Das Berufskolleg für Technik und Gestaltung der Stadt Gelsenkirchen (Eigenschreibweise: btg) ist als technisch-gestalterisches Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen mit Technischem Gymnasium eine berufsbildende Schule in Nordrhein-Westfalen in Trägerschaft der Stadt Gelsenkirchen. An zwei Schulstandorten werden etwa 2.200 Schüler von etwa 100 Lehrkräften unterrichtet.

Geschichte Der preußische Minister für Handel und Gewerbe führte 1908 die Schulpflicht für alle in gewerblichen Betrieben beschäftigten Jugendlichen ein und beauftragte die Gemeinden mit der Durchführung dieser Aufgabe. Nach einem von der Stadtverwaltung aufgestellten Organisationsplan, der im März 1909 durch den Minister genehmigt und durch das am 12. Juli 1909 vom Bezirksausschuss genehmigte Ortsgesetz Rechtskraft erlangte, wurden die in den einzelnen Stadtgemeinden bestehenden Innungs- und Fortbildungsschulen zu der neuen Schule vereinigt, die später den Namen „Gewerbeschule“ erhielt.

In den 1920er Jahren hatte die Schülerzahl der Gewerbeschule die Zahl 5000 weit überschritten, sodass sich die Schulverwaltung mit dem Gedanken trug, die Schule in zwei Systeme zu teilen. Diese Trennung wurde am 1. Juli 1929 vollzogen, nachdem die Zusammenlegung der Städte Gelsenkirchen, Buer und Horst zu der neuen Großstadt „Gelsenkirchen“ abgeschlossen war.

Die neue Schule erhielt den Namen „Industrieschule“ und übernahm die Aus- und Weiterbildung der freiwilligen Förderklassen für die Belange der Industrie. Die Gewerbeschule wurde unter Beibehaltung ihres Namens in eine Berufsschule des Handwerks umgebildet.

Im Jahre 1945 erfolgte die Vereinigung der Gewerbe- und Industrieschulen zur „Gewerblichen Unterrichtsanstalt“. Im darauffolgenden Jahr wurde die weibliche Abteilung als „Frauenbildungsanstalt“ etabliert. Weitere Restrukturierungen brachten die „Bauberufsschule“ (1957) – später umbenannt in „Georg-Kerschensteiner-Schule“ –, die „Metallberufsschule“ (1959) und die „Berufsschule für Bekleidung und Nahrung“ (1959) hervor. Mit Beginn des Schuljahres 1995/96 wurde die „Metallberufsschule“ in die bestehende „Georg-Kerschensteiner-Schule“ integriert.

Schließlich trägt das Berufskolleg seit der Zusammenführung der Kollegschulen und Berufsschulen im Schuljahr 1998/99 den heutigen Namen „Berufskolleg für Technik und Gestaltung“.

2015 hat der Rat der Stadt Gelsenkirchen die Schulentwicklungsplanung zur Neuorganisation der Gelsenkirchener Berufskollegs beschlossen.Beschlussvorschlag der Stadt Gelsenkirchen zur Auflösung des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung zum Schuljahr 2015/2016 und Ziel- und Maßnahmenplanung zur Neuorganisation der Gelsenkirchener Berufskollegs In diesem Zusammenhang hat das btg zum Schuljahr 2015/16 vom Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung die Bildungsgänge des dualen Systems der Berufsausbildung im Fachbereich Informatik übernommen. Zum Schuljahr 2016/17 erfolgte die Übernahme des Schulgebäudes an der Grimmstraße in Gelsenkirchen-Heßler durch das btg mit den bestehenden Bildungsgängen der Bereiche Gestaltung, Farbe und Medien.

Standorte/Gebäude Das Berufskolleg verteilt sich auf zwei Schulstandorte in Gelsenkirchen: Gelsenkirchen-Schalke, Overwegstraße 63 (Hauptstelle), Bereiche: Berufliches Gymnasium, Elektrotechnik, Informationstechnik mit Informationstechnischen Assistenten, Kfz-Technik, Metalltechnik, Mechatronik, Ingenieurwesen und Mediengestaltung Gelsenkirchen-Heßler, Grimmstraße 44 (Nebenstelle), Bereiche: Gestaltungstechnische Assistenten, Bautechnik, Farbtechnik und Raumgestaltung

Das heutige Hauptgebäude des btg in der Overwegstraße wurde 1964 bis 1968 nach dem Entwurf des Architekten Harald Deilmann aus Münster errichtet, der bei dem Gebäude der damaligen Metallberufsschule die Idee des Bauhausstils fortführte und den durch Le Corbusier geprägten Stil des Brutalismus aufgriff. Der Begriff Brutalismus findet seinen sprachlichen Ursprung im französischen béton brut = roher Beton, Sichtbeton. Der Brutalismus und somit auch das Schulgebäude ist demgemäß geprägt durch die Verwendung von Sichtbeton, die Betonung der Konstruktion, simplen geometrischen Formen und grober Ausarbeitung und Gliederung des Gebäudes.

Der Rat der Stadt Gelsenkirchen hat im Mai 2024 einstimmig die Errichtung eines Neubaus für das btg mit seinen Außenstellen beschlossen. Es soll dabei ein ambitionierte Bauwerke entstehen, das mit städtebaulich attraktivem Gestaltungsanspruch als „Tor in die Stadt“ gleichzeitig den Startschuss für die sukzessive Entwicklung eines Bildungs- und Innovationscampus geben soll. Diesem Campusgedanken folgend soll es neben dem Campus-Entrée auch einen für die Öffentlichkeit nutzbaren Gastronomie-Bereich sowie multifunktionale Flächen für innovative Nutzungen durch Kooperationen aus Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft bieten.Rat beschließt Errichtung eines multifunktionalen Bildungs- und Innovationsgebäudes – vorzugsweise für das btg!

Die Stadt Gelsenkirchen hat im Juni 2026 den architektonischen Entwurf des Neubaus des btg vorgestellt. Die Stadt hatte einen Architektur-Wettbewerb zur Umsetzung der Planungen ausgeschrieben, aus dem C. F. Møller Architects (Aarhus) als Sieger hervorging. Herzstück des entworfenen Gebäudes soll ein offenes Erdgeschoss werden, das als zugänglicher „Anker“ in die Stadt und Stadtgesellschaft wirken soll.

Schulabschlüsse Lernende können im btg alle Schulabschlüsse der Sekundarstufe I, wie den Ersten Schulabschluss (ehemalige Bezeichnung: Hauptschulabschluss nach Klasse 9), den Erweiterten Ersten Schulabschluss (ehemalige Bezeichnung: Hauptschulabschluss nach Klasse 10) oder den Mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife mit und ohne Qualifikationsnachweis), erwerben. Ebenso können auch alle Abschlüsse der Sekundarstufe II, wie die Fachhochschulreife und die Allgemeine Hochschulreife, d. h. das Abitur, erreicht werden. Zudem kann der Weiterbildungsabschluss Staatlich geprüfter Techniker erworben werden (siehe dazu auch unten: Bildungsgänge).

Auszeichnungen und Modellprojekte Gütesiegel „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“ Das btg betrachtet die Zukunft als ein durchgängiges Leit- bzw. Unterrichtsprinzip. Entsprechend sind die neuste Technik, aktuelle Gestaltungstrends und der Aspekt der Nachhaltigkeit von großer Bedeutung. In den technischen Fächern sind beispielsweise Gesichtspunkte wie Energieeffizienz und ein schonender Umgang mit den Ressourcen Herausforderungen. Des Weiteren finden Projekte statt, die den Horizont auch über das Fachliche hinaus erweitern. Zu diesen btg-Projekten zählen unter anderem:

„Der ökologische Fußabdruck – Eine Multivisionsshow“ „Wasser – Das blaue Gold“ „Fair Trade – gerechter Handel“ „Konsumwandel – Unser Smartphone und was alles drinsteckt“ „Schul-Sport-Fest – Zusammenhalt macht stark“

Für diese Aktivitäten und das besondere Engagement wurde das btg 2015 mit dem Gütesiegel „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet. Das Gütesiegel wird im Rahmen der UN-Initiative Bildung für nachhaltige Entwicklung durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen und die Natur- und Umweltschutzakademie NRW verliehen. 2024 wird das btg zum dritten Mal nach 2020 und 2022 als Schule der Zukunft rezertifiziert.

MSB-Modellprojekt „Berufliches Gymnasium für Ingenieurwissenschaften“ Am Berufskolleg für Technik und Gestaltung (btg) kann das Berufliche Gymnasium im technischen Bereich besucht werden. Von 2014 bis 2019 nahm das btg als eine von zehn ausgewählten Schulen in NRW am fünfjährigen Modellprojekt des Landes zum „Beruflichen Gymnasium für Ingenieurwissenschaften“ teil. Zum Sommer 2019 ist das Modellprojekt in das Regelangebot der Schule übergegangen. Es besteht nun die Möglichkeit, in der gymnasialen Oberstufe des btg mit den Leistungskursen Ingenieurwissenschaften und Mathematik die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Als neue Alternative verschafft das Berufliche Gymnasium für Ingenieurwissenschaften den Schülern die Möglichkeit, grundlegendes Verständnis für ingenieurwissenschaftliche Tätigkeiten zu erwerben. Lernende können sich mit den Fachdisziplinen Bautechnik, Elektrotechnik und Maschinenbautechnik vertraut machen, ohne sich frühzeitig auf eine ingenieurwissenschaftliche Disziplin festzulegen. Didaktisches und pädagogisches Unterrichtsprinzip ist dabei ein handlungsorientierter Unterricht bei einer intensiven berufspraktischen Projektorientierung zur Integration der ingenieurwissenschaftlichen Teildisziplinen. Der Schulversuch wurde durch das Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW sowie die Bezirksregierungen Münster getragen und in Kooperation mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Lehrstuhl Klaus Jenewein) evaluierend begleitet.

MSB-Innovationsprojekt „3i“ Ziel der Ausbildungsvorbereitung und der Berufsfachschule war es unter anderem, Jugendliche mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen, Stärken und sozialen Erfahrungen zu fördern und Basiskompetenzen zur beruflichen Qualifizierung zu vermitteln. Für einen großen Teil der Jugendlichen ist dieses Ziel schwer zu erreichen. In diesem Zusammenhang sind das gemeinsame Lernen im Rahmen der Inklusion sowie die individuelle Förderung eine besondere Herausforderung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eine „Professionelle Bildungsgangarbeit“ zur „individuellen Förderung, inklusiven Bildungsarbeit und sozialen Integration“ zu entwickeln.

Daran knüpfte das Innovationsprojekt 3i an. 3i steht für: Individuell fördern. Inklusive Bildungsarbeit stärken. Soziale Integration eröffnen. Kernaspekte des Innovationsprojektes 3i waren: Kollegiale Qualifizierung von Lehrkräften, Konzeption und Implementation von Bildungsgangprojekten in sogenannten Innovationsarenen, Verzahnung von Personal- und Schulentwicklung sowie die Entwicklung regionaler Entwicklungscluster. Als Projektschule nahm das btg von 2015 bis 2018 am Innovationsprojekt 3i teil. Eine zentrale Rolle der Arbeit am btg spielte dabei die Auseinandersetzung mit dem Thema multiprofessionelle Teamarbeit zur Stärkenorientierung. Das Projekt wurde wissenschaftlich begleitet durch die Universität Paderborn (Lehrstuhl H.-Hugo Kremer). Das Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW förderte das Projekt, das btg wurde dabei zudem durch die Bezirksregierung Münster unterstützt.

EU-Programm „Erasmus+“ Die Teilnahme des btg am EU-Programm Erasmus+ ermöglicht den Austausch mit dem schottischen West Lothian College und wird seit dem Schuljahr 2016/17 um weitere Partner in Frankreich (La Réunion), Griechenland, Italien, Malta und Spanien erweitert.

EU-Programm „eTwinning“ (eTwinning-School) Das btg nimmt am EU-Programm eTwinning teil. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk, das Schulen unterstützt, europäische Partnerschulen zu finden und gemeinsame Online-Projekte durchzuführen. Mithilfe von digitalen Werkzeugen und Diensten sind Projekte möglich, die den interkulturellen Austausch fördern. Schüler können Fremdsprachenkenntnisse dabei direkt anwenden, miteinander im sogenannten Twinspace an ihrem Projekt mit Lernenden aus anderen Ländern arbeiten. Sie erweitern so nicht nur ihre sprachlichen Fähigkeiten, sondern erproben zugleich die verantwortliche Nutzung digitaler Medien. Ziel ist, dass die Schüler sich in diesem Projekt austauschen, gemeinsam lernen und sowohl die Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede in ihren Vorstellungen und Lebensweisen innerhalb Europas erkennen und wertschätzen. eTwinning bietet außerdem Möglichkeiten für Lehrkräfte, sich online und durch Seminare im In- und Ausland fortzubilden.