mini|Barratt im Alter von 16 Jahren Thomas Ball Barratt (* 22. Juli 1862 in Albaston, Cornwall, England; † 29. Januar 1940 in Oslo) war ein norwegischer christlicher Prediger, Pastor und Gemeindeleiter. Er brachte 1906 die Pfingstbewegung (norwegisch: pinsevekkelsen) nach Norwegen und Europa und gilt als eine „Pioniergestalt des europäischen Pentekostalismus“. In einer methodistischen Familie aufgewachsen, war auch er zunächst methodistischer Pastor, und nach einem Bruch mit dieser Kirche etablierte er die Pfingstbewegung in Norwegen.Darrin J. Rodgers: This Week in AG History — Oct. 20, 1957 (17. Oktober 2024, englisch, abgerufen am 14. Mai 2025)

Entstehung der Pfingstbewegung Die Pfingstbewegung entwickelte sich in den letzten Jahren des 19. und den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts aus den etablierten Konfessionen des Baptismus, Methodismus und der Presbyterianer. Entscheidend war die Ausrichtung auf Jesus Christus, und die biblische Lehre vom Heiligen Geist. Das persönliche Leben als Christ wurde durch Betonung von Evangelisation und Gebet geprägt sowie den Einsatz der so genannten „Geistesgaben“.

Die Taufe mit dem Heiligen Geist bewirkte eine radikale Umkehr und Erneuerung. Zunächst wurde am 1. Januar 1901 Agnes Ozman vom Heiligen Geist erfasst und wenige Tage später ihr Pastor und Lehrer Charles Fox Parham. In der Folge prägte er als Bibelschullehrer 1905 William J. Seymour in Houston, der 1906 in Los Angeles ein Hauptvertreter des Azusa Street Revival wurde. Mit großer Geschwindigkeit verbreitete sich die Bewegung von da aus über Nordamerika.Alexander Seibel: Die Anfänge der Pfingstbewegung, Website alexanderseibel.de (kritisch, abgerufen am 8. Oktober 2022)

Leben mini|Alexander Barratt Thomas Ball Barratt wurde am 22. Juli 1862 in Albaston, England geboren. Sein Vater, Alexander Barratt, war Bergmann und ging 1867 nach Varaldsøy in Hardanger, um dort Schwefel abzubauen. 1868 holte er die Familie nach.

Die Eltern waren in der methodistischen Bewegung verankert. Zur Ausbildung schickten sie ihren Sohn zurück nach England zunächst an eine Methodistenschule und anschließend an das Wesleyan Collegiate Institute in Taunton in Somerset, das heute als Queen’s College weiterbesteht. Dort erhielt er auch seine theologische Ausbildung. Zugleich begann er auch, sich mit Kunst und Musik zu beschäftigen. Später, in Norwegen, wurde der Komponist Edvard Grieg sein Musiklehrer.

In Norwegen begegnete er Ole Olsen, einem der bedeutendsten methodistischen Prediger.

Barratt heiratete am 10. Mai 1887 Laura Jakobsen. Sie bekamen acht Kinder, von denen allerdings nur vier das Erwachsenenalter erreichten. Mary Barratt Due wurde Pianistin. Zusammen mit ihrem Mann Henrik Adam Due gründete sie 1927 das Barratt-Due-Musikinstitut. Die Musiker Cecilie Barratt Due und Stephan Barratt-Due sind Barratts Urenkel.

Barratt starb am 29. Januar 1940 im Alter von über 77 Jahren. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Det var mer land å innta“ – „Es gab noch mehr Land einzunehmen“. Er wurde auf dem Vår Frelsers gravlund in Oslo bestattet. (1. Juli 2014, englisch, abgerufen am 15. April 2026)

Wirken Methodist 1885 begab sich Barratt nach Kristiania (Oslo), wo er Prediger der 2. Metodistkirke wurde. 1886 zog er nach Voss in Vestlandet, wo er Laura Jakobsen in der De Frie Evangeliske Forsamlinger (De frie venner) in Bergen kennenlernte. Mit 27 Jahren kam er zurück nach Kristiania als Pastor der Centralkirken. Dort diente er bis 1902. Er war sehr engagiert und bekam immer mehr Aufgaben. So verlegte er zum Beispiel die Zeitschrift Byposten, die er am 27. Februar 1904 mitbegründete. Die Zeitschrift brachte erbauliche Artikel über die christliche Arbeit weltweit. Barratt begann 1902 auch bei der Kristiania Bymisjon (Kristiania Stadtmission, Sozialarbeit in Oslo) zu arbeiten. Er wollte Alkoholikern und anderen belasteten Menschen helfenå hjelpe alkoholikere og andre belastede mennesker. Die Methodistische Zentralkonferenz hatte dazu, allerdings ohne große Begeisterung, ihr Einverständnis gegeben. 1905, drei Jahre danach, war die Zahl der Bekehrten so gewachsen, dass die Räumlichkeiten zu eng wurden. Barratt plante einen großen Neubau, die Håkonsborg. Um Geld zu sammeln begab er sich 1906 in die USA nach New York.

Barratt in den USA Barratt mietete sich ein Zimmer im Gästehaus des presbyterianischen Pastors A. B. Simpson in Manhattan. Dieses Gästehaus war für Missionare reserviert, die auf die Ausreise in andere Kontinente warteten. Heute befindet sich dort die Missionsorganisation Christian and Missionary Alliance. Barratt musste jedoch erkennen, dass sein Unternehmen ein Fehlschlag war. Er konnte in Amerika keine Unterstützung und keinerlei Spenden für seinen Bau gewinnen. Er musste sich darauf beschränken, Berichte über die Gemeinden in Amerika an die Byposten zu schreiben.

In New York hörte Barratt von der neuen Bewegung des Azusa Street Revival in Los Angeles. Er selbst hatte sich nach „Reinigung des Herzens“ (hjertets renselse) und „Taufe im Heiligen Geist“ (dåpen i Den Hellige Ånd) gesehnt und im September 1906 erhielt er die Zeitschrift The Apostolic Faith, die genau das beschrieb.

Zungenrede und Geisttaufe Barratt hatte nicht die finanziellen Mittel, um nach Los Angeles zur Azusa Street zu reisen, daher sandte er Briefe von New York, um Kontakt aufzunehmen. Das Antwortschreiben stellte sein Leben in Frage und forderte, dass er sein Leben vollkommen Gott übergeben solle. Im Glad Tidnings Tabernacle betete er und am 7. Oktober 1906 hatte er sein Erlebnis (kom han gjennom) der Geisttaufe, ohne jedoch in Zungen reden zu können. Dieses Erlebnis prägte ihn für den Rest seines Lebens. In seiner Autobiographie Erindringer (Erinnerungen) erzählt er von der folgenden Taufe im Heiligen Geist und dem Zungenreden am 15. November 1906:

Er erzählt, dass er bis vier Uhr morgens fortfuhr in fremden Sprachen zu reden. Er sang im Geist und seine Stimme war verändert, klar, stark und rein. Baratt selbst erlebte den „Geist“, so wie die ersten Christen in Jerusalem ihn nach Christi Himmelfahrt erlebt hatten.

Im Byposten schrieb Barratt über das, was in den USA geschehen war. Seine Artikel von New York trugen die Titel: Pinsefest paany. Los Angeles er ny besøgt af en vækkelse der minder om den beskrevet i ApGj 2. (Ein Erneutes Pfingstfest). Los Angeles wurde besucht von einer Erweckung derByposten, 6. Oktober 1906. und Glimt fra vesten. Da jeg fik min pintsedaab. (Feuer aus dem Westen. Wie ich meine Geisttaufe erhielt.)Byposten, 3. November 1906.

Nach seiner eigenen Aussage war er in New York der erste, der eine Geisttaufe erlebt hat, wie sie aus Los Angeles bekannt war.

Rückkehr nach Norwegen Als er im Dezember 1906 nach Norwegen zurückkehrte, sorgte die „Geisttaufe“ für Aufruhr. Die Geschichte von Barratts Geisttaufe war durch die Artikel im Byposten bekannt geworden, und er begann in Kristiania (Oslo) Erweckungsversammlungen abzuhalten, in denen Zungenreden vermittelt wurde. Er mietete Turnhallen in Kristiania, im Viertel St. Olavsgate, in der Straße, in der sich heute noch die Gemeinde Filadelfia Oslo befindet. Am 23. Dezember betrat Barratt das Podium um davon zu erzählen, wie er die Geisttaufe erlebt hatte, brach jedoch in Tränen aus. Letztendlich verließ er die Versammlung, ohne gepredigt zu haben, aber viele spürten an diesem Tag die Kraft des Heiligen Geistes. Am Weihnachtstag war ein weiteres Treffen angesetzt. Der Saal war zum Bersten gefüllt und die Menschen erlebten das Wirken des Heiligen Geistes. Weitere Treffen folgten unter anderem eine Weihnachtsfeier in der Kristiania Bymisjon, in der Methodistenkirche. Die Veranstaltungen dauerten zum Teil die ganze Nacht.Ånden falt rundt juletreet Anfang 1907 gab es in Kristiania 10 Personen, die „Geisttaufe“ erlebt hatten. Das markierte den Beginn der Pfingstbewegung in Norwegen.

Bruch mit den Methodisten Barratt war bis 1907 Pastor der methodistischen Kirche, nahm aber nach seiner Rückkehr aus den USA und seiner „Pfingsterfahrung“ (pinseopplevelse) seinen Dienst nicht wieder auf, sondern trat aus dem Vorstand der Kristiania bymisjonaus und begann seine eigenen Treffen zu Veranstalten. Bald darauf trat er mit seiner Frau auch aus der Methodistischen Kirche aus. Zu dieser Zeit war der wichtigste Trennungsgrund die Geisttaufe und das Zungenredenåndsdåpen med tunger som tegn, (tungetale), später spielte die Frage nach der Erwachsenentaufedåpssynet: troendedåp/voksendåp zusätzlich eine Rolle.

Die Pfingstbewegung nimmt Gestalt an Die Turnhallen waren viel gefragt und es wurde notwendig, andere Räumlichkeiten zu finden. Die meisten Gemeinden boten Barratt für einige Zeit ihre Räumlichkeiten an und so hielt er Veranstaltungen im baptistischen Tabernakel, dem Misjonsforbundets Betlehem und verschiedenen Methodistenkirchen. In der Torvgaten 7. hielten die De Frie Venner (Die Freie Evangelische Versammlung) ihre Treffen ab unter dem Pastor Erik A. Nordquelle. Nordquelle überließ Barratt seine Kanzel. Das war der Beginn einer engen Zusammenarbeit zwischen Nordquelle und Barratt.

Viele Christen waren aber auch skeptisch gegenüber Barratt und der „åndsdåp“. Die „Geistgetauften“ wurden als religiöse Fanatiker angesehen, Zeitungen veröffentlichten Karikaturen. Trotz dieser schlechten Berichterstattung und den Gerüchten waren die Treffen immer gut besucht. Die Erweckung breitete sich schnell in Norwegen aus und verschiedene Gemeinden schlossen sich an. Barratt hatte nicht geplant, eine neue Konfession zu gründen, aber auf diese Weise entstand die Pfingstkirche.

Die Zusammenarbeit von Barratt und Nordquelle (De frie venner) lief reibungslos bis 1910, als Barratt in der Møllergata 38 ein Lokal anmietete. Daraus entstand ein Konflikt, denn die De Frie Venner glaubten, dass Barratt eine Konkurrenzveranstaltung beginnen wollte. Es kam zum Bruch. Nordquelle wurde Leiter der De Frie Evangeliske Forsamlinger, aus Barratts Versammlung in der Møllergata entwickelte sich die Pinsebevegelsen i Norge. 1916 wurde die Versammlung in der Møllegata 38 als Gemeinde (pinsemenighet) eingetragen. Diese Gemeinde nennt sich heute Filadelfia Oslo und befindet sich in St. Olavs Gate.

Die Taufe Barratt verweigerte zunächst eine zusätzliche Wassertaufe (vanndåpen). Er vertrat die Ansicht, dass es nicht notwendig sei, eine „Gläubigentaufe“ (troende dåp) vorzunehmen, um Mitglied der Pfingstgemeinde zu werden. Nach intensivem Studium der Bibel änderte er jedoch seine Meinung. Am 15. September 1913 ließ er sich mit seiner Frau vom Pastor Lewi Pethrus in der Filadelfiamenigheten in Stockholm taufen.

Barratt als Leiter Man sagt, dass Barratt einen schwankenden Schritt gehabt habe und ein mildes, warmes Wesen und guten Humor. Er war ein vertrauensvoller und erfahrener Führer und sah sich selbst als Leiter. Alle Widrigkeiten, Kritik und öffentlicher Spott in den frühen Jahren hatten nicht dafür gesorgt, dass er arrogant wurde. Karsten Ekornes wirkte in der Gemeinde Filadelfia Oslo die letzten zwölf Jahre, in denen Barratt lebte. Ekorns beschreibt Barratt als demokratischen Führer. Alle durften ihre Standpunkte vorbringen und die Debatten waren sehr lebendig. Auf diese Weise wurden alle Fragen der Kirchenleitung solide behandelt.Ekorness, K. 2006.

Barratt war ein herausragender Leiter der Pfingstbewegung in Europa. Er war forstander (Pastor) in Filadelfia Oslo bis zu seinem Tod.

Anliegen Barratts Hauptanliegen waren Errettung, diakonische Arbeit und der Kampf gegen den Alkohol („kampen mot alkoholen“). Er war ein tüchtiger Führer und wurde als Vorreiter der europäischen Pfingstbewegung angesehen. Sein Motto war: „Fram til urkristendommen“ – „Vorwärts zum Urchristentum“. Er interessierte sich für Kunst, Gesang und Musik und übersetzte zahlreiche Lieder ins Norwegische. Barratt war ein gefragter Prediger und veröffentlichte mehrere Bücher und zahlreiche theologische Artikel in christlichen Zeitschriften.

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