BirdLife Schweiz (vormals: Schweizer Vogelschutz SVS) ist eine Schweizer Naturschutzorganisation, die sich für den Schutz der ökologischen Infrastruktur und im Besonderen für die Vögel und ihre Lebensräume einsetzt. Die 430 lokalen Sektionen, die 17 Kantonalverbände und die beiden angeschlossenen nationalen Organisationen gehörten zu den Pionieren des Naturschutzes. In den Gemeinden und Kantonen und auf nationaler Ebene lancierten sie viele konkrete Schutzprojekte. Der Fachverband besteht seit 1922, ist der schweizerische Partner von BirdLife International und wirkt auch an internationalen Naturschutzprogrammen mit.

In der Schweiz ist der Anteil der Vogelarten, die auf der Roten Liste stehen, etwa drei Mal so hoch wie im weltweiten Vergleich.Neuer Bericht von BirdLife zeigt: Nun nehmen auch einst häufige Vogelarten ab. In: birdlife.ch, 23. April 2018. Abgerufen am 2. Mai 2018. Weil die Avifauna, die eine grosse Bedeutung für die Biodiversität hat, stark bedroht ist, besteht ein grosser Handlungsbedarf für den Vogelschutz. BirdLife Schweiz setzt sich auch in der Politik für die Biodiversität ein.

Struktur Die Dachorganisation BirdLife Schweiz besteht aus 430 Naturschutzvereinen in Gemeinden aller Landesteile, 17 Kantonalverbänden, der 1909 gegründeten Landesorganisation Ala–Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und VogelschutzAla – Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz. und der Landesorganisation «Ficedula» (Associazione per lo studio e la conservazione degli uccelli della Svizzera italiana), die für den Vogelschutz in der italienischsprachigen Schweiz eintritt; seinen Namen wählte der Südschweizer Verein nach der lateinischen Bezeichnung ficedula albicollis des Halsbandschnäppers.Website der Südschweizer Vogelschutzorganisation «Ficedula». Die zentrale Geschäftsstelle von BirdLife Schweiz befindet sich in Zürich, weitere Standorte des nationalen Vereins gibt es in Cudrefin im Kanton Waadt und in Magadino im Kanton Tessin. BirdLife Schweiz umfasst rund 70'000 Mitglieder (Stand 2024), die sich für den Natur- und Vogelschutz einsetzen.SVS/BirdLife Schweiz: BirdLife in Zahlen. Abgerufen am 16. Juli 2024.

Die regionalen und lokalen Organe von BirdLife Schweiz betreuen 1209 Schutzgebiete in der Schweiz (Stand 2024) und erstellen Naturschutzinventare in vielen Gemeinden.SVS/BirdLife Schweiz: BirdLife in Zahlen. Abgerufen am 16. Juli 2024.

Geschichte mini|Neeracherried Der 1922 in London gegründete International Council for Bird Preservation, aus dem Bird Life International hervorging, nahm sogleich mit dem Schweizer Fachverband ALA Kontakt auf, der noch im gleichen Jahr das Schweizerische Landeskomitee für Vogelschutz (SLKV) ins Leben rief. Zu dessen erstem Präsidenten wurde der Berner Eisenbahnbeamte und Ornithologe Albert Hess (1876–1928) gewählt, der 1909 zu den Gründern der Schweizerischen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz gehört hatte und auch Vorstandsmitglied des Schweizerischen Naturschutzbundes war.Albert Hess 1876–1928. In: Der Ornithologische Beobachter, 25. Jg., 1928, S. 145–48. 1928 übernahm der Freiburger Arzt und Ornithologe Léon Pittet (1866–1940)Fonds Léon Pittet. Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg. den Vorsitz des Landeskomitees, das sich für die Erhaltung von Feuchtgebieten und die Förderung bestimmter Vogelarten einsetzte. Die in der Folge gegründeten lokalen Vogelschutzvereine und einzelne Personen betreuten viele damals schon als schützenswert erachtete Brutgebiete. So engagierte sich zum Beispiel die Primarlehrerin Julie Schinz (1891–1980) mehr als fünfzig Jahre lang für die Pflege der ornithologisch wertvollen Sumpflandschaft Neeracherried nördlich von Zürich; für ihre Tätigkeit erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich. 1931 konnte die Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz die für ihre Vogelpopulation bekannte Weissenau am Thunersee als Vogelschutzgebiet sichern. Die Vereine leisteten mit der Inventarisierung der Vogelarten in den Biotopen einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Biodiversität.

Weil die Vogelwelt mit Wasservögeln, farbenprächtigen Singvögeln, dem attraktiven Vogelflug und dem Vogelgesang zu den auffälligsten Erscheinungen der Tierwelt gehören, fand der Vogelschutz in breiten Kreisen der Bevölkerung Anklang. An der Landesausstellung 1939 in Zürich war das SLKV mit einem besonderen Vogelschutz-Pavillon vertreten. Seit den 1970er Jahren organisiert der Verband im Sinne der Natur- und Umweltpädagogik zahlreiche Aktionen der Jugendarbeit, um den Vogel- und Naturschutz in der Bevölkerung noch besser bekannt zu machen. BirdLife Schweiz führt in der Deutschschweiz mehr als 60 Jugendgruppen,Jugendgruppen. auf birdlife.ch. die im Bereich Jugendnaturschutz aktiv sind.

Ab den 1950er Jahren gelang es dem Vogelschutz in der Schweiz zusammen mit anderen Naturschutzorganisationen und den kantonalen Vereinen für Naturwissenschaften, nach und nach gegen die Zerstörung von Lebensräumen wirkungsvoller vorzugehen. Waren es früher oft die Vogelschutzvereine, die ausgewählte Biotope und Habitate sicherten, legten zunehmend auch die Kantone Schutzgebiete fest, in denen die Jagd auf Wildvögel eingeschränkt oder der Zutritt für Menschen verboten ist. 1958 wies der Kanton Waadt die Uferzone Les Grangettes am Genfersee, in welcher der Vogelschutzverein Nos Oiseaux schon 1915 ein kleines Reservat eingerichtet hatte, als Naturschutzgebiet aus. mini| Wasser- und Zugvogelreservat Klingnauer Stausee Der Verband Schweizerischer Vogelschutzvereine gründete 1974 die Schweizerische Stiftung für Vogelschutzgebiete (SSVG), die zu BirdLife Schweiz gehört und bedeutende Vogelbrutgebiete unterstützt, besonders das Naturreservat Sägel/Lauerzersee im Kanton Schwyz, das unter anderem im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung verzeichnet ist.Objektblatt «Sägel/Lauerzersee» im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung. Mit der Ratifizierung der Ramsar-Konvention durch den Bundesrat 1974, dem Eidgenössischen Jagdgesetz von 1986 und der Verordnung des Bundesrates zum Schutz der Zugvögel und der ganzjährig in der Schweiz lebenden Wasservögel von 1991 wurde der Schutz von national und international bedeutenden Wasservogelgebieten gesetzlich verankert.Karte der Wasservogelgebiete von nationaler und internationaler Bedeutung in der Schweiz.

Seit 1989 gibt BirdLife Schweiz die Fachzeitschrift Ornis heraus.Website der Zeitschrift Ornis.

Um 1990 entstand aus dem Schweizerischen Landeskomitee für Vogelschutz und andern Organisationen der Verein «Schweizer Vogelschutz», der später den Namen BirdLife Schweiz annahm. Die Gesellschaft führt verschiedene Artenförderungsprojekte durch und unterstützt Naturschutzvorhaben in anderen Ländern.

Zusammen mit WWF Schweiz stellte BirdLife Schweiz um 2002 als Beitrag zum Smaragd-Netzwerk eine Liste wertvoller natürlicher Lebensräume zusammen, die gemäss dem Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) als Schutzgebiete ausgewiesen werden sollten. Die meisten Areale sind als Vogelschutzgebiete bedeutend. 2009 meldete die Schweiz 37 dieser Gebiete dem Europarat, und 2012 anerkannte der Ständige Ausschuss der Berner Konvention diese Flächen offiziell als Smaragd-Gebiete.Karte der Schweizer Amaraqgd-Gebiete. Swisstopo.

Nach der Jahrtausendwende begann BirdLife Schweiz mit gross angelegten öffentlichen Kampagnen, um die ökologische Infrastruktur zu sichern. Seit 2001 bezeichnet der Verein jährlich eine Vogelart als «Vogel des Jahres». Die kantonalen BirdLife-Vereine führen eigene, regionale Projekte durch; so realisierte BirdLife Zürich in den 2010er Jahren das Programm «100xZüriNatur» mit zahlreichen Renaturierungsarbeiten;Biotopschutzkommission auf birdlife-zuerich.ch. Abgerufen am 17. Juli 2024. BirdLife Aargau unterstützt seit 2015 als Miteigentümer am Naturschutzgebiet «Eriwis» die Pflege dieses für Amphibien und Insekten wichtigen Biotops;Datenblatt zum Gebiet «Eriwis» im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung (PDF; 223 kB). BirdLife St. Gallen war um 2020 an der Studie Grünes Gallustal zur Aufwertung der Natur in der Agglomeration St. Gallen beteiligt. Zu ihrem 100-jährigen Bestehen realisierte die nationale Vogelschutzorganisation das Programm «BirdLife-Naturjuwelen» mit 150 ökologischen Projekten in vielen Kantonen und Wanderausstellungen.BirdLife-Naturjuwelen. Abgerufen am 15. Juli 2024.

Präsidenten von SVS/BirdLife Schweiz Seit der Gründung des SVS führten 14 Personen die Tätigkeit des nationalen Verbandes, von 2015 bis 2023 war erstmals eine Frau im Amt der Präsidentin von BirdLife Schweiz.Die BirdLife-Story auf birdlife.ch. 1922–1928: Albert Hess (1876–1928), Eisenbahnbeamter und OrnithologeAlbert Hess 1876–1928. In: Der Ornithologische Beobachter, 25. Jg., 1928, S. 145–48. 1928–1934: Léon Pittet (1866–1940), Arzt und Ornithologe, von Givisiez, Kanton FreiburgFonds Léon Pittet. Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg. 1937–1948: Walter Knöpfli 1949–1952: Walter Bieri (1893–1981), Agraringenieur ETHZ, von Kirchlindach, Lehrer an der Landwirtschaftsschule in Langenthal, Kanton BernBieri, Walter Christian (1893-1981)--DB341. Archiv für Agrargeschichte.Bieri, Walter, auf literapedia-bern.ch. Abgerufen am 16. Juli 2024.Karl Stettler: Walter Bieri 1893–1981. In: Jahrbuch des Oberaargaus, 25. Bd., 1981, S. 11–16. 1953–1956: Alfred Schifferli (1912–2007), Biologe, von Sempach, Kanton Luzern, Leiter der Schweizerischen Vogelwarte 1957–1962: Hans Arn (1907–1972), Architekt, von SolothurnArn, Hans (1907-1972)--DB11886. Archiv für Agrargeschichte. 1963–1969: Urs Glutz von Blotzheim (* 1932), Zoologe, von Solothurn, Professor für Ornithologische Ökologie an der Universität Bern 1970–1975: Wendelin Fuchs, von Ibach, Kanton Schwyz 1976: Christoph Imboden (* 1946), Zoologe, Generaldirektor des International Council for Bird Preservation, Geschäftsführer WWF Schweiz 1977–1996: Fritz Hirt (1945–2021), Leiter der Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich, Ehrenmitglied von BirdLife InternationalFritz Hirt – ein Leben für den Natur- und Vogelschutz. Auf birdlife.ch. 1921. Abgerufen am 16. Juli 2024.Werner Müller: Fritz Hirt (1945–2021). In: Der ornithologische Beobachter, 118. Bd., 2021, S. 282–283. 1997: Beat Wartmann (* 1953), Fachreferent für Biologie an der Zentralbibliothek Zürich 1998–2014: Ruedi Aeschbacher (* 1941), Rechtsanwalt, von St. Gallen, Stadtrat von Zürich, NationalratWerner Müller: Zum Rücktritt von Ruedi Aeschbacher als Präsident des SVS/BirdLife Schweiz am 30. November 2014. 2015–2023: Suzanne Oberer, vorher Präsidentin des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbandes10 Fragen nach 9 Jahren (Intzerview mit Suzanne Oberer). In: Ornis. Zeitschrift von BirdLife Schweiz, 2024. Ab 2023: Thomas Lüthi (* 1979), von Hägendorf, Kanton Solothurn

BirdLife-Naturzentren mini|BirdLife-Naturzentrum Neeracherried BirdLife Schweiz betreibt in grossen und wichtigen Vogelschutzgebieten der Schweiz eigene Naturzentren, um die Öffentlichkeit über die Belange des Vogelschutzes zu informieren. Die Hauptstationen stehen am Schutzgebiet «Neeracherried» im Kanton Zürich und bei La Sauge in der Uferlandschaft Grande Cariçaie am Neuenburgersee im Kanton Waadt. Gemeinsam mit BirdLife Aargau führt die Organisation ein Naturzentrum am Klingnauer Stausee im Kanton Aargau. Die Einrichtungen sind als Natur-Lernorte konzipiert und zeigen wechselnde Ausstellungen. Das BirdLife-Naturzentrum Neeracherried feierte im Jahr 2014 sein 15-jähriges Bestehen mit einer Sonderausstellung über den Vogelflug. Die Station La Sauge besteht seit 2001. Sie besitzt eine Eisvogel-Nistwand, wo das Brutgeschäft dieses Vogels auch dank einer Videokamera beobachtet werden kann.