mini|Außenansicht der Pfarrkirche St. Peter von Osten mini|Innenraum von der Westempore mini|Blick vom Veldener Marktplatz zum Turm der Pfarrkirche St. Peter
Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter (auch St. Petrus) in Velden an der Vils, einem Markt im niederbayerischen Landkreis Landshut, ist eine spätgotische Staffelhallenkirche, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaut wurde.
Denkmalschutz Die Katholische Pfarrkirche St. Petrus mit ihrer Friedhofsmauer ist ein nach der Haager Konvention geschütztes Kulturgut. Sie steht unter Denkmalschutz und ist unter dem Aktenzeichen D-2-74-183-7 in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege erfasst. Untertägige Reste der Vorgängerbauten sind als Bodendenkmal unter der Nummer D-2-7639-0039 in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.
Lage und Umgebung Die Pfarrkirche St. Peter liegt auf einer Anhöhe über dem Tal der oberen Großen Vils. Am Fuß der Anhöhe erstreckt sich im Westen und Norden der L-förmig angelegte Veldener Marktplatz. Die Pfarrkirche ist von der ehemaligen Friedhofsmauer umgeben. Die Ziegelmauer wurde bereits vor 1800 errichtet und steht ebenfalls unter Denkmalschutz. In einem Nebengebäude auf dem ehemaligen Friedhof wurde 1992 die Jahreskrippe untergebracht. Vor diesem Gebäude wurde damals ein kleiner Platz mit einem Petersbrunnen angelegt, der von dem Veldener Steinmetz Reinhold Simon geschaffen wurde.Pfarrverband Velden: Der Pfarrverband Velden und seine Kirchen 1992 (PDF; 8 MB). Online auf rother-tobias.jimdo.com; abgerufen am 19. April 2021.
Geschichte Geschichte der Pfarrei Velden Bereits im Jahr 773 wurde eine Kirche in „Feldin“, dem heutigen Markt Velden, erstmals erwähnt. Diese war Teil einer Schenkung des Priesters Sigo an den Bischofsstuhl in Freising. Als Gründungsdatum der „Urpfarrei“ Velden wird heute das Jahr 818 angenommen. Damals weihte Bischof Hitto von Freising ein Oratorium, das der Edle Ellanmar in seinem Hof im Gau Felda am Fluss Filusa (heute Vils) erbaut hatte. Eine weitere Urkunde aus dieser Zeit belegt, dass Aspert von Velden, Kanzler des Frankenkönigs Arnulf, 889 oder 891 die Kapelle zu Velden dem Kloster Sankt Emmeram und damit dem Hochstift Regensburg schenkte. In den folgenden Jahrhunderten bis zur Säkularisation 1803 war Velden stets Spielball zwischen den Fürstbischöfen von Freising und Regensburg sowie den bayerischen Herzögen. Heute gehört die Pfarrei dem Dekanat Landshut des Erzbistums München und Freising an.Verwaltungsgemeinschaft Velden: Ortsgeschichte des Marktes Velden. Online auf www.markt-velden.de; abgerufen am 19. April 2021.
Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrei Velden datiert auf das Jahr 1205, als sie Abgaben an das Stift Au zahlen musste. Der erste namentlich genannte Pfarrer war Friedrich von Seeon, der im Jahr 1300 zugleich als Kanoniker am Regensburger Dom wirkte und daher einen Vikar nach Velden abstellen musste. In der Konradinische Matrikel von 1315, der ältesten Freisinger Bistumsbeschreibung, wird Velden als Pfarrei mit den Filialkirchen in Gebensbach, Georgenzell und Pauluszell genannt. Ab 1351 besaß das Hochstift Regensburg das Präsentationsrecht auf die Pfarrei Velden. 1484 wurde als Patron der Pfarrkirche erstmals der hl. Simon Petrus erwähnt, der zugleich Regensburger Bistumspatron ist. Wann Velden zum Hochstift Freising kam, ist nicht bekannt.
Bereits seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurde eine Teilung des großen Pfarrsprengels mehrmals diskutiert. So wurde 1710 Pfarrer Johann Ulrich Wolf im Jahr 1710 zunächst nur unter der Einschränkung eingesetzt, dass die Filialen Georgenzell und Gebensbach alsbald ausgegliedert würden. Davon wurde jedoch aus unbekannten Gründen abgesehen. Im Jahr 1842, als das inzwischen aufgelöste Dekanat Velden gegründet wurde, war Velden die flächenmäßig größte Pfarrei des Erzbistums München und Freising. Erst 1884 trat eine erste Veränderung ein: Gebensbach wurde zur Expositur erhoben. Nach dem Ersten Weltkrieg erlangte die Pfarrei Velden ihre heutige Ausdehnung:Pfarrverband Velden: Die Kirchen im Pfarrverband Velden/Vils (PDF; 2,3 MB). Online auf rother-tobias.jimdo.com; abgerufen am 19. April 2021. 1920 wurde die Kuratie St. Johann Baptist in Neufraunhofen mit der Filiale Georgenzell abgetrennt. 1921 wurde die Pfarrei Pauli Bekehrung in Pauluszell mit den Filialen Gifthal, Münster und Niklashaag gegründet. 1924 wurde die Expositur Gebensbach zur Pfarrei St. Ulrich mit der Filiale Jettenstetten erhoben. Bei der Pfarrei Velden verblieben die Filialen Erlach, Kleinvelden, Kreuz und Schlegelsreit. Alle in den 1920er Jahren ausgegliederten Gebiete gehören heute wieder zum Pfarrverband Velden, der am 1. Oktober 1972 aufgrund des Priestermangels gegründet wurde. Darüber hinaus umfasst dieser folgende Gebiete: die Pfarrei St. Andreas in Eberspoint mit den Filialen Alteberspoint, Mariaberg und Ruprechtsberg, die Kuratie Mariä Himmelfahrt in Hinterskirchen, die Kuratie St. Johann Baptist in Johanneskirchen mit der Filiale Kirchstetten, die Pfarrei St. Peter und Paul in Seifriedswörth mit der Filiale Wurmsham und die Pfarrei St. Ulrich in Vilslern mit der Filiale Vilssöhl.
Baugeschichte Die heutige spätgotische Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts – vermutlich in zwei Bauabschnitten – errichtet. Ein Schlussstein im Gewölbe verweist auf das Jahr 1489. Nach einer Barockisierung im 17. oder 18. Jahrhundert wurde die Ausstattung in der Zeit um 1850/60 unter Pfarrer Anton Weigl regotisiert. Der Hochaltar (1855), die Kanzel (1857) und die Seitenaltäre (1858) samt Figuren schuf der Münchner Bildhauer Anselm Sickinger im Stil der Neugotik. Die aus Messing gegossenen Apostelleuchter wurden 1855 von dem Landshuter Bildhauer Paul Weiß, das Gestühl 1857 von dem Landshuter Schreiner Brugger und der Kreuzwegzyklus 1870 von der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München angefertigt. 1875 wurde der Veldener Kirchenmaler Andreas Fuchs damit beauftragt, Wände und Gewölbe neu zu fassen. Außerdem sollte er die Fassung von Hochaltar, Seitenaltären, Kanzel und Orgelprospekt ausbessern. Mitten in der Planung starb Fuchs am 11. Januar 1876. Die Arbeiten wurden noch im selben Jahr unter der Leitung der Witwe Fuchs ausgeführt. Ihren Abschluss fand die Regotisierung in den Jahren 1899 bis 1902 unter Pfarrer Simon Unterauer. Dabei wurden die bemalten Glasfenster von Franz Xaver Zettler aus München eingesetzt und der Innenraum von Fuchs’ Nachfolger Anton Fränzel erneut ausgemalt. Auch wurden die heutige Empore eingezogen und der Hochaltar umgestaltet. Die Arbeiten wurden nach den Entwürfen des Münchner Architekten Joseph Elsner senior ausgeführt.Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang, S. 2.
Einige Stücke der barocken Ausstattung überdauerten die Regotisierung, wurden allerdings noch vor dem Zweiten Weltkrieg von einem Kaplan der Pfarrei heimlich veräußert. Bis auf geringe Zahlung aus dem Nachlass des Kaplans gelang es der Kirchenverwaltung nicht, den Schaden wieder gut zu machen oder die Stücke zu ersetzen. Bei einer Renovierungsmaßnahme im Jahr 1969 wurden Fränzels Malereien übertüncht. Das Netzgewölbe erhielt wieder die ursprüngliche ockergelbe, die Wände wieder die altweiße Fassung aus der Erbauungszeit der Kirche. Während die Nebenaltäre, die den Heiligen Lucia und Florian geweiht waren, entfernt wurden, ließ man – entgegen der Empfehlung des Erzbischöflichen Ordinariats in München – den Hochaltar und die Seitenaltäre von dem Taufkirchener Kirchenmaler Ludwig Keilhacker restaurieren.
Im Rahmen der bisher letzten großen Renovierungsmaßnahme in den Jahren 1987 bis 1992 wurden Reste von Fränzels Malereien wieder freigelegt und nach dem Vorbild seiner Malereien in anderen Kirchen der näheren Umgebung ergänzt. Dennoch konnte die Malereien wohl nicht im ursprünglichen Umfang wiedergestellt werden. Aus Teilen der wiederaufgefundenen Kanzel von 1857 entstand der heutige Volksaltar. Auch Ambo und Chorgestühl konnten aus Teilen der alten historistischen Ausstattung gefertigt werden. Außerdem wurden die neugotischen Glasfenster instand gesetzt. Um das Verrußen der Wände zu unterbinden, wurde außerdem eine elektrische Bankheizung eingebaut.
Architektur Außenbau Die Pfarrkirche ist eine dreischiffige, spätgotische Staffelhalle mit Ostchor und 64 Meter hohem Turm auf der Westseite. Der Chor in Mittelschiffbreite umfasst zwei ungleich lange Joche und einen Fünfachtelschluss. Das dreischiffige Langhaus besitzt vier Joche. Dabei sind die Seitenschiffe etwa halb so breit und um ein Drittel niedriger als das Mittelschiff, das dieselbe Höhe wie der Chor aufweist. Dennoch besitzt das Mittelschiff keinen Obergaden, sodass der Bau als Staffelhalle (nicht aber als Hallenkirche oder als Basilika) zu klassifizieren ist. Südlich am Chor ist die Sakristei mit drei Jochen angebaut. Dabei wurde das östliche Joch genau wie die heutige Lourdeskapelle nördlich des Chors erst im Zuge der Barockisierung angefügt.Anton Eckardt (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler von Niederbayern – Bezirksamt Vilsbiburg. Oldenbourg, München 1921, S. 243–250.
Der vollständig verputzte Außenbau wird von einem gekehlten Sockel und zweimal abgesetzten Strebepfeilern mit Stirngiebel gegliedert. Bei letzteren ist der mittlere Absatz übereck gestellt. Am Chor ist zusätzlich ein Spitzbogenfries unter dem Dachansatz zu finden. Die Kirchenfenster sind ebenfalls spitzbogig und weisen aufwändiges neugotisches Maßwerk und neugotische Glasgemälde auf. Die Chorfenster enthalten zweibahniges, die Langhausfenster dreibahniges Maßwerk.
Der charakteristische, schlanke Turm erhebt sich über quadratischem Grundriss in sechs, sich kontinuierlich verjüngenden Geschossen, die durch schwache, aus Schräge und Kehle bestehende Gesimse getrennt werden. Teilweise übereck gestellte Strebepfeiler vermitteln den Übergang zu dem achteckigen Aufsatz, der den Glockenstuhl enthält. Unter dem Helmansatz befinden sich ein Zahnschnittfries und ein gestelzter Rundbogenfries. Den oberen Abschluss des Turmes bildet ein schlanker Backsteinhelm mit Kreuzblume. Der Zugang zum Kircheninneren erfolgt durch die Vorhalle im untersten Turmgeschoss sowie durch zwei Portale auf der Nord- und Südseite, die sich jeweils im dritten Joch (von Osten) befinden und durch einen kleinen Vorbau mit Pultdach geschützt sind. Während das Westportal rundbogig ausgeführt und in einen spitzen Blendbogen eingelassen ist, sind die Seiteneingänge spitzbogig.
Innenraum mini|Gewölbefiguration im rechten Seitenschiff. Gut zu erkennen sind die Gurtrippen am linken und rechten Bildrand, die einzelne Gewölbejoche voneinander trennen. Im Chor, in den Schiffen und im alten Teil der Sakristei befindet sich ein spätgotisches Netzgewölbe in unterschiedlichen Figurationen. Das Chorgewölbe ruht auf rechteckigen, an den Kanten mit einem Rundstab zwischen Kehlen profilierten Wandpfeilern. Aus den Pfeilern vorgelegten, halbrunden Dienste mit konkavseitigen Achteckskapitellen entspringen die einfach gekehlten Gewölberippen, die am Chorscheitel auf drei tellerförmige Schlusssteine zulaufen. Die spitze Chorbogen, die den Übergang zum Langhaus vermittelt, entspricht im Profil den Wandpfeiler im Chor, hat jedoch statt der Runddienste halbe Achtecksvorlagen.