mini|Paul Reiner, um 1930 Paul Reiner (* 3. Februar 1886 auf dem Bleiweishof (Gutshof) bei Nürnberg,Geburtsregister Paul Reiner, Standesamt Nürnberg, C 27/IV Nr. 721 Rge.24; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Auskunft durch Frau Augsten, 25. Januar 2021; Zitiert nach: Faksimiles der Originaldokumente aus dem Nachlass des Dr. Paul Reiner, Schweiz. – Das Geburtsdatum variiert in den zeitgenössischen Originaldokumenten; das Schulzeugnis der evangelischen Werktagsschule von 1896 weist den 4. Februar 1886 als Geburtstag aus, das Zeugnis der Befähigung für das höhere Lehramt den 3. Februar 1886. Letzteres nennt den Bleiweishof (in weiteren Dokumenten teils in der Schreibweise Bleiweisshof), einen Gutshof bei Nürnberg, als Geburtsort. Spätere Originaldokumente und wissenschaftliche Sekundärliteratur nennen Nürnberg als Geburtsort Paul Reiners. Dies ist jedoch insofern nicht korrekt, als Bleiweiss, eine Einöde, erst im Jahr 1899 nach Nürnberg eingemeindet worden ist, rund 13 Jahre nach Paul Reiners Geburt.; † 2. November 1932 in Zürich, Schweiz) war ein deutscher Chemiker, Reformpädagoge und Kommunist. Er kam aus der Jugendbewegung, war Mitbegründer des ersten deutschen Abstinenten-Jugendbundes und des süddeutschen Wandervogels sowie zusammen mit Martin Luserke und Rudolf Aeschlimann Mitbegründer des Landerziehungsheims Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist. Als Student war er Präsident des Deutschen Bundes abstinenter Studenten (DBaSt).Prof. Dr. Peter Dudek: „Versuchsacker für eine neue Jugend“. Die Freie Schulgemeinde Wickersdorf 1906–1945. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2009, ISBN 978-3-7815-1681-6, S. 82–83 In seiner Jugend verehrte er Gustav Wyneken und zeitlebens Stefan George, mit denen er zeitweise in Kontakt stand. Im Jahr 1914 gehörte er kurzzeitig dem George-Kreis an.Edgar Salin: Um Stefan George – Erinnerung und Zeugnis. H. Küpper, München 1954. S. 242, Anm. 9, Während seines Studiums war er in Heidelberg als Assistent des Nationalökonomen und Soziologen Alfred Weber tätig. Im Regierungskabinett Thüringens, einer Koalition aus SPD und KPD, war Reiner um 1923 Mitarbeiter des Marxisten-Leninisten Karl Korsch.Justus H. Ulbricht: George-Splitter in zerrissener Zeit. In: Wolfgang Braungart (Hrsg.): Stefan George und die Jugendbewegung. Springer-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-476-04574-4, S. 87
Familie mini|hochkant|Anna Sara Hochschild und ihr Verlobter, der Offiziersstellvertreter Dr. phil. nat. Paul Reiner, Frühling 1916 mini|hochkant|Paul Reiner mit einer seiner Töchter auf der Terrasse des Landhauses Die Höhe in Eppenhain im Taunus, um 1920 mini|hochkant|Eva, Renate und Ruth Reiner auf dem Areal der Schule am Meer auf der ostfriesischen Nordseeinsel Juist, vor der Geburt ihrer Schwester Karin, um 1929 mini|hochkant|Paul Reiner (hinten rechts m. weißem Hemd und dunkler Fliege), davor Ehefrau Anna Sara Reiner (mit Spitze am Ausschnitt) mit ihren Töchtern Renate (ganz rechts hockend), daneben Eva und ganz vorn Ruth mittig im Schneidersitz, weitere Enkel aus der Familie von Monakow sowie Hauspersonal umrahmen Philippine Hochschild (sitzend, Bildmitte) vor dem Landhaus Die Höhe in Eppenhain, Taunus; Paul von Monakow hinten links stehend, um 1930 Paul Reiner war ein Sohn des Nürnberger Gastwirts und Metzgermeisters Wilhelm Reiner (* 14. November 1852 in Windsheim;Heiratsregister Wilhelm Reiner und Babetta „Barbara“ Schmidt, Standesamt Nürnberg, C 27/III Nr. 13 Rge. 39; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Angaben gem. Frau Augsten, 25. Januar 2021 † 11. Juli 1892 in Nürnberg)Sterberegister Wilhelm Reiner, Standesamt Nürnberg, C 27/II Nr. 1764 Rge. 88/1892; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Auskunft durch Frau Augsten, 25. Januar 2021 und dessen Ehefrau Babetta „Barbara“ (* 14. Juli 1854 in Gibitzenhof), geborene Schmidt.Heiratsregister Johann Georg Maier (* 20. September 1841) und Babetta „Barbara“ Schmidt (2. Ehe nach dem Tod von Wilhelm Reiner, geschieden am 10. Dezember 1909), 1. April 1903, Standesamt Nürnberg, C 27/III Nr. 921 Rge. 331; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Auskunft durch Frau Augsten, 25. Januar 2021 Seine Eltern heirateten am 23. Januar 1877 in Nürnberg. Paul Reiner hatte vier ältere Geschwister, einen Bruder und drei Schwestern, Babetta Reiner (* 10. August 1877 in Nürnberg)Standesamt Nürnberg, C 27/IV Nr. 708 Rge. 142; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Auskunft durch Frau Augsten, 25. Januar 2021, Johann Wilhelm Reiner (* 14. April 1879; † 6. Juli 1899),Standesamt Nürnberg, C 27/IV Nr. 711 Rge. 71 und Standesamt Nürnberg, C 27/II Nr. 1913 Rge. 11; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Auskunft durch Frau Augsten, 25. Januar 2021 Rosa Reiner (* 17. September 1880; † 20. April 1881 in Nürnberg)Standesamt Nürnberg, C 27/IV Nr. 713 Rge. 159 und Standesamt Nürnberg, C 27/II Nr. 1752 Rge. 47; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Auskunft durch Frau Augsten, 25. Januar 2021 und Käthe Reiner (* 16. Dezember 1883 in Nürnberg).Standesamt Nürnberg, C 27/IV Nr. 717 Rge. 240; Zitiert nach: Stadtarchiv Nürnberg, Av2 (Amtliches Archivgut), schriftliche Auskunft durch Frau Augsten, 25. Januar 2021 Die Familie war evangelisch-lutherisch geprägt.Schulzeugnis der kgl. Bezirks-Inspektion der protestantischen Schule (deren Name oder Ortsbezeichnung wurde vom signierenden Bezirksinspektor handschriftlich mit L. Bgfd. abgekürzt), ausgestellt am 15. September 1896 in Nürnberg, gestempelt (verwackelt, teils unleserlich; identifizierbar: […] PROT. SCHULEN […], NÜRNBERG, Landeswappen), zweifach signiert durch den Lehrer Friedrich Wüst und den Bezirksinspektor (Unterschrift nicht entziffert). Schuleintritt: 1. Mai 1892, IV. Klasse absolviert. – Zitiert nach: Faksimile des Originaldokuments aus dem Nachlass des Dr. Paul Reiner, SchweizZeugnis der Großherzoglich Badischen Prüfungskommission für das Höhere Lehramt, ausgestellt am 16. März 1914 in Karlsruhe, durch einen Ministerialdirektor eigenhändig signiert und mit Dienstsiegelprägemarke des Großherzoglich Badischen Ministeriums des Kultus und Unterrichts gesiegelt. Das Zeugnis enthält die Angabe der Konfession des Dr. Paul Reiner: evangelisch. – Zitiert nach: Faksimile des Originaldokuments aus dem Nachlass des Dr. Paul Reiner, Schweiz
Das Verhältnis von Paul Reiner zu seiner Familie soll zeitlebens nicht gut gewesen sein; allerdings verstarb sein Vater bereits 39-jährig, als Paul Reiner sechs Jahre alt war. Sein älterer Bruder verstarb, als Paul Reiner 13 Jahre alt gewesen ist. Eine seiner Schwestern lernte er nicht kennen, da sie schon als Kleinkind einige Jahre vor seiner Geburt verstarb. Das überlieferte schlechte Verhältnis zu seiner Familie könnte z. B. auf seine Mutter bzw. deren zweite Ehe, möglicherweise auf die berufliche Tätigkeit seines Vaters als Gastwirt (Alkohol) oder die Todesumstände seines früh verstorbenen älteren Bruders zurückzuführen sein.
Paul Reiner heiratete am 11. Dezember 1916 die Krankenpflegerin Anna „Anni“ Sara Hochschild (geboren am 27. Februar 1891 in Frankfurt am Main; gestorben am 28. Februar 1972 in Zürich),Geburtsregister Anna Sara Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1891, S. 283, 2. März 1891Heiratsregister Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 764/1916, Blatt 175, vom 11. Dezember 1916 für den „Hauslehrer Doktor der Philosophie Paul Reiner, evangelischer Religion, geboren in Nürnberg Bleiweishof, wohnhaft in Wolfratshausen, Regierungsbezirk Oberbayern, mit Anna Sara Hochschild, ohne Beruf, israelitischer Religion“; Als Trauzeugen sind verzeichnet: für die Braut der Kaufmann Rudolf Euler und für den Bräutigam der Schriftsteller Gustav WynekenZivilstandsregister Zürich, Band 1, Sterbeeintrag Nr. 471/1972, S. 371; Zitiert gem. handschriftl. Vermerk auf der Geburtsurkunde der Anna Sara Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1891, S. 283, vom 2. März 1891„Ausweis für staatlich geprüfte Krankenpflegepersonen. Pr. I. 7 M. 1137. Die Krankenpflegeschülerin Anna Hochschild aus Frankfurt a./Main, welche vor der staatlichen Prüfungskommission in Frankfurt a./Main die Prüfung für Krankenpflegepersonen mit der Gesamtzensur »Sehr gut« bestanden hat und die zur Ausübung des Krankenpflegeberufs erforderlichen Eigenschaften besitzt, erhält hiermit die Bescheinigung, daß sie staatlich als Krankenpflegerin anerkannt ist. […] Wiesbaden, den 11. Oktober 1915. Der Regierungspräsident“, eigenhändige Signatur, Dienststempel des kgl. preuß. Regierungspräsidenten in Wiesbaden. – Zitiert nach: Faksimile des Originaldokuments aus dem Nachlass der Anna Sara Reiner, geb. Hochschild, Schweiz die er wohl um 1913/14 in Heidelberg während eines studentischen Fests kennengelernt hatte. Anna Sara Hochschild studierte dort seit ihrer Immatrikulation zum Wintersemester 1911/12. Anna Hochschild war das jüngste Kind bzw. die jüngste Tochter des Mitbegründers der Frankfurter Metallgesellschaft AG und der Metallurgischen Gesellschaft AG, Zachary Hochschild (geboren am 16. Mai 1854 in Biblis;Eva-Maria Prenzel: Hochschild, Zachary. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.deHeiratsregister Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 487/1881, Blatt 137, für den Kaufmann Zodik (genannt Zachary) Hochschild und Philippine Ellinger vom 1. Juni 1881Wie aus diversen zeitgenössischen Dokumenten und Buchveröffentlichungen hervorgeht, hat Zodik Hochschild eigenhändig als Zachary oder Z. Hochschild unterzeichnet. gestorben am 6. November 1912 in München), und dessen Ehefrau Philippine Hochschild (geboren am 7. Juli 1859 in Frankfurt am Main; gestorben am 28. Dezember 1931 ebenda), geborene Ellinger.Geburtsregister Philippine Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, No. 806/1859, S. 463, 18. Juli 1859Sterberegister Philippine Hochschild, geb. Ellinger, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 1260/1931, Seite 65, 29. Dezember 1932
Als Trauzeuge Paul Reiners fungierte der Schriftsteller Gustav Wyneken, für seine Braut deren Schwager, der Frankfurter Kaufmann Carl Rudolf Euler (* 19. Oktober 1875 in Frankfurt am Main; † 2. März 1964 in Königstein im Taunus).Euler, Rudolf. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.deMartin Münzel: Die jüdischen Mitglieder der deutschen Wirtschaftselite 1927–1955. Verdrängung – Emigration – Rückkehr (= Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 978-3-506-75625-1, S. 83Sterberegister Karl Rudolf Euler, Standesamt Königstein im Taunus, Nr. 15/1964 vom 12. März 1964; Zitiert nach: Vermerk in der Heiratsurkunde Karl Rudolf Euler und Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 2094/1903, Blatt 24, 28. September 1903