mini|Kirchhain von oben (2013) Kirchhain ist eine Stadt im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geografie Geografische Lage Kirchhain liegt in Mittelhessen am Nord(ost)rand des Amöneburger Beckens an den Flüssen Ohm, Wohra und Klein. Die Kernstadt liegt etwa 12 km östlich von Marburg, nordöstlich der Einmündung der Wohra in die Ohm, an der sich west- und südlich Kirchhains zum Schutz der am Fluss gelegenen Ortschaften das Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm ausbreitet.

Die höchste Erhebung des Stadtgebietes ist der hohe, mit einem Aussichtsturm versehene Burgholz im Norden, an dessen Gipfel sich auch der gleichnamige Ortsteil befindet. Der Burgholz ist der südwestlichste Ausläufer der Gilserberger Höhen, die den Norden der Oberhessischen Schwelle bilden und entlang der Rhein-Weser-Wasserscheide den Kellerwald nach Süden abdachen. Auch der nordöstlichste Ortsteil Emsdorf liegt, auf etwa Höhe, innerhalb dieses Höhenzuges, an dessen Südhängen sich auch noch von Talhöhe aus der nordöstliche Ortsteil Langenstein (bis ) und der äußerste Norden von Kirchhain-Stadt (bis etwa ) in Richtung Kirchhainer Stadtwald ziehen.

Nordwestlich der Kernstadt, jenseits der Wohra und an den Flanken des Südlichen Burgwalds liegen die Ortsteile Himmelsberg und Sindersfeld in Höhen von je um . Hier befindet sich auch der Staatsforst Rauschenberg, zu dem auch der nördliche Großteil des Waldes bei Burgholz (nördlich des Stadtwaldes) gehört.

Östlich der Kernstadt führt die Bundesstraße 454 in Richtung Stadtallendorf unmittelbar über den zur Oberhessischen Schwelle zählenden Neustädter Sattel, der vergleichsweise sanft ansteigt.

Die Gebiete westlich und südlich der Stadt sind durch die Ackerflächen und Auenlandschaften des Amöneburger Beckens geprägt, die nur durch den Basaltkegel der Amöneburg, 3 km südlich der Kirchhainer Kernstadt, unterbrochen werden. Hier liegen – neben Großteilen der Kernstadt – alle bisher nicht aufgeführten Ortsteile auf Höhen von etwa 190 bis , wobei sich die westlichen Ortsteile bereits in unmittelbarer Nähe der Lahnberge befinden, während die nördlichen Ortsteile Betziesdorf, Anzefahr und Stausebach mit dem (südlichen) Burgwald benachbart sind.

Nachbargemeinden

Alle Nachbargemeinden gehören zum Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Stadtgliederung mini|hochkant|Stadtgebiet von Kirchhain mit Lage der zwölf Ortsteile Neben der Kernstadt Kirchhain mit ca. 8300 Einwohnern verteilen sich weitere 8900 Einwohner auf die zwölf Stadtteile: Anzefahr Betziesdorf Burgholz Emsdorf Großseelheim Himmelsberg Kleinseelheim Langenstein Niederwald Schönbach Sindersfeld Stausebach

Geschichte Ortsgeschichte mini|hochkant|Der Menhir von Langenstein

Bereits zu prähistorischer Zeit verliefen durch das heutige Stadtgebiet Kirchhains Fern- und Verbindungswege. Seit der frühen Jungsteinzeit lassen sich dort fast kontinuierlich Siedlungen nachweisen. Der Menhir von Langenstein ist das herausragende Zeugnis dieser Epoche. Der Höhepunkt des Siedlungsausbaues lag in der jüngeren Eisenzeit (5. Jahrhundert v. Chr.).

Erste territoriale Bildungen entstanden jedoch erst im 12. Jahrhundert n. Chr. Im Jahr 1146 erfolgte die erste bekannte Erwähnung der Siedlung unter dem Namen „Werplohen“. Die Region gehörte seinerzeit zur Landgrafschaft Thüringen bzw. ab 1247 Hessen, während die benachbarte Amöneburg und weite Teile des Umlandes im Besitz der Erzbischöfe von Mainz waren. Immer wieder kam es seit dieser Zeit zu Auseinandersetzungen zwischen den Mainzern und Hessen um die Landeshoheit. Ab dem 13. Jahrhundert förderten daraufhin die Landgrafen von Hessen den Ausbau Kirchhains als hessisches Bollwerk gegen das mainzische Amöneburg, um die Region kontrollieren zu können. Kirchhain entwickelte sich fortan zum wirtschaftlichen Zentrum des Amöneburger Beckens. Die Stadtrechte erhielt Kirchhain vermutlich vor 1348, als offizielles Stadtgründungsjahr wird jedoch mangels früherer urkundlicher Nachweise erst das Jahr 1352 angesehen. mini|Kirchhain – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 Seit dem 15. Jahrhundert bildeten die wichtigen Handelsstraßen „Lange Hessen“ und Köln-Leipziger-Handelsstraße in Kirchhain einen Straßenknoten und begünstigten damit die weitere wirtschaftliche Erschließung der Stadt. Die gute Verkehrsanbindung führte im Dreißigjährigen Krieg dazu, dass Kirchhain einige Male besetzt wurde, zeitweilig Hauptquartier verschiedener Armeen war und damit unter der häufigen Einquartierung von Truppen zu leiden hatte. 1636 waren in und um die Stadt etwa 12.000–14.000 Soldaten untergebracht. Für die damalige Stadtbevölkerung von ca. 1.000 Einwohnern war dies eine enorme Belastung. Über den Krieg in und um Kirchhain berichtet auch Caspar Preis in seiner Stausebacher Ortschronik.

Ebenfalls unter den Kriegswirren zu leiden hatte Kirchhain im Siebenjährigen Krieg, denn auch hier führte die gute Verkehrslage immer wieder Truppen in die Stadt.

Von 1807 bis 1813 war Kirchhain Verwaltungssitz des Kantons Kirchhain im Königreich Westphalen. Folgende Beschreibung wird hierzu gegeben: „Kirchhain, Stadt und Kantonshauptort, am dem Einflusse der Wohra in die Ohm. Sie zählt 1 Burgsitz, 1 lutherische und 1 reformierte Kirche, mit 403 Häusern und 1.977 Menschen.“Georg Hassel: Geographisch statistischer Abriss des Königreich Holland, im Verlage des Landes, Weimar 1809, S. 491

Von 1821 an war Kirchhain Kreisstadt des neu geschaffenen Kreises Kirchhain, bis dieser 1932 mit dem Kreis Marburg zusammengelegt wurde.

Von der jüdischen Bevölkerung Kirchhains, die vom Ende des 16. Jahrhunderts im Ort ansässig war, ist Elchanan Henle Kirchhain, der bekannteste. Sein Grabstein ist auf dem jüdischen Friedhof Kirchhains erhalten.

1850 erhielt Kirchhain Anschluss an die Main-Weser-Bahn. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bahnhofstraße neu angelegt und Teile der Stadtmauer entfernt. An der Bahnhofstraße entstand ein Postgebäude, an der Römerstraße wurde die Synagoge errichtet und etwas später auch die katholische Kirche, während das Rathaus 1913/14 das heutige Aussehen erhielt. An die Toten des Ersten Weltkriegs erinnert ein 1922 erbautes Denkmal im Annapark. In der Zeit der Weimarer Republik entstand auch die Jahn-Turnhalle als Mehrzweckbau sowie das Wohngebiet „Siedlung“.

Im März 1933 erhielt die NSDAP im Landkreis Marburg 63 % der Stimmen, was deutlich über dem Reichsdurchschnitt lag. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge im Innern beschädigt; sie wurde jedoch nicht in Brand gesteckt, sondern fiel schließlich dem Abbruch zum Opfer. 1945 kamen bei der Verteidigung der Stadt gegen anrückende amerikanische Truppen 40 junge, unausgebildete Soldaten sowie zwei Zivilisten ums Leben. Kriegsschäden durch Artilleriebeschuss und nachfolgende Brände zeigten sich vor allem in der Untergasse.

In der Nachkriegszeit war zunächst der Zuzug zahlreicher Flüchtlinge aus den Ostgebieten zu bewältigen. Der wirtschaftliche Aufschwung wurde durch die Ansiedlung eines Werks der Marburger Tapetenfabrik gefördert. Die bei Kriegsende zerstörte katholische St.-Elisabeth-Kirche wurde wiedererrichtet und Ende der 1960er Jahre wurde im Neubaugebiet an der Röthe auch eine evangelische Kirche gebaut.

Stolpersteine Ab dem Jahr 2015/16 wurden die ersten Stolpersteine im Stadtgebiet zum Gedenken an die jüdische Bevölkerung bzw. die Opfer des Holocaust in der NS-Zeit gesetzt. Dies ist vor allem dem Engagement einiger Schüler und Lehrer der Alfred-Wegener Schule aus Kirchhain zu verdanken.

Eingemeindungen Am 1. Februar 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Anzefahr, Betziesdorf, Burgholz, Himmelsberg, Kleinseelheim, Niederwald und Schönbach auf freiwilliger Basis als Stadtteile eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Langenstein, Sindersfeld und Stausebach hinzu. Emsdorf und Großseelheim folgten durch Landesgesetz am 1. Juli 1974. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Kirchhain angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Marburg, Gericht Kirchhain (Gericht Kirchhain bestand aus den Orten: Kirchhain, Langenstein und Niederwald) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Marburg ab 1592: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Kirchhain 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Kirchhain ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kirchhain ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kirchhain 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Kirchhain ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74.Trennung von Justiz (Landgericht Marburg) und Verwaltung ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz endgültig getrennt. In Kirchhain wurde der Kreis Kirchhain für die Verwaltung eingerichtet und das Justizamt Kirchhain war als Gericht für Kirchhain zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain.Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220) Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011