Nicht zu verwechseln mit dem indonesischen Vulkan Marapi auf Sumatra.
Der Merapi (von meru ‚Berg‘, ‚Feuer‘: ‚Feuerberg‘) ist ein Schichtvulkan auf der Insel Java in Indonesien. Er ist einer der aktivsten Vulkane des Landes und gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt.
Der Merapi ist nicht zu verwechseln mit dem Vulkan Marapi auf der Insel Sumatra und auch nicht mit dem erloschenen Merapi, einer Hälfte des Zwillingsvulkans Ijen-Merapi im Ijen-Vulkankomplex am Ostende der Insel Java. Das Wort gunung bedeutet „Berg“ und wird im Indonesischen grundsätzlich den Eigennamen von Bergen vorangestellt, weshalb alle aufgeführten Berge im Indonesischen Gunung Merapi genannt werden.
Mythologie mini|links|„Situationsplan“ des Merapi vom November 1836, aus: Franz Wilhelm Junghuhn: Topographische Reisen
mini|links|Staukuppe auf dem Merapi im Jahr 1836. Aus: Franz Wilhelm Junghuhn: Java-Album zum Werk Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart. Der Vulkan hat eine besondere Bedeutung für die Bevölkerung von Java: Er ist einer von vier Orten, an denen Beamte der königlichen Paläste von Yogyakarta und Surakarta (Solo) jährlich Opfergaben zur Besänftigung der alten Geister von Java erbringen..TVNZ Television – OneNews, „Volcano grows 10 metres in three days“, 2. Mai 2006. Im Glauben der Javaner befindet sich auf dem Merapi ein unsichtbares Königreich, dessen König die Bewohner um den Vulkan schützt.
In großer Höhe auf dem Merapi lebte bis zum Ausbruch des Vulkans im Jahr 2010 der spirituelle Wächter des Vulkans, Ki Surakso Hargo, genannt Mbah Marijan. Er diente der Vorstellung nach sowohl den Geistern und Dämonen des Merapi als auch dem Sultan von Yogyakarta, von dessen Vorgänger (Sri Sultan Hamengkubuwono IX.) er zum Wächter des Vulkans bestimmt worden war.. Nach Meinung der Einheimischen einschließlich des Sultans konnte er das Verhalten des Berges vorhersagen. Die Bewohner hörten eher auf seinen als auf den Rat der Wissenschaftler. Besonders in ländlichen Gebieten, in welchen die Mehrheit der Javaner lebt, hat sich bis heute der Glaube an Geister und Ahnenkulte gehalten, was zum Teil auch darauf zurückzuführen ist, dass manche Javaner nur oberflächlich islamisiert wurden. Mbah Marijan kam beim Ausbruch des Vulkans am 26. Oktober 2010 zusammen mit 15 anderen Anwesenden ums Leben.
Geographie mini|Der Stupa Borobudur mit dem rauchenden Merapi im Hintergrund Der Merapi befindet sich etwa in der Mitte Javas ca. 35 km nördlich der Großstadt Yogyakarta. Mit seiner hochexplosiven Tätigkeit infolge seines zähflüssigen Magmas, das sich zu Staukuppen auftürmt und bei Ausbrüchen verheerende Lahare zur Folge hat, gilt er als der gefährlichste Vulkan Javas.Axel Bojanowski: spiegel.de, Nachrichten, Wissenschaft, Natur, Vulkane, 5. November 2010, Riesige Magmamenge – Geologen warnen vor Mega-Eruption des Merapi (6. November 2010).
An den Flanken des Vulkans leben zehntausende Menschen; einige Orte liegen auf bis zu Höhe. In der Nähe liegen die historischen Tempelanlagen von Prambanan und der Stupa von Borobudur; beide zählen zum Weltkulturerbe. Borobudur wurde beim Ausbruch des Merapi im Jahr 1006 von einer Asche- und Gesteinsschicht begraben und beim Ausbruch 2010 bis Anfang November von einer 3 cm dicken säurehaltigen Ascheschicht bedeckt, welche die Bausteine angreift.Vulkanasche bedroht Welterbestätte Borobudur Spiegel Online, 9. November 2010.
Geologie mini|Karte der Vulkane in Indonesien Indonesien hat die weltweit höchste Dichte von Vulkanen und ist Teil des so genannten „Pazifischen Feuerrings“,. zu dem auch der Gunung Merapi gehört.
Da der Merapi ein Schichtvulkan ist, wechselt er zwischen Aschen-Ausbrüchen und Lava-Ausflüssen. Diese verschiedenen Ausbrüche tragen zu seinem typischen Aussehen bei: die Schichtung des Vulkans besteht abwechselnd aus Asche, Lava, Asche usw.
Der Gunung Merapi ist der jüngste und südlichste von einer Gruppe von Vulkanen im südlichen Java. Er befindet sich in einer Subduktionszone, wo die Australische Platte unter die Eurasische Platte gleitet. Schichtenkundliche Analysen offenbarten, dass die Eruptionen in der Gegend des Vulkans vor etwa 400.000 Jahren im Pleistozän begannen. Ab dieser Zeit, bis vor rund 10.000 Jahren, nahmen die Eruptionen in üblicher Weise zu. Die ausfließende Lava war in dieser Zeit basaltisch. Später wurden die Eruptionen explosiver und zähflüssige andesitische Lava bildete häufig Lavadome. Durch Zusammenbrüche dieser Lavadome wurden häufig pyroklastische Ströme und größere Explosionen hervorgerufen. Die Explosionen führten wiederum zu Eruptionssäulen, die beim Zusammensturz weitere pyroklastische Ströme erzeugten.
2006 wurde unter dem Merapi ein großes Objekt entdeckt, bei dem es sich vermutlich um eine gewaltige Magmakammer handelt.Unberechenbarer Feuerberg: Riesige Magmablase unterm Merapi Spiegel Online, 5. November 2010 (Fotostrecke). Seismische Wellen werden unterhalb Javas durch sie offensichtlich erheblich verlangsamt; sie enthält etwa dreimal so viel Magma, wie der Tambora beim größten Vulkanausbruch der letzten 10.000 Jahre ausspie.
Ökologie Der oberste Teil des Vulkans ist aufgrund der regelmäßigen Eruptionen ohne Vegetation. Erst unterhalb dieser Zone liegen ausgedehnte Kasuarinenwälder, die unter Naturschutz stehen.
Vulkanische Aktivität mini|Merapi, 1930 Derzeit gilt der Merapi als ein so genanntes offenes System – dies reduziert seine Sprengkraft, weil sich weniger Druck aufbauen kann; ein etwaiger Verschluss des Schlotes birgt jedoch große Risiken.Birger-Gottfried Lühr im Gespräch mit Monika Seynsche: dradio.de, Deutschlandfunk, 27. Oktober 2010, Forschung Aktuell, Brodelnde Erde in Indonesien (11. November 2010).
Die Bevölkerung Yogyakartas vertraut auch infolge jährlich regelmäßig erbrachter Opfergaben darauf, dass die Hauptrichtung der Ausbrüche in abgewandter Richtung von der Großstadt liegt; dies war in den letzten Jahrzehnten der Fall. Bei den Eruptionen 2010 erfolgten jedoch bereits einige auch in Richtung der Agglomeration; in ihrem Zentrum wurden Ablagerungen früherer Ausbrüche gefunden.
Typische kleinere Eruptionen finden alle zwei oder drei Jahre statt. Größere Ausbrüche kommen durchschnittlich alle zehn bis fünfzehn Jahre vor. Beträchtliche Eruptionen verursachten häufig den Tod vieler Menschen und fanden vor allem in den Jahren 1006, 1786, 1822, 1872 (der gewaltigste Ausbruch in der neueren Zeit, hier wurden zahlreiche Dörfer zerstört.) und 1930 statt; hier wurden 13 Dörfer zerstört und 1400 Menschen von pyroklastischen Strömen getötet.
Typisch für den Merapi ist dieser Ausstoß von heißen Aschewolken (so genannter Pyroklastischer Ströme oder nuée ardente), welche eine Temperatur von bis über 700 °C erreichen und unter Bildung einer Art Luftkissen als Gleitpolster in rasender Geschwindigkeit die Vulkanhänge herunterstürzen.
In der Vergangenheit gab es dabei mehrmals heftige Ausbrüche, die Gas- oder Schlammlawinen zur Folge hatten. Seit 1548 gab es 68 Eruptionen (Stand 2000).
1006 bedeckte eine sehr große Eruption den gesamten zentralen Teil von Java mit Vulkanasche. Es wird angenommen, dass auf diese Verwüstung der Zusammenbruch der hinduistischen Zivilisation des Königreichs von Mataram zurückzuführen ist. Im anschließenden Machtvakuum übernahmen die Muslime die Herrschaft über Java. Bei diesem Ausbruch wurde u. a. der nahe gelegene buddhistische Tempel Borobudur unter heißer Asche und Steinen begraben.
1992 bis 2002 mini|Satellitenbild des Merapi. Aufgenommen im August 2003 durch die NASA Einer der neueren Ausbrüche des Merapi begann im Jahr 1992 und hielt zehn Jahre an. Während dieser Zeit bildete sich ein Lavadom, der bis zu einem halben Meter pro Tag anstieg. 1994 erreichte der Lavadom den Rand des Vulkankraters. Seither führten Felsstürze vom Lavadom zu regelmäßigen pyroklastischen Strömen. Gegen Ende des Jahres 1994 brach nahezu der gesamte Lavadom ein und erzeugte einen sehr großen pyroklastischen Strom, der vom Gipfel aus etliche Kilometer weit abging und 43 Menschen tötete. Insgesamt wurden 1994 infolge der vulkanischen Aktivität 66 Menschen getötet.
Nach einer großen Eruption im November 1994 bildete sich ein neuer Lavadom im Krater des Vulkans. In den darauffolgenden Jahren folgten viele kleine Ausbrüche, die täglich zahlreiche Lavalawinen und pyroklastische Ströme hervorriefen. Die Eruptionen endeten Ende 2002.
2006 Seit dem Sommer 2005 ist wieder eine verstärkte seismische Aktivität des Merapi zu beobachten. Diese seismischen Aktivitäten traten in immer regelmäßigeren Intervallen auf und der Vulkankegel schwoll an. Im April 2006 wurden die benachbarten Orte am Vulkan erstmals wieder in höchsten Alarmzustand versetzt, damit sie jederzeit evakuiert werden können. Am 19. April 2006 erreichte der Rauch aus dem Krater eine Höhe von 400 Metern. Noch am Tag zuvor erreichte der Rauch lediglich eine Höhe von 75 Metern.
Nach neun Beben und auffälligen Magmabewegungen wurden am 23. April 2006 zirka 600 ältere Menschen und Kinder an den Hängen des Vulkans evakuiert. Anfang Mai 2006 stieß der Vulkan verstärkt Asche- und Rauchwolken sowie Lava aus. Bereits zu diesem Zeitpunkt verließen mehr als 5000 Menschen ihre Häuser. Im südlichen Bereich des Gipfels bildete sich innerhalb von wenigen Tagen ein neuer zehn Meter hoher Lavadom. Er hatte ein geschätztes Volumen von zirka 2,4 Mio. m³ und war mit der Situation im Jahr 1992 vergleichbar. Entgegen den Erwartungen beruhigte sich der Gunung Merapi um den 16. Mai 2006 zunächst wieder.BBC News, „Java volcano activity quietens“, 16. Mai 2006. Zwar floss nach wie vor Lava aus dem Vulkan, jedoch ließen die Asche-, Gas- und Steinausstöße nach. Trotzdem herrschte beim Gunung Merapi weiterhin der höchste Alarmzustand.
mini|hochkant=1.1|Pyroklastischer Strom am Merapi, Juni 2006 Am 27. Mai 2006 kam es in der Region von Yogyakarta zu einem Erdbeben der Stärke 6,3, bei dem Tausende Menschen starben und starke Zerstörungen verursacht wurden. Zwar war mit dem Erdbeben kein größerer Ausbruch des Gunung Merapi verbunden, der Vulkan stieß jedoch in der Folge eine drei Kilometer hohe Aschewolke aus und wurde von Wissenschaftlern als noch gefährlicher eingestuft. Es wird vermutet, dass durch das Erdbeben ein Gesteinsbrocken, der den Glutschlot des Vulkans verschließt, gelockert worden sei und sich die Druckverhältnisse des Vulkans verändert haben könnten. Am 6. Juni 2006 lösten sich Teile des Gunung Merapi in flüssiges Gestein auf, wodurch nun die West- und Südwesthänge des Vulkans von Lava und heißen Gaswolken bedroht werden. Zudem spie der Vulkan in den Folgetagen große Mengen an heißen Gas- und Aschewolken aus, die in bis zu fünf Kilometer Entfernung an den Berghängen niedergingen und dort die Vegetation stark beeinträchtigten. Mittlerweile waren Zehntausende Menschen aus dem Gebiet um den Vulkan geflohen.
2010 mini|Pyroklastischer Strom am 30. Oktober 2010 aus dem Weltall gesehen; earthobservatory.nasa.gov, NASA Terra Satellit Im September des Jahres wurde durch das Center of Volcanology and Geological Hazard Mitigation (CVGHM) eine signifikante Erhöhung der seismischen Aktivitäten des Vulkans festgestellt. Am 13. September 2010 wurden weiße Rauchschwaden 800 m über dem Vulkan gesichtet. Zudem erhöhte sich zum 16. September 2010 das Aufblähen der Oberfläche von bis dahin 0,1 bis 0,3 mm auf eine Rate von 11 mm pro Tag. Über den 19. September wurden unzählige Erdbeben gemessen, so dass am nächsten Tag die CVGHM die Alarmstufe auf 2 (auf einer Skala von 1 (niedrigste) bis 4 (höchste)) erhöhte.