mini|Gebiet der Eroberungen des Chlodio im 5. Jahrhundert mini|Burgplatz in Duisburg nach Grundriss der Urkarte von 1823 bis 1825 mini|Der Corputius-Plan von 1566 zeigt Duisburg mit dem Burgplatz nach exakten geografischen Messungen.
Der Burgplatz in Duisburg ist die Keimzelle der Stadt Duisburg. Er ist heute ein nur vom Duisburger Rathaus und einem Teil der Salvatorkirche begrenzter halboffener Platz.
Anlage
Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war der Platz von Wohnhäusern umgeben. Heute ist der alte Standort des Kirchhofs der Salvatorkirche (bis 1821) mit in den Bereich des Burgplatzes einbezogen. Bis zum Bau des neuen Duisburger Rathauses um 1900 war der Kirchhof durch die als „Graat“ bezeichnete Gasse vom eigentlichen Burgplatz getrennt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Bereich als Grünfläche ausgewiesen. Der Platz wird heute im Süden von der Schwanenstraße und im Osten von der Poststraße begrenzt.
Der Burgplatz umfasst etwa 5000 Quadratmeter, jeweils etwa 70 Meter in der Länge und in der Breite. Geophysikalisch ist er der nördliche Ausläufer der bergischen Niederterrasse. Zu römischer Zeit befand er sich unmittelbar am Rhein, nur wenige hundert Meter vom Zusammenfluss mit der Ruhr entfernt. Hochwassersicher etwa acht Meter oberhalb des Rheinufers gelegen, diente der Platz zur Sicherung des Rheinübergangs am Hellweg. Bereits in römischer Zeit befand sich hier ein Bauwerk zur Grenzsicherung.
Frühgeschichte
In der spätmerowingischen Chronik, der Liber Historiae Francorum wird berichtet, dass Chlodio, der König der Salfranken in einem Kastell namens Dispargum seinen Herrschersitz hatte. Von dort aus überquerte er mit seinem Heer den Rhein, tötete die römische Bevölkerung und vertrieb sie. Laut dem deutschen Historiker und Archäologen Joseph Milz kann es sich bei diesem Dispargum aufgrund dieser Quelle und anderer Quellen vom 8. bis zum 12. Jahrhundert nur um das heutige deutsche Duisburg handeln, an dessen Stelle sich das Kastell des Chlodio befand. Dieses Kastell befand sich an der Stelle des heutigen Rathauses und des heutigen Burgplatzes und lässt sich auf eine römische Anlage auf dem Burghügel am Rhein zurückführen, auf der im 9. Jahrhundert die Duisburger Königspfalz gebaut wurde. Königspfalzen galten als temporäre Residenzen des Herrschers, der diese auf seinen Reisen durch sein Reich nutzte.
Mit einer Aufzeichnung des Regino, Abt des Klosters Prüm zum Jahr 883/884, der Duisburg im Zusammenhang mit den Feldzügen der Normannen im 9. Jahrhundert nennt, gibt es die erste sicher datierte Erwähnung des volkssprachlichen Namens Duisburg:
Wahrscheinlich war der Burgplatz mit dem im 8. Jahrhundert entstandenen Königshof damals bereits ein befestigter Ort mit Wohnhäusern, worauf die Bezeichnung oppidum hinweist. Neben dem Königshof entstand im 9. Jahrhundert die dem Heiligen Salvator geweihte Pfalzkirche, die „Grote Kerk“.
Im 10. Jahrhundert erfolgte der Ausbau des Königshofes zu einer Königspfalz. Einige Ereignisse deuten auf die damalige Bedeutung Duisburgs hin: so fand 929 eine Reichssynode unter Heinrich I. statt. 944 wird von einem Landtag unter Otto I. in Duisburg berichtet. 1002 lässt Heinrich II. die Erzbischöfe von Köln, Lüttich und Cambrai in Duisburg zusammentreffen, um sich anlässlich seiner Königswahl von ihrer Loyalität zu ihm zu überzeugen. Zwischen 929 und 1129 sind insgesamt 17 Königs- und Kaiseraufenthalte in Duisburg belegt. Bereits vor dem Jahre 1000 deutet sich die Verlagerung des Rheins ab. Er wendet sich etwa 2500 m westlich vom Burgplatz ab. Allerdings musste die Schiffe nun nicht mehr im Strom ankern, sondern konnten im ruhigen Fahrwasser des Altrheinarms anlegen.
Duisburg gehörte Anfang des 12. Jahrhunderts zu den Orten, die sich gegen den Kölner Erzbischof stellten und an der Seite des Kaisers Heinrich V. standen, und als regia villa und noch nicht als Stadt bezeichnet wurde. Vogtherren der villa waren die Herzöge von Limburg. Sie verwalteten die Stadt im Auftrag des Kaisers. Zwischen den Duisburgern und dem Vogt entzündete sich Anfang des 12. Jahrhunderts ein Zwist über die Nutzungsrechte im Duisburger Wald. Schließlich bestätigte König Lothar III. in einer Urkunde von 1129, „dass der Grund des Waldes zu der königlichen villa Duisburg gehöre, und die Duisburger Bürger (cives) nach ihrem Belieben entsprechend ihrem Bedarf Steine brechen können“. In der Folgezeit kam es zu einer regen Bautätigkeit um den Burgplatz herum. 1165 ließ Kaiser Friedrich Barbarossa in Duisburg zweiwöchentlich stattfindende Tuchmessen für flandrische Kaufleute einrichten, die im 14. Jahrhundert auf Frankfurt am Main übergingen.
Zunächst bezeichnete man den Bereich der Königspfalz „super castrum“, ab Mitte des 14. Jahrhunderts „op der Borgh“, die sich als „op der Burg“ bis vor dem Zweiten Weltkrieg im Volksmunde erhalten hatte, Johannes Corputius bezeichnete den Bereich in dem nach ihm benannten Plan der mittelalterlichen Stadt als „de Borcht“.
Spätes Mittelalter
Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Schola Duisburgensis, eine der ältesten Schulen Deutschlands, am Salvatorkirchhof/Flachsmarkt errichtet, Vorläufer des heutigen Landfermann-Gymnasiums. Nach dem Ausbau der Pfalz in Kaiserswerth Mitte des 13. Jahrhunderts verlor die Duisburger Pfalz an Bedeutung. Der Deutsche Orden erwarb die Gebäude der Pfalzanlage und übernahm das Patronat der Kirche.
Im Jahre 1283 wurden die Gebäude der Pfalz und die daneben liegende Salvatorkirche Opfer eines Feuers, wodurch die gesamte Anlage fast vollständig vernichtet wurde. Der Vogt von Limburg hatte den Minoriten eine burgähnliche Anlage gestiftet, die die Klosterbrüder zu einem Kloster, Spital und einer Kirche ausbauen wollten, diese Baustelle fiel auch dem Stadtbrand zum Opfer. Auf dem Plan des Corputius ist die wiederaufgebaute Kirche der Minoriten mit ihrem blauen Dach gut zu erkennen. Nach dem Brand standen die Mauern der Pfalz noch, so dass an diese zum Burgplatz hin als auch zur nordwestlich liegenden Pfeffergasse kleinere Häuser angebaut wurden. Der frühere Innenraum der Pfalz wurde lange Zeit als Bauhof genutzt. Auf dem Corputius-Plan sind diese Mauern noch zu erkennen.
Im Jahr 1290 wurde die zu diesem Zeitpunkt reichsfreie Stadt Duisburg 1290 König Rudolf von Habsburg gegen 2000 Silbermark als Mitgift an den Grafen Dietrich von Kleve verpfändet und verlor damit ihre Reichsunabhängigkeit. Der Deutsche Orden nahm Ende des 13. Jahrhunderts den Bau eines neuen Gotteshauses vor. Die Grundsteinlegung der heutigen Kirche erfolgte vermutlich im Jahr 1316.
Nach der Jahrtausendflut 1342, auch als Magdalenenhochwasser bekannt, entwickelte sich Duisburg mehr und mehr zu einer Ackerbürgerstadt. An der Stelle der Pfalz bauten die Bürger der Stadt Mitte des 14. Jahrhunderts ein domus consulum (Bürgermeisterhaus), ein Rathaus, welches allerdings erst 1391 zum ersten Male urkundlich erwähnt wurde. Dieses Rathaus lag neben dem heutigen Rathausbogen. Seine Hauptfront war allerdings nicht zum Burgplatz, sondern zum rückwärtigen Weinmarkt hin ausgerichtet. 1467 brannte der Turm der gotischen Kirche nieder. Die Wiederherstellung des Turmes erfolgte erst im Jahre 1513.
Das alte Rathaus bestand aus zwei Gebäuden, wobei eines der Häuser die Reste der alten Pfalzanlage darstellte, welche während der Feuersbrunst im Jahre 1283 fast unversehrt blieben. Auf dem Plan des Corpurtius aus dem Jahre 1566 ist das Gebäude mit dem Buchstaben „M“ markiert. Nach Norden war der Burgplatz durch die so genannte Schupkuylenstraete und mit beidseitiger Häuserbebauung versehen begrenzt. Der Name verweist auf die Bestrafung des „Schupfen“, wonach der Delinquent in ein Wasserloch gestoßen und untergetaucht wurde. Mitte des 17. Jahrhunderts erhielt die Straße den Namen „Graat“, abgeleitet vom lateinischen Namen „gradus“ für „Stufe“. Die Straße war von der Pfeffergasse nur über Treppen zu erreichen. Nach Osten hin war der Platz durch etwa 10 Häuser begrenzt, die südlich des Platzes gelegene doppelte Häuserreihe ließ damals noch den Verlauf der Burgbefestigung erkennen.
16. Jahrhundert bis 1945
Im Jahre 1512 wurde das alte Schulgebäude der Schola Duisburgensis abgerissen und am Salvatorkirchhof ein neues Gebäude errichtet, bestehend aus zwei Stockwerken mit Klassenräumen und einer Lehrerwohnung im Giebel. 1543 beschloss der Rat der Stadt, dass nur noch im evangelischen Sinne gepredigt werden dürfe.
1555 war die Reformation in Duisburg endgültig vollzogen. Die reiche mittelalterliche Ausstattung der Salvatorkirche fiel dem reformierten Bekenntnis zum Opfer. Die Salvator-Statue wurde aus der Salvatorkirche entfernt. Nur wenige Katholiken verblieben in der Stadt, sie trafen sich in der kleinen Minoritenkirche neben der großen Stadtkirche. 1552 siedelte der Kartograph Gerhard Mercator nach Duisburg und bezog ein Haus in der Oberstraße. Von 1559 bis 1562 war er im neugegründeten Duisburger Akademischen Gymnasium, dem heutigen Landfermann-Gymnasium, als Lehrer für Mathematik und Kosmografie tätig. Sein Schüler Johannes Corputius fertigte um 1566 die nach ihm benannte ziemlich genaue Stadtansicht Duisburgs aus der Vogelschauperspektive an, wobei er die dabei notwendigen topographischen Beobachtungen vor allem vom Turm der Salvatorkirche ausführte. Mercator starb 1594 und wurde in der Salvatorkirche begraben.
Im Jahre 1610 traten 36 Vertreter der Reformierten Gemeinden im Rheinland in der Salvatorkirche zusammen. Diese Synode bildet den Grundstein für die Evangelische Kirche im Rheinland. Nach einem Blitzeinschlag brannte 1613 der Turm der Salvatorkirche erneut ab. Die Kirche erhielt 1692 eine barocke Turmhaube. 1719 wurde der Markt der Stadt Duisburg vom Alten Markt als Mittwochsmarkt auf die „Burg“ verlegt. Aus Frankreich kommend und auf dem Weg nach Münster, kehrt Johann Wolfgang von Goethe im Dezember 1792 in den Gasthof „Zur goldenen Krone“ an der Oberstraße ein. Goethe besucht die Philosophen Plessing und Blasius Merrem, beide Professoren an der 1655 gegründeten Universität in Duisburg. Die Minoritenkirche wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nach Westen hin erweitert. Das neue Langhaus erhielt statt einer Holzdecke ein Gewölbe. 1832 wird das Kirchenkloster aufgelöst, denn es finden sich keine neuen Mitglieder mehr für die Brüder der Gemeinde. Die Kirche wird vom Bistum Münster übernommen. Das Bistum setzt einen Diözesanpriester ein und die Minoritenkirche wurde so zu einer katholischen Pfarrkirche. Im Jahre 1802 ersetzte man das alte Rathaus durch ein Gebäude gleichen Ausmaßes. Durch das stetige Anwachsen der Bevölkerung wurde es erforderlich, das Rathaus durch einen Anbau in Richtung der Salvatorkirche zu erweitern. Hierdurch mussten einige Wohnhäuser weichen.
mini|hochkant|Mercatorbrunnen auf dem Duisburger Burgplatz mini|links|hochkant|Markt auf dem Burgplatz vor der Salvatorkirche, um 1850
Im Dezember 1805 übernahmen die Franzosen das Regiment im Duisburger Rathaus, nachdem Preußen auch den rechtsrheinischen Teil des Herzogtums Kleve an Napoleon abtrat. Napoleon selbst beehrte das Herzogtum und auch die Stadt Duisburg im Jahre 1811. Dabei soll er den Befehl gegeben haben, die Universität der Stadt nach Düsseldorf zu verlegen. Die Franzosenzeit endete 1813. Die Universität wurde am 18. Oktober 1818 auf Grund einer Kabinettsorder von Friedrich Wilhelm III. offiziell geschlossen. Große Teile der Duisburger Universitätsbibliothek wurden zur neugegründeten Universität Bonn verlagert, wo sie den Grundstock der neu gegründeten Bonner Bibliothek bildeten. Ebenso gelangte das Universitätszepter der Duisburger Hochschule nach Bonn, wo es sich bis heute befindet.