Der Mercedes-Benz L 312 ist ein zweiachsiger Lastwagen von Mercedes-Benz, der ab 1953 in Mannheim gebaut wurde. Er entspricht weitgehend dem Typ L 311. Wegen ihrer Motorleistung von anfangs 90 PS (66 kW) waren beide Typen zu ihrer Zeit als „90er Mercedes“Veteranenhalle.de, abgerufen am 14. April 2016. bekannt. Zunächst wurde das Fahrzeug als Pritschen- und als Kippbrücken-LKW gebaut und als L 4500 bezeichnet. 4500 entspricht dabei der geringsten maximal zulässigen Zuladung in Kilogramm von Lastwagen dieser Baureihe vor der Umbenennung. Ab 1954 hießen die Fahrzeuge L 312. Es gab sie als Pritschen- und Kipper-LKW, Zugmaschinen und als Fahrgestelle für Sonderaufbauten. Die Produktion endete 1961. Im gesamten Produktionszeitraum setzte Mercedes-Benz 73033 Fahrzeuge ab, rund 7700 davon mit Allradantrieb.Transport mit Traktion: Allradgetriebene Lkw seit 1945. Daimler-Benz Media Das Fahrzeug wurde auch in Argentinienhttps://camionargentino.blogspot.com.ar/2012/12/mercedes-benz-l-312.html und Brasilien produziert.

Modellvarianten Die Fahrzeuge des Typs L 312 wurden in sieben verschiedenen Grundausführungen gefertigt: L 312: Basismodell, Hinterradantrieb, Pritsche LK 312: Hinterradantrieb, Kippbrücke LA 312: Allradantrieb, Pritsche LAK 312: Allradantrieb, Kippbrücke LS 312: Straßenzugmaschine, Hinterradantrieb LAS 312: Straßenzugmaschine, Allradantrieb LP 312: Frontlenkerfahrgestell ohne Aufbau, Hinterradantrieb

Technik Fahrwerk und Getriebe Der Mercedes-Benz L 312 hat einen modularen Leiterrahmen für die Radstände 3600, 4200 und 4830 mm sowie vorn und hinten Starrachsen an je zwei halbelliptischen Blattfedern. Zusätzlich sind an der Vorderachse Teleskop- oder Hebelstoßdämpfer und an der Hinterachse zwei progressiv wirkende Zusatzfedern eingebaut. Die Reifen der Größe 8,25–20 sind auf geteilte Schrägschulterfelgen der Größe 6.5-20 aufgezogen. An der Hinterachse ist der Wagen zwillingsbereift. An allen Rädern gibt es hydraulisch mit Druckluftunterstützung (Bremsservo) betätigte Innenbacken-Trommelbremsen. Die Fahrzeuge, die sowohl als Rechts- wie als Linkslenker lieferbar waren, haben eine Kugelumlauflenkung mit ungeteilter Spurstange von Mercedes-Benz. Bei den noch als L 4500 bezeichneten Fahrzeugen hingegen ist es eine ZF-Rosslenkung des Typs 704.

Vom Motor wird die Kraft über eine Einscheibentrockenkupplung des Typs Fichtel & Sachs H32 auf das Getriebe übertragen. Das Getriebe, eine Eigenentwicklung von Mercedes-Benz, ist ein auf Wunsch vollsynchronisiertes Fünfganggetriebe mit Kugelschaltung. Vom Getriebe wird die Antriebskraft über zwei Gelenkwellen auf das Kegelrad-Differenzial an der Hinterachse übertragen; allradgetriebene Fahrzeuge haben zusätzlich ein Verteilergetriebe und eine Gelenkwelle zur Vorderachse. Eine Differenzialsperre gab es weder für Hinterachse noch für Vorderachse.

Motor mini|hochkant|Blick in den Motorraum Der Motor ist in allen Fahrzeugen der Mercedes-Benz OM 312, ein stehender Reihen-Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotor mit zwei Ventilen, Vorkammereinspritzung und Wasserkühlung. Der Zylinderblock aus nickellegiertem Gusseisen und das geteilte Kurbelgehäuse sind aus einem Guss. Bei einer Zylinderbohrung von 90 mm und einem Kolbenhub von 120 mm hat der Motor einen Gesamthubraum von 4580 cm³. In den Zylindern laufen geschmiedete Kolben aus Leichtmetall von Mahle mit jeweils vier Kompressionsringen und zwei Ölabstreifringen. Die Kraft wird über schräggeteilte Pleuel auf eine geschmiedete und an den Lagerstellen gehärtete, siebenfach gelagerte Kurbelwelle übertragen. Pleuel und Kurbelwelle haben Bleibronze-Gleitlager mit Stahlstützschalen. Die Kurbelwelle ist mit sechs Gegengewichten und einem Schwingungsdämpfer versehen.

Im Kurbelgehäuse läuft eine vierfach in Gleitlagern gelagerte Nockenwelle, die über schrägverzahnte Stirnräder angetrieben wird. Sie betätigt über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel die senkrecht hängenden Ventile. Jeder Zylinder hat ein Ein- und ein Auslassventil. Der alle Zylinder abdeckende Zylinderkopf aus Gusseisen ist abnehmbar und hat eine Asbestdichtung.

Die Druckumlaufschmierung arbeitet mit Zahnradölpumpe und einem Ölfilter im Hauptstrom. Das Öl wird von einem Ölkühler mit Temperaturregler gekühlt. Die Kraftstoffpumpe an der Einspritzpumpe fördert den Kraftstoff aus dem Tank durch einen Filzrohrfilter zur Einspritzpumpe des Typs Bosch PES 6 A70 B 410 RS 64/7, die ihn über Einspritzdüsen des Typs Bosch DNO SD 211 in die Vorkammern einspritzt. Die Einspritzpumpe hat einen Fliehkraftregler. Die Luft wird vor dem Kühler angesaugt und mit einem Ölbadluftfilter gereinigt, der auch das Ansauggeräusch des Motors dämpft. Gekühlt wird der Motor mit einem Röhrenkühler, dessen warme Abluft ein Ventilator fortbläst.

Der Motor leistete zunächst 90 PS (66 kW) bei 2800 min−1 und gab ein maximales Drehmoment von 27 kpm / 265 N·m bei 1600 min−1 ab. 1956 wurden Verdichtung und Drehzahl erhöht, die Steuerzeiten geändert und so die Leistung auf 100 PS (74 kW) gesteigert.

Technische Daten L 312(bis 1954: L 4500) LK 312(bis 1954: L 4500 K)LP 312LA 312 LAK 312 LS 312 LAS 312Maße, Gewichte Länge 6565 mm 7265 mm 8265 mm 6220 mm 6500 mm 7435 mm 8730 mm 6525 mm 7265 mm 6220 mm 5570 mm Breite 2280 mm 2230 mm 2300 mm 2220 mm 2300 mm Höhe 2310 mm Abhängig vom Aufbau 2420 mm 2310 mm 2420 mm Radstand 3600 mm 4200 mm 4830 mm 3600 mm 4200 mm 4830 mm 3600 mm 4200 mm 3600 mm Leergewicht 3220 (3290) kg 3335 (3405) kg 3530 (3600) kg 3600 (3670) kg 2605  kg 2675  kg 2755  kg 3550 (3620) kg 3650 (3720) kg 4000 (4000) kg 2725  kg 3115  kg Maximale Zuladung 4600  kg 4764  kg 4570  kg 4500  kg 5495  kg 5425  kg 5345  kg 4550  kg 4450  kg 4600  kg 5300  kg 4985  kg Antriebsstrang Kupplung Fichtel & Sachs H32 Getriebe Mercedes-Benz-Fünfganggetriebe Getriebeübersetzungen 1. Gang: 7,37 {8,02}2. Gang: 4,23 {4,785}3. Gang: 2,49 {2,736}4. Gang: 1,56 {1,663}5. Gang: 1,0 {1,0}R. Gang: 7,15 {8,29} Höchstgeschwindigkeit 76 km/h 75 km/h 76 km/h 75 km/hMotor Typ Reihen-Sechszylinder-Viertakt-Zweiventil-Vorkammer-Dieselmotor Motorbezeichnung Mercedes-Benz OM 312 Bohrung ×Hub 90 × 120 mm Hubraum4580 cm³ Nennleistung 90 PS / 66 kW bei 2800 min−1 (bis 1956)100 PS / 74 kW bei 3000 min−1 (ab 1956) Maximales Drehmoment 27 kpm / 265 N·m bei 1600 min−1 Verdichtungsverhältnis 19;5:1 (bis 1956)19,8:1 (ab 1956) Zündfolge 1-5-3-6-2-4 Motormasse 382 kg Glühkerze Bosch KE/GA 1/8/Beru 214 Ge (36 W) Kraftstoffverbrauch nach DIN 70030 14,9 l / 100 km 16,4 l / 100 km Abhängig vom Auflieger

Gewichte in runden ( ) Klammern: Mit synchronisiertem Schaltgetriebe Gewichte in eckigen [ ] Klammern: Mit verstärkten Reifen Werte in geschweiften { } Klammern: Synchronisiertes Getriebe

Literatur Typ L 4500 und L 4500 K (PDF) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim, Gruppe 14, Nr. 810. Frankfurt am Main, Oktober 1954. Typ L 312 und LK 312 (PDF) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim, Gruppe 14, Nr. 810. Frankfurt am Main, Mai 1960. Typ LP 312 (PDF) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim, Gruppe 14, Nr. 810b. Frankfurt am Main, Mai 1960. Typ LA 312 und LAK 312 (PDF) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim, Gruppe 14, Nr. 810b. Frankfurt am Main, November 1959. Typ LS 312 (PDF) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim, Gruppe 15, Nr. 810. Frankfurt am Main, Mai 1960. Typ LAS 312 (PDF) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim, Gruppe 15, Nr. 810a. Frankfurt am Main, Mai 1960.

Einzelnachweise Mercedes-Benz L 4500: Nutzlaststarker Renner der Mittelklasse. Pressestelle Mercedes-Benz, 25. Februar 2008

Mercedes-Benz L 0312 L 0312