Die Landtagswahl in Sachsen 2019 am 1. September 2019 war die siebte Wahl zum Sächsischen Landtag seit der Neugründung des Freistaates Sachsen 1990. Am selben Tag fand die Landtagswahl in Brandenburg statt.

Wahlberechtigt waren 3,28 Mio. Menschen. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,5 %.

Die Wahl veränderte die politischen Verhältnisse im Freistaat grundlegend. Linke, CDU und SPD mussten massive Verluste hinnehmen, Gewinner der Wahl war die AfD, die ihre Stimmenzahl verdreifachen konnte und über 27 % der Stimmen erhielt. Die CDU blieb stärkste Partei, die SPD erzielte das schlechteste Ergebnis bei deutschen Landtagswahlen seit 1945 und landete mit 7,7 % auf dem fünften Platz. Die Grünen verzeichneten Gewinne. Die einzige verbliebene mögliche Koalition ohne Beteiligung der Linkspartei und der AfD war eine solche aus CDU, Grünen und SPD.

Gewählt wurden 119 Abgeordnete aus fünf Parteien, die am 1. Oktober 2019 den 7. Sächsischen Landtag konstituierten.

Ausgangssituation Bei der Landtagswahl 2014 erhielt die CDU 39,4 % der Stimmen, die Linke 18,9 %, die SPD 12,4 %, die AfD 9,7 %, die Grünen 5,7 %, die NPD 4,9 % und die FDP 3,8 %. CDU und SPD schlossen einen Koalitionsvertrag; Stanislaw Tillich (CDU) wurde als Ministerpräsident wiedergewählt und bildete das Kabinett Tillich III. Martin Dulig (SPD) wurde Stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.

Bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 erhielt die CDU in Sachsen 26,9 % der Zweitstimmen; die AfD lag mit 27,0 % knapp davor. Tillich trat daraufhin als Ministerpräsident und Parteivorsitzender zurück; beide Ämter übernahm im Dezember 2017 Michael Kretschmer.tagesspiegel.de vom 12. Dezember 2017: Tillich-Nachfolger: Michael Kretschmer ist neuer Ministerpräsident von Sachsen

Bei der Europawahl 2019 erhielt die AfD in Sachsen 25,3 %, die CDU dagegen nur 23 %. Die CDU fuhr damit ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Wahl in Sachsen seit 1990 ein. Auch bei der Kommunalwahl im Mai verlor die CDU viele Stimmen, während vor allem die AfD an Stimmen gewann.

Teilnehmende Parteien

Landeslisten und Kreiswahlvorschläge waren bis zum 27. Juni 2019 einzureichen. Parteien, die nicht im Bundestag oder einem Landtag vertreten waren, mussten zur Zulassung der Landesliste 1000 Unterstützungsunterschriften vorlegen; für einen Kreiswahlvorschlag genügten die Unterschriften von 100 Wahlberechtigten.

Am 5. Juli 2019 entschied der Landeswahlausschuss über die Zulassung der eingereichten Landeslisten an der Landtagswahl. Von der Liste der Partei Bündnis 90/Die Grünen wurde ein Kandidat gestrichen, bei der Partei der Vernunft drei. Bei der AfD wurde die Liste nur mit ihren ersten 18 Bewerbern zugelassen. Die AfD hatte ihre Landesliste auf zwei Versammlungen vom 8. bis 10. Februar 2019 (Listenplätze 1 bis 18) und vom 15. bis 17. März 2019 (Plätze 19 bis 61) aufgestellt. Nach Ansicht des Landeswahlausschusses habe es sich bei der zweiten Versammlung nicht um die Fortsetzung der ersten gehandelt, sondern um eine von der ersten getrennte Versammlung, was unzulässig sei. Außerdem wurde eine Änderung des Wahlverfahrens bei der zweiten Versammlung beanstandet.

Am 10. Juli reichten sechs der gestrichenen AfD-Listenkandidaten beim Sächsischen Verfassungsgerichtshof dagegen Beschwerde ein und stellten Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Entscheidung des Wahlausschusses. Eine weitere Verfassungsbeschwerde legte ein Bürger ein, zudem kündigte die AfD die parallele Anrufung des Bundesverfassungsgerichts an. Am 25. Juli wurde durch den Sächsischen Verfassungsgerichtshof eine einstweilige Anordnung erlassen, nach der die Listenplätze 19 bis 30 zuzulassen sind, weil deren Streichung „mit hoher Wahrscheinlichkeit rechtswidrig“ gewesen sei.

Die Landeslisten folgender Parteien wurden zur Wahl zugelassen:

Kürzel Partei Spitzenkandidat CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands Michael Kretschmer DIE LINKE Die Linke Rico Gebhardt SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands Martin Dulig AfD Alternative für Deutschland Jörg Urban GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen Katja Meier und Wolfram Günther NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands Peter Schreiber FDP Freie Demokratische Partei Holger Zastrow FREIE WÄHLER Freie Wähler Cathleen Martin Tierschutzpartei Partei Mensch Umwelt Tierschutz Jürgen Wunderlich PIRATEN Piratenpartei Deutschland Knut Michael Die PARTEI Die PARTEI Tom Rodig BüSo Bürgerrechtsbewegung Solidarität Michael Gründler ADPM Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland Egbert Ermer Blaue #TeamPetry Die blaue Partei Frauke Petry KPD Kommunistische Partei Deutschlands Torsten Reichelt ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei Sebastian Högen Die Humanisten Partei der Humanisten Dominic Ressel PDV Partei der Vernunft Thomas Flach Gesundheitsforschung Partei für Gesundheitsforschung Andreas Kabus Nicht zur Wahl zugelassenMDR: AfD Sachsen will nach Listendebakel klagen wurden die Landeslisten von Demokratie in Bewegung, weil sie nicht die nötigen 1000 Unterstützerunterschriften erreichte Der III. Weg, weil die politische Vereinigung nicht über die nötigen Strukturen verfüge, um als Partei zu gelten

Wahlergebnisse mini|1118x1118px|Die Stimmenmehrheiten der Erststimmen (l.) und Zweitstimmen (r.) in den Wahlkreisen|ohne

N/A: die Partei wurde vor 2014 gegründet. – Neu: die Partei wurde nach 2014 gegründet. Wahlergebnis in den Gemeinden und kreisfreien Städten Die folgenden Karten zeigen die (relativen) Mehrheiten der Direktstimmen (l.) und Listenstimmen (r.) in den Gemeinden, sowie den Stadt- bzw. Ortsteilen der kreisfreien Städte.

CDUAfDLinkeGrüneFreie WählerSonstiges

Wählerstimmen 2014 gegenüber 2019 – Wahlverhalten (Schätzung) +Wahlverhalten 2014 gegenüber 2019 (nach Anzahl der Wähler) (Quelle: Infratest dimap/ARD (Schätzung auf Basis von Vor- und Nachwahlbefragungen, Wahl- und Bevölkerungsstatistiken))2014 (Wähler)CDU 2019Linke 2019SPD 2019AfD 2019Grüne 2019FDP 2019Andere Parteien 2019Nichtwähler 2019VerstorbenUmgezogenCDU (645.000) 390.0006.00012.00084.00017.00016.00012.00023.00061.00024.000Linke (309.000)30.000141.00019.00027.00015.0006.00013.00015.00032.00011.000SPD (203.000)34.00013.00073.00010.00018.0005.0005.00018.00019.0008.000AfD (159.000)3.0001.000125.0002.0004.0005.00011.0008.000Grüne (93.000)13.0003.0005.0002.00052.0001.0005.0002.0004.0006.000FDP (62.000)13.0001.0001.0008.0001.00023.0003.0004.0005.0003.000Andere Parteien (165.000)13.0004.0003.00038.0005.0001.00067.00014.0008.00012.000Nichtwähler (1.738.000)162.00037.00041.000246.00032.00028.00058.000907.000129.00098.000Erstwähler (2019) (170.000)12.00011.0005.00017.00020.0007.00024.00074.000Zugezogene (184.000)26.0009.0007.00038.00027.00010.0008.00059.000Insgesamt696.000226.000166.000595.000187.00099.000199.0001.121.000269.000170.000

Umfragen Sonntagsfrage InstitutDatum Landtagswahl 2019 01.09.2019 32,1 % 10,4 % 7,7 % 27,5 % 8,6 % 4,5 % 3,4 % 5,8 % Forschungsgruppe Wahlen 29.08.2019 32 % 14 % 8,5 % 24,5 % 11 % 5 % — 5 % INSA 27.08.2019 29 % 15 % 8 % 25 % 11 % 5 % 4 % 3 % Forschungsgruppe Wahlen 23.08.2019 31 % 14 % 9 % 25 % 10 % 5 % — 3 % Infratest dimap 22.08.2019 30 % 16 % 7 % 24 % 11 % 5 % 4 % 3 % FB Czaplicki 20.08.2019 28 % 16 % 8 % 26 % 13 % 5 % 3 % 1 % INSA 06.08.2019 28 % 16 % 8 % 25 % 12 % 5 % — 6 % Infratest dimap 02.07.2019 26 % 15 % 9 % 26 % 12 % 5 % 3 % 4 % IM Field / FB Czaplicki 15.06.2019 24 % 15 % 8 % 24 % 14 % 6 % 4 % 5 % INSA 13.06.2019 24 % 16 % 7 % 25 % 16 % 6 % 4 % 2 % INSAAfD in Sachsen auf neuem Hoch, auf wallstreet:online 26.04.2019 28 % 16 % 10 % 26 % 9 % 6 % 3 % 2 % INSA 05.04.2019 28 % 17 % 9 % 25 % 9 % 6 % — 6 % IM Field / FB Czaplicki 22.03.2019 27 % 17 % 11 % 18 % 16 % 5 % 2 % 4 % 2015 – 2018 Institut Datum INSA 17.12.2018 29 % 18 % 10 % 25 % 9 % — 6 % 3 % IM Field 23.11.2018 29 % 17 % 11 % 24 % 8 % — 6 % 5 % uniQma 07.09.2018 28,9 % 18,6 % 11,4 % 23,9 % 6,8 % — 5,6 % 4,5 % INSA 30.08.2018 28 % 18 % 11 % 25 % 7 % — 7 % 4 % Infratest dimap 28.08.2018 30 % 18 % 11 % 25 % 6 % — 5 % 5 % INSA 12.06.2018 32 % 19 % 9 % 24 % 6 % — 6 % 4 % IM Field 07.12.2017 33 % 18 % 12 % 23 % 4 % — 7 % 3 % IM Field, auf sz-online.de, abgerufen am 1. November 2017. 31.10.2017 31 % 17 % 14 % 21 % 4 % — 7 % 5 % Infratest dimap 22.06.2017 41 % 15 % 10 % 21 % 4 % — 5 % 4 % Infratest dimap 22.11.2016 34 % 16 % 12 % 25 % 7 % — — 6 % INSA 05.10.2016 37,5 % 16 % 13 % 21,5 % 6 % 1,5 % 2 % 2,5 % Infratest dimapWahlrecht.de: Wahlumfragen zur Landtagswahl in Sachsen. 16.09.2015 38 % 17 % 13 % 13 % 7 % 5 % 3 % 4 % Landtagswahl 2014 31.08.2014 39,4 % 18,9 % 12,4 % 9,7 % 5,7 % 4,9 % 3,8 % 5,1 % Landtagswahl 2014 31.08.2014 39,4 % 18,9 % 12,4 % 9,7 % 5,7 % 3,8 % 1,6 % 8,4 %

Verlauf mini|links|hochkant=4|Sonntagsfragen zur Landtagswahl von Infratest Dimap (D), IM Field (M), INSA (I), Forschungsgruppe Wahlen (G), FB Czaplicki (C) und uniQma (Q) und Ergebnis der Wahl 2014.

Direktwahl Ministerpräsident Institut Datum 63px (CDU) 62px(Die Linke) 66px(AfD) Forschungsgruppe Wahlen, auf Forschungsgruppe.de.de 01.09.2019 57 % 9 % — 60 % — 12 % Forschungsgruppe Wahlen, auf Forschungsgruppe.de.de 29.08.2019 62 % 9 % — 67 % — 9 % Forschungsgruppe Wahlen, auf Forschungsgruppe.de.de 23.08.2019 65 % 8 % — 68 % — 9 %

Umfragen zur bevorzugten Koalition Die Prozentzahlen der uniQma-Umfrage geben an, welcher Anteil an Befragten die jeweilige zur Auswahl stehende Koalition am meisten wünschen würde. Die fehlenden Werte zu 100 % machten keine Angabe. Die Werte der Umfrage von Infratest dimap geben die Meinung der Befragten wieder, welche der abgefragten Koalitionen sie positiv bewerten (negativ CDU/SPD 62 %, CDU/SPD/GRÜNE/FDP 64 %, CDU/AfD 70 %).

Institut Datum CDUSPD CDUSPDGrüneFDP CDUGrüneSPD CDUAfD CDUGrüneFDP CDULinke CDUFDPBlaue Sachsentrend: CDU und AfD gleichauf, auf mdr.de, abgerufen am 2. Juli 2019. 02.07.2019 36 % 32 % — — — 27 % — — — uniQmaAfD zweitstärkste Kraft in Sachsen – keine Mehrheit für Schwarz-Rot, auf lvz.de, abgerufen am 7. September 2018. 07.09.2018 — — 18,7 % 14,9 % 13,5 % 12,1 % 7,8 % 3,0 % 2,6 %

Koalitionsaussagen In Betracht gezogene Koalition SitzeSitze gesamt 119 Absolute Mehrheit (ab 60 Sitzen)             CDU, Grüne, SPD 67 Der Ministerpräsident Michael Kretschmer schloss für die CDU vor der Wahl jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD und der Linkspartei aus. SWR vom 23. August 2019 Die Grünen zeigten sich offen für eine Koalition mit der CDU.Habeck liebäugelt mit sächsischer CDU ntv 24. August 2019 Nachdem der SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig zunächst keinen Koalitionswahlkampf hatte führen wollen, warb er eine Woche vor dem Wahltermin doch noch für eine Koalition mit CDU und Grünen.SPD-Spitzenkandidat Dulig wirbt für Kenia-Bündnis in Sachsen Freie Presse vom 27. August 2019 Für die FDP schloss der Spitzenkandidat Holger Zastrow Koalitionen mit der AfD und der Linkspartei ebenfalls aus.FDP-Spitzenkandidat Zastrow schließt Koalition mit AfD und Linkspartei aus MDR vom 6. August 2019

Der bisherige Ministerpräsident Kretschmer bildete im Dezember 2019 das durch diese Wahl legitimierte Kabinett Kretschmer II in einer Kenia-Koalition mit Grünen und der SPD.

Partei- und Fraktionsaustritte nach der Wahl

Nach der Wahl änderte sich die Landtagszusammensatzung durch Partei- und Fraktionsaustritte.

Am 17. April 2021 traten die sächsischen AfD-Abgeordneten Christopher Hahn und Wolfram Keil aufgrund der Corona-Politik aus der Partei und Fraktion aus und blieben als fraktionslose Abgeordneten im Sächsischen Landtag. Am 21. Dezember 2022 erklärte der AfD-Abgeordnete Ivo Teichmann ebenfalls seinen Partei- und Fraktionsaustritt und blieb als fraktionsloser Abgeordneter. Anfang 2024 trat Roland Ulbrich aus der AfD-Fraktion aus und Stephan Hösl verließ die CDU und wechselte zu den Freien Wählern. Beide sind seitdem fraktionslos.

Siehe auch Liste der Mitglieder des Sächsischen Landtags (7. Wahlperiode)

Literatur