Ernst August Albert Otto Rupprecht Oskar Berthold Friedrich-Ferdinand Christian-Ludwig Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland (nach österreichischem Namensrecht Ernst August Hannover; * 26. Februar 1954 in Hannover) ist das Familienoberhaupt der Welfen und damit des ehemals königlichen Hauses Hannover und des früheren herzoglichen Hauses von Braunschweig, das sein Großvater Ernst August bis 1918 regiert hatte.
Ernst August ist außerdem ein Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. über dessen einzige Tochter Viktoria Luise von Preußen. Er besitzt die deutsche, österreichische und britische Staatsangehörigkeit.
Im Jahr 2004 übertrug er den land- und forstwirtschaftlichen Besitz des Hauses Hannover in Deutschland und Österreich, darunter das Schloss Marienburg, das benachbarte Hausgut Calenberg, das Fürstenhaus in Hannover-Herrenhausen und den Exilsitz der Familie in Gmunden, seinem Sohn Ernst August, der seit 2012 die Verwaltung leitet und auch zunehmend die Repräsentation des Welfenhauses wahrnimmt.
Familie Ernst August von Hannover ist der älteste Sohn von Ernst August IV. Prinz von Hannover, Herzog von Braunschweig Lüneburg (1914–1987) und dessen Ehefrau Ortrud Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1925–1980). Seine Geschwister sind: Marie Viktoria Luise Hertha Friederike (* 1952) ⚭ 1982 Michael Graf von Hochberg Ludwig Rudolph (* 28. November 1955; † 28. November 1988) ⚭ 4. Oktober 1987 Isabella Gräfin von Thurn und Valsassina (1962–1988) Olga Sophie Charlotte Anna (* 1958) Alexandra Irene Margitha Elisabeth Bathildis (* 1959) ⚭ 1981 Andreas Fürst zu Leiningen Heinrich Julius (* 1961) ⚭ 1999 Thyra von Westernhagen
Daneben hat Ernst August den älteren Halbbruder Christian Ernst August Hubertus Freiherr von Humboldt-Dachroeden (* 1943), der aus einer vorehelichen Beziehung seines Vaters mit Maria Anna, geb. Freiin von Humboldt-Dachroeden (1916–2003), bis zur Scheidung 1943 Gattin des Hubertus von Preußen, stammt.
Über die Schwester seines Vaters, Königin Friederike von Griechenland (1917–1981), ist er ein Cousin ersten Grades des früheren Königs Konstantin II. von Griechenland und dessen Schwester, Königin Sophia von Spanien (* 1938). Sein Onkel Georg Wilhelm (1915–2006) war verheiratet mit Prinzessin Sophie von Griechenland (1914–2001), einer Schwester von Prinz Philip, Duke of Edinburgh.
Leben Ernst August wurde am 4. Mai 1954 in der Kapelle des Schlosses Marienburg durch Landesbischof Hanns Lilje evangelisch-lutherisch getauft. Zu seinem Taufpaten gehörten Kronprinz Otto von Österreich-Ungarn, Kronprinz Rupprecht von Bayern, Prinz Oskar von Preußen, Berthold Markgraf von Baden, Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg, nach denen er auch benannt wurde.
Nach einer Ausbildung zum Landwirt in Großbritannien und Kanada betätigte er sich als Geschäftsmann und Produzent von Tier- und Dokumentarfilmen.
Am 30. August 1981 heiratete er auf der Marienburg kirchlich die Schweizerin Chantal Hochuli (* 2. Juni 1955 in Zürich), Tochter des Architekten Johann Gustav Hochuli (1912–?) und dessen Gattin Rosemarie Lembeck (1921–2011), nachdem zuvor eine zivile Eheschließung in Pattensen stattgefunden hatte. Ernst August IV. hatte die Ehe seines ältesten Sohnes mit der Bürgerlichen erlaubt und für dynastisch im Sinne des welfischen Hausgesetzes von 1836 erklärt, wodurch der Bräutigam sein Erstgeburtsrecht behielt. An der Hochzeit nahmen unter anderem König Konstantin II. und Königin Anne-Marie von Griechenland, Königin Sophia von Spanien mit ihren Kindern Elena, Cristina und Felipe, sowie Louis Ferdinand von Preußen teil. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Ernst August VI. (* 1983; ⚭ 2017 Ekaterina Malysheva) und Christian Heinrich (* 1985; ⚭ 2017 Alessandra de Osma). Die Ehe wurde 1997 in London aufgrund von Ehebruch mit einer nicht genannten Frau geschieden.
Am 23. Januar 1999 heiratete er Prinzessin Caroline von Monaco (* 1957), Tochter des Fürsten Rainier III. (1923–2005) aus dem Hause Grimaldi. Mit ihr hat er eine Tochter, Alexandra von Hannover (* 1999), die im österreichischen Landeskrankenhaus Vöcklabruck geboren wurde. Er lebt seit 2009 von seiner Frau getrennt. Von 2021 bis 2025 war er mit Claudia Stilianopoulos, einer Künstlerin philippinisch-spanischer Herkunft, liiert.
Name und Titel Der offizielle Name lautet im deutschen Pass: Ernst August Albert Paul Otto Rupprecht Oskar Berthold Friedrich-Ferdinand Christian-Ludwig Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland.Ernst August Junior im HAZ-Interview In der Prinzenrolle: „Unter Nachname steht im Pass ‚Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland‘.“ Im britischen Pass lautet der Name His Royal Highness Ernest Augustus Guelph.Focus, 3. Juli 2017: Er besitzt einen deutschen, österreichischen und englischen Pass. In letzterem lautet sein Name: His Royal Highness Ernest Augustus Guelph.
Zur Geburt seines Vaters 1914 verlieh König Georg V. diesem und allen folgenden Kindern von Ernst August Herzog von Braunschweig die Anrede Highness und den Titel Prinz von Großbritannien und Irland. Herzog Ernst August war als direkter Agnat König Georgs III. nur noch entfernt mit der mittlerweile in Großbritannien regierenden Königsfamilie aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha verwandt, allerdings mütterlicherseits Cousin ersten Grades von Georg V. Der aufgrund des Ersten Weltkrieges verabschiedete Titles Deprivation Act 1917 erlaubte es Georg V., feindlich gehaltene britische Titel zu entziehen, von dieser Möglichkeit machte er am 28. März 1919 auch mit Blick auf den zuletzt regierenden Monarchen Ernst August Gebrauch. Dessen Nachkommen könnten zwar mit einer Petition den britischen König um die Wiedereinsetzung bitten, jedoch wurde bisher davon abgesehen. Der Titel Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland wird aber in Deutschland nach dem deutschen Namensrecht von 1919 als Teil des Familiennamens geführt.
Skandale Von Hannover ist mehrfach mit gewalttätigen oder beleidigenden Ausbrüchen in die Medien geraten.
Gut Calenberg 1998 Im Januar 1998 prügelte er vor dem Gut Calenberg mit seinem Regenschirm auf den hannoverschen Kameramann Karsten Thürnau und den Fotografen Rainer Dröse ein und wurde von Ersterem dabei gefilmt.spiegel.de: 17.000 Mark für Regenschirm-Attacke Spiegel.de vom 4. Oktober 2001, abgerufen am 2. Februar 2017 Dies sorgte bundesweit für Schlagzeilen und brachte ihm die Spitznamen „Prügelprinz“ bzw. „Prügelaugust“ ein. Das Landgericht Hannover verurteilte ihn zur Zahlung von 15.000 Mark Schmerzensgeld an den Kameramann. Ein Strafverfahren wegen Körperverletzung wurde gegen Zahlung von 90.000 Mark eingestellt.
Salzburger Festspiele 1999 Im Jahr 1999 gab er am Rande der Salzburger Festspiele einer Bunte-Fotografin einen Tritt, wodurch diese einen Bluterguss erlitt. In erster Instanz wurde er deshalb am 6. Dezember 2001 vom Amtsgericht Springe zu acht Monaten Bewährungsstrafe und 500.000 Mark Geldbuße verurteilt; in zweiter Instanz vor dem Landgericht Hannover wurde das Verfahren im Hinblick auf die schwerer wiegenden Kenia-Vorwürfe (siehe unten) eingestellt.Prinz Ernst August zu Geldstrafe verurteilt, Die Welt, 26. November 2004
Kenia 2000 Am 25. November 2004 wurde er zunächst wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 445.000 Euro verurteilt, weil er am 11. Januar 2000 einen deutschen Hotelier auf der Insel Lamu in Kenia krankenhausreif geprügelt haben soll. Die von ihm angestrebte Wiederaufnahme des Verfahrens wurde im März 2007 vom Landgericht Hildesheim in erster Instanz abgelehnt,, AFP, 21. März 2007 später wurde ihr jedoch vom Oberlandesgericht Celle stattgegeben. Ab dem 15. Juni 2009 wurde vor dem Landgericht Hildesheim erneut verhandelt.Prügelprozess gegen Prinz Ernst August: Duell um die Ehre – SPIEGEL ONLINE Am 9. März 2010 wurde er wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro verurteilt (40 Tagessätze); er hatte zwei Ohrfeigen eingeräumt.Prinz Ernst August: 100 000 Euro pro Ohrfeige – Boulevard – FOCUS Online – Nachrichten Eine Revision dagegen wurde im April 2011 vom Oberlandesgericht Celle als „offensichtlich unbegründet“ verworfen, damit ist das Urteil rechtskräftig.Oberlandesgericht Celle verwirft Revision von Ernst August Prinz von Hannover, Pressemitteilung vom Oberlandesgericht Celle, Az.: 31 Ss 7/11
Expo 2000 in Hannover Auffällig wurde er auch bei der Weltausstellung 2000 in Hannover, als er beim Urinieren am türkischen Pavillon von einem Paparazzo fotografiert wurde, was ihm zeitweise von der Boulevardpresse den Beinamen „Pinkelprinz“ einbrachte. In einer ganzseitigen Anzeige in der FAZ räumte Hannover zwar ein, sich auf der Messe erleichtert zu haben, dies sei jedoch nicht am türkischen Pavillon geschehen. In Hinblick auf die vor allem von der Bild geführte „Pinkelprinz“-Kampagne beschimpfte er ferner die Leiterin der Bild-Redaktion Hannover, Anne-Kathrin Berger, am Telefon massiv und wies sie darauf hin, dass er nur „mit Arschlöchern wie Journalisten“ so reden würde und dass die Dame selbst am besten wisse, „was ihre Scheißzeitung“ tue. Die Anrufe wurden in der Folge in der Bild abgedruckt, die Zeitung erstattete Anzeige gegen ihn.
Geschwindigkeitsverstoß in Frankreich 2003 Im Juni 2003 wurde Hannover bei einer Fahrt auf der französischen Autobahn mit 211 km/h erwischt und deshalb in Frankreich zu einem Monat Fahrverbot und 728 Euro Strafe verurteilt., openpr.de, 14. September 2004 Seine Klage gegen die Veröffentlichung in deutschen Zeitungen scheiterte zuletzt vor dem Bundesverfassungsgericht.
Absenz bei monegassischer Hochzeit 2011 Dass er 2011, im Gegensatz zu seiner Ehefrau Caroline, der Hochzeit von deren Bruder Albert II. und Charlene Wittstock fernblieb, führte zu einigem Aufsehen.n-tv.de am 3. Juli 2011: Prominente Hochzeitsgäste: Über wen Monaco tuschelt
Oberösterreich 2020 Am 15. Juli 2020 kam es in seinem Jagdhaus im oberösterreichischen Grünau im Almtal zu einem Vorfall, der mit seiner Einweisung in eine psychiatrische Abteilung endete. Nach Darstellung der Polizei habe er diese gerufen, da er in Not sei und dringend Hilfe brauche. Bei Eintreffen der Hilfskräfte habe er sich jedoch äußerst aggressiv verhalten und diese körperlich angegriffen. Es sei ihm ein Wetzstahl abgenommen worden. Da auch eine Selbstgefährdung nicht habe ausgeschlossen werden können, sei er in die Psychiatrie des Krankenhauses Vöcklabruck gebracht worden. Die örtliche Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn. Er selbst stellte den Vorfall anders dar: Er habe wegen einer Unterzuckerung den Rettungsdienst angerufen. Warum die Polizei mitgekommen sei, wisse er nicht. Die Polizisten hätten ihn plötzlich grundlos angegriffen, er habe sich nur gewehrt und „wahrscheinlich zurückgeboxt“.
Am 20. Juli 2020 kam es zu einem erneuten Zwischenfall; diesmal habe er auf einer Straße unweit eines Polizeireviers im oberösterreichischen Scharnstein Polizeibeamte aus einem Fahrzeug heraus verbal bedroht, wobei auf dem Sitz ein Baseballschläger gelegen haben soll.
Am 7. September 2020 wurde er wegen Nötigung, Bedrohung und Sachbeschädigung erneut in Grünau von der Polizei festgenommen. Eine Bedienstete und ihr Ehemann hätten Anzeige erstattet, da er beide aufgefordert habe, „sich zu schleichen“, anderenfalls werde er einen Schlägertrupp rufen. Zudem habe er ein Verkehrszeichen herausgerissen und ein Fenster eines Gebäudes eingeschlagen.Pöbelnder Ernst August in Österreich festgenommen bei ndr.de vom 8. September 2020