilosophie, die alle Projekte verbindet, den Interessenten und potentiellen Förderern nahezubringen.
Grundsätze
Auf Grundlage des Vereinszwecks, der in den Vereinsstatuten verankert ist, formulierte man folgende Grundsätze: Erfolg ohne Konkurrenzdenken Junge Musikprojekte für junge Menschen Music in contact Vielfalt als Programm Artes Iuventutis als Plattform Die Hauptversammlung des Vereins hat am 29. April 2017 die freiwillige Auflösung von Artes Iuventutis beschlossen.
Projekte Zwischen 1994 und 2013 wurden verschiedene Veranstaltungen in mehreren Bundesländern durchgeführt. Dazu zählen das Jugendmusikcamp und der Jazz-Folk-Klezmer-Kurs in Edlitz, die Kammermusiktage in Thörl, Reichenau an der Rax und Weyer im Ennstal, die Gesangsseminare SingSang und voice professional in Markt Piesting, der Barockopernkurs Dido&Æneas in Edlitz und Warth, das Orchestercamp Mostviertler Zauberbögen in Seitenstetten, Kogelsbach und St. Georgen am Reith, das VolxMusiCamp in Seitenstetten und Pulkau sowie das Cook’n‘Play in Edlitz. Die Projektteilnehmer waren je nach Projekt zwischen 6 und 28 Jahre alt. Ein weiteres Projekt war die Herausgabe der Zeitschrift saitenweise .
Ermöglicht wurden die Projekte durch die ehrenamtliche Arbeit der aktiven Vereinsmitglieder. Finanzielle Unterstützung erhielten die Projekte durch Kursgebühren, Mitgliedsbeiträge, Subventionen von Bund, Ländern, Gemeinden, Institutionen und Sponsoren.
Jugendmusikcamp Edlitz
Von 1994 bis 2013 veranstaltete Artes Iuventutis das Jugendmusikcamp in den Sommerferien in Edlitz in der „Buckligen Welt“ (NÖ) für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren. In verschiedenen Besetzungen erarbeiteten die Dozenten mit den Teilnehmern Kammermusik aus unterschiedlichen Stilrichtungen. Unterrichtet wurden alle Streichinstrumente, Klavier, Flöte, Gitarre, Klarinette und Gesang, Nasenflöte, Schastrommel und Furzkissen. Zusätzlich zum Ensemble- und zum Einzelunterricht hatten alle Streicher und Bläser tägliche Proben im großen Orchester. Ein Bestandteil des Kurses war der Beginn jeden Tages mit dem großen Chor. Anfangs wurden zudem Musiktheater- und Musicalproduktionen gemeinsam mit den Teilnehmern erarbeitet und ausgeführt. Für all jene, die sich intensiver mit ihrer Stimme beschäftigen wollten, wurde während des Tages Stimmbildung im Einzel- und Gruppenunterricht angeboten. Im Rahmen von Workshops sprachen Dozenten über Themen wie Richtiges Üben, Umgang mit Lampenfieber oder Improvisation. Auch Rhythmik- und Percussionworkshops wurden angeboten. Das Dozententeam des Kurses bestand aus jungen Musikpädagogen und kammermusikerfahrenen, ausübenden Musikeren. Bei einem Eröffnungskonzert stellten sich die Dozenten den Kursteilnehmern und dem Publikum der Umgebung musikalisch vor. Den Teilnehmern vorbehalten war ein großes Abschlusskonzert am letzten Kurstag. Unterrichtet und untergebracht wurden die Teilnehmer und das Jugendmusikcamp-Team in der Volks- und Hauptschule Edlitz, die die Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung stellte.
Jazz-Folk-Klezmer miniatur|Foldersujet Jazz Folk Klezmer 2010|links Der Jazz-Folk-Klezmer-Kurs fand von 2001 bis 2013 in Edlitz in der „Buckligen Welt“ (NÖ) statt. Intensive Beschäftigung mit Jazz, Folk und Klezmer sollte nicht nur den Einstieg in diese Musikrichtungen für interessierte junge Menschen erleichtern, sondern auch ein zusätzliches Angebot zum traditionellen Musikunterricht darstellen. Die Teilnehmer im Alter von 16 bis 26 Jahren mussten keine Vorkenntnisse in den genannten Stilrichtungen haben. Unterrichtet wurde Klarinette/Saxophon, Posaune, andere Blechblasinstrumente, Violine/Viola, Kontra-/E-Bass, Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Percussion und Gesang. In verschiedenen Besetzungen sowie im Einzelunterricht bekamen die Teilnehmer Einblick in spezielle Spieltechniken, in die Kunst des Improvisierens und sollten vor allem einen Eindruck von Vielfalt in der Welt der Musik bekommen. Auf Workshopbasis lernten die Teilnehmer in speziell dafür aufbereiteten Musikstücken die Unterschiede im Herangehen an Jazz, Folk und Klezmer verglichen mit traditioneller klassischer Literatur kennen. In abendlichen Jamsessions wurden die neuen Erfahrungen ausprobiert und umgesetzt. Die Teilnehmern wurden von jungen Musikpädagogen und Künstlern, betreut und unterrichtet. Als Dozenten fungierten unter anderem Mitglieder der Formationen Elektro Guzzi, der Mary Broadcast Band oder Nifty's. Jeder Kurs begann mit einem Eröffnungskonzert der Dozenten, gegen Ende der Woche fand es eine öffentliche Jamsession statt und endete mit einem großen Abschlusskonzert der Teilnehmer. Unterrichtet und untergebracht waren Teilnehmer und Jazz-Folk-Klezmer-Team in der Volks- und Hauptschule Edlitz, die die Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung stellte.
Kammermusiktage Von 1996 bis 2013 trafen sich an drei Wochenenden im Jahr junge Ensembles zwischen 14 und 26 Jahren, um sich intensiv mit Kammermusik auseinanderzusetzen. Die ersten Kammermusiktage fanden in Thörl (Stmk) statt, später in Reichenau an der Rax (NÖ) und schließlich in Weyer im Ennstal (OÖ). Erarbeitet wurden Kammermusikwerke im mittleren Schwierigkeitsgrad, die in zwei öffentlichen Konzerten zur Aufführung gebracht wurden. Mit einem öffentlichen Dozentenkonzert stellten sich die Pädagogen des Kurses den Teilnehmern und dem Publikum vor. Als Dozenten der Kammermusiktage fungierten unter anderem das Eggner Trio und Mitglieder des Hugo-Wolf-Quartetts. Die Kammermusiktage sollten auch Ensembles des Jugendmusikcamps unter dem Jahr die Möglichkeit des Zusammenspiels bieten und konnten außerdem als Vorbereitung für Wettbewerbe, wie Prima la Musica, hilfreich sein. Entsprechend den Grundideen von Artes Iuventutis, sollte der Prozess vor dem Produkt stehen. Nicht ein perfektes Abschlusskonzert, sondern die kammermusikalische Entwicklung innerhalb des Kurses sollte Motivation für die Teilnehmer sein. Damit grenzte man sich von eliteschaffenden Meisterkursen und deren Konkurrenzdenken ab.
SingSang Das Gesangsseminar SingSang wurde von 1998 bis 2003 in Markt Piesting (NÖ) von Artes Iuventutis veranstaltet. Teilnehmen konnten junge Sänger im Alter von 14 bis 25 Jahren und Sänger im Alter von 14 bis 30 Jahren mit oder ohne sängerischer Vorbildung. Die Kernbereiche des Unterrichts waren Sologesang, Ensemble und Chor. Weiters konnten verschiedene Workshops, wie Atemtechnik, Schauspiel, Akrobatik etc. besucht werden. Untergebracht waren Teilnehmer und Dozenten in der Musik- und Volksschule Markt Piesting. Den Abschluss des meist einwöchigen Seminars bildete ein großes öffentliches Konzert mit allen Teilnehmern.
voice professional Das Gesangsseminar voice professional richtete sich an Jugendliche von 16 bis 24 Jahren, die eine Studienrichtung mit Hauptfach Gesang (Sologesang, Gesangspädagogik, Musical) anstrebten oder bereits in einschlägigen Vorbereitungsklassen studierten. Der Kurs wurde von 2004 bis 2007 von Artes Iuventutis in Markt Piesting veranstaltet. Neben Stimmbildungseinheiten wurden auch Solo- und Ensemblestücke erarbeitet und musikalisch und szenisch umgesetzt. Als Dozenten fungierten unter anderem Lehrende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und des Konservatorium Wien (heute Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien).
Dido&Æneas Im Jahr 2005 erarbeitete ein Barockensemble des Vereins Artes Iuventutis gemeinsam mit dem niederösterreichischen Jugendchor, ein Projekt des Chorverbandes für Wien und Niederösterreich, die Barockoper „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell. Die musikalische Leitung hatte Markus Winkler inne. Die Solisten waren Agnes Scheibelreiter (Dido), Gernot Heinrich (Aeneas), Anna Clare Hauf (Sorceress) und Theresa Dlouhy (Belinda). Die beiden konzertanten Aufführungen fanden in der Arena Nova Classic in Wiener Neustadt und in der Dominikanerkirche Krems statt.
Orchestercamp „Mostviertler Zauberbögen“ Von 2009 bis 2013 wurde das Orchestercamp „Mostviertler Zauberbögen“ von Artes Iuventutis veranstaltet. Junge Streicher zwischen 6 und 12 Jahren hatten die Möglichkeit, erste Orchester- und Ensembleerfahrungen zu sammeln. Ziel des Kurses war, dass sowohl Schüler (bereits nach dem 1. Lernjahr) als auch fortgeschrittene gemeinsam in einem Orchester musizieren und eine gemeinsame Woche mit Musik und Freizeitgestaltung verbringen. In diesem Sinne deckte die Orchesterliteratur das Können von der elementaren bis hin zur fortgeschrittenen Ebene ab. Für Kinder, die bereits mehr Orchester- und Spielerfahrung hatten, wurde zusätzlicher Kammermusikunterricht angeboten. Auch das Singen im Chor war fixer Bestandteil des Kurses, der mit einem Dozentenkonzert eröffnet und einem gemeinsamen Orchesterkonzert der Teilnehmer beendet wurde. Veranstaltungsorte des Orchestercamps waren Seitenstetten (NÖ), Kogelsbach (NÖ) und St. Georgen am Reith (NÖ).
VolxMusiCamp „I-IV-V“