mini|Schloss Boberstein Das Schloss Boberstein () im Ortsteil Bobrów (Boberstein) der Landgemeinde Mysłakowice (deutsch Zillerthal-Erdmannsdorf) im Powiat Jeleniogórski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen liegt am linken Ufer des Bober. Seit Kriegsende 1945 ist es eine Ruine.

Geschichte mini|Schloss Boberstein um 1900 Ein erstes Schloss entstand bereits ab 1450 an gleicher Stelle, dessen Böschungsmauern noch teilweise erhalten sind. Im 16. Jahrhundert wird ein Wohnturm sowie ein „festes Haus“ beschrieben. 1598 wird Nickel Freiherr von Zedlitz als Eigentümer des Schlosses erwähnt, der das Bauwerk wohl auch im Stil der Renaissance umbauen ließ. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss teilweise zerstört. Bis 1669 war die Anlage im Besitz des Adelsgeschlechts von Zedlitz. Danach wechselten die Besitzer des Anwesens öfters.

Um 1880 wurde das Schloss Boberstein von der 1863 zu Schloss Babelsberg geadelten Familie Decker, über Generationen Eigentümer der Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei in Berlin, als von Decker erworben.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1908. Jahrgang 2, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 206. Die Decker stammten ursprünglich aus Thüringen.Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 1, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 108 f. Nobilitiert wurde Rudolf Ludwig von Decker (1804–1877), dessen zweiter Sohn Georg Jakob Paul von Decker (1840–1891), verheiratet mit Hilda von le Fort-Papendorf, den Besitz kaufte. Georg von Decker wirkte als Bauherr und ließ auf eigene Kosten eine Brücke über den Bober zwischen Boberstein und Schildau errichten.Th. Donat: Der Wanderer im Riesengebirge. Organ des Riesengebigs-Vereins. №. 2-1881, Wilhelm Pfund, Erdmannsdorf / Hirschberg, 21. August 1881, S. 8. Man führte auch eine eigene BriefvignetteFriedrich von Boetticher: Malerwerke des Neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Band 1, Selbstverlag, Dresden 1895, S. 931. und unterhielt standesgemäß mehrfach Jagden.Karl Müller (von Halle), Hugo Roedel (Hrsg.): Die Natur. Zeitung zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntniß und Naturanschauung für Leser aller Stände. Jahrgang 42. №. 36, Begründet: Otto Ale, Gebauer-Schw., Halle (Saale) 2. September 1893, S. 429. Die Witwe Hilda von Decker lebte in Schmiedeberg.Theodor Fontane. Werke, Schriften und Briefe. Abteilung: Sämtliche Romane. Nachgelassenes. Verlag Hanser, München 1994, S. 798. Die Familie von Decker, die ebenso als Kunstsammler agierten,Hermann Uhde-Bernays, Herm. Voss-Berlin: Monatshefte für Kunstwissenschaft. Jahrgang II-1909-Heft 10, Hrsg. Georg Biermann, Verlag Klinckhardt & Biermann, Leipzig 1909, S. 455, (Anm.) 1). ließ das Gebäude 1894 im Stil der Neorenaissance umbauen. Dabei wurde unter anderem das gesamte Bauwerk vergrößert, wobei der Turm sowie der Hauptbau erhöht und vergrößert wurden, basierend wohl auf einen Entwurf von vor 1886 von Paul Roetger. Vom gleichen Architekt stammt eine Vorlage für das Haus der Familie von Decker in Berlin.Illustrirter Katalog der Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin von Mai bis Oktober 1886. (58. Ausstellung). Hrsg. Kgl. Akademie der Künste, Berliner Verlags-Comtoir (Act.-Ges.)-Verlag der „Deutschen-Illustrirten-Zeitung“, Berlin 1886, S. 294, Nr. 1946, Nr. 1947. Zur gleichen Zeit entstand am Bober ein Park im Stil des englischen Landschaftsparks. Erbe wurde der Neffe Hans Rudolf von Decker (1871–1896), der mit seiner in Honolulu geborenen Frau Alexandra (Sascha) Glade das Herrenhaus bewohnte. Nach seinem frühen Tod durch die Folgen eines JagdunfallsR. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochenschrift für die Aufgaben des christlichen Adels. Organ der Deutschen Adelsgenossenschaft. XIV. Jahrgang, №. 45, Verlag der Berliner Buch- und Zeitungsdruckerei Union, Berlin, Sonntag, den 8. November 1896, S. 831. waren die beiden Kinder, Rudolf, er galt minderjährig bereits als Millionär,Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen. 1912. Maschindruck Werdau GmbH, Berlin 1912, S. 827. und Tochter Sascha Pauline Minka (posthumes) von Decker die gemeinsamen Nacherben;Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler. Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1984. Band XV, Band 83 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1984. die Mutter heiratete dann den Rittmeister Georg Graf von Rothkirch und Trach. Gut Boberstein hatte um 1907 einen Umfang von 361 ha. mini|Die angrenzenden Hofanlagen

1933 wurde das Schloss Boberstein vom Staat erworben, der dort 1934 eine SA-Sportschule eingerichtet hatte. Ab September 1939 wurde das Schloss für Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs genutzt, später für Bukowinadeutsche aus der Bukowina. Zwischen 1940 und 1945 lebten im Schloss Internierte aus Luxemburg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zunächst von der Roten Armee genutzt. Anschließend lebten im Schloss Politische Flüchtlinge aus Griechenland. Bis 1970 wurde das Gebäude dann als Ferienlager und als Sitz einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft genutzt. Nach deren Auszug wurde das Schloss nicht mehr genutzt und verfiel langsam zu einer Ruine. 1972–73Palac-Wojanow-Bobrow: Geschichte Boberstein (polnisch) wurden die Dachziegel des Schlosses entwendet, wodurch der Prozess des Verfalls beschleunigt wurde. 1994 erwarb ein deutsch-polnischer Verein das Anwesen. Dieser ließ in den Hofgebäuden ein Ferienheim für Kinder einrichten.

Literatur Schloss Boberstein Bobrów, In: Arne Franke, Katrin Schulze: Das schlesische Elysium. Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und Parks im Hirschberger Tal. 3. Auflage, In: Potsdamer Bibliothek | Östliches Europa Kulturreisen. Hrsg. Dt. Kulturforum Östliches Europa, Selbstverlag, Potsdam 2008, S. 12 f., 17, S. 48 ff., 93, 136, 151, 175, 189, 191, S. 202 f. Schloss Boberstein: In: Wojciech Kapałczyński, Jan Kotlarski: Die Baudenkmäler in Stadt und Landkreis Jelenia Góra/Hirschberg. Jeleniogórskie Tow. Społeczno-Kulturalne, Jelenia Góra 2002, S. 127. 2964. Rittergut Boberstein, In: Schlesisches Güter-Adeßbuch. 1894. Verzeichniß der sämmtichen Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke. 5. Ausgabe, Wilh. Gottl. Korb, Breslau 1894, S. 333. Schloss Boberstein, In: Julius Laurenćić (Hrsg.): Städte und Landschaften aus aller Welt. No. 73: Paul Scholz Das Riesengebirge und das Isargebirge. Das Waldenburger Gebirge und die Grafschaft Glatz. Städtebilder-Verlag (Julius Laurenćić), Breslau/Wien/Zürich 1889, S. 37. (Mit Motiv).

Weblinks

Flyer über die Geschichte des Schlosses Bobersteins (deutsch und polnisch) Geschichte Bobersteins

Einzelnachweise

Boberstein Boberstein Kategorie:Renaissancebauwerk in der Woiwodschaft Niederschlesien Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Niederschlesien Kategorie:Gmina Mysłakowice Boberstein Kategorie:Zedlitz (Adelsgeschlecht) Kategorie:Schlossruine in Polen Kategorie:Ruine in Schlesien Kategorie:Bóbr