mini|Blick auf eine Häuserzeile am Stadtplatz von Mühldorf am Inn Die Inn-Salzach-Bauweise, auch Inn-Salzach-Stil genannt, bezeichnet eine typische Bauform in Altstädten der Region von Inn und Salzach. Dabei bilden mehrere Häuser durch Scheinfassaden vor dem eigentlichen Dach ein geschlossenes Ensemble.

Kerngebiet ist die Gegend zwischen Innsbruck, Passau und Hallein, der Stil reicht aber bis nach Südtirol, Ober- und Niederösterreich und bis nach Mähren und Schlesien.

Merkmale der Inn-Salzach-Bauweise mini|Tittmoning mit Scheinfassaden von hinten und vorne Das hervorstechende Merkmal ist der nach oben gezogene und horizontal abschließende Fassaden-Schildgiebel, der das dahinter liegende Steildach oder Grabendach verbirgt. Die Dachform gibt sich in der Fassade indirekt durch die Entwässerungsöffnungen zu erkennen.

Diese Bauweise wurde nach einigen verheerenden Feuersbrünsten in dieser Gegend etwa im 16.–17. Jahrhundert eingeführt. Die hohen Mauern zwischen den Dächern sollten ein Übergreifen des Feuers verhindern und die Brandbekämpfung durch ungefährlicheres Anlehnen von Leitern erleichtern.

mini|Blick auf Freistadt, im Vordergrund gut erkennbar die Grabendächer und die Rückseite der Fassadenwände Das städtische Bürgerhaus tritt damit nicht mehr als Einzelbau hervor, sondern es bildeten sich schluchtartige Häuserzeilen und breite, geschlossen wirkende Marktstraßen und -plätze aus. Das einzelne Haus bildet eine flächige, oft fast rechteckige Stirnfläche aus, die mit hellen Farben verputzt ist, was einen freundlichen Eindruck macht. Oft lockern Laubengänge, über mehrere Stockwerke gehende Erker und Stuck die Stirnflächen auf.

Adolf Schaubach schildert in seinem Werk Die deutschen Alpen von 1845:

Dass Schaubach die kalkweiße Tünche als typisch beschreibt, zeigt, dass die heutige farbenfrohe Färbung oft jung ist: Sie datiert in das ausgehende 19. Jahrhundert, als massenproduzierte mineralische Pigmente erschwinglich wurden.

Architekturbeispiele

Typische Orte

In Bayern (Deutschland): Burghausen Eggenfelden Kraiburg am Inn Laufen Mühldorf am Inn Neuötting Passau Pfarrkirchen Rosenheim Tann Tittmoning Trostberg Vilshofen an der Donau Wasserburg am Inn In Österreich: Braunau am Inn Enns Freistadt Gmunden Hall in Tirol Hallein Innsbruck Kufstein Lienz Linz Obernberg am Inn Rattenberg Ried im Innkreis Salzburg Schärding Steyr Wels In Südtirol (Italien): Bozen Bruneck Sterzing In Mähren und Schlesien (Tschechien): Freiberg Friedeck Mistek Odrau Olmütz

Literatur Johannes Klinger: Die Architektur der Inn-Salzach-Städte. Wasserburger Verlag, Wasserburg 2006, ISBN 3-938974-00-1. Bernhard Sattler: Die Inn-Salzach-Städte. Zauber bürgerlicher Baukunst. Freilassing 1967. Bernhard Sattler, Bernhard Ettelt: Das Bürgerhaus zwischen Inn und Salzach. Pannonia-Verlag, Raubling 1979, ISBN 3-7897-0080-0. Max Eberhard Schuster: Innstädte und ihre alpenländische Bauweise. Callwey-Verlag, München 1951. Max Eberhard Schuster: Das Bürgerhaus im Inn- und Salzachgebiet (Das deutsche Bürgerhaus, Band 5). Wasmuth, Tübingen 1964.

Einzelnachweise

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