Ernst August Ludwig Retzlaff (* 9. Januar 1902 in Freienwalde in Pommern; † 15. Oktober 1934 in NeustrelitzSterbedatum ist nicht der 14. Oktober, Sterbeort nicht Neubrandenburg, wie es in der Lit. irrig heißt.) war ein deutscher Jurist und Politiker. Er war kurzzeitig der Bürgermeister der Stadt Neubrandenburg (1933–1934).
Biografie Ernst Retzlaff war ein Sohn des Kaufmanns und Landwirts Emil Retzlaff. Nach dem Besuch der Oberrealschule im pommerschen Stargard und der Oberrealschule Steglitz studierte er Geschichte und Rechtswissenschaften in Berlin und Marburg. 1929 wurde er in Marburg zum Dr. iur. promoviert.
Während seines Studiums wurde Retzlaff 1921 Mitglied der Burschenschaft Normannia Berlin,Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 393. seit 1923 war er Mitglied der illegalen Schwarzen Reichswehr. Zum 1. Mai 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 531.330)Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/16590668 und war in der SS zuletzt SS-Untersturmführer.
1933 war Retzlaff kommissarisch Bürgermeister von NeustrelitzTerritorial.de: Stadtkreis Neustrelitz und wechselte noch 1933 als Bürgermeister nach Neubrandenburg bis zu seinem frühen Tod. Durch Baumaßnahmen wie den Bau des Fliegerhorstes Trollenhagen und den Ausbau des Fremdenverkehrs wurde in der Zeit die Arbeitslosigkeit in Neubrandenburg reduziert. Im Sinne der NSDAP-Ideologie förderte er die Kultur, die von der Ortgruppe der Partei organisierte Bücherverbrennung auf dem Marktplatz der Stadt war wenige Monate nach Beginn seiner Amtszeit.
Retzlaff war auch Mitglied des Aufsichtsrates der Überlandzentrale Neubrandenburg AG.
mini|hochkant|Grabstein auf dem Neuen Friedhof in Neubrandenburg (Denkmalschutz 2023 aufgehoben) Ernst Retzlaff, der seit 15. September 1933 mit der Volkspflegerin Ursula, geb. Heger (* 1909) verheiratet war, starb im Carolinenstift Neustrelitz kinderlos nach dem Besuch einer Theatervorstellung in Neustrelitz an den Folgen einer Nierenvergiftung. Er wurde im Beisein zahlreicher Repräsentanten aus Staat und Gesellschaft auf dem Neuen Friedhof in Neubrandenburg beigesetzt. Neben Neubrandenburg wurde auch in Neustrelitz halbmast geflaggt. Sein Grabstein ist erhalten und stand von 1999Neubrandenburg: Kommunist und Nationalsozialist auf Denkmal-Liste, 23. Dezember 2022, NDR bis Januar 2023 unter Denkmalschutz.
Veröffentlichungen Die Postreklame und ihre zivilrechtlichen Folgen. Dissertation. Universität Marburg 1929.
Literatur Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 8: Supplement L–Z. Winter, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-8253-6051-1, S. 187–188. Helmut Borth: Ein dunkelbrauner Fleck auf der Neubrandenburger Denkmalliste. In: Nordkurier / Kurier Blickpunkt (4. Januar 2023), S. 17.
Weblinks
Anmerkungen
Kategorie:Bürgermeister (Neubrandenburg) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Person (Schwarze Reichswehr) Kategorie:Burschenschafter (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1934 Kategorie:Mann