300px|mini|Brucktor an der Inn-Brücke Wasserburg am Inn (amtlich Wasserburg a.Inn) ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Rosenheim. Sie liegt etwa 55 km östlich der Landeshauptstadt München und etwa 25 km nördlich der Kreisstadt Rosenheim. Die Stadt war Sitz des Landgerichts Wasserburg a.Inn, aus dem das Amtsgericht Wasserburg am Inn sowie das Bezirksamt, das spätere Landratsamt Wasserburg a.Inn, hervorgingen.
Geographie Geographische Lage mini|300px|Innerhalb der Innschleife liegt die Wasserburger Altstadt. Wasserburg am Inn bietet mit seiner landschaftlichen Lage eine Besonderheit: Die Altstadt liegt auf einer vom Inn fast vollständig (zu ca. ) umflossenen Halbinsel, die nur über eine schmale Landzunge erreichbar ist. Vom gegenüberliegenden bis zu 70 Meter hohen Steilufer, der Innleiten, überblickt man die ganze Altstadt mit ihrer bis ins Mittelalter zurückreichenden Bausubstanz. Im Fluss, direkt neben der Stadt, liegt die kleine bewaldete Kapuzinerinsel, deren Name an das ehemalige Kapuzinerkloster Wasserburg erinnert.
Wie am Grundriss der Altstadt und dem nach außen abnehmenden Alter der Bausubstanz unschwer zu erkennen ist, ist die Halbinsel im Lauf der vergangenen Jahrhunderte stetig nach Osten und Norden gewachsen, während der Inn das gegenüberliegende Steilufer abgetragen hat.Martin Geiger: Wasserburg a.Inn – Ein geschichtlicher Abriß. Verlag Die Bücherstube, Wasserburg 1980, ISBN 3-922310-04-4, S. 1. Dieser Prozess kam erst mit der Befestigung der Ufer im Rahmen des Kraftwerksbaus am Inn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Stillstand. Auf alten Stadtansichten und Fotografien ist dementsprechend zu sehen, dass der gegenüberliegende Prallhang bis vor wenigen Jahrzehnten praktisch nicht bewachsen war, während er heute weitgehend bewaldet ist.
Entsprechend der geringen Höhe des angeschwemmten Landes gegenüber dem starken Schwankungen unterliegenden Wasserspiegel des Inns wurden weite Teile der Altstadt bei Hochwasser regelmäßig unter Wasser gesetzt, bis dies durch den Bau der Hochwasserfreilegung 1986 bislang unterbunden werden konnte.W. Kraus: Der Hochwasserschutz von Wasserburg am Inn. In: Bau Intern, Zeitschrift der Bayerischen Staatsbauverwaltung. Heft 7, Verlag Karl M. Lipp, München 1987.
Gemeindegliederung Es gibt 22 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Einige Orte Wasserburgs werden als Gemeindeteile bezeichnet, sind aber trotz Ortsschildern keine Gemeindeteile gemäß dem Bayerischen Gemeindeverzeichnis:Ortsteile.
Natur mini|Luftbild des Landschaftsschutzgebiets Schutz von Landschaftsteilen um den Staudhamer See in den Gemeinden Steppach, Soyen, Attel und Edling Folgende Schutzgebiete berühren das Stadtgebiet: Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Innstausee bei Attel und Freiham (NSG-00163.01) Naturschutzgebiet Hochmoor am Kesselsee (NSG-00156.01) Landschaftsschutzgebiet Schutz von Landschaftsteilen um den Staudhamer See in den Gemeinden Steppach, Soyen, Attel und Edling (LSG-00164.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Innauen und Leitenwälder (7939-301) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Moore um Wasserburg (7939-371) Vogelschutzgebiet (Vogelschutzrichtlinie der EU) NSG Vogelfreistätte Innstausee bei Attel und Freiham (7939-401)
Name Der Ortsname des Hauptortes leitet sich vermutlich von der ähnlich einer Wasserburg fast allseits von Wasser umgebenen Burganlage ab. Schon die frühesten erhaltenen Urkunden und Pläne verwenden diese Bezeichnung auch für die Siedlung am Fuß der Burg Wasserburg.Martin Geiger: Threulich und ohne Gefährde – Ämter und Eide im alten Wasserburg. Verlag Wasserburger Bücherstube, Wasserburg 2011, ISBN 978-3-9812005-9-1. In den Karten Apians im 16. Jahrhundert wird die Siedlung seltsamerweise als „Newenhochenaw“ (Neuenhohenau) bezeichnet. Der Name könnte auf das Kloster „Hohenoue“ hinweisen, etwa sieben Kilometer südlich von Wasserburg a.I. gelegen, das heute unter dem Namen Altenhohenau bekannt ist.
Geschichte mini|300x300px|Kupferstich von Michael Wening in Topographia Bavariae um 1700
Mittelalter Neben bronzezeitlichen FundenScherben aus der Bronzezeit unter Marienplatz-Pflaster. Bronzezeitliche Funde, in: ovb-online.de, 5. November 2010, abgerufen am 11. Mai 2026. belegen archäologische Befunde am Rande der mittelalterlichen Stadt Reste eines von einer Tuffsteinmauer aus der Mitte des 9. Jahrhunderts umfriedeten Bereichs mit einem Begräbnisplatz. Die offensichtlich später eingestürzte Mauer zeigt Brandspuren, die Ansiedlung war zumindest im ausgegrabenen Gebiet wieder aufgegeben worden. Dabei wurde auch ein als „Fletzi“ bekanntes Skelett aus dieser Zeit gefunden.Renate Drax: . In: wasserburger-stimme.de, 23. Oktober 2013, abgerufen am 11. Mai 2026.Regina Mittermair: Todesursache von „Fletzi“ weiterhin unbekannt. Ausgrabungen aus dem 9. Jahrhundert, in: rosenheim24.de, 24. Oktober 2013, abgerufen am 11. Mai 2026.
Erstmals erwähnt wird Wasserburg in einer auf den Zeitraum von 1085 bis 1088 datierten Urkunde, deren Abschrift in einem Traditionsbuch des Klosters St. Emmeram in Regensburg erhalten ist.Wasserburger Schätze nochmal im Original. In: ovb-online.de, 4. Mai 2012, abgerufen am 11. Mai 2026. Da darin bereits von einem „Dietrich von Wasserburg“ die Rede ist, muss der lange als Gründung der Stadt gesehene Vorgang, dass Hallgraf Engelbert seinen Stammsitz Mitte des 12. Jahrhunderts von der Burg Limburg in seine „Wasserburg“ verlegte, bezweifelt werden. Die zugehörige Urkunde wurde inzwischen auch als Fälschung erkannt.
Durch die Innschifffahrt, den Salzhandel und die damit verbundenen Einnahmen gelangte die am Fuße der Burg bald entstandene Siedlung zu Wohlstand und erwarb in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Stadtrechte. Im Jahr 1220 hatte die Stadt bereits Ringmauern und einen Graben, 1247 wurde Wasserburg trotzdem nach 17-wöchiger Belagerung durch Herzog Ludwig (später Ludwig II., der Strenge) erobert. Die Besitzungen des Grafen von Wasserburg gingen an den Herzog über und Wasserburg war somit Wittelsbacher Besitz (Erbvertrag). Im Jahre 1248 erfolgte die Aufnahme Wasserburgs in die Bayerische Landtafel (Landstände), vier Jahre später wurde das Rathaus erbaut.
Über die frühe Geschichte der Stadt ist relativ wenig bekannt, da im Stadtbrand von 1339 alle Urkunden aus dieser Zeit verloren gingen.Martin Geiger: Threulich und ohne Gefährde – Ämter und Eide im alten Wasserburg, Verlag Wasserburger Bücherstube, Wasserburg, 2011, ISBN 978-3-9812005-9-1, S. 13 f.
Neuzeit Einige Autoren der frühen Neuzeit meinen, einen antiken Ort Hohodunum oder Hobodunum mit Wasserburg oder einem Ort in der Nähe identifizieren zu können. Eine antike Quelle ist nicht angegeben; wahrscheinlich liegt eine Fehlinterpretation des bei Ptolemaeus überlieferten RhobodunumPtol. geogr. 2,11,15. vor, das von der modernen altertumswissenschaftlichen Forschung wesentlich weiter östlich gesucht wird (Mähren, Niederösterreich usw.).
mini|Der Elefant Soliman bei Wasserburg auf einem Holzschnitt von Michael Minck. Inschrift: KM D(er) KINIG ZV PEHAM HAT AUSS / ISPANIA IN DAS TEISHS LAND / GEFIERT AIN HELFANT IST ZV WASS / ERBURG ANKHOMEN AVF DEN 24 / IANUARI IM 1552 IAR / M(ichael) M(inck)Übertragung: KM D[er] König zu Böhmen hat aus / Spanien in das teutsche Land / geführt einen Elefanten [.] ist zu Wass / erburg an[ge]kommen auf den 24. / Januar im Jahr 1552 / M[ichael] M[inck].
Am 24. Januar 1552 reiste der Elefant Soliman, ein Geschenk Johannas von Spanien an Maximilian II., durch die Stadt Wasserburg.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde München durch die Schweden besetzt, die um 1632 bis an den Inn kamen. Die Bewohner des linken Ufers flohen deshalb, oft in Begleitung ihres Viehs, auf die rechte Seite des Flusses, wo die Orte infolgedessen viele Flüchtlinge aufzunehmen hatten. Außerdem waren dort die kaiserlichen und bayerischen Soldaten stationiert, was in der Bevölkerung für Widerstand sorgte. Etwa 1500 Bauern aus den Gerichtsbezirken Kling und Kraiburg versammelten sich 1634 bei Achatz oberhalb Wasserburgs. Nachdem diese der offiziellen Aufforderung, sich zu trennen, nicht folgten, wurde ein Kapuziner vom Kloster Wasserburg – Pater Johann – als Vermittler geschickt. Ihm gelang es, die Bauern vorerst zu besänftigen. Als abermals kaiserliche und bayerische Soldaten rechts des Inns stationiert wurden, entflammte der Aufstand erneut, kleinere Reiterabteilungen wurden überfallen und im Schloss Kling gefangene Bauern befreit. Ein weiterer Kapuziner – Pater Romanus – konnte zwischen den Bauern und dem nach Salzburg gezogenen Kurfürsten Maximilian I. vermitteln. Als sich die Bauern weiterhin weigerten, sich zu trennen, wurde das Militär auf den Achatzberg geschickt. Dort wurden 170 Bauern gefangen genommen und drei davon als Rädelsführer hingerichtet.
Im späteren Dreißigjährigen Krieg wurden alle Brücken über den Inn mit Ausnahme der von Wasserburg durch den Kurfürsten abgebrochen; hier konnte der Weg über den Fluss allerdings erfolgreich gegen die schwedischen Truppen verteidigt werden, was eine entscheidende Rolle in der Verteidigung der Gebiete östlich des Inns spielte. Der zu dieser Zeit durch lang anhaltenden Regen besonders hohe Wasserstand des Inns konnte außerdem eine Überschreitung des Flusses bei Mühldorf durch den Feind verhindern.
Wasserburg am Inn war vor 1803 Pflegamt und Sitz des Landgerichts. Wasserburg besaß ein Stadtgericht mit wichtigen magistratischen Eigenrechten. 1807 wurde dem Landgericht Wasserburg das Landgericht Haag zugeschlagen.
1835 bestand die Stadt aus 300 Wohnhäusern und hatte 2100 Einwohner bzw. 546 Familien. Die Innbrücke war zu dieser Zeit 430 bayerische Fuß (125,5 m) lang, was etwa ihrer heutigen Länge entspricht.
Nach dem Rundfunkaufruf der Freiheitsaktion Bayern am 28. April 1945 erließ eine Widerstandgruppe in Wasserburg am Inn unter Führung von Josef Estermann einen Aufruf an die Bevölkerung, in dem jeder weitere Widerstand als sinnlos und jeder weitere Kampf als Verbrechen bezeichnet wurde. Mitunterzeichner waren Bürgermeister Franz Baumann, Kreisleiter Kurt Knappe, Landrat Willi Moos und der Kommandeur des Wehrmeldeamtes, Oberstleutnant Puhl.
Noch am gleichen Tag erfuhren Gauleiter Paul Giesler und Kampfkommandant Rudolf Huebner davon. Zusammen mit einer nicht ermittelbaren Person bildeten sie ein Standgericht und verurteilten die Mitglieder der Wasserburger Widerstandsgruppe wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode. Zur Abschreckung sollte die Erschießung öffentlich stattfinden. Der Gaustabsamtsleiter Ge. wurde beauftragt, nach Wasserburg zu fahren und das Urteil zu vollstrecken. Unter dem Kommando des Volkssturmführers Alfred Salisco wurde ein Exekutionskommando in Marsch gesetzt. Ge. folgte diesem Befehl nicht, sondern begab sich zu seiner Familie nach Weilheim. Das Exekutionskommando fuhr zwar nach Wasserburg, kehrte jedoch ergebnislos zurück. Huebner wurde nach dem Krieg für den Fall der versuchten Tötung der Wasserburger Widerstandskämpfer zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren, Salisco im Zusammenhang mit mehreren Endphasenverbrechen zu lebenslangem Zuchthaus, zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zur Kostentragung verurteilt.
Moderne Bis zur Gebietsreform in Bayern 1972 war Wasserburg am Inn Kreisstadt des Landkreises Wasserburg am Inn; seither gehört die Stadt dem Landkreis Rosenheim an. Im Zuge der Gebietsreform wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Attel (mit Reitmehring) und Edling eingegliedert. Am 29. April 1981 wurde Edling aus der Stadt ausgegliedert und wieder zu einer selbständigen Gemeinde im Landkreis Rosenheim.
Zwischen 1980 und 2002 wurden zahlreiche Großprojekte im Rahmen der Stadtsanierung verwirklicht: Bau einer Umgehungsstraße, Kläranlage, Ausbau der Kanalisation, Bau der beiden kostenlosen Parkhäuser, Stadtarchiv, Bau der Verbindungsrampe Münchner Straße sowie zahlreiche Gebäude- und Straßensanierungen in der Altstadt.
Chronik