mini|Maria Aurèlia Capmany
Maria Aurèlia Capmany i Farnés (* 3. August 1918 in Barcelona; † 2. Oktober 1991 ebenda) war eine spanische Romanistin, Dramatikerin und Essayistin aus Katalonien. Sie erhielt 1968 den Premi Sant Jordi de novel·la für ihr Werk Un lloc entre els morts und 1948 den Joanot-Martorell-Preis für El cel no és transparent. Von 1979 bis 1983 war sie Präsidentin des katalanischen P.E.N. Zudem war sie als Kulturaktivistin, Feministin und Antifranquistin aktiv. Hrsg.: Institut Català de les Dones, Barcelona, 2008.
Leben
Herkunft und Ausbildung mini|Maria Aurèlia Capmany mit 3 Jahren, daneben ihr Bruder Jordi Capmany wuchs in einer liberalen, intellektuellen, linken und katalanisch-nationalistisch gesinnten Familie auf. Sie war die Enkelin des Juristen und Schriftstellers Sebastià Farnés (1854–1934), dem Autor von der Paremiologia catalana comparada. Maria Aurèlia Capmany war die Tochter von Maria Farnés und Aureli Capmany (1868–1954), Volkskundler und Mitarbeiter bei verschiedenen Magazinen für Kinder. Sie hatte einen jüngeren Bruder. Die Familie lebte an der Rambla in Barcelona und betrieb ein Korbwarengeschäft. Maria Aurèlia Capmany absolvierte ein Studium der Philosophie und Literatur an der Universität Barcelona. Das Studium finanzierte sie durch ihre Arbeit als Glasschleiferin, eine Fertigkeit, die sie an der Massana-Schule in Barcelona erlernt hatte.
Zwischen 1944 und 1953 lehrte sie am Institut Isaac Albéniz in Badalona und von 1944 bis 1965 an der Escola Isabel de Villena in Barcelona. In den 1940er Jahren beteiligte sie sich an kulturellen Aktivitäten im Untergrund und hatte mit der Gruppe „Ariel“ Kontakt, die zwischen 1946 und 1951 eine gleichnamige literarisch-künstlerische Zeitschrift in Barcelona herausgab. 1952/53 erhielt sie ein Stipendium des Institut Français für das Collège de France und studierte an der Sorbonne.
Literatur In ihren frühen Werke stehen meist weibliche Protagonistinnen im Mittelpunkt. Die Handlung ist oft außerhalb Barcelonas angesiedelt. Capmany greift existenzialistischen Themen auf. Der Verzicht auf eine lineare Erzählweise macht das Gefühl der Entfremdung ihrer Figuren von der Welt deutlich. So verarbeitet sie die Situation in Katalonien während der Diktatur. In den 1960er Jahren entwickelte sich ihr Schaffen in Richtung einer stärker gesellschaftskritischen und historischen Erzählweise, weg vom Individuum. Barcelona wurde zum Schauplatz vieler Werke.
Capmany war 1947 Finalistin des Joanot-Martorell-Preises mit ihrem ersten Roman Necessitem morir (veröffentlicht im Jahr 1952). Sie erhielt diesen Preis 1948 für El cel no és transparent. Salvador Espriu zählte zu ihren Vorbildern. Der Roman L'altra ciutat aus dem Jahr 1955 ist von ihm stark inspiriert. Der 1956 veröffentlichte Roman Betúlia vollzog dann jedoch einen völligen Bruch mit dem vorangegangenen Roman.
Capmany hatte großen Erfolg als Erzählerin mit Romanen wie Betúlia, El gust de la pols und besonders Un lloc entre els morts. Der letztgenannte Roman wurde mit dem Premi Sant Jordi 1968 ausgezeichnet. 1981 erhielt sie den Ramon-Fuster-Preis, vergeben vom Col·legi Oficial de Doctors i Llicenciats en Filosofia i Lletres i en Ciències de Catalunya, und 1983 gewann sie den Premi Crítica Serra d’Or de Literatura Infantil i Juvenil mit El malefici de la reina d’Hongria.
Maria Aurèlia Capmany war eine vielseitige katalanische Schriftstellerin, die sich mit der Erzählung, Übersetzung, Theater, Essay und anderen Gattungen auseinandergesetzt hat. Sie arbeitete an feministischen Theorien und kämpfte für individuelle und kollektive Freiheiten. In ihren Publikationen (beispielsweise Feliçment jo sóc una dona von 1969), aber auch in ihrem öffentlichen Auftreten äußerte sie ihre feministische Einstellung.
Frauen werden in Texten und Mythen beschrieben und definiert. Capmany verglich die darin enthaltenen Bilder mit der gelebten Realität der Frauen ihrer Zeit. Sie beleuchtete, wie das Patriarchat weibliche Stereotype konstruiert und wie diese Stereotype in gesellschaftlichen Verhaltensweisen und Werten fortbestehen. Capmany kritisierte sexistische Zerrbilder und setzte sich gleichzeitig für eine Politik der Gleichstellung ein. Die Ideen vertiefte sie in ihrem literarischen Werk. Als Essayistin war sie bekannt für ihre feministischen Werke, wie z. B. La dona a Catalunya: consciència i situació im 1966, oder die Memoiren Pedra de toc (1 und 2), Mala memòria, und Això era i no era.
Theater Der Schriftsteller Jordi Sarsanedas bat Capmany um ein Theaterstück für die Agrupació Dramàtica de Barcelona. Das Stück Tu i l'hipòcrita, das daraufhin 1959 uraufgeführt wurde, war ihr erstes Werk als Theaterautorin. Ebenfalls im Jahr 1959 begründete sie mit Ricard Salvat die Schauspielschule Escola d’Art Dramàtic Adrià Gual. Dort hatte sie Leitung der Kurse für Literatur und Sprache inne. Capmany war als Schauspielerin und Regisseurin tätig. Zu ihren weiteren Uraufführungen gehörte z. B. Preguntes i respostes sobre la vida i la mort de Francesc Layret, ein in Zusammenarbeit mit Xavier Romeu entstandenes Stück über den Anwalt der katalanischen Arbeiterschaft. Capmany schrieb auch eine Reihe von gesellschaftskritischen Kabarettstücken, die im „La Cova del Drac“, einem heute nicht mehr vorhandenen Lokal in der Carrer Tuset in Barcelona, präsentiert wurden. Dazu gehören Dones, flor i pitança aus dem Jahr 1968, La cultura de la Coca-cola aus 1969 und Ca, barret! o varietates de varietate i tot és varietate aus 1984, die alle in Zusammenarbeit mit Jaume Vidal Alcover entstanden. Maria Aurèlia Capmany verfasste regelmäßig Presseartikel.
Politik Capmany war eine feministische, kulturelle und politische Aktivistin, die in zahlreichen Organisationen, Institutionen und Verbänden wirkte. Sie nahm am Míting de la Llibertat (22. Juni 1976) sowie an der konstituierenden Sitzung des Partit Socialista de Catalunya-Congrés (PSC-C) im November 1976 teil. Dort gehörte sie zur Grup d’Independents pel Socialisme (GIS) von Alexandre Cirici Pellicer. Capmany war für die Partit dels Socialistes de Catalunya (PSC) ab 1983 bis zu ihrem Tod Kulturstadträtin der Stadt Barcelona und Mitglied des Provinzialrats von Barcelona. In ihrer Verantwortung lag der Umbau und das Programm des Mercat de les Flors sowie der Entwurf der Architektin Gae Aulenti für den Umbau des Palacio Nacional de Montjuic zum Museu Nacional d’Art de Catalunya. Ab 1987 übernahm sie das Amt der Beauftragten für Verlagswesen und Publikationen der Stadt Barcelona. Sie war von 1983 bis zu ihrem Tod Mitglied der Diputació de Barcelona. Capmany war auch Mitglied der Associació d’Escriptors en Llengua Catalana und Präsidentin des katalanischen P.E.N.
Ehrungen mini|Bibliotek Maria Aurèlia Capmany mini|Bürgerzentrum Maria Aurèlia Capmany, Terrassa Nach Capmany wurden mehrere Straßen benannt. Es gibt mit Beschluss vom 23. Dezember 1996 eine Carrer de Maria Aurèlia Capmany in Barcelona. Auch in Lloret de Mar in der Provinz Girona, Montgat, Reus, Granollers, Tarragona, Castelldefels, Palau-solità i Plegamans und Sant Celoni gibt es nach ihr benannte Straßen (Aufzählung nicht vollständig). In Sant Boi de Llobregat wurde die Maria-Aurèlia-Capmany-Bibliothek am 11. September 1993 eingeweiht. Im Stadtviertel La Maurina von Terrassa befindet sich das Bürgerzentrum Maria Aurèlia Capmany.
Privates Capmany lehnte es ab, ihre Identität und Lebensziele auf Ehe und Mutterschaft auszurichten und ging einen unabhängigen Weg. Seit den späten sechziger Jahren lebte sie mit dem Schriftsteller Jaume Vidal Alcover (1923-1991) zusammen, der wenige Monate vor ihr starb. Capmany erkrankte an Brustkrebs. Sie starb am 2. Oktober 1991 mit 73 Jahren in Barcelona.
Preise
1948: Joanot-Martorell-Preis 1952: Narcís-Oller-Preis 1957: Josep-Yxart-Preis 1968: Premi Sant Jordi de novel·la 1972: Crítica Serra d'Or für Theater 1979: Auszeichnung des italienischen Außenministeriums 1980: Premi Ramon Fuster 1982: Crítica Serra d'Or für Kinder- und Jugendliteratur 1982: Creu de Sant Jordi
Werke
Roman
ISBN 978-84-722-2923-5 Un lloc entre els morts. Edicions 62, Barcelona 1990. ISBN 978-84-297-3071-5 Un lloc entre els morts. Proa, Barcelona 1999. ISBN 978-84-825-6879-9 Feliçment, jo sóc una dona. Nova Terra, Barcelona 1969. Feliçment, jo sóc una dona. Laia, Barcelona 1983. Feliçment, jo sóc una dona. Barcanova, Barcelona 1994. ISBN 978-84-489-4636-4 Feliçment, jo sóc una dona. Barcanova, Barcelona 2011. ISBN 978-84-489-2839-1 Vitrines d’Amsterdam. Club Editor, Barcelona 1970. Quim-Quima. Estela, Barcelona 1971. Quim-Quima. Laia, Barcelona 1977. Quim-Quima. Plaza-Janes, Barcelona 1986. ISBN 978-84-320-3704-7 Quim-Quima. Males Herbes, Barcelona 2025. ISBN 979-13-990-1465-5 El jaqué de la democràcia. Nova Terra, Barcelona 1972. El jaqué de la democràcia. La Magrana, Barcelona 1987. ISBN 978-84-741-0306-9 Vés-te’n ianqui. Laia, Barcelona 1980. ISBN 978-84-722-2929-7 Vés-te’n ianqui. Barcanova, Barcelona 2006. ISBN 84-489-1621-2 Lo color més blau. Planeta, Barcelona 1983. El cap de Sant Jordi. Planeta, Barcelona 1988. ISBN 84-320-3532-7
Erzählungen Com una mà. Moll, Palma de Mallorca 1952. Cartes impertinents de dona a dona. Moll, Palma de Mallorca 1971. Numnius Dexter Optatur, Papa de Roma. Tarot, Barcelona 1971. Coses i noses. : La Magrana, Barcelona 1980. mit Pere Calders: Fumar o no fumar: vet aquí la qüestió. Destino, Barcelona 1988. ISBN 978-84-233-1700-4 Aquelles dames d’altres temps. Planeta, Barcelona 1990. ISBN 978-84-320-3539-5 mit Montserrat Roig: De veu a veu: contes i narracions. Cercle de Lectors, Barcelona 2001. ISBN 978-84-226-9057-3
Kinder- und Jugendliteratur Anna, Bel i Carles. Lumen, Barcelona 1971. Ni teu, ni meu. La Galera, Barcelona 1972. L’alt rei en Jaume. Aymà, Barcelona 1977. Àngela i els vuit mil policies. Laia, Barcelona 1981. El malefici de la reina d’Hongria o Les aventures dels tres patrons de nau. Barcanova, Barcelona 1982. El malefici de la reina d’Hongria o Les aventures dels tres patrons de nau. Barcanova, Barcelona 2005. ISBN 978-84-489-1793-7 Contes. Publicacions de l’Abadia de Montserrat, Barcelona 1993. ISBN 978-84-7826-480-3 La rialla del mirall. Empúries, Barcelona 1989. ISBN 978-84-759-6191-0
Theaterwerke Tu i l’hipòcrita. Moll, Palma de Mallorca 1960. Vent de garbí i una mica de por. Moll, Palma de Mallorca 1968. mit Xavier Romeu i Jover: Preguntes i respostes sobre la vida i la mort de Francesc Layret, advocat dels obrers de Catalunya. Edicions * Catalanes de París, Paris 1970. mit Xavier Romeu i Jover: Preguntes i respostes sobre la vida i la mort de Francesc Layret, advocat dels obrers de Catalunya. Moisés Pérez Coterillo, Madrid 1976. mit Xavier Romeu i Jover: Preguntes i respostes sobre la vida i la mort de Francesc Layret, advocat dels obrers de Catalunya. Institut del Teatre-Diputació de Barcelona, Barcelona 1992. ISBN 978-84-779-4201-6 L’ombra de l’escorpí. Gorg, València 1974. El cavaller Tirant. Edebé, Barcelona 1974. Tirant lo Blanc. Eliseu Climent / 3i4, València 1980. mit Jaume Vidal Alcover: Ca, barret! Moll, Palma de Mallorca 1984. ISBN 84-273-0452-8
Essay mit Manuel de Pedrolo, Jordi Sarsanedas, Joan Perucho, Josep M. Espinàs: Cita de narradors. Selecta, Barcelona 1958. mit A. Basté (Bilder): Historias de Barcelona. Barrigotic, Barcelona 1963. La dona a Catalunya: consciència i situació. Edicions 62, Barcelona 1966. Dia sí, dia no: apunts sobre la nostra societat actual. Llibres de Sinera, Barcelona 1968. La dona catalana. Mateu, Barcelona 1968. Els vells. Mateu, Barcelona 1968. La joventut és una nova classe? Edicions 62, Barcelona 1969. El feminismo ibérico. Oikos-tau, Vilassar de Mar 1970. De profesión mujer. Plaza & Janés, Esplugues de Llobregat 1971. Salvador Espriu. Dopesa, Barcelona 1972. El feminisme a Catalunya. Nova Terra, Barcelona 1973.