Basketball ist in Jugoslawien eine besonders beliebte und auch international sehr erfolgreich ausgeübte Sportart gewesen. In der SFR Jugoslawien bis 1992 wurde der Sport vom international anerkannten Verband Košarkaški Savez Jugoslavije (KSJ) organisiert. Die Herrennationalmannschaft wurde Olympiasieger 1980, gewann vier weitere olympische Medaillen und wurde bis 1991 dreimal Weltmeister und fünfmal Europameister; die Auswahl der Damen gewann olympisches Bronze 1980 und Silber 1988 und wurde 1990 Vizeweltmeister. Jugoslawische Vereinsmannschaften gewannen zudem zahlreiche Europapokal-Wettbewerbe.

Nach der Auflösung Jugoslawiens ab 1992 wurde die Tradition in den Nachfolgestaaten weiter hochgehalten und bezogen auf Serbien und Montenegro auch weitere Weltmeisterschaftstitel errungen. Eine gemeinsame Fortführung findet sich in der supranationalen Adriatischen Basketballliga (ABA-Liga).

Geschichte Bis 1960 Nach der Gründung der SFR Jugoslawien noch während des Zweiten Weltkriegs 1943 als Nachfolgestaat des Königreichs Jugoslawien wurden bereits 1945 erste landesweite Wettbewerbe ausgespielt. In einer Meisterschaft zwischen Auswahlmannschaften der Regionen und nationalen Organisationen siegte Auswahl der Jugoslawischen Volksarmee. Als offizielles Gründungsdatum des nationalen Basketballverbandes KSJ gilt der 12. Dezember 1948. Bereits zuvor waren die Vereinsmeisterschaften die bedeutendsten nationalen Wettbewerbe geworden, wobei KK Roter Stern Belgrad ab 1946 die ersten zehn Meisterschaften gewann, bevor 1956 zunächst Proleter Zrenjanin aus der Vojvodina und anschließend 1957 der slowenische Klub AŠK Olimpija Meister bei den Herren wurde. Auch bei den Damen gewann Roter Stern mit ŽKK Roter Stern die jugoslawischen Meisterschaft und konnte hier bis 1960 alle Titelträgerinnen stellen. Anschließend bekam das Damenteam Konkurrenz von den Lokalrivalinnen des ŽKK Radnički Belgrad, die in den 1960er Jahren sechs Meisterschaften gewannen, sowie Trešnjevka Zagreb, ŽKK Vojvodina Novi Sad und Teams aus Sarajevo.

Die Vorgängerorganisation des Verbandes KSJ war bereits 1936 in den Weltverband FIBA aufgenommen worden, aber erst bei der Europameisterschaft 1947 nahm eine Herrenauswahl an einem offiziellen internationalen Wettbewerb teil. Im Entscheidungsspiel um den letzten Platz konnte die Auswahl gegen die zuvor bereits sieglosen Albaner ihren zweiten Turniersieg erringen und den letzten Platz vermeiden. An der nächsten EM 1949 in Ägypten nahm man wie die zuvor erfolgreichen Ostblock-Nationen nicht teil, trotzdem fuhr die Herrennationalmannschaft zur WM-Endrunde 1950 ins peronistische Argentinien, wo man trotz Abwesenheit der Ostblockstaaten sieglos den zehnten und letzten Platz belegte. Erst bei der EM 1953 in Moskau trat die Auswahl ein weiteres Mal in einer internationalen Endrunde an, erreichte diesmal die Finalrunde und belegte dort einen sechsten Platz. Die jugoslawische Damenauswahl war bei ihrer EM-Premiere 1954 gleich Gastgeber der Finalrunde in Belgrad und gewann das Auftaktspiel gegen die ebenfalls erstmals antretenden Damen der Bundesrepublik Deutschland deutlich. Am Ende des Turniers ist die Auswahl auf dem fünften Platz in der Finalrunde sogar einen Platz besser als die Herren ein Jahr zuvor. Bei der EM 1958 und der WM 1959 verpassten die jugoslawischen Damen auf dem vierten Platz einen ersten Medaillengewinn nur knapp, während die Herren in den 1950er Jahren nicht über einen sechsten Platz bei Endrunden hinauskamen, den sie auch bei ihrer ersten Olympiateilnahme 1960 belegten.

1960 bis 1970 Mit Radivoje Korać hatte der jugoslawische Basketball seinen ersten großen Star. Der Forward war ein begnadeter Punktesammler und wurde als mehrmaliger Topscorer der YUBA Liga auch mit knapp 24 Punkten pro Spiel Topscorer des olympischen Basketballturniers 1960 in Rom. Obwohl die Mannschaft keine Medaille errang, wurde Korać von verschiedenen Sportzeitschriften als erster Basketballspieler als Jugoslawiens Sportler des Jahres ausgezeichnet. Mit seiner Vereinsmannschaft OKK Belgrad, trainiert von Borislav Stanković, wurde Korać viermal Meister und individuell siebenmal Topscorer der jugoslawischen Liga. Auch international errangen jugoslawische Mannschaften erste Erfolge, im FIBA Europapokal der Landesmeister 1958/59 erreichte OKK das Halbfinale und im Januar 1965 erzeugte Korać internationale Aufmerksamkeit, als er im Achtelfinal-Rückspiel des FIBA Europapokal der Landesmeister 1964/65 gegen den unterlegene schwedische Meister Alvik BK individuell 99 Punkte beim 155:57-Erfolg erzielte. Nachdem Korać bereits im Hinspiel 71 Punkte beim 136:90-Erfolg erzielt hatte, kam er alleine gegen diesen Gegner auf 170 Punkte in zwei Spielen. Die Punktausbeute von individuell 99 Punkten in einem Europapokalspiel gilt noch heute als Rekord.

Mit Korać blieb die Herrenauswahl bei der EM-Endrunde 1961 als Ausrichter der Finalrunde in Belgrad bis zum letzten Finalrundenspiel unbesiegt und musste sich wie später auch im Endspiel nur dem Titelverteidiger Sowjetunion geschlagen geben, der bereits ihren sechsten Titel gewann. In den folgenden 30 Jahren belegte die jugoslawische Auswahl in zwölf von 15 Austragungen der Europameisterschaft einen der ersten drei Plätze. Bis auf zwei EM-Endrunden in den 1980er Jahren hieß zudem der Sieger immer Sowjetunion oder Jugoslawien. Bei der WM-Endrunde 1963 in Brasilien wurde Jugoslawien hinter dem Gastgeber Vizeweltmeister und konnte diesen Erfolg vier Jahre später wiederholen, als man bei der Endrunde 1967 in Uruguay hinter Europameister Sowjetunion den zweiten Platz belegte. Nachdem man bei den Olympischen Spielen 1964 einen mittlerweile enttäuschenden siebten Platz belegt hatte, gewann die Auswahl bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt ihre erste olympische Medaille nach der Finalniederlage gegen die Vereinigten Staaten. Ein Jahr später verstarb Korać nach einem Autounfall viel zu früh mit 30 Jahren, nachdem er die letzten beiden Jahre bereits im Ausland gespielt hatte.

Ein weiterer jugoslawischer Starspieler der 1960er Jahre, der zwar nicht die landesweite Popularität wie Korać genossen hatte, aber mit seiner Mannschaft mindestens genauso große Erfolge feierte, war der Slowene Ivo Daneu. Der Guard war bereits 1957 im Alter von 20 Jahren mit AŠK Olimpija aus Ljubljana jugoslawischer Meister geworden und gewann den jugoslawischen Titel mit dieser Mannschaft bis 1970 insgesamt sechsmal. Wie Korać kam Daneu mit seiner Mannschaft im FIBA Europapokal der Landesmeister über das Halbfinale nie hinaus, zuletzt 1967. Bei der WM-Endrunde 1967 erzielte Korać knapp 15 Punkte pro Spiel, während Daneu durchschnittlich 14 Punkte pro Spiel beisteuerte und schließlich als MVP des Turniers ausgezeichnet wurde, obwohl seine Mannschaft „nur“ die Silbermedaille gewonnen hatte. Anschließend erhielt Daneu als zweiter Basketballspieler eine Auszeichnung als Jugoslawiens Einzelsportler des Jahres. Knapp vier Monate nachdem Korać wie bei einem Staatsbegräbnis, live vom Fernsehen übertragen im Sommer 1969 zu Grabe getragen worden war, führte Daneu die jugoslawische Auswahl ungeschlagen ins Endspiel der EM-Endrunde 1969 und fügte dabei der Sowjetunion, wie schon bei der WM-Endrunde 1963 und den Olympischen Spielen 1968, eine Niederlage zu, der ersten für die Auswahl der UdSSR in einer EM-Endrunde seit 1955. Im Endspiel um die Goldmedaille gelang der Sowjetunion bei dem 81:72-Finalsieg noch einmal die Revanche für die Vorrundenniederlage und ein weiterer Titelgewinn.

Die folgende WM-Endrunde 1970 war die erste WM-Endrunde, die außerhalb Südamerikas stattfand, und die jugoslawische Auswahl war Gastgeber des Turniers. Nach dem damaligen Format war sie als Ausrichter bereits für die Finalrunde qualifiziert, während die anderen Nationen zunächst noch eine Vorrunde absolvieren mussten. Als wäre es ein Abschiedsgeschenk zum Ende einer großen Karriere fand das Finalrunde in Daneus slowenischer Heimat Ljubljana statt. Mit einem Sieg über die Vereinigten Staaten im vorletzten Finalrundenspiel sicherte sich die jugoslawische Auswahl vorzeitig die Weltmeisterschaft und gewann erstmals einen Titel. Daneu konnte verletzungsbedingt nur wenig Einsatzzeit beisteuern und beendete anschließend mit 33 Jahren seine aktive Karriere ein Jahr nach dem Tod von Korać. Die Stars in der jugoslawischen Auswahl waren längst andere und waren wie Petar Skansi, Nikola Plećaš und Krešimir Ćosić in Kroatien aktiv.

1970 bis 1975 Center Krešimir Ćosić war einer der bedeutendsten jugoslawischen Spieler der 1970er Jahre, tatsächlich begann aber seine Karriere bereits mit gut 16 Jahren Mitte der 1960er Jahre, als er mit KK Zadar 1965, angeführt von Nationalspieler Josip Gjergja, die erste jugoslawische Meisterschaft für einen kroatischen Verein gewann, auf den zwei weitere Titel 1967 und 1968 folgten. Nachdem bereits Korać zum Ende seiner Karriere Devisen im Ausland verdient hatte, verließ Ausnahmetalent Ćosić bereits mit 21 Jahren das Land und ging als Student an die Brigham Young University in Salt Lake City in die Vereinigten Staaten, wo er zu einem der ersten aus Europa stammenden Starspieler einer Collegemannschaft der NCAA reifte. Bei der WM 1970 in Ljubljana war Ćosić interner Topscorer der Weltmeistermannschaft mit über 17 Punkten pro Spiel, doch Sergei Below erhielt die Auszeichnung als MVP. Ein Jahr später bei der EM-Endrunde 1971 in Deutschland drehten sich die Verhältnisse um, als die jugoslawische Weltmeister-Auswahl ihre erste Niederlage im Finale erneut gegen die Sowjetunion erlitt. Statt Below wurde nun Ćosić MVP der Europameisterschaft, aber Below schrieb ein Jahr später Geschichte, als die sowjetische Auswahl den US-Amerikanern im Finalspiel der Olympischen Spiele 1972 ihre erste, höchst umstrittene Niederlage in einem olympischen Spiel zufügten. Die jugoslawische Auswahl verpasste eine Medaille nach Niederlagen gegen Puerto Rico und die Sowjetunion, worauf Weltmeister-Trainer Ranko Žeravica sein Amt an den Kroaten Mirko Novosel weitergab. Dieser feierte mit der jugoslawischen Auswahl bei der EM-Endrunde 1973 den ersten Titelgewinn in diesem Wettbewerb, als man ungeschlagen blieb und im Finalspiel Gastgeber Spanien besiegte, der den Titelverteidiger Sowjetunion im Halbfinale bezwungen hatte. Ćosić gehörte erneut dem „All-Tournament Team“ an, während Wayne Brabender vom Silbermedaillengewinner und Gastgeber als MVP ausgezeichnet wurde. Obwohl Ćosić in Utah zum mormonischen Glauben konvertiert war und im NBA-Draft 1973, wenn auch relativ spät, ausgewählt worden war, kehrte er anschließend in seine Heimat Zadar zurück.