Die St.-Trinitatis-Kirche in Mrągowo () ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie ist eine der wenigen Kirchen in Polen, die in der Zeit nach 1945 evangelisch geblieben sind.

mini|Der massive viergeschossige Kirchturm Geographische Lage Das einst ostpreußische Sensburg und heute polnische Mrągowo liegt in Masuren in der östlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren am Kreuzungspunkt der polnischen Landesstraßen DK 16 (einstige deutsche Reichsstraße 127) und DK 59 (Reichsstraße 140) sowie der Woiwodschaftsstraßen DW 591 und DW 600. Eine Bahnanbindung existiert nicht mehr.

Die St.-Trinitatis-Kirche steht im östlichen Stadtzentrum nahe dem Czoos-See ().

Kirchengebäude In der Nachfolge eines KirchengebäudesKirchen in Sensburg aus dem Jahr 1409 wurde in Sensburg im Jahre 1734 der jetzige verputzte Feldsteinbau als „Evangelische Pfarrkirche“ (so die offizielle Bezeichnung bis 1945) errichtet – als Anbau an den aus dem Jahr 1705 stammenden viergeschossigen Westturm.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 140, Abb. 675. Den Turm zierte einst eine Wetterfahne mit dem Sensburger Wappen und der Jahreszahl 1705.

Der Kircheninnenraum war dreischiffig angelegt. Der Mittelteil war überwölbt, und über den seitlichen Emporen befanden sich Flachdecken. Der Altar mit der Reproduktion des Bildes Das Abendmahl von Leonardo da Vinci und die Kanzel waren Arbeiten des 19. Jahrhunderts, während der Taufstein sowie das Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert stammten. Über dem Haupteingang war zu lesen: der Psalmvers Gehet in Gottes Thore frölich ein mit Dancken, und Diess Haus ist erbaut zu Gottes Wahren Ehren, so Lasst uns solchen Preis zu unserer Zeit vermehren.

Die 1760 erbaute Orgel wurde 1836 von Orgelbaumeister Johann Scherweit aus Königsberg (Preußen) repariert. Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken.

Im Jahr 1822 überstand die Kirche den großen Stadtbrand ohne Beschädigung. Im Jahr 1885 baute man die Apsis an das Gebäude an.

Eine Brandstiftung zerstörte 1945 die Kirche, die 1961 in gleicher Form, aber niedriger und kürzer wieder aufgebaut wurde. Die Innenausstattung wurde erneuert und gibt sich heute als modern, schlicht und pragmatisch.

Kirchengemeinde mini|Die Kirche von der Grünanlage Jan Paweł II aus gesehen Bereits in vorreformatorischer Zeit um 1400 bestand in Sensburg eine Kirchengemeinde.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 501. Schon früh nach Einzug der Reformation in Ostpreußen wurde hier lutherisch gepredigt. Ursprünglich der Inspektion Rastenburg () zugeordnet,Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 127. war die Kirchengemeinde bis 1945 in den Kirchenkreis Sensburg der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Hier taten zwei Pfarrer gleichzeitig ihren Dienst in dem weitläufigen Kirchspiel von Stadt und Land bei immerhin 10.000 Gemeindegliedern im Jahr 1925 mit den besonderen Aufgaben der Krankenhaus- und Gefangenenseelsorge und – ab 1899 – der Betreuung einer Garnison.

In Kriegsfolge kam Sensburg 1945 zu Polen. Obwohl Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder erheblich dezimiert hatten, konnte sich in der jetzt Mrągowo genannten Stadt eine neue evangelische Gemeinde etablieren, der die alte Pfarrkirche als Gotteshaus zustand. Sie ging in das Eigentum der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen über und erhielt den Namen St.-Trinitatis-Kirche (polnisch: Kościół św. Trójcy). Sie ist wieder eine Pfarrkirche, der die beiden Filialgemeinden Nawiady (Aweyden) und Użranki (Königshöhe, bis 1881 Uszranken) zugeordnet sind. In der Pfarrei, die zur Diözese Masuren gehört, tut nur noch ein Geistlicher seinen Dienst.

Kirchspielorte (bis 1945) Das Kirchspiel Sensburg bestand bis 1945 aus den beiden Sprengeln Stadt und Land:

Sensburg-Stadt: Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Bronikowen Ratsgrund Bronikowo Sensburg (Stadt) Mrągowo Marienthal Stadtwald Nikutowen Niekuten Nikutowo Sternfelde Gwiazdowo Ober Mühlenthal Młynowo Sternwalde Lasowiec Poremben Poręby Timnikswalde (nach 1898:)Ratswalde Tymnikowo Porembischken Vierwinden Porębiska Troscziksberg (1936–1938) Troszigsberg (1938–1945) Trotzigsberg Troszczykowo

Sensburg-Land:Der * kennzeichnet einen Schulort. Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName * Alt Bagnowen Althöfen Bagienice * Mertinsdorf Marcinkowo Bagnower Wald Gut Althöfen Bagnowski Dwór * Muntowen Muntau Muntowo Bagnowenwolka (ab 1929)Tiefendorf Wolka Bagnowska Neu Bagnowen Borkenau Nowe Bagienice Czerwanken (ab 1930)Rotenfelde Czerwonki Petersberg Piotrówka * Grabowen Grabenhof Grabowo * Polschendorf (ab 1928)Stangenwalde Polska Wieś * Jakobsdorf Jakubowo Proberg Nowy Probark * Karwen Karwie Probergswerder Żabieniec * Klein Bagnowen (ab 1929)Bruchwalde Bagienice Małe Schniodowen Schniedau Śniadowo * Krummendorf Krzywe * Wiersbau Lockwinnen Wierzbowo

Pfarrer An der Pfarrkirche Sensburg amtierten als evangelische Geistliche: NN., 1550 NN., bis 1552 NN., ab 1552 Melchior Drechsler, bis 1573 Sigismund Glinski, ab 1573 Johann Schenckenberg, bis 1588 Christoph Pambius, 1588–1592 Johann Feuerstein, ab 1593 Albrecht Dorsch, 1607 Matthias Libinski, 1610–1616 Johann Frigidus, bis 1625 Johann Metner, ab 1626 Heinrich Cruse, 1626–1635 Georg Sannius, bis 1650 Johann Faber Andreas Pirowius, 1658–1693 Albert Porritius, bis 1668 Andreas Hamilton, 1668–1669 Johann Heeder, ab 1669 Johann Jerzembski, 1691–1728 Christian Heeder, bis 1708 Michael Heeder, 1708–1752 Johann Friedrich Jerzembski, 1729–1761 Georg Andreas Cwalina, 1752–1758 Wilhelm Swonckowski, 1758–1779 Christoph Nadrowski, 1761–1782 Jacob von Lenski, 1779–1784 Johann Theodor Stern, 1782–1808 Gottlieb B. Schimanowski, 1784–1794 Ernst Christian Boretius, 1794–1818 Ernst Gotthold Wendland, 1808–1840 Martin Friedrich Sczesny, 1819–1826 Adam Emanuel Sadowski, 1826–1827 Heinrich Leopold Czygan, 1828–1852 Johann Heinrich Schellong, 1840–1853 Julius Robert Stiller, 1853–1867Angehöriger des Corps Masovia Heinrich Rudolf Hensel, 1853–1870 Friedrich Otto H. Gerß, 1868–1894 Franz Borchert, 1870–1873 Julius Pilchowski, 1874–1876 Johann Leopold Hugo Alexander, 1884–1886 Leo Wilhelm Richard Bury, 1886–1888 Karl G. Franz Rothe, 1889–1925 Johann Julius G. Rimarski, 1895–1925 Gustav Herm. Const. Hotop, ab 1901 Gotthard Meyberg, 1925–1928 Otto Karl Matern, 1925–1945 Hermann Blankerts, 1929–1933 Ernst Szepan, 1933–1937 Günter Baumgart, 1938–1945

2016 amtierte an der St.-Trinitatis-Kirche Pfarrer Piotr Mendroch.

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen des Kirchspiels Sensburg haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage. Berlin 1992, S. 107–108; auch: Berichtigungen und Ergänzungen dazu, Berlin 2001, S. 10.

Taufen: – Stadt: 1659 bis 1944, Land: 1659 bis 1944 Trauungen: – Stadt: 1766 bis 1944, Land: 1766 bis 1944 Begräbnisse: – Stadt: 1682 bis 1944, Land: 1682 bis 1944

Außerdem existieren Namenslisten der Getauften, Getrauten und Begrabenen sowie eine Liste der Pfarrer und Diakone 1550 bis 1836 und chronikalische Aufzeichnungen.

Literatur F. Bredenberg: Der Kreis Sensburg. Würzburg 1960.

Weblinks

Einzelnachweise

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