mini|Die Thesentür der Schlosskirche in Wittenberg
Mit dem Reformationsjubiläum 2017 wurde im Zeitraum 2016/2017 der 500. Jahrestag des Beginns der Reformation begangen. Das Jubiläum war weltweit der Höhepunkt der Luther- / Reformationsdekade. Im gesamten Zeitraum fanden weit über eintausend Veranstaltungen, Tagungen und Ausstellungen statt.
Organisation Aufgrund der herausragenden Bedeutung des Jubiläums über theologische Aspekte hinaus wurde von Bund und Ländern die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“ geschaffen. Die in Lutherstadt Wittenberg ansässige Einrichtung war ein bundesweit zentraler Akteur bei der Koordinierung und Vernetzung der Partner für die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum 2017.Deutscher Bundestag: Drucksache 17/6465. 6. Juli 2011. Eine der zentralen Aufgaben der Staatlichen Geschäftsstelle bestand darin, nicht-kirchliche Akteure wie Kulturschaffende, Kommunen, Museen oder Bundesländer in das Jubiläum einzubinden und damit die wichtige Dimension des Ereignisses auch außerhalb kirchlicher Strukturen aufzuzeigen.
Parallel richtete die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Wittenberg die Geschäftsstelle „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“ ein. Sie war der Anlaufpunkt für kirchliche Akteure, ob Körperschaften, Gemeinden oder Einzelpersonen. Die beiden Geschäftsstellen arbeiteten eng zusammen. Die Lizenz für das Logo „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“ wurde von den Geschäftsstellen gemeinsam vergeben und stand den Akteuren des Reformationsjubiläums kostenfrei zur Verfügung.
Zur Durchführung der kirchlichen Großprojekte gründeten der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den Reformationsjubiläum 2017 e. V. mit Sitz in Lutherstadt Wittenberg. Die Gründungsversammlung war am 2. Oktober 2012. Der Verein verantwortete für den 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag die Realisierung des Festwochenendes auf den Elbwiesen vor Wittenberg mit dem Festgottesdienst und dem Bürgerfest am 28. Mai 2017. Ebenso trug der Verein die organisatorische Verantwortung für den Europäischen Stationenweg, die „Kirchentage auf dem Weg“, die zwischen dem 25. und 27. Mai 2017 in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, Dessau-Roßlau und Halle/Eisleben stattfanden. Mit der in der EKD entwickelten, ursprünglich als „EXPO 2017 des Protestantismus“ projektierten Ausstellung „Tore der Freiheit – Weltausstellung der Reformation“, die in Wittenberg vom 20. Mai bis zum 10. September 2017 stattfand, war der Reformationsjubiläum 2017 e. V. ebenso beauftragt, wie mit der Organisation der begleitenden Camps für Konfirmanden und Jugendliche. Mit dieser Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betraten die verfasste Kirche und die Kirchentagsbewegung Neuland.
Für die inhaltliche Zusammenarbeit zwischen DEKT und EKD wurde ein Leitungskreis berufen, dessen Vorsitz zunächst Reinhard Höppner und später Gerhard Robbers hatten. Es wurden zahlreiche Projektleitungen berufen. Für die „Tore der Freiheit – Weltausstellung der Reformation“ übernahm Margot Käßmann die Projektleitung.
Die EKD ernannte ihre ehemalige Ratsvorsitzende Margot Käßmann zudem zur Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017.
Die Deutsche Zentrale für Tourismus konzentrierte im Vorfeld des Reformationsjubiläums in Zusammenarbeit mit der Kampagne „Luther 2017“ ihre Aktivitäten auf die Vermarktung des Ereignisses. Die ersten Planungen hierzu begannen 2012. Im Visier der Kampagne standen zwei unterschiedliche Zielgruppen in aller Welt, zum einen kulturinteressierte Deutschland-Reisende, zum anderen Kirchengemeinden und religiös motivierte Touristen, vor allem aus den „klassischen Gemeinschaften der Reformation“, d. h. den weltweit 426 Millionen Menschen und damit 5,8 Prozent der Weltbevölkerung, deren Glaube in der Tradition der Reformation steht. Die DZT sorgte ab 2012 dafür, dass das Thema Luther weltweit auf Tourismusbörsen und in Medien präsent war. Die deutsche Fremdenverkehrswirtschaft erhofft sich vom Lutherjahr 2017 eine Stärkung der weltweiten Marktposition Deutschlands als Kulturreiseland.Tourismus-Ausschuss des Deutschen Bundestags: Tourismusbranche setzt auf Luther. In: bundestag.de, 19. Januar 2017, abgerufen am 3. November 2017.
Auswirkungen und Ereignisse International Unter dem Titel „Here I Stand …“ fanden innerhalb der Luther-Dekade drei Ausstellungen zum Leben und Wirken Martin Luthers in den Städten Minneapolis, New York City und Atlanta statt. Das bedeutendste Kunstwerk, das im Zuge des Reformationsjubiläums 2017 entstand, ist die Skulptur man in a cube von Ai Weiwei, mit der der chinesische Künstler Luther ausdrücklich würdigte.Walter Smerling: Ai Weiwei. In: Ders. (Hrsg.): Luther und die Avantgarde. Zeitgenössische Kunst im alten Gefängnis in Wittenberg mit Sonderpräsentationen in Berlin und Kassel. Wienand, Köln 2017, (falsch), S. 66.Stefan Bock: Luther und die Avantgarde. In: der Freitag online, 30. Juli 2017, abgerufen am 2. Januar 2023.
Bundesweiter Feiertag Anlässlich des Reformationsjubiläums war der Reformationstag am 31. Oktober 2017 in Deutschland einmalig ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag.(Von dpa): Reformationstag – 2017 einmalig bundesweiter Feiertag? In: Stuttgarter Zeitung. 29. Oktober 2013, abgerufen am 30. Oktober 2017. Dazu hatten alle Bundesländer, in denen der Reformationstag normalerweise kein Feiertag ist, Gesetze bzw. Verordnungen erlassen, die den 31. Oktober zum gesetzlichen Feiertag erklärten.
Gegen die 2014 noch in der Diskussionsphase befindliche Maßnahme protestierte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die darauf hinwies, dass ein „generell arbeitsfreier Feiertag […] Betriebe mit Kosten belasten [würde], ohne einen Beitrag für eine nachhaltige Diskussion über die Bedeutung der Reformation zu leisten“.Evangelische Kirche in Deutschland: Bundesweiter Feiertag zum 500. Reformationsjubiläum rückt näher. In: ekd.de, 31. Oktober 2014, abgerufen am 25. August 2018.
In der Folge des Reformationsjubiläums wurde der Reformationstag bereits ab 2018 in weiteren Bundesländern arbeitsfreier Feiertag: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, und Bremen.
Überarbeitung der Lutherbibel Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nahm das Jubiläum zum Anlass, eine Revision der von ihr herausgegebenen Lutherbibel vorzunehmen.Durchsicht der Lutherbibel beschlossen. Pressemitteilung der Deutschen Bibelgesellschaft. In: dbg.de, 20. Juli 2010, abgerufen am 27. November 2018. Diese erschien unter dem Schlagwort Lutherbibel 2017 am 19. Oktober 2016 bei der Deutschen Bibelgesellschaft und wurde am 30. Oktober 2016 während eines Festgottesdienstes in der Eisenacher Georgenkirche offiziell den Gemeinden übergeben. Mit der Leitung des Lenkungsausschusses für die Revision der Lutherbibel hatte der Rat der EKD seit 2010 Christoph Kähler (1981–2001 Neutestamentler in Leipzig, bis 2009 Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen bzw. in der Evang. Kirche in Mitteldeutschland) beauftragt. Er ging in diversen Beiträgen und Vorträgen der Frage nach, ob eine Revision derjenigen Bibel, die in ihrem Wortlaut auf Martin Luther zurückgeht, nicht ein Widerspruch in sich selbst sei. Doch er zeigte dabei auf, was eine neue Ausgabe der Übersetzung bedeuten kann, die über Jahrhunderte Kirche und Kultur nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas geprägt hat. Er nannte dabei u. a. die Gründe für eine neue Revision, beschrieb das Verfahren der Revision und erläuterte exemplarisch die Ergebnisse der Revision von 2017.Siehe z. B. Christoph Kähler: Zum Reformationsjubiläum eine revidierte Lutherbibel. Treue gegenüber dem biblischen Text. In: Deutsches Pfarrerblatt. Heft 1/2016.
Europäischer Stationenweg Anlässlich des Reformationsjubiläums wurde am 3. November 2016 in Genf der Europäische Stationenweg eröffnet. Er verband zentrale Orte der Reformation in 18 europäischen Ländern symbolisch miteinander und verdeutlichte so die globale Dimension der Reformation. Ein „Reformationstruck“ bereiste die Städte, beginnend am 3. November im calvinistisch geprägten Genf und endend am 20. Mai 2017 im lutherisch geprägten Wittenberg, nacheinander und verband sie so symbolisch miteinander.Geschichten auf Reisen – Route des Europäischen Stationenweg vorgestellt. In: Luther2017.de, 17. September 2015, abgerufen am 1. Juli 2017.. In: r2017.org, 3. November 2016, abgerufen am 10. November 2016. Durch die Wahl des Start- und des Zielorts wurde die Zusammengehörigkeit des reformierten und des lutherischen Zweigs des Protestantismus signalisiert.
freiTÖNE. Liederbuch zum Reformationssommer 2017 Anlässlich der Feier des Reformationsjubiläums bildeten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutsche Evangelische Kirchentag 2017 eine Kooperation, um in dem Liederbuch freiTÖNE Lieder aus fünf Jahrhunderten zusammenzustellen. freiTÖNE enthält Lieder aus der Feder von Martin Luther, aus dem Evangelischen Gesangbuch und aus Kirchentagsliederbüchern. Neu sind mehr als 40 Lieder, die speziell für den Reformationssommer und den Kirchentag Berlin-Wittenberg getextet und komponiert wurden. Die Herausgeber legten großen Wert darauf, viele Lieder mehrstimmig abzudrucken und viele mehrsprachige Lieder aus der internationalen Ökumene hineinzunehmen.freiTÖNE. Liederbuch zum Reformationssommer 2017. Hrsg. vom 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag Berlin 2017 e. V., reformation2017 e. V., Evangelische Kirche in Deutschland. Bärenreiter-Verlag, Kassel , 283 Seiten. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hat im November 2018 die freiTÖNE als Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch in ihren Gemeinden eingeführt.
Deutscher Evangelischer Kirchentag Vom 24. bis 28. Mai 2017 fand der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag in Wittenberg und Berlin statt. Zusätzlich fanden in Mitteldeutschland sechs „Kirchentage auf dem Weg“ statt. So sollten den Teilnehmern authentische Orte der Reformation gezeigt werden. Die „Kirchentage auf dem Weg“ fanden in Magdeburg, Halle/Eisleben, Jena/Weimar, Erfurt, Leipzig und Dessau-Roßlau statt. Der Festgottesdienst des Kirchentags fand auf den Elbwiesen in Wittenberg statt.
Festwochenende auf den Elbwiesen in Wittenberg
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) einigten sich im August 2012, aus Anlass des Reformationsjubiläums 2017 einen „Großgottesdienst“ in Wittenberg durchzuführen. Die Federführung für die Umsetzung lag bei dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT). Die Organisation wurde dem Reformationsjubiläum 2017 e. V. übertragen. Für die Werbung wurde der Slogan „Können wir ein frohes Fest auch im Mai feiern?“ ausgesucht.
In den ersten Planungen gingen die Verantwortlichen von rund 200.000 bis 300.000 Teilnehmer aus. Als geeignetes Gelände war zunächst eine Wiese an der L131 östlich des Wittenberger Ortsteiles Pratau im Blick. Die konkreten Planungen für den Gottesdienst konzentrierten sich dann auf ein am Elbdeich gelegenes früheres Flugfeld, das in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Brückenkopf-Kaserne liegt, in der sich heute ein Hotel befindet. Obwohl das Gelände im Juni 2013 bei einem Jahrhunderthochwasser von der Elbe überflutet worden war, wurde der Gedanke, den Gottesdienst nach Berlin zu verlegen, verworfen. Um das Gelände für eine Großveranstaltung zu erschließen, mussten umfangreich Wege befestigt und Bau-, Sicherheits- und Umweltauflagen erfüllt werden. Eine eigens aufgebaute Pontonbrücke verkürzte den Fußweg aus der Wittenberger Innenstadt und vom Altstadt Bahnhof. Pioniere aus der Kaserne in Havelberg und das Technische Hilfswerk errichteten die provisorische Brücke.