Ivanhoé ist ein Opern-Pasticcio in drei Akten mit Musik, die von Antonio Pacini aus verschiedenen Opern Gioachino Rossinis zusammengestellt wurde. Das Libretto von Émile Deschamps und Gabriel Gustave de Wailly basiert auf Walter Scotts Roman Ivanhoe. Die Uraufführung fand am 15. September 1826 im Théâtre Royal de l’Odéon in Paris statt.

Handlung

Die Oper spielt in England im Jahr 1194. Sie behandelt die Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und Normannen vor dem Hintergrund einer drohenden französischen Invasion. Während eines Sturms nimmt der Sachse Cédric den Muslim Ismaël und dessen Tochter Léila in seine Burg auf. Sie befinden sich auf der Flucht vor dem Normannen Boisguilbert, der Léila begehrt. Auch Cédrics Sohn Ivanhoé hat sich dort eingefunden – als Pilger verkleidet, da ihn sein Vater wegen seiner Unterstützung König Richards für abtrünnig hält. Er verliebt sich in Léila. Boisguilbert und seine Ritter greifen an und verschleppen Léila. Sie wird in einer Turmkammer gefangengehalten, wo Boisguilbert vergeblich ihre Liebe zu gewinnen versucht. Die Normannen fangen einen Brief Léilas, in dem sie Ivanhoé um Hilfe ersucht, ab und verurteilen sie als Verräterin zum Tode. Ihre einzige Chance auf Rettung besteht in einem Gottesurteil, falls sich ein Ritter findet, der für sie kämpft. Ivanhoé meldet sich und besiegt den für die Normannen antretenden Boisguilbert. Es stellt sich heraus, dass Léila in Wirklichkeit Edith, die Tochter des letzten männlichen Nachfahren des sächsischen Königs Alfred ist. Nun steht ihrer Hochzeit mit Ivanhoé nichts mehr im Wege. Die Normannen und Sachsen vereinen sich, um gemeinsam die Franzosen zurückzuschlagen.

Erster Akt

Ein gotischer Saal

An den Wänden hängt Kriegs- und Jagdgerät. Im Hintergrund befindet sich ein großes Fenster und an der linken Seite ein großer Feuerplatz. Beim Öffnen des Vorhangs ist ein Sturm zu hören.

Szene 1. Der Sachse Cédric und seine Ritter sitzen am Tisch. In der Nähe des Kamins hat ein Pilger Platz genommen. Nach einem Kommentar über das stürmische Wetter trinken alle auf den Sieg im morgigen Kampf (Introduktion: „Quel temps affreux“).

Szene 2. Ismaël und seine Tochter Léila bitten um Einlass (Trio und Chor: „Seigneur, dans votre demeure“). Während die Ritter die beiden Muslime am liebsten fortjagen würden, lädt der Pilger sie ein, ihm am Kamin Gesellschaft zu leisten (Stretta, Quartett (Léila, Ivanhoé, Ismaël, Cédric): „Vaine prière! Vil téméraire“). Cédric stimmt im Sinne der Gastfreundschaft zu, da am morgigen Tag der Waffenstillstand zwischen Frankreich und England endet und Krieg bevorsteht. Dennoch weckt der Muslim in ihm schlimme Erinnerungen an seine Zeit in Palästina. Dort ist Olric, der letzte männliche Nachfahre des sächsischen Königs Alfred ums Leben gekommen und dessen Tochter Edith in die Hände der Feinde gefallen. Außerdem hat Cédric noch nicht verwunden, dass sich sein Sohn Ivanhoé dem normannischen König Richard angeschlossen hat. Ismaël stellt sich den Anwesenden als armer Händler vor. Er erzählt, dass sie nach einem Besuch des Turniers von Ashby von Bogenschützen unter dem Normannen Boisguilbert angegriffen wurden (Arie: „Boisguilbert, dont la vengeance“). Dessen Erwähnung genügt den Rittern, um den beiden ihren Schutz anzubieten. Sie verlassen mit Cédric den Saal, um die Sicherheit der Burg zu gewährleisten. Léila zieht sich in ein ihr zugewiesenes Zimmer zurück.

Szene 3. Der Pilger stellt Ismaël zur Rede. Er weiß, dass dieser nicht nur ein armer Händler ist und erinnert ihn an eine frühere Begegnung in Palästina. Damals hatte er nach einer Verwundung in Ismaëls Haus Zuflucht gesucht. Obwohl er von seiner Tochter aufgenommen worden war, hatte Ismaël ihm die Tür gewiesen. Nur Léila zuliebe habe er dies Cédric nicht verraten.

Szene 4. Nach dem Ismaël gegangen ist, gesteht sich der Pilger seine Liebe zu Léila ein. Er schwört sich, sie zu beschützen (Arie: „Blessé sur la terre étrangère“).

Szene 5. Cédric befragt den kürzlich aus Palästina zurückgekehrten Pilger nach Neuigkeiten aus dem Heiligen Land. Der Pilger erzählt von einem Turnier, in dem Boisguilbert, der Marquis de Beaumanoir und Albert de Malvoisin gegen drei Gegner gekämpft und verloren hatten. Bei den Siegern habe es sich um König Richard, Sir Henry Douglas und den jungen sächsischen Ritter Wilfrid d’Ivanhoé gehandelt. Von draußen sind als Warnsignal die Klänge eines Horns zu hören.

Szene 6. Léila und Ismaël kehren verängstigt in den Saal zurück (Quartett und Chor „Ah! point d’alarmes“).

Szene 7. Ein Abgesandter Boisguilberts fordert die Anwesenden zur Übergabe Léilas und Ismaëls auf. Der Pilger entgegnet, er sei seinem Herrn als Ritter gut bekannt und werde die beiden verteidigen. Anschließend gibt er sich als Cédrics Sohn Ivanhoé zu erkennen. Da er bei seinem Vater in Ungnade gefallen war, hofft er, ihn durch den Kampf zu besänftigen. Cédric und die anderen Ritter folgen seinem Beispiel, um sich den Gegnern entgegenzustellen.

Szene 8. Ismaël vergeht fast vor Angst, aber Léila hat Vertrauen in den mutigen Ritter, der sein Leben für sie riskieren will. Während eines Orchester-Ritornells eilt eine Gruppe verstörter Frauen in den Saal. Sie fürchten um den glücklichen Ausgang des Kampfes und flehen Ismaël und Léila an, die Burg zu verlassen (Chor: „Malheureuse! le combat s’engage“).

Szene 9. Ivanhoé wird verwundet von zwei Rittern hereingebracht. Er drängt Léila zur Flucht, da er sie nun nicht mehr schützen kann. Léila will ihn aber nicht allein lassen, sondern sich um seine Wunden kümmern. Die Verteidiger werden geschlagen, und draußen bejubeln die Normannen ihren Sieg (Anfang des Finale I – Duett und Chor: „Ô douleur! Ô jour funeste!“ – „Victoire! honneur!“). Ivanhoé ist noch ein Schwert geblieben, mit dem er Léila trotz seiner Verletzung verteidigen will.

Szene 10. Boisguilbert und seine Soldaten drängen herein (Quartett und Chor: „Ô sort infidèle“). Ivanhoé kann nichts dagegen tun, als sie Léila ergreifen und mit sich fortschleppen. Er schwört Rache.

Zweiter Akt

Ein Raum im Schloss von St. Edmond

Ein hoher Wachturm mit einem Fenster und einer Außenplattform ohne Geländer.

Szene 1. Die in einem hohen Wachturm eingekerkerte Léila schreibt einen Brief an Ivanhoé, in dem sie ihm ihre Lage mitteilt und ihn und die Sachsen um Hilfe anfleht (Arie: „En vain mon âme espère“).

Szene 2. Boisguilbert versucht, sich ihr zu nähern. In ihrer Not flüchtet Léila auf die Plattform und droht zu springen. Boisguilbert versichert ihr seine ehrlichen Gefühle und schwört, dass er ihr nichts antun werde – doch sie traut ihm nicht (Duett: „Que vois-je? ô ciel!“).

Szene 3. Albert de Malvoisin wurde von den anderen normannischen Rittern beauftragt, sich nach dem Grund für Boisguilberts eigenmächtigen Angriff auf Cédrics Schloss zu erkundigen – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem sich Normannen und Sachsen gegen die französische Invasion zusammenschließen sollten. Er werde sich dafür vor dem Marquis de Beaumanoir rechtfertigen müssen. Zudem wurde unter dem Turm ein Brief Léilas gefunden, in dem sie die Sachsen und Franzosen gegen die Normannen um Hilfe bat. Malvoisin unterrichtet Boisguilbert schließlich davon, dass Ivanhoé vom Kreuzzug zurückgekehrt sei, dass der Muslim ein Diener des französischen Königs Philippe sei und dieser dessen Tochter – die Geliebte Ivanhoés – zu Cédric gesandt hatte, um die Sachsen gegen die Normannen aufzuwiegeln. Trompeten verkünden die Ankunft General Beaumanoirs, und Malvoisin geht ihm entgegen.

Szene 4. Boisguilbert wendet sich erneut Léila zu. Er unterrichtet sie davon, dass man sie des Verrats bezichtigen werde und versichert ihr, dass er alles tun werde, um sie zu retten, obwohl ihn das ebenfalls ihn Gefahr bringen werde. Dennoch zieht es Léila vor, auf die Gerechtigkeit des Generals zu hoffen.

Szene 5. Zu einer Flucht bleibt keine Zeit mehr, denn Malvoisin kehrt mit der Nachricht zurück, dass sich der Gerichtshof versammelt und der Richter den kompromittierenden Brief schon erhalten habe. Léilas Schicksal scheint besiegelt (Trio: „Souffrance cruelle“).

Szene 6. Léila wird zur Verhandlung abgeholt (Chor: „Suivez-nous, le conseil vous demande“). Boisguilbert fühlt sich schuldig. Er verspricht, sie vor Gericht zu verteidigen.

Szene 7. Malvoisin rät Boisguilbert davon ab, sich offen für Léila einzusetzen. Er werde nichts erreichen, sondern sich nur selbst verdächtig machen. Stattdessen solle er inkognito mit geschlossenem Visier auftreten. Boisguilbert schreibt eine Nachricht, in der er Léila bittet, die Hilfe des Ritters anzunehmen, den sie ihrer Liebe für würdig hält.

Die große Halle im Schloss von St. Edmond

Der Marquis Lucas de Beaumanoir hat den Vorsitz über das Tribunal. Die Ritter sitzen auf einer niedrigeren Ebene. Es ist nachts; die Ratshalle wird durch Fackeln beleuchtet.

Szene 8. Die normannischen Ritter verkünden, dass sie ein Exempel statuieren wollen: Léila soll sterben (Anfang des Finale II – Chor: „Race infidèle“). Auf einen Wink Beaumanoirs wird die Angeklagte vor den Richter geführt. Boisguilbert und Malvoisin folgen ihr.

Szene 9. Beaumanoir trägt die Anklage und auch gleich das Urteil vor: Léila wird beschuldigt, im Auftrag König Philipps die Sachsen gegen die Normannen aufgewiegelt zu haben. Ihr Brief an Ivanhoé sei der Beweis. Sie wird zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Léila und Malvoisin sind entsetzt (Trio: „Quel coup m’accable!“). Léila erhält keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Boisguilbert konnte ihr aber seine Nachricht zukommen lassen, die sie nun heimlich liest. Sie wirft ihren Handschuh und verlangt zur Überraschung aller nach einem Gottesurteil – ein Zweikampf soll ihr Schicksal entscheiden.

Szene 10. Plötzlich erscheint Léilas Vater Ismaël (Quartett und Chor: „Que vois-je? – Ô transports!“). Léila ruft ihm zu, dass sie sterben müsse und er fliehen solle. Boisguilbert ist bereit, für sie einzustehen – aber Beaumanoir lässt ihm den Handschuh reichen und fordert ihn auf, für die Anklage zu kämpfen, um seinen Fehler wiedergutzumachen. Léila, Boisguilbert, Malvoisin und Ismaël beten zu Gott um Rettung, aber es scheint keine Hoffnung mehr zu geben.

Dritter Akt

Im Hintergrund links das Schloss von Saint-Edmond, im Vordergrund rechts ein umzäunter Bereich. Nachts.

Szene 1. Nach den Klängen eines Militärmarschs befiehlt Malvoisin seinen Soldaten, die Zugänge zum Platz gut zu bewachen und insbesondere keine Sachsen oder gar den Muslim einzulassen.

Szene 2. Die Ritter bereiten sich auf diese Aufgabe vor (Chor: „Faisons silence“).

Szene 3. In einen Umhang gehüllt erscheint Ivanhoé auf der Szene. Obwohl er noch keine Waffe hat, ist er fest entschlossen, Boisguilbert herauszufordern, um Léila zu retten.

Szene 4. Ismaël unterrichtet Ivanhoé über Léilas Todesurteil. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, dass sich ein Ritter findet, der für sie im Kampf siegt. Ivanhoé ist sofort dazu bereit. Ismaël will für die nötigen Waffen sorgen.

Szene 5. Malvoisin hat die beiden bemerkt. Er beauftragt einen seiner Männer, sie festzunehmen.

Szene 6. Boisguilbert bittet Malvoisin, ihm bei der Rettung Léilas zu unterstützen. Malvoisin weist ihn auf ihre Undankbarkeit hin, die einen Sachsen ihm vorgezogen habe. Boisguilbert erklärt sich schließlich bereit zum Kampf. Malvoisin betritt das Schloss.

Szene 7. Allein geblieben, zweifelt Boisguilbert erneut (Szene und Arie: „Combat terrible“). Er fühlt sich schuldig an Léilas Schicksal und will sie retten. Wenn er aber ihr zuliebe den Kampf verliert, ist er entehrt. In Gedanken bittet er sie um Vergebung.

Szene 8. Die anderen Ritter versuchen, Boisguilberts Kampfesmut zu wecken (Boisguilbert und Chor: „Avançons; au chagrin qui l’opprime“). Obwohl er sich auf ihnen würdig erweisen will, muss er an seine Liebe zu Léila denken.