Die Opera Nazionale Dopolavoro (OND) war die italienische faschistische Freizeit- und Erholungsorganisation für Erwachsene.
Geschichte Im April 1925 stimmte Benito Mussolini dem Antrag der faschistischen Einheitsgewerkschaften zu, eine Freizeitorganisation für Arbeiter zu gründen, um den Organisationen der sozialistischen Gewerkschaften etwas entgegensetzen zu können. Mario Giani, der frühere Direktor von Westinghouse (Italien), wurde als Direktor der Stiftung OND eingesetzt. Die OND hatte zunächst das unpolitische Image, im Interesse der Arbeitgeber die Produktivität zu steigern und entsprach eher dem Betriebssport in DeutschlandSebastian Fasbender: Zwischen Arbeitersport und Arbeitssport. Werksport an Rhein und Ruhr 1921–1938. Göttingen: Cuvillier, 1997. bzw. dem YMCAThomas Winter: Making men, making class: the YMCA and workingmen, 1877–1920. Chicago: University of Chicago Press 2002. in den USA.
Im April 1927 übernahm Augusto Turati, der Generalsekretär des Partito Nazionale Fascista (PNF), die OND, entließ Giani und unterstellte den Dopolavoro der Partei. Das ambivalente Verhältnis zwischen dem vereinsunabhängigen Freizeitsport in der OND und dem Vereinssport im CONI konnte während der gesamten faschistischen Zeit nicht gelöst werden, auch wenn der Präsident des CONI Direktor der OND wurde.Arnd Krüger: Sport im faschistischen Italien (1922–1933). In: G. Spitzer, D. Schmidt (Hrsg.): Sport zwischen Eigenständigkeit und Fremdbestimmung. Festschrift für Prof. Dr. Hajo Bernett. P. Wegener, Bonn 1986, S. 213–226. Die Interessen des Kinder- und Jugendsports wurden in der Opera Nazionale Balilla wahrgenommen.
In den 1930er Jahren wurde die OND unter Achille Starace zunehmend auf Sport und Freizeit ausgerichtet. Sie diente in Deutschland als Vorbild für die Organisation Kraft durch Freude. 1936 sollen ca. 80 % der Arbeiter und Angestellten Italiens Mitglieder der OND gewesen sein,Victoria de Grazia: The Culture of Consent: Mass Organizations of Leisure in Fascist Italy. Cambridge, 1981. sie war damit die mitgliederstärkste faschistische Massenorganisationen. Aristotle Kallis (Hrsg.): The Fascism Reader. London: Routledge, 2003, ISBN 0-415-24359-9, S. 391–395.
Durch die OND wurden lokale und regionale Freizeiteinrichtungen ausgebaut, die in der Nachkriegszeit eine Grundlage für den Massentourismus bildeten.Donatella Strangio, Marco Teodori: Las termas de la ciudad de Viterbo: del termalismo social a la elaboración de proyectos innovadores destinados a relanzar el turismo de bienestar. In: Agua y Territorio 6 (2016), S. 80–96.
Einzelnachweise
Kategorie:Faschistische Organisation (Italien) Kategorie:Organisation (Freizeit) Kategorie:Verbandsgründung 1925 Kategorie:Kraft durch Freude