mini|Linsenschnitte früher Sonnar-Objektive (1) Sonnar 1 : 2 f = 5 cm (DR 1932) (2) Sonnar 1 : 1,5 f = 5 cm (1932) mini|Vorgänger Ernemann Anastigmat „Ernostar“ 1 : 1,8 f = 10,5 cm, der weitest entwickelte Typ (1924) mini|Sonnar 1 : 2 f = 5 cm, Contax II; nach 1940: Objektiv-„T“-Vergütung mini|Sonnar 1 : 1,5 f = 5 cm, Contax IIa
„Sonnar“ charakterisiert als Name oder BezeichnungKursiv geschriebene Objektivbezeichnungen im Artikel orientieren sich an der historischen Schreibweise der jeweiligen Gravur lange und erfolgreich produzierte Serien von fotografischen Aufnahmeobjektiven, erstmals populär geworden durch ein für Zeiss Ikon 1931 patentiertes und von Carl Zeiss Jena hergestelltes lichtstarkes 50-mm-Normalobjektiv für die Contax-Messsucherkamera. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Name „Sonnar“ bis 1990in: 20 Jahre Wiedervereinigung bei Carl Zeiss – www.zeiss.de, PDF von VEB Carl Zeiss Jena in der DDR sowie von 1954 bis 1994 als geschützte MarkeWortmarke Sonnar, Registernummer 675836 – register.dpma.de durch den westdeutschen Rechtsnachfolger Carl Zeiss – seit 1947 in Oberkochen und von diesem überwiegend aus Marketing-Gründen bis heute – weiter verwendet.
Nachdem 1945 der Patentschutz durch den Zweiten Weltkrieg verloren gegangen war, wurden Sonnar-Objektive von anderen Herstellern nachgebaut und modifiziert, insbesondere in der UdSSR (Jupiter,Jupiter 1,5/50 mm, 2/50 mm, 2/85 mm, 4/135 mm, in: Die M39/LTM-Objektive für die Zorki-Kameras – g-st.ch diverse FälschungenZeiss Sonnar Fakes – klassik-cameras.de) und in Japan (Zunow,Zunow 1 : 1.1 f = 5 cm – cameraquest.com Takumar,in: Early Pentax Takumar Lenses – klassik-cameras.de, im Abschnitt: Early standard lenses, Takumar 1 : 2 f = 58 mm Nikkor, Serenar/CanonRangefinder Camera Collection – klassik-cameras.de und andere).
Aufgrund des großen Anwendungsbereichs und der hohen optischen Leistungen der verschiedenen Typen wurden Sonnare millionenfach verkauft. Namhafte Kamerahersteller wie Pentacon, Hasselblad, Rollei, Linhof, Sinar oder Sony waren oder sind Anbieter von Objektiven mit der Bezeichnung „Sonnar“.
Ursprung des Namens „Sonnar“ mini|80px|Wappen Sontheim
Die Idee für die Namensgebung geht auf das Sonnensymbol im Wappen der Stadt Sontheim am Neckar zurück. Das ehemals ortsansässige Nettel Camerawerk,Nettel Camerawerk – camerapedia.wikia.com 1919 mit den Contessa-Camerawerke des Konstrukteurs und Firmen-Mitinhabers August Nagel in Stuttgart zur Contessa-Nettel AGContessa-Nettel AG – camerapedia.wikia.com fusioniert, verwendete Anfang der 1920er Jahre den Namen als Warenzeichen für ein relativ unbekannt gebliebenes, dem Tessar ähnliches Objektiv. Erst nach der Übernahme von Contessa-Nettel in die Zeiss Ikon AG im Jahr 1926 wurde die Bezeichnung „Sonnar“ bekannt.
Geschichte und Entwicklungslinien der Sonnar-Objektive Der Artikel beschreibt in zusammenhängenden Abschnitten weitgehend chronologisch die Entwicklung des Sonnar-Objektivs anhand einiger wichtiger Modelle, die über mehr als ein halbes Jahrhundert eine teilweise herausragende Stellung unter der Vielzahl fotografischer Aufnahmeobjektive einnahmen.
Spitzenobjektive für die „Contax“-Kleinbildkamera Das strahlende Sonnensymbol stand fortan für die große Öffnung dieses damals neuen Typs von Foto-Objektiven bemerkenswert hoher Lichtstärke, den Ludwig Bertele als Zeiss-Optikkonstrukteur errechnete. Zeiss Ikon patentierte es im selben Jahr für deren ContaxContax I; Contax II/III – cameraquest.com – das Konkurrenzprodukt zur damaligen Leica. Die Contax war mit der Normalbrennweite Tessar 1 : 2,8 f = 5 cm Carl Zeiss JenaZeiss Ikon Contax, Carl Zeiss Jena Tessar 1 : 2,8 f = 5 cm – directupload.net, dito Contax I gegenüber dem ebenfalls als Tessar-Typ konzipierten Leitz Elmar 1 : 3,5 f = 5 cmElmar f = 5 cm 1 : 3,5 – www.l-camera-forum.com der Leica bereits lichtstärker ausgestattet, was bei den vorherrschenden extrem niedrigen Filmempfindlichkeiten von umgerechnet ISO 10, maximal ISO 15 ein gewisses Verkaufsargument bedeutete; rückblickend betrachtet waren diese hohen Lichtstärken jedoch mehr dem Prestige geschuldet als dem tatsächlichen Nutzen, da die Leistung der damaligen, vor allem der hochlichtstarken, Objektive bei voller Öffnung generell recht bescheiden war.
Normalbrennweiten Um den Qualitätsanspruch gegenüber der Leitz-Konkurrenz zu behaupten, erhielt der damals 26-jährige, außergewöhnlich talentierte Bertele den Auftrag, sein 1924 für die Krupp-Ernemann Kinoapparate AG gerechnetes Schema des richtungsweisenden Ernemann Anastigmat „Ernostar“ 1 : 1,8 f = 10,5 cmErnostar 1 : 1,8 10,5 cm – directupload.net (Quelle: fotomutori.com);History of photographic lens design unter Verwendung neuartiger Glassorten der Firma Jenaer Glaswerk Schott & Gen. für das 24×36-mm-Kleinbildformat der Contax weiterzuentwickeln. Das kompakte (in der Baulänge verkürzte) Ernostar der Mittelformatkamera Ernemann ErmanoxErnemann Ermanox 4,5 x 6 cm mit 1 : 2 f = 10 cm Ernostar-Objektiv – kameramuseum.de war zu dieser Zeit die lichtstärkste Fotooptik des Weltmarktes; die äußerst innovativen Ernemann-Objektive bedeuteten für Zeiss eine weitere ernsthafte Konkurrenz, die man als führendes Optikunternehmen nicht zu dulden gedachte: Mit Hilfe von Insiderwissen der Deutschen Bank und Absprachen mit dem Mehrheitsbesitzer Krupp wurde der Firmengründer Heinrich Ernemann heimlich finanziell unterwandert und die Firma 1926 durch eine feindliche Übernahme in den Zeiss’schen Konzern eingegliedert.in: Andre Beyermann, Der Aufbau der Zeiss Ikon AG, Zeiss Ikon AG Dresden: Aspekte der Entwicklung des 1926 gegründeten Industrieunternehmens / Technische Universität Dresden – portal.dnb.de/Deutsche Nationalbibliothek
Im Ergebnis bestanden Berteles 50-mm-Sonnarein: Frühe lichtstarke Objektive für 35mm und andere Kleinbildformate – klassik-cameras.deZeiss Tipo Sonnar – marcocavina.com, Linsenschemata, Dokumentation der Entwicklung vom Ernostar zum Sonnar mit den Öffnungen 1 : 2unvergütetes Sonnar 1 : 2 f = 5 cm Carl Zeiss Jena – directupload.net (Quelle);Beispiel eines geänderten optischen Aufbaus (unbekanntes Datum) – directupload.net (Quelle) und 1 : 1,5 von 1932 aus 6 bzw. 7 Linsen/Gliedern in 3 Gruppen, deren verkittete Flächen in vorteilhafter Weise weniger Licht reflektierten als freistehende Linsen. Die Umsetzung dieses Grundgedankens war von erheblicher Bedeutung, da die Vergütung zur Unterdrückung von Linsenreflexionen bei gleichzeitiger Erhöhung der Lichtdurchlässigkeit noch nicht erfunden war. – lenspire.zeiss.com, PDF; – edmundoptics.de, PDF Beispielsweise besaß ein unvergütetes 4-linsiges 1 : 2-Ernostar mit 8 Glas-Luft-Flächen einen 48 %igen Lichtverlust, der die effektive, tatsächlich wirksame Öffnung um knapp −1 Blendenstufen auf 1 : 2,8 verringerte (gleichbedeutend mit der nötigen Berücksichtigung einer doppelten Belichtungszeit).
Die in den Handel gekommenen Carl Zeiss Jena 50-mm-Sonnare – sowie die zur selben Zeit bzw. wenige Jahre später herausgebrachten Sonnare mittlerer und längerer Brennweiten – galten den Foto-Objektiven ihrer Zeit als überlegen, da sie gegenüber anderen Entwürfen gleichzeitig lichtstärker, kontrastreicher und höher auflösend (siehe auch: Schärfe) waren. Diese Führungsposition konnte bis nach 1945 über zwei Jahrzehnte hinweg behauptet werden, nicht zuletzt durch Leistungsverbesserungen durch die seit Anfang der 1940er Jahre verwendete T-VergütungZeiss T-Vergütung: „T“ wie Tarn-Belag für kriegswichtige Optiken, später in Transparenz- oder T-Belag umgedeutet, auch: Blauvergütung aufgrund der bläulichen Lichtreflexe der einschichtigen Beläge; Hartvergütung aus Magnesiumfluorid für die Außenflächen der vorderen (und teilweise hinteren) Linsen, Kryolith für Linsenbeschichtungen innerhalb des Objektivs und weiterer OptimierungenLudwig Berteles diverse Weiterentwicklungen der 50-mm-Sonnare vor und nach dem Zweiten Weltkrieg (Beispiele):,,,,,, Berteles auf der Grundlage neuer optischer Gläser.
Historische Machbarkeitsstudie mini|Patent für ein 50-mm-Sonnar mit einer Öffnung von 1 : 1,4 (1941)
Die Zielsetzung, die optische Leistung des Sonnars bei weiter gesteigerter Lichtstärke unter Beibehaltung von 6 Glas-Luft-Flächen zu verbessern, veranlasste Bertele im Übrigen zu aufwändigen Entwürfen, die jedoch aus technischen und ökonomischen Gründen nicht in marktfähige Produkte umgesetzt wurden. Unter dem 1941 veröffentlichten US-Patent 2254511 A ist ein aus dem Sonnar 1 : 1,5 f = 5 cm von 1932 abgeleitetes Objektiv mit der Öffnung 1 : 1,4 belegt, dessen hintere Gruppe außerordentlich komplex aus 4 verkitteten Gliedern besteht. Der Entwurf beabsichtigte neben der Erhöhung der Lichtstärke die mithin unerlässliche Reduzierung der Komafehler bei weit geöffneter Blende und nahm dieserart bereits die Erkenntnis zur Notwendigkeit von mindestens 7, eher 8 Linsen späterer hochkorrigierter ƒ/1,2-Objektive vorweg,Das Rennen um die lichtstärksten Objektive – klassik-cameras.de obschon das Sonnar nicht über deren Möglichkeiten zur Fehlerkorrektur verfügte: 5 verkittete Flächen bedeutete den Verzicht auf die erhebliche Anzahl von 10 individuellen Linsenradien bzw. exponentiell wachsender Freiheitsgrade in der optischen Rechnung.Geometrische Optik – wmi.badw.de, PDF Insofern belegt der Entwurf eindrucksvoll die hohen Fähigkeiten Berteles, mit dem Sonnar unter den gebotenen Kompromisslösungen jener Zeit eine maximal leistungsfähige Optik zu erschaffen.
Mittlere Brennweiten – die erfolgreichsten Sonnare mini|Sonnar – mittlere Teleobjektiv-Brennweiten (Kleinbildformat) (1) Sonnar 1 : 4 f = 13,5 cm (1932) (2) Sonnar 1 : 2 f = 8,5 cm (1932) mini|MC Sonnar 3,5 / 135 Carl Zeiss Jena DDR für das Kleinbildformat; spätere lichtstärkere Version (Produktion: 1980er Jahre) mini|Schema des Sonnar 1 : 4 / 135: Schneider-Kreuznach Tele-Xenar 1 : 3,5 / 90 für das Kleinbildformat (1957)
Ungefähr zeitgleich mit den 50-mm-Sonnaren brachte Zeiss 1932 eine von Bertele im Jahr zuvor gerechnete längere Brennweite in einer überarbeiteten Version auf den Markt, deren Erfolgsgeschichte sich – vor allem nach 1945 in der Sowjetunion und Japan mit millionenfach direkt oder in abgewandelter Form nachgebauter und in Westdeutschland zusätzlich und erfolgreich zum Mittelformat konvertierter Modelle – bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts erstreckte.