Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss ist eine vierteilige US-amerikanische TV-Mini-Serie aus dem Jahr 1978 von Marvin J. Chomsky. Sie erzählt die fiktive Geschichte der jüdischen Berliner Arztfamilie Weiss zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Serie wurde im Januar 1979 auch in der Bundesrepublik Deutschland ausgestrahlt, erreichte ein großes Publikum und führte zu einer breiten Diskussion über die nationalsozialistische Vergangenheit.Jens Müller-Bauseneik: (PDF) In: Historical Social Research / Historische Sozialforschung (HSR), 30, 2005, Nr. 4.Sandra Schulz: (PDF) In: Historical Social Research / Historische Sozialforschung (HSR), 32, 2007, Nr. 1. Im März 1979 erfolgte die Ausstrahlung im österreichischen ORF.Lukas Wieselberg: „Holocaust“: Meilenstein der Erinnerung auf orf.at vom 4. Dezember 2016, abgerufen am 17. Januar 2019. Danach wurde der Begriff Holocaust für den Genozid an den europäischen Juden auch im Deutschen gebräuchlich. Im Januar 2019 war die Serie 40 Jahre nach der Erstausstrahlung in den Programmen von WDR, NDR, SWR sowie One erneut zu sehen. Die bislang letzte Ausstrahlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erfolgte am 26./27. Januar 2025 auf Phoenix anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.Hinweis in der ARD-Mediathek.
Inhalt Überblick Die vier Teile tragen folgende Titel und behandeln folgende Jahre: (→ US-amerikanische Titel und Erstausstrahlung)
Nr. Deutscher Titel Originaltitel Jahre Länge US-Erstausstrahlung deutscheErstausstrahlung 1 Die hereinbrechende Dunkelheit The Gathering Darkness 1935–1940 135 Minuten 16. April 1978 22. Januar 1979 2 Die Straße nach Babi Yar The Road to Babi Yar 1941–1942 94 Minuten 17. April 1978 23. Januar 1979 3 Die Endlösung The Final Solution 1942–1944 89 Minuten 18. April 1978 25. Januar 1979 4 Die Überlebenden The Saving Remnant 1944–1945 101 Minuten 19. April 1978 26. Januar 1979
Teil 1 Berlin im Jahr 1935: Kunstmaler Karl Weiss und Inga Helms heiraten. Beide sind deutsche Staatsbürger, doch gilt die Verbindung den Nationalsozialisten nach Inkrafttreten der Nürnberger Rassegesetze als „Mischehe“, da Karls Eltern – Josef und Berta Weiss – jüdischer Herkunft sind. Bei der Hochzeit anwesend sind auch Bertas Eltern, Herr und Frau Palitz. Bertas Vater Heinrich begegnet dort Heinz Müller, einem gelernten Schlosser und NSDAP-Mitglied.
Der Jurist Erik Dorf ist der Sohn eines Bäckers und Sozialdemokraten, der sich, durch die Inflation verarmt, das Leben genommen hat. Nicht aus Überzeugung, sondern wegen seiner Arbeitslosigkeit und auf Drängen seiner Frau tritt Erik Dorf 1935 der SS bei, bei der er 1938 zum persönlichen Referenten Heydrichs aufsteigt, den er auch politisch berät. Auch auf Anraten Dorfs werden die Novemberpogrome eingeleitet und die Juden nun systematischer Verfolgung ausgesetzt.
Zuvor sucht Dorf den Arzt Josef Weiss auf, der ihn und seine Familie oft unentgeltlich ärztlich behandelt hat, und rät ihm dringend, Deutschland zu verlassen. Weiss will jedoch seine jüdischen Patienten nicht im Stich lassen und meint, es könne für die Juden in Deutschland nicht schlimmer kommen. Dennoch erörtert er die Frage mit seiner Frau, die sich dafür ausspricht, in Deutschland zu bleiben. In der „Reichskristallnacht“ wird auch die Buchhandlung von Berta Weiss’ Vater demoliert. Danach ziehen ihre Eltern zu ihrer Tochter, weil sie alles verloren haben.
Karl Weiss wird in das KZ Buchenwald deportiert. Ihm wird unterstellt, „jüdischer Kommunist“ zu sein und als „jüdischer Schmierant“ für die bolschewistische Propaganda Karikaturen zu zeichnen. Weil er auch Stoffmuster entworfen hat, bringt man ihn zunächst in der Schneiderei unter. Als er sich mit dem jüdischen Kapo Melnick um ein Stück Roggenbrot prügelt, wird er zusammen mit dem Mithäftling Weinberg an den Pfahl gehängt. Weinberg sieht in der Folter den Sinn, „ein heiliger Zeuge“ zu sein, wenn er überlebt.
Josef Weiss setzt sich bei Erik Dorf für Karls Freilassung ein, doch Dorf weist ihn ab. Bereits am nächsten Tag erhält Josef Weiss, der ursprünglich aus Polen kommt und die deutsche Staatsbürgerschaft nie erworben hatte, Besuch von der Fremdenpolizei und wird in sein Herkunftsland abgeschoben. Am Bahnhof verabschiedet er sich von seiner Frau und beschwört sie, dass ihre gemeinsame Liebe alle Widrigkeiten überstehen wird – amor vincit omnia. Nachdem Arztpraxis und Wohnung der Familie Weiss aufgelöst worden sind, nehmen sich die Eltern von Berta Weiss mit Gift das Leben. Berta zieht mit den gemeinsamen Kindern Rudi und Anna bei der Familie Helms ein. Nachdem Rudi Weiss die Familie verlassen hat, wird seine 16-jährige Schwester Anna auf der Straße von drei SA-Männern vergewaltigt. Sie erleidet einen schweren Schock und fällt in Apathie. Unter dem Vorwand der Behandlung wird sie in die NS-Tötungsanstalt Hadamar gebracht, wo sie vergast und so zu einem Opfer der „Euthanasie“ wird.
Rudi Weiss kommt in die Tschechoslowakei, wo er in Prag die ebenfalls jüdische Helena Slomová trifft und sich in sie verliebt. Weil deren Vater nach Palästina auswandern wollte, galt er als „zionistischer Agent“ und wurde zusammen mit seiner Frau nach Polen deportiert. Obwohl Helena Slomová zuerst auch nach Palästina auswandern will, entschließt sie sich schließlich, nach dem Vorbild der biblischen Ruth ihrem Geliebten zu folgen – „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen“.Holocaust, Teil 1 (Die hereinbrechende Dunkelheit), auf YouTube.
Teil 2 Im Jahr 1941 haben die deutschen Truppen weite Teile Osteuropas besetzt und dort Konzentrationslager errichtet. Karl Weiss, der immer noch im KZ Buchenwald gefangen ist, wird nach der Prügelei zur Strafe in den Steinbruch verlegt. Inga Weiss möchte Briefkontakt zu ihrem Mann aufnehmen. Dies geht jedoch nur, wenn sie vorher mit Heinz Müller schläft, der sich als „Postbote“ angeboten hat. Müller prahlt gegenüber Karl, mit dessen Frau geschlafen zu haben. Als Karl Weiss daraufhin den Briefkontakt zu seiner Frau einstellen möchte, droht Müller ihm damit, dass er einer der Lustknaben des Kommandanten Engelmann werden wird, der sich einen „Privatharem junger Männer“ hält. Schließlich wird Karl Weiss als Kunstmaler in die „Künstlerabteilung“ des Lagers verlegt und vergleicht auch dies mit Prostitution – „was die für Huren aus uns machen“.
Josef Weiss, Mitglied des Judenrates, ist auf den chassidischen Rabbi Korsch angewiesen, der sich im Sinne der Sozialfürsorge um eine verzweifelte junge Mutter kümmert, die im Zug nach Warschau deportiert wurde. Sie möchte ihren Säugling nicht hergeben, obwohl das Kind unterwegs verstorben ist. Josef als Arzt arbeitet auf der Kinderstation des jüdischen Krankenhauses im Warschauer Ghetto, die er zusammen mit der Krankenschwester Sarah Olnich betreut. Olnich wird von der jüdischen Ghettopolizei exekutiert, weil sie für die kranken Kinder Lebensmittel in das Ghetto geschmuggelt hat. Während der Hinrichtung beten die Juden für sie das Kaddisch. Josef Weiss holt seine Frau Berta am Warschauer Bahnhof ab; dabei erzählt sie ihm vom Tod der Tochter Anna. Die Wahrheit verschweigend, berichtet sie, dass Anna in der Wohnung plötzlich erkrankt sei und mangels Medizin im Schlaf an Pneumonie gestorben sei. Berta Weiss wird Musiklehrerin in der Schule des Ghettos und unterrichtet hier unter anderem den 13-jährigen Aaron Feldmann, der im Ghetto lebt und sich wie Olnich auch als Schmuggler betätigt.
Rudi Weiss und Helena Slomová passieren die Grenze nach Ungarn und gelangen in die Sowjetunion. Bei einem sowjetischen Kommandanten geben sie vor, jüdische Kommunisten zu sein. Nachdem Helena dem Kommandanten zum Beweis den sozialistischen Bruderkuss gegeben hat, erlaubt er dem Paar, nach Kiew zu gehen. Doch nach dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion sind sie auch dort nicht mehr sicher. In Kiew retten sie Hans Helms das Leben, der nach einer Detonation unter Schutt begraben liegt, graben ihn aus und bringen ihn zu seinen Kameraden. Helms gibt die jüdische Herkunft des Paares preis. Sie werden darauf mit den anderen Juden Kiews in die Schlucht von Babyn Jar gebracht, können jedoch unterwegs fliehen. Sie werden Zeugen des Massakers von Babyn Jar. Erik Dorf beaufsichtigt unterdessen zusammen mit dem SS-Führer Paul Blobel das Massaker. Der ausbleibende Widerstand der Juden Kiews bei dem Massaker gilt bei Blobel als Beweis dafür, dass sie „kein Recht haben, zu leben“. Dorf widerspricht nicht. Rudi Weiss ist überzeugt, dass später niemand den Berichten über das Massaker glauben wird: „Lüge … weil Menschen so etwas mit Menschen nicht tun.“ Während das Paar später in einem Versteck über die Probleme einer künftigen Staatsgründung Israels diskutiert, wird es von Mitgliedern der jüdischen Partisanengruppe von Shitomir gefunden.
Dorf ist unterdessen an der Ostfront, um den Massenmord zu dokumentieren. Er ist an der Planung der Massenermordung der europäischen Juden beteiligt und erarbeitet Methoden, wie die Ermordung systematisch umgesetzt werden kann. Auf der Wannseekonferenz wird die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen, und Dorfs Bedeutung als Berater Heydrichs, aber auch von Heinrich Himmler wächst.Holocaust, Teil 2 (Die Straße nach Babi Yar), auf YouTube.
Teil 3 Es erfolgt der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg. Karl Weiss wird aus dem KZ Buchenwald in das KZ Theresienstadt verlegt und hält die dortigen Verhältnisse in Zeichnungen fest. Inga Weiss bittet Müller, auch in dieses KZ gebracht zu werden. Wegen ihres Verhältnisse mit Müller begegnet Karl Weiss seiner Frau zunächst mit Verachtung. Sie erklärt, dass er „anders [sei] als die anderen“ und dass ihm nur die Liebe die Kraft gebe zu überleben. Daraufhin verzeiht er seiner Frau und gesteht, dass er das KZ ohne ein Zeichen von ihr nicht überlebt hätte – der Weg der Übermittlung sei unwichtig. Sie erzählt von Josef Weiss’ Überzeugung, dass gemeinsame Liebe alle Widrigkeiten überstehen könne – „amor vincit omnia“. Als Karls Zeichnungen entdeckt werden, wird er gefoltert – ihm werden beide Hände gebrochen.
Rudi Weiss und Helena Slomová gelangen zu dem jüdischen Partisanenlager, in dem die überlebenden Juden aus Shitomir, Berditschew und Koritz leben und wo das Paar heiratet. Die Partisanen sind wie eine Familie für das Paar; während Nadja der Braut den Trauring ihrer ermordeten Schwester schenkt, berät Onkel Sascha wie ein Vater den Bräutigam in Fragen der Familienplanung. Der säkulare Rabbi Samuel ruft auch zum bewaffneten Widerstand auf und zitiert dazu eine Stelle aus dem 1. Buch Samuel, in dem David seinen Leuten gebietet, sich mit ihren Schwertern zu gürten. Rudi nimmt mit anderen Partisanen an Überfällen unter anderem auf die ukrainische Miliz teil, zweifelt aber nach dem Überfall am Sinn des Tötens. Helena Weiss sieht den Sinn in einem späteren gemeinsamen Leben in Palästina und glaubt, dass ihre gemeinsame Liebe vom Schicksal vorbestimmt und ihr Überleben daher gesichert sei: „Wir werden nicht sterben.“ Bei einem Angriff auf das deutsche SS-Hauptquartier im Reichskommissariat Ukraine, bei dem die Partisanen das Munitionsdepot plündern, wird Rudi Weiss angeschossen. Seine Frau spricht sich gegen weitere Aktionen der Partisanen aus, da sie um sein Leben fürchtet. Da sie jedoch inzwischen den Glauben an das Überleben verloren hat, entscheidet sie sich schließlich, ihren Mann künftig bei Überfällen zu begleiten.